Ghostwriter

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Dieser Artikel behandelt den Beruf Ghostwriter. Für den Film siehe Der Ghostwriter.

Ein Ghostwriter (wörtlich: Geisterschreiber), auch Auftragsschreiber, ist ein Autor, der im Namen und Auftrag einer anderen Person schreibt.

Ghostwriter werden im Auftrag eines Verlages, einer vermittelnden Agentur oder eines Autors tätig, insbesondere wenn der in der Titelei ausgewiesene Autor nicht genügend Zeit oder keine ausreichenden Fähigkeiten besitzt, um „sein“ Werk selbst zu verfassen. Die Bezeichnung Ghostwriter setzt keine fest definierten Fähigkeiten voraus.

Tätigkeiten[Bearbeiten]

Ghostwriting erfolgt zum Beispiel bei Werken von Prominenten, etwa bei Lebensgeschichten, Biografien oder Romanserien, aber ebenso bei Unternehmensbüchern (Corporate Books), Reden von Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens und im akademischen Bereich.

Ghostwriting ist im akademischen Bereich früher üblich gewesen. Gelegentlich lassen sich heute noch Lehrstuhlinhaber Texte von Mitarbeitern erstellen. Dies gilt jedoch nicht als guter Stil, kann bei Bekanntwerden peinlich werden und rechtliche Folgen nach sich ziehen.

Teilweise lassen sich auch Studenten von durch Ghostwriting-Agenturen vermittelten Autoren ihre Abschluss-, Diplom- oder Bachelor-Arbeiten schreiben. Das ist nach den Prüfungsordnungen nicht zulässig.[1]

Abgrenzung[Bearbeiten]

Vom Ghostwriting zu unterscheiden ist das Plagiat, also das Abschreiben oder die unerlaubte Nutzung eines bereits anderswo verwendeten oder veröffentlichten Textes oder von Teilen davon.

Namensnennung[Bearbeiten]

In den meisten Fällen erscheint der Ghostwriter weder auf dem Bucheinband noch in der Titelei. Gelegentlich werden, vor allem, wenn ein bekannter Journalist als Ghostwriter gewonnen wurde, beide Namen angeführt. Üblich ist es jedoch, den Ghostwriter zumindest in einer Danksagung, gelegentlich auch im Impressum des Buches, namentlich zu erwähnen. Neuerdings werden Ghostwriter gelegentlich als Ko-Autoren auf der Buchvorderseite erwähnt: „X (der Prominente) mit Y (der nichtprominente Autor)“.

Rechtsfolgen wissenschaftlichen Ghostwritings[Bearbeiten]

Die Rechtsprechung zur Frage, ob Ghostwriting-Vereinbarungen im Bereich wissenschaftlicher Schriftwerke zulässig sind, ist jenseits der Erstellung von Hochschularbeiten bereits im Jahr 2009 vom Oberlandesgericht Frankfurt am Main als bisher letzte Gerichtsinstanz dem Grunde nach positiv beschieden worden: „Jedenfalls außerhalb des Hochschulbereichs können die Umstände des Einzelfalls auch bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen dazu führen, dass eine sogenannte ‚Ghostwriter-Vereinbarung‘, mit der sich der Urheber zum Verschweigen der eigenen Urheberschaft verpflichtet und dem Namensgeber gestattet, das Werk als eigenes zu veröffentlichen, nicht sittenwidrig ist.“ (Leitsatz)[2]

Ein Kunde eines wissenschaftlichen Ghostwriters für Hochschularbeiten macht sich strafbar, wenn er eine eidesstattliche Erklärung abgibt, dass eine tatsächlich vom Ghostwriter verfasste Hochschularbeit vom Kunden eigenständig und ohne fremde Hilfe verfasst worden sei. Auch der Ghostwriter macht sich der Beihilfe strafbar, falls ihm dieser Umstand bekannt wird.

In der Praxis ist es schwer nachzuweisen, ob eine wissenschaftliche Hochschularbeit nicht von demjenigen verfasst wurde, der als Autor genannt ist.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf urteilte im Februar 2011, der Begriff „akademischer Ghostwriter“ sei in diesem Bereich an und für sich schon irreführend, weil es diesen Begriff hier an sich nicht geben könne; der zweite Teil einer Ghostwriter-Vereinbarung könne nicht realisiert werden: Der Namensgeber dürfe das Werk des Ghostwriters nicht als eigenes der (Hochschul-Fach)Öffentlichkeit präsentieren. Jede Ghostwriter-Vereinbarung in diesem Bereich sei damit sittenwidrig und nichtig (und damit illegal).[3]

Im gleichen Monat Februar 2011 urteilte das Oberlandesgericht Köln hingegen, solange akademische Ghostwriter wissenschaftliche Hochschularbeiten als „Entwürfe und Bespiele … an(bieten), die ihre Kunden nicht als eigene Arbeit ausgeben dürfen“, könne sogar die Wortkombination „Diplomarbeit kaufen“ im HTML-Text einer Ghostwriter-Webseite stehen. Ein solcher Anbieter habe „… ein berechtigtes Interesse daran, Interessenten illegaler Ghostwriter-Dienstleistungen auf sein legales Angebot an Unterstützung bei der Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten hinzuweisen.[4]

Im Mai 2014 urteilte das Amtsgericht Wuppertal, dass wissenschaftliche Ghostwriter, die im Wesentlichen Hochschularbeiten im Kundenauftrag verfassten, keinerlei (wettbewerbs)rechtliche Handhabe gegeneinander hätten, da diese Angebote sittenwidrig und damit illegal seien. Der Schutz des Staates durch das Recht sei derlei Anbietern zu versagen. Im Juli 2015 wird die Berufung zu diesem Urteil beim Oberlandesgericht Düsseldorf verhandelt.

Der Deutsche Hochschulverband hat den Gesetzgeber im Sommer 2012 aufgefordert, hinsichtlich Qualifikationsarbeiten zur Erlangung eines akademischen Grades oder akademischen Titels einen neuen Straftatbestand ‚Wissenschaftsbetrug‘ zu schaffen.[5] Diese Forderung hat der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, Michael Hartmer, am 8. April 2015 öffentlich wiederholt.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Ghostwriter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Betrug im Studium. Von Geisterhand“, Der Tagesspiegel vom 15. November 2010, zuletzt abgerufen am 15. August 2014
  2. Oberlandesgerichts Frankfurt am Main: Ghostwriter-Vereinbarung (Leitsatz, 2009, Beck Online) und Volltext dieses Urteils
  3. Oberlandesgericht Düsseldorf 2011
  4. Oberlandesgericht Köln 2011
  5. „Kempen: ‚Wissenschaftsbetrug ist kriminell‘“, Pressemitteilung des Hochschulverbands vom 6. August 2012, zuletzt abgerufen am 15. August 2014
  6. Betrug – „Die Arroganz vieler Ghostwriter empört mich“. Interview von Marie Gamillscheg und Oskar Piegsa mit dem Geschäftsführer des deutschen Hochschulverbandes Michael Hartmer, in: Zeit Online Studium vom 8. April 2015