Gewissenruh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Koordinaten: 51° 37′ 35″ N, 9° 32′ 8″ O

Gewissenruh
Gemeinde Oberweser
Höhe: 117 m ü. NHN
Fläche: 1,1 km²[1]
Einwohner: 120 ca.[1]
Bevölkerungsdichte: 109 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Februar 1971
Postleitzahl: 34399
Vorwahl: 05572
Blick über die Weser auf Gewissenruh

Blick über die Weser auf Gewissenruh

Blick von der Weserfähre bei Gewissenruh

Gewissenruh ist ein Ortsteil der Gemeinde Oberweser im Landkreis Kassel in Hessen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Gewissenruh befindet sich im äußersten Norden von Nordhessen zwischen den Südausläufern des in Südniedersachsen gelegenen Sollings im Norden und der Nordabdachung des hessischen Reinhardswalds im Süden. Es liegt am linken bzw. westlichen Ufer der Weser, die hier die Grenze zu Niedersachsen bildet, am gegenüber liegenden Ufer erstreckt sich das niedersächsische Bodenfelde, östlich von Gewissenruh liegt Lippoldsberg, hinter dem sich südöstlich der Höhenzug Kiffing erhebt, und westlich befindet sich Wahmbeck (Gemeindeteil von Bodenfelde).

Gieselwerder, der Hauptort und Verwaltungssitz der Gemeinde Oberweser, liegt 3,5 km südlich, Bad Karlshafen 6 km nordwestlich, die Kleinstadt Uslar rund 8 km nordöstlich, Hann. Münden 25 km und Kassel 36 km südlich.

Gewissenruh liegt rund 40 m über dem hiesigen Weserpegel. Zu den Bergen nahe der Ortschaft gehören der Kuhläger Kopf (290,5 m) im Reinhardswald und jenseits bzw. nördlich der Weser der Kahlberg (224,7 m) im Solling.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewissenruh wurde im Jahr 1722 für waldenser Glaubensflüchtlinge aus Frankreich durch Landgraf Karl von Hessen-Kassel als „Kolonie“ gegründet, ebenso wie das nahe gelegene Dorf Gottstreu. Die religiös geprägten Namen beider Orte wählte der Landgraf persönlich aus.

Die Kolonien wurden als Straßendörfer mit 12 Parzellen angelegt. Die Neusiedler lebten von Landwirtschaft und Waldarbeit. Bis 1825 wurde im Gottesdienst und im Schulunterricht Französisch gesprochen. Französische Inschriften auf Hausbalken und französische Familiennamen zeugen noch heute von der Vergangenheit der im Volksmund als Franzosendörfer bezeichneten Orte.

Seit dem 1. Februar 1971 ist die ehemals selbstständige Gemeinde ein Ortsteil der im Rahmen der kommunalen Gebietsreform neu geschaffenen Gemeinde Oberweser.[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt die Territorien bzw. Verwaltungseinheiten denen Gewissenruh unterstand im Überblick:[3][4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Land- und Forstwirtschaft spielt in Gewissenruh, ebenso wie in den anderen Orten der Region, kaum noch eine Rolle, nennenswerte Industriebetriebe sind nicht vorhanden.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt eine touristische Infrastruktur. Der Ort ist ein staatlich anerkannter Erholungsort[5]. Gewissenruh liegt am Weserradweg. Reinhardswald und Wesertal bieten gute Wander- und Reitmöglichkeiten, zum Beispiel durch die Franzosenwiesen. Unterkunftsmöglichkeiten gibt es in Gasthäusern, Wanderreitstation und Pensionen im Ort. In der Nachbarschaft gibt es Frei- und Hallenbäder, Campingplätze und Orte mit alten Fachwerkhäusern, wie z. B. Uslar oder Höxter. Sehenswert sind der Mühlenplatz und die Burgen bzw. Burgruinen Sababurg (mit Wildpark), Trendel-, Bram- und Krukenburg.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand verläuft die Bundesstraße 80. Bei Gieselwerder befindet sich eine Weserbrücke; in unmittelbarer Nähe gibt es zwei Gierseilfähren über die Weser zu den Orten Wahmbeck und Lippoldsberg. Bei Hann. Münden und Göttingen befinden sich die nächsten Autobahnausfahrten an der A 7 bzw. bei und Warburg jene der A 44.

Regionalbahnhöfe befinden sich in Hann. Münden, Hofgeismar und Bodenfelde; ICE/IC-Züge halten in Kassel, Göttingen und Warburg.

Überregional bedeutende Flughäfen befinden sich bei Hannover und Paderborn.

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Der Ort im Internetauftritt der Gemeinde Oberweser, abgerufen im August 2016.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 398.
  3. Gewissenruh, Landkreis Kassel. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 17. November 2016)
  4. Verwaltungsgeschichte Land Hessen bei M. Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990
  5. 77. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 17. November 2011. In: Staatszeiger für das Land Hessen. Nr. 7, 2012, ISSN 0724-7885, S. 221.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]