Ghostwriter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Ghostwriter (wörtlich: Geisterschreiber), auch Auftragsschreiber, ist ein Autor, der im Namen und Auftrag einer anderen Person schreibt.

Ghostwriter werden im Auftrag eines Verlages, einer vermittelnden Agentur oder eines Autors tätig, insbesondere wenn der in der Titelei ausgewiesene Autor nicht genügend Zeit oder keine ausreichenden Fähigkeiten besitzt, um „sein“ Werk selbst zu verfassen. Die Bezeichnung Ghostwriter setzt keine fest definierten Fähigkeiten voraus.

Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ghostwriting erfolgt zum Beispiel bei Werken von Prominenten, etwa bei Lebensgeschichten, Biografien oder Romanserien, aber ebenso bei Unternehmensbüchern (Corporate Books), Reden von Politikern und anderen Personen des öffentlichen Lebens.

Ghostwriting ist im akademischen Bereich früher üblich gewesen. Gelegentlich lassen sich heute noch Lehrstuhlinhaber Texte von Mitarbeitern erstellen. Dies gilt jedoch nicht als guter Stil, kann bei Bekanntwerden peinlich werden und rechtliche Folgen nach sich ziehen.

Teilweise lassen sich auch Studenten von durch Ghostwriting-Agenturen vermittelten Autoren ihre Abschluss-, Diplom- oder Bachelor-Arbeiten schreiben. Das ist nach den Prüfungsordnungen nicht zulässig.[1]

Abgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom Ghostwriting zu unterscheiden ist das Plagiat, also das Abschreiben oder die unerlaubte Nutzung eines bereits anderswo verwendeten oder veröffentlichten Textes oder seiner Teile.

Namensnennung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den meisten Fällen erscheint der Ghostwriter weder auf dem Bucheinband noch in der Titelei. Gelegentlich werden, vor allem, wenn ein bekannter Journalist als Ghostwriter gewonnen wurde, beide Namen angeführt. Üblich ist es jedoch, den Ghostwriter zumindest in einer Danksagung, gelegentlich auch im Impressum des Buches, namentlich zu erwähnen. Neuerdings werden Ghostwriter gelegentlich als Ko-Autoren auf der Buchvorderseite erwähnt: „X (der Prominente) mit Y (der nichtprominente Autor)“.

Rechtsfolgen wissenschaftlichen Ghostwritings[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer einen wissenschaftlichen Ghostwriter für Hochschularbeiten beschäftigt, macht sich strafbar, wenn er eine eidesstattliche Erklärung abgibt, dass eine tatsächlich vom Ghostwriter verfasste Hochschularbeit von ihm selbst eigenständig und ohne fremde Hilfe verfasst worden sei. Auch der Ghostwriter macht sich der Beihilfe strafbar, falls ihm dieser Umstand bekannt wird.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf urteilte im Februar 2011, der Begriff „akademischer Ghostwriter“ sei irreführend, weil es diesen Begriff hier an sich nicht geben könne. Der zweite Teil einer Ghostwriter-Vereinbarung könne nicht realisiert werden: Der Namensgeber dürfe das Werk des Ghostwriters nicht als eigenes der (Hochschul-Fach)Öffentlichkeit präsentieren. Jede Ghostwriter-Vereinbarung in diesem Bereich sei damit sittenwidrig und nichtig (und damit illegal).[2]

In einer Grauzone operieren Anbieter, die Coaching oder vergleichbare Unterstützung beim Verfassen akademischer Arbeiten anbieten.

Ebenfalls im Februar 2011 urteilte das Oberlandesgericht Köln, solange akademische Ghostwriter wissenschaftliche Hochschularbeiten als „Entwürfe und Beispiele … an(bieten), die ihre Kunden nicht als eigene Arbeit ausgeben dürfen“, könne sogar die Wortkombination „Diplomarbeit kaufen“ im HTML-Text einer Ghostwriter-Webseite stehen. Ein solcher Anbieter habe „… ein berechtigtes Interesse daran, Interessenten illegaler Ghostwriter-Dienstleistungen auf sein legales Angebot an Unterstützung bei der Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten hinzuweisen.“[3]

Der Deutsche Hochschulverband hat den Gesetzgeber im Sommer 2012 aufgefordert, hinsichtlich Qualifikationsarbeiten zur Erlangung eines akademischen Grades oder akademischen Titels einen neuen Straftatbestand ‚Wissenschaftsbetrug‘ zu schaffen.[4] Diese Forderung hat der Geschäftsführer des Hochschulverbandes, Michael Hartmer, am 8. April 2015 öffentlich wiederholt.[5]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der österreichische Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) fordert, dass gegen akademische Ghostwriteragenturen „eine Aufnahme in die Strafbestimmungen des Universitätsgesetzes 2002 (UG) (…) im Zuge einer Novellierung des UG zur Diskussion gestellt werden (wird)“.[6]

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer Universitäten Bern und St. Gallen haben im Mai 2015 gegen einen Anbieter akademischer Ghostwriterdienstleistungen Strafanzeige wegen „Mittäterschaft und Gehilfenschaft zur Urkundenfälschung und Betrug“ bei den jeweiligen kantonalen Staatsanwaltschaften gestellt hatten. Die betreffende Ghostwriteragentur bezeichnet sich selbst als international und als eine der größten Ghostwriteragenturen im deutschsprachigen Raum bzw. gar als die größte. Während die Zürcher Staatsanwaltschaft wegen fehlender „Hinweise auf einen konkreten Fall von Ghostwriting“ ihre Ermittlungen Mitte Januar 2016 einstellte, hat die Staatsanwaltschaft St. Gallen „erste Ermittlungen eingeleitet … und (nehme) die Sache sehr ernst (…). Man recherchiere zusammen mit der Universität St. Gallen nach Studenten, die gekaufte Arbeiten eingereicht haben.“ [7] Wenige Tage nach Bekanntwerden dieser Strafanzeige leitete das beklagte Unternehmen handelsregisterlich seine Liquidation ein. [8]

In der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Protagonist in Javier Marías' Roman Mein Herz so weiß arbeitet u.a. als Ghostwriter für spanische Politiker und beschreibt in seinem Roman ironisch diese Tätigkeit.

Der Ghostwriter für einen ehemaligen britischen Premierminister in dem Roman Ghost von Robert Harris, der im Lauf seiner Recherchen brisanten politischen Geheimnissen zu nahe kommt, wird ebenso wie sein Vorgänger vom CIA umgebracht. Das Buch wurde als Der Ghostwriter von Roman Polanski verfilmt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Ghostwriter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Betrug im Studium. Von Geisterhand“, Der Tagesspiegel vom 15. November 2010, zuletzt abgerufen am 15. August 2014
  2. Oberlandesgericht Düsseldorf 2011
  3. Oberlandesgericht Köln 2011
  4. „Kempen: ‚Wissenschaftsbetrug ist kriminell‘“, Pressemitteilung des Hochschulverbands vom 6. August 2012, zuletzt abgerufen am 15. August 2014
  5. Betrug – „Die Arroganz vieler Ghostwriter empört mich“. Interview von Marie Gamillscheg und Oskar Piegsa mit dem Geschäftsführer des deutschen Hochschulverbandes Michael Hartmer, in: Zeit Online Studium vom 8. April 2015
  6. „Uni-Ressort: Strafen für Ghostwriter denkbar“, "Die Presse" vom 22./23. Dezember 2015
  7. „Keine Zürcher Ermittlungen gegen Ghostwriting-Agentur“, zusammenfassend aus "Der Bund" vom 14. Januar 2016
  8. „Die ganze Geschichte ist etwas dubios“, FM1 Today vom 11. Januar 2016