Giallo (Filmgenre)

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Der Giallo (von ital. ‚gelb‘, Mehrzahl: gialli) ist ein spezifisch italienisches Subgenre des Thrillers, das von Mario Bava in den 1960ern begründet wurde und in den 1970ern seinen Höhepunkt hatte. Die Handlung dreht sich zumeist um die Aufdeckung einer Mordserie. In der Inszenierung werden vor allem detaillierte Mordszenen und Spannungsszenen durch stilvolle Kameraführung, Ausstattung und Musik betont.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name leitet sich von der italienischen Bezeichnung für Kriminalliteratur, letteratura gialla („gelbe Literatur“), ab, die auf den gelben Einband der Heftroman-Reihe Il Giallo Mondadori zurückgeht. Als ein früher Einfluss des Giallo-Films gelten die deutschen Edgar-Wallace-Filme, die im nicht-deutschsprachigen Raum auch als „(The) Krimi“ zusammengefasst werden.

Der Giallo wurde maßgeblich durch Mario Bavas Arbeiten La Ragazza che sapeva troppo (wörtlich: Das Mädchen, das zu viel wusste) und Blutige Seide (Sei donne per l’assassino, 1964) geprägt. Letzterer bietet bereits den gesamten Katalog an üblichen Motiven, Elementen und ästhetischen Strategien, die zahlreiche weitere Regisseure – darunter am prominentesten: Dario Argento und Sergio Martino – in den folgenden Jahren aufgriffen und fortentwickelten. Ab 1970 erreichte das Genre seinen produktiven Höhepunkt mit einer Vielzahl an Veröffentlichungen, die zum Ende des Jahrzehnts langsam abnahmen.

Der Giallo und insbesondere die Arbeiten von Bava werden als Vorläufer des amerikanischen Slasherfilms gesehen. So bestätigten einige Regisseure wie John Carpenter (Halloween) und Sean S. Cunningham (Freitag der 13.) in Interviews eine direkte Verbindung ihrer Filme mit denen von Bava.

Genremerkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt der Handlung steht oft ein (häufig maskiert auftretender) Serienmörder, dessen Taten in der Regel im Kontext einer psychosexuellen Pathologie stehen und der unter deutlich ritualisierten oder fetischisierten Vorzeichen (z. B. schwarze Handschuhe, phallische Tatwaffen) mordet. Bei den Opfern handelt es sich häufig um attraktive junge Frauen.

Die oft spektakulär inszenierten Morde bilden die eigentliche Attraktion des Films, während kriminologische und investigative Aspekte der Krimihandlung deutlich nachrangig behandelt werden. Hier ergibt sich eine direkte Verbindungslinie zu Hitchcocks Psycho, der den ersten Gialli als maßgebliche Inspiration diente. Allerdings bot vor allem auch dieser Hang zur „Nummernrevue“, zur Aneinanderreihung einzelner Mordszenen, den Kritikern des Giallo Anlass zu Vorwürfen der Gewaltverherrlichung und der Misogynie.

Oft sind die Gialli visuell sehr reizvoll und effizient inszeniert. Einige Arbeiten dürfen zu den großen Klassikern des italienischen Genrekinos gezählt werden. Nahezu jeder prominente italienische Genreregisseur hat sich im Giallo, lange Zeit neben dem Western und dem Horrorfilm eines der populärsten Genres in Italien, geübt.

Filmauswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Keßler: Das wilde Auge. Ein Streifzug durch den italienischen Horrorfilm. Corian-Verlag, Meitingen 1997, ISBN 3-89048-311-9.
  • Mikel J. Koven: La Dolce Morte: Vernacular Cinema And the Italian Giallo Film. Scarecrow Press, 2006, ISBN 0-8108-5870-3.
  • Denny Corso: Giallo - Die Farbe des Todes: Eine umfassende Chronologie. 2007, ISBN 978-3-931608-82-8.
  • Peter Scheinpflug: Emilia will Virginia morden. Böse Mädchen im italienischen Krimi-Zyklus Giallo. In: Renate Möhrmann (Hrsg.): rebellisch – verzweifelt – infam. Das böse Mädchen als ästhetische Figur. Aisthesis Verlag, Bielfeld 2012, ISBN 978-3-89528-875-3, S. 389–408.
  • Peter Scheinpflug: Formelkino. Medienwissenschaftliche Perspektiven auf die Genre-Theorie und den Giallo. Transcript, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2674-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]