Giacomo Agostini

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Giacomo Agostini (1968)
Agostini 1976 auf dem Nürburgring
Giacomo Agostini in Monthlery (2003)

Giacomo „Ago“ Agostini (* 16. Juni 1942 in Brescia, Lombardei, Italien) ist ein ehemaliger italienischer Motorradrennfahrer. Er gilt als einer der besten Motorradrennfahrer der Geschichte und ist mit 15 Weltmeistertiteln der erfolgreichste Fahrer der Motorrad-Weltmeisterschaft. Vorübergehend beteiligte sich Agostini auch an Automobilrennen, erreichte dort aber keine Erfolge.

Karriere[Bearbeiten]

Motorradsport[Bearbeiten]

Motorradfahren lernte Agostini als Teenager mit einer 50er-Parilla. 1962 trat er erstmals bei Rennen an: mit einer 175-cm³-Morini nahm er an Bergrennen teil und wurde 1963 italienischer Bergmeister.

Am 15. September 1963 betrat Agostini im italienischen Monza die Bühne der Motorrad-Weltmeisterschaft. Er führte das Rennen an, bis er wegen eines technischen Defekts an seinem Motorrad aufgeben musste. Nach dieser Talentprobe konnte er sich seinen Arbeitgeber für die folgende Saison aussuchen. Er wählte MV Agusta und gewann am 24. April 1965 seinen ersten Grand Prix bei einem Rennen auf der Südschleife des Nürburgrings vor Mike Hailwood. In diesem Jahr wurde er Vizeweltmeister in den Klassen bis 350 und 500 cm³ und 1966 Weltmeister bei den 500ern.

Agostini gewann zwischen 1966 und 1975 15 Weltmeistertitel, davon sieben in der Klasse 350 cm³ und acht in der Klasse bis 500 cm³, davon 13 Titel für MV Agusta und zwei Titel für Yamaha. Insgesamt fuhr er in seinen 186 Rennen 159 Mal auf Podiumsplätze und feierte 122 Grand-Prix-Siege. Er ist damit der erfolgreichste Motorradrennfahrer der Geschichte. Nach der Saison 1977, in der ihn Barry Sheene im Kampf um den Titel in der 500-cm³-Klasse geschlagen hatte, beendete Agostini seine aktive Karriere.

Automobilrennsport[Bearbeiten]

Ein Wechsel in den Automobilrennsport in den nachfolgenden Jahren brachte wenig Erfolg. Mit dem italienischen Team Trivellato Racing nahm Agostini an der Formel-2-Europameisterschaft 1978 teil; mit seinem Chevron B42-BMW nur konnte er sich allerdings nur viermal qualifizieren. Mit dem achten Platz beim Eifelrennen auf der Nordschleife des Nürburgrings gelang ihm nur eine Platzierung in den Top 10. 1979 und 1980 engagierte sich Agostini mit seinem eigenen Rennstall in der der britischen Aurora-AFX-Formel-1-Serie. Er setzte hier einen alten Williams FW06 ein. An Läufen der Formel-1-Weltmeisterschaft nahm Agostini nicht teil, allerdings trat er im September 1979 zum Gran Premio Dino Ferrari in Imola an, einem Formel-1-Rennen ohne Weltmeisterschaftsstatus, zu dem auch die meisten Werksteams gemeldet waren. Im Training erreichte Agostini Platz 10; damit ging er unter anderem vor Bruno Giacomelli im Werks-Alfa Romeo an den Start. Im Rennen wurde Agostini Zehnter; zuvor war er vom Sieger Niki Lauda überrundet worden.[1]

Teammanager[Bearbeiten]

Zur Saison 1982 kehrte Agostini als Manager des Teams Yamaha Marlboro Agostini. Unter seiner Leitung gewann das Team in der 500-cm³-Klasse drei Meisterschaften mit Eddie Lawson. In der 250-cm³-Klasse arbeitete Agostini mit Luca Cadalora, Martin Wimmer und Àlex Crivillé zusammen. Von 1992 bis 1994 leitete Agostini das Werksteam von Cagiva, 1995 führte er schließlich in der der 250-cm³-Klasse ein Honda-Team mit Doriano Romboni. Danach beendete Agostini seine Managertätigkeit.

Privates[Bearbeiten]

Agostini ist verheiratet und hat zwei Kinder, eine ältere Tochter und einen jüngeren Sohn, und lebt in der norditalienischen Stadt Bergamo. Bis heute ist Agostini ein begehrter Gast bei vielfältigen Motorradveranstaltungen.

Das Sondermodell F4 AGO von MV Agusta mit der legendären Nummer 1 wurde unter seiner Mitarbeit entwickelt.

Die US-amerikanische Punk-'n'-Roll-Band Zeke widmete ihm das Lied „Viva Agostini!“ vom Album „Flat Tracker“ als Hommage.

Statistik[Bearbeiten]

Titel[Bearbeiten]

Weltmeistertitel[Bearbeiten]

  • 1966 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1967 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1968 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1969 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1970 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1971 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1972 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1973 – 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1974 – 350 cm³ (Yamaha)
  • 1975 – 500 cm³ (Yamaha OW26)

Italienischer Meistertitel[Bearbeiten]

  • 1963 – 175 cm³ (Moto Morini) (Italienischer Bergmeister)
  • 1964 – 250 cm³ (Moto Morini)
  • 1965 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1966 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1968 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1969 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1970 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1971 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1972 – 500 cm³ und 350 cm³ (MV Agusta)
  • 1973 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1974 – 500 cm³ (MV Agusta)
  • 1975 – 500 cm³ (Yamaha)
  • 1976 – 500 cm³ (Yamaha)
  • 1977 – 500 cm³ (MV Agusta / Yamaha)

Isle-of-Man-TT-Siege[Bearbeiten]

Jahr Klasse Maschine Durchschnittsgeschwindigkeit
1966 Junior (350 cm³) MV Agusta 100,87 mph (162,33 km/h)
1968 Junior (350 cm³) MV Agusta 101,63 mph (163,56 km/h)
Senior (500 cm³) MV Agusta 104,78 mph (168,63 km/h)
1969 Junior (350 cm³) MV Agusta 101,81 mph (163,85 km/h)
Senior (500 cm³) MV Agusta 104,75 mph (168,58 km/h)
1970 Junior (350 cm³) MV Agusta 101,77 mph (163,78 km/h)
Senior (500 cm³) MV Agusta 101,52 mph (163,38 km/h)
1971 Senior (500 cm³) MV Agusta 102,59 mph (165,1 km/h)
1972 Junior (350 cm³) MV Agusta 102,03 mph (164,2 km/h)
Senior (500 cm³) MV Agusta 104,02 mph (167,4 km/h)

Daytona 200[Bearbeiten]

200 Meilen von Imola[Bearbeiten]

In der Motorrad-WM[Bearbeiten]

  • 122 GP-Siege gesamt:
    • 68 GP-Siege – (500 cm³)
    • 54 GP-Siege – (350 cm³)
  • Podiumsplätze – 159
  • Pole-Positions – 9
  • Schnellste Rennrunden – 117
  • GP-Starts:
    • 250 cm³ – 2
    • 350 cm³ – 81
    • 500 cm³ – 103

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Giacomo Agostini: Giacomo Agostini. Maschinen, Frauen, Konkurrenten, Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-87943-404-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giacomo Agostini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://forix.autosport.com/8w/agostini.html