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Giardiose des Hundes

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Lichtmikroskopische Aufnahme einer Giardie aus dem Kot eines Hundes

Die Giardiose des Hundes (Syn. Giardiasis, Lambliasis) ist eine durch den Einzeller Giardia intestinalis hervorgerufene häufige Durchfallerkrankung bei Hunden. Beim Hund herrschen die hundespezifischen Genotypen D und C (auch als Assemblage D und C bezeichnet) des Parasiten vor. Ein geringer Teil der Erkrankungen bei Hunden wird jedoch durch den Genotyp A ausgelöst, der auch für die Giardiasis des Menschen verantwortlich ist – diese Erkrankungen sind damit als Zoonose einzustufen. Betroffen sind vor allem Welpen, Junghunde und Hunde in größeren Gruppen wie Zuchten oder Tierheimen. Die Erkrankung zeigt sich in immer wiederkehrenden Durchfällen mit einem gelblichen, dünnbreiigen und faulig stinkenden Kot. Zur Bekämpfung werden gegen Einzeller wirksame Antiparasitika eingesetzt, die medikamentöse Behandlung muss aber durch eine konsequente Umgebungsbehandlung ergänzt werden.

Ursache und Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giardia intestinalis

Die Infektion erfolgt durch Aufnahme von Zysten von Giardia intestinalis aus der Umwelt. Vermutlich reicht schon die Aufnahme von 10 Zysten aus, um eine Erkrankung auszulösen. Erkrankte Tiere scheiden bis zu 107 Zysten pro Gramm Kot aus. Diese bleiben zum Teil auch in der Analregion im Fell kleben, so dass es auch zu einer ständigen Infektionswiederholung (Reinfektion) des gleichen Tieres beim Belecken kommt.

Die Zysten sind außerordentlich widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen. In kaltem Wasser können sie bis zu 3 Monate infektiös bleiben. Nach Aufnahme über das Maul werden durch die Magensalzsäure ein oder zwei vegetativen Formen (Trophozoiten) freigesetzt (ezystiert). Diese heften sich mit ihrer Bauchhaftscheibe an die Darmzellen des Zwölffinger- und vorderen Leerdarms. Trophozoiten, die in das Colon gelangen, bilden sich wieder zu Zysten um (enzystieren).[1] Die Präpatenz – der Zeitraum von der Infektion bis zur ersten Ausscheidung der Zysten – beträgt 4 bis 15 Tage.

Die Anheftung der Trophozoiten in den Mikrovillisaum der Darmzellen führt zur Reizung der Zelloberfläche und löst Störungen der Nährstoffaufnahme im Darm (Malabsorption) aus. Dabei kommt es nicht zu einer direkten mechanischen Schädigung des Darmepithels, sondern zu komplexen Reaktionen. Die Aktivierung von CD8+-T-Lymphozyten führt zu einer Verkürzung der Mikrovilli. Darüber hinaus kommt es zur Verminderung der Aktivität der Zweifachzucker abbauenden Enzyme (Disaccharidasen), zu einer Hyperplasie der Darmkrypten, einer verstärkten Sekretion von Chlorid-Ionen, zu einer Erhöhung der Durchlässigkeit (Permeabilität) der Darmwand durch Aufbrechen der Zellkontakte, zu einer Steigerung des Zelluntergangs und zu einer Schädigung der Darmzellen durch eiweißspaltende Enzyme (Proteasen) und Lektine.

Zur Verbreitung der Erkrankung liegen nur wenig zuverlässige Daten vor. Die Angaben zur Häufigkeit bei Haushunden in aktuellen Studien schwanken zwischen 8 und 20 %, wobei die höheren Befallsraten auf vorselektiertem Material, also Kot von Hunden mit Durchfall, beruhen. Insgesamt scheint die Häufigkeit der Erkrankung in jüngerer Zeit zuzunehmen, was aber unter Umständen nur an den verbesserten Nachweisverfahren (siehe unten) liegt. Eine aktuelle deutsche Studie an Kotproben von 24.677 Hunden zeigte eine Befallshäufigkeit von 18,6 %, womit Giardia intestinalis der mit Abstand häufigste Endoparasit überhaupt war.[2]

Klinisches Bild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das klinische Bild variiert in Abhängigkeit vom Infektionsabwehrvermögen des Hundes und der krankheitsauslösenden Wirkung des beteiligten Giardienstamms. Unter Umständen bleibt die Infektion stumm, also ohne sichtbare klinische Symptome.

Erkrankte Hunde zeigen immer wieder auftretende Durchfälle, Fettkot, Malabsorption mit verringerter Gewichtszunahme beziehungsweise Abmagerung sowie Appetitlosigkeit. Der Kot ist zumeist weich und ungeformt, gelblich und faulig oder ranzig riechend. Gelegentlich kann er auch schleimig oder wässrig sein, als Zeichen der Malabsorption mit Gasblasen durchsetzt sein oder auch geringe Blutbeimengungen zeigen.

Diagnostik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koproantigentest, links Teststreifen mit positiver roter Bande und blauer Kontrollbande

Der Nachweis der Zysten im Kot mittels Flotations- oder MIFC-Verfahren (mittels Merthiolat-Formaldehyd und Lugol-Lösung) ist unsicher. Das liegt zum einen an der zyklischen Ausscheidung und zum anderen daran, dass die Zysten auch übersehen werden können, vor allem die durch das Flotationsverfahren deformierten Exemplare. Zysten sind 8–12 µm lang und 7–10 µm breit, unbeweglich und besitzen zwei bis vier Nuclei. In frischem Durchfallkot können auch Trophozoiten auftreten. Diese sind 12–18 µm lang und 10–12 µm breit, beweglich und besitzen zwei Nuclei und zwei Mediankörper. Der Zusatz von Iod-Lösung zur Anfärbung der Zysten oder Trophozoiten kann deren Nachweis erleichtern.[1]

Modernere Verfahren sind der Koproantigentest, bei dem ein Giardien-spezifisches Antigen (GSA65) nachgewiesen wird, sowie der DNA-Erregernachweis mittels Polymerase-Kettenreaktion. GSA65 ist ein 65 kDa großes Protein, dass bei der Zweiteilung der Trophozoiten im Dünndarm freigesetzt und unverändert über den Kot ausgeschieden wird.[1]

Bekämpfung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Behandlung der Giardiose werden Fenbendazol, Metronidazol oder Febantel eingesetzt, wobei Fenbendazol als Mittel der Wahl gilt. Werden mehrere Tiere gehalten, müssen sie mitbehandelt werden, auch wenn sie keine klinischen Symptome zeigen. Metronidazol hat auch einen Effekt auf die bakterielle Darmflora, so dass auch eine Kombination mit Fenbendazol sinnvoll sein kann.[3] Bei Therapieversagern können auch Albendazol (allerdings ist dieser Wirkstoff für Hunde potentiell knochenmarksschädigend)[1] oder Carnidazol[4] eingesetzt werden.

Wichtig ist die konsequente Umgebungsbehandlung und Verhinderung der Umweltkontamination, um Reinfektionen oder Infektionen anderer Tiere oder des Menschen zu verhindern. Der Kot sollte täglich entfernt und in Plastiktüten über den Hausmüll entsorgt werden. Da der Giardiengenotyp A auch für den Menschen krankheitsauslösend ist, sollten infizierte Hunde von Spielplätzen und Sandkästen ferngehalten werden, eine Maßnahme, die auch zum Schutz von Kindern vor Hundespul- und Bandwürmern eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Auslaufflächen werden mit einem Dampfstrahler mit über 60 °C gereinigt und anschließend abtrocknen gelassen, feuchte Areale sollten trockengelegt werden. Gegenstände wie Spielzeug, Futter- und Trinknäpfe müssen täglich mit kochendem Wasser übergossen und anschließend gründlich abgetrocknet, Liegedecken so heiß wie möglich gewaschen werden. Zur Desinfektion eignen sich quartäre Ammoniumverbindungen.[1] Wenn möglich, sollten Futter- und Trinkgefäße vor Fliegen geschützt werden, da diese Giardien weiterverbreiten können. Zudem sollte das Fell befallener Hunde zu Beginn täglich shampooniert werden um die Zahl anhaftender Zysten zu reduzieren.

In den USA ist ein Impfstoff gegen die Giardiose verfügbar (GiardiaVax®).

Die Behandlung von Giardieninfektionen kann frustrierend sein. Ob Therapieversager durch ein Nichtansprechen auf die Wirkstoffe oder durch ständige Reinfektionen entstehen, lässt sich im Einzelfall kaum abklären. Einige Autoren sprechen sich daher dafür aus, nur klinisch manifeste Infektionen zu behandeln, nicht aber lediglich positive Antigennachweise.[3]

Zoonotische Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Giardiose des Hundes wird von der WHO als Zoonose eingestuft. Wie groß die Ansteckungsgefahr für den Menschen ist, ist jedoch nicht eindeutig geklärt. Nur bei etwa 2–7 % der Giardien-positiven Hunde wurde die Assemblage A nachgewiesen, die auch beim Menschen auftritt. Die übrigen Infektionen gehen auf die hundetypischen und nicht auf den Menschen übertragbaren Assemblage D und C zurück. Man geht davon aus, dass die tierartspezifischen Genotypen die zoonotischen unspezifischen unterdrücken („Konkurrenz-Ausschluss-Prinzip“), so dass der Genotyp A in der Regel nur vorübergehend bei Hunden auftritt.[1]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Barutzki et al.: Die Giardiose des Hundes – eine weit verbreitete Erkrankung. In: Kleintier Konkret S1 (2008), S. 17–23.
  • Peter F. Suter: Giardiasis (Lambliasis). In: Peter F. Suter und Hans G. Niemand (Hrsg.): Praktikum der Hundeklinik. 10. Auflage. Paul-Parey-Verlag, Stuttgart 2006, S. 717, ISBN 3-8304-4141-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Wieland Beck und Ruth Arndt: Parasitenprophylaxe bei Hund und Katze: Erregerbiologie, Klinik, Diagnose und Therapie bei Giardia spp. und Tritrichomonas foetus. In: Kleintierpraxis 59 (2014), S. 390–402.
  2. Dieter Barutzki et al.: Infektionen mit Endoparasiten: Unverändert hohe Befallsraten bei Hunden und Katzen. In: Kleintiermedizin Nr. 5 2011, S. 235–239.
  3. a b Barbara Hinney und Anja Joachim: Magen-Darm-Parasiten bei Hund und Katze. In: Kleintierpraxis 58 (2013), S. 256–278.
  4. Carnidazol bei vetpharm.uzh.ch

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!
Dieser Artikel wurde am 30. Oktober 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.