Gibitzenhof

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Stadt Nürnberg
Koordinaten: 49° 25′ 59″ N, 11° 4′ 3″ O
Höhe: 311–317 m ü. NHN
Fläche: 42,7 ha
Einwohner: 4989 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 11.684 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1899
Postleitzahl: 90441
Vorwahl: 0911
Karte
Lage des statistischen Bezirks 17 Gibitzenhof in Nürnberg
Siemens-Schuckert-Siedlung
Lage der Gemarkung 3423 Gibitzenhof in Nürnberg

Gibitzenhof wurde am 1. Januar 1899 in die Stadt Nürnberg eingemeindet. Der vorstädtische Stadtteil liegt im Süden Nürnbergs und erstreckt sich über die statistischen Bezirke 17 Gibitzenhof, 40 Hasenbuck, 41 Rangierbahnhof, 42 Katzwanger Straße und 43 Dianastraße mit insgesamt 11.577 Einwohnern (31. Dezember 2003). Die Gemarkung Gibitzenhof umfasst weitere statistische Bezirke.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des Stadtteils Gibitzenhof ist allgemein von flacher Struktur und erstreckt sich bei einer Höhe von 315–325 m ü. NHN auf einer Fläche von 5,40 km². Daraus ergibt sich bei 11.577 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2003) eine Bevölkerungsdichte von ca. 2100 Einwohnern je km² (im Kerngebiet von Gibitzenhof: ca. 12.000 Einwohner je km²).

Nachbarn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benachbarte Stadtteile von Gibitzenhof sind Steinbühl, Rabus, Gartenstadt, Werderau und Sandreuth.

Statistische Nachbarbezirke
Steinbühl
Sandreuth Nachbargemeinden Gugelstraße
Dianastraße
Nachbargemarkungen
3425 Gostenhof 3469 Steinbühl 3421 Galgenhof;
3468 Schweinau
3461 Röthenbach bei Schweinau
Nachbargemeinden 3424 Gleißhammer;
3411 Eibach 3412 Eibacher Forst 3440 Langwasser

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Herrensitz

Gibitzenhof wurde 1372 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name des ehemaligen Dorfes leitet sich etymologisch von dem alten Vogelnamen Gigitz für den Kiebitz ab, der hier wohl im Mittelalter noch anzutreffen war. Der Namensteil Hof erklärt sich wie in vielen anderen Namen Nürnberger Stadtviertel aus der Tatsache, dass es eine bedeutende Anzahl – zum Teil kaiserlicher – Güter gab, welche die Versorgung der Kaiser- und der Markgrafenburg sicherzustellen hatten. Hinzu kam, dass im frühen Mittelalter der Kaiser keine feste Pfalz hatte, sondern mitsamt Gefolge durch das Reich zog und quasi vom Sattel aus regierte. Auf diesen Reisen musste es in überschaubaren Abständen reiche Höfe geben, die den Tross für einige Zeit beherbergen und ernähren konnten. Der Herrensitz Gibitzenhof (heute: Gibitzenhofstraße 146, 170–176) wurde erstmals erwähnt, als er 1455 an die Löffelholz von Kolberg überging. Die Löffelholz übten über Jahrhunderte die Dorf- und Gemeindeherrschaft aus und hatten Gibitzenhof bis 1848 vollständig in ihrem Besitz.

Im Zweiten Markgrafenkrieg 1552 wurde der Herrensitz niedergebrannt und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neu aufgebaut. Er war als „Weiherhaus“ bis um 1900 von einem Wassergraben umgeben, der aus dem Vogelweiher bei der heute gleichnamigen Straße gespeist wurde. Das Neue Schloß, durch einen Vorhof mit verschiedenen Ökonomiegebäuden an den alten Bau angebunden, entstand 1752 in Barockformen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Anlage 1945 vollständig zerstört, die Ruinen wurden bis auf kleinste Reste abgetragen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand das abgelegene, überwiegend von Viehwirtschaft lebende Dorf noch aus 24 Gebäuden. Die Industrialisierung begann erst, nachdem sich Sigmund Schuckert mit seinem Werk (Siemens-Schuckertwerke) und später die MAN in der Nähe des Dorfes niedergelassen hatten. Gibitzenhof gehörte zur Jahrhundertwende zu den am schnellsten wachsenden Stadtvierteln. Die Einwohnerschaft verzehnfachte sich zwischen 1871 und 1900 fast von 943 auf 9056. Nach der Eingemeindung im Jahre 1899 stieg die Einwohnerzahl bis 1910 auf über 30.300 an. Noch vor dem Ersten Weltkrieg entstanden Fabrikanlagen an der Ulmen-/Voltastraße, Diana-/Löffelholzstraße und an der Nopitschstraße. Die starke Bautätigkeit im Süden von Gibitzenhof, ebenso die 1908/09 errichtete Wohnanlage Dianastraße standen in engem Zusammenhang mit der Ansiedlung der MAN nach 1899 entlang der Frankenstraße. Aufgrund der rasch steigenden Schülerzahlen wurde zwischen 1901 und 1905 das Schulhaus an der Gibitzenhofstraße neu erbaut und bereits 1910/11 entstand das Herschelschulhaus mit 45 Schulzimmern und zwei Turnhallen.

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehrszentrum ist der Dianaplatz mit dem anliegenden Dianablock, einem Konglomerat von Wohnhäusern, das ein interessantes Besiedelungskonzept aus der Zeit der Weimarer Republik darstellt. Heute wird der Dianablock fast ausschließlich von Immigranten bewohnt. Besonders die Firma MAN hat stark zum Ausbau des Viertels Gibitzenhof beigetragen, indem Wohnhäuser für die Arbeiterschaft finanziert wurden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Viertel zu einer Hochburg der Sozialdemokratie. Die uneinheitliche Bebauung erklärt sich aus der starken Zerstörung durch Luftangriffe auf die benachbarten Rüstungsbetriebe während des Zweiten Weltkrieges.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 1. Januar 1899 wurde Gibitzenhof nach Nürnberg eingemeindet.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1809: 120
  • 1867: 234
  • 2003: 11.577 in den Statistischen Bezirken 17, 40, 41, 42, 43

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturelles Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Hubertussaal, einem Jugendstilsaal in der Dianastraße 28, werden neben regelmäßigen Theateraufführungen – das Gostner Hoftheater hat dort eine zweite feste Spielstätte – Kleinkunst, Konzerte und Musicals geboten.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges wurden der größte Teil des mittelalterlichen Gibitzenhof, die Bauten aus der wilhelminischen Zeit und auch die St.-Markus-Kirche von 1914 zerstört. Nur vereinzelt sind noch Spuren aus der Vorkriegszeit zu finden.

Die historistische Wohnanlage Dianastraße 26–66 mit Innenhöfen und Tordurchfahrten und dem Hubertussaal wurde ab 1908 nach Planung von Ludwig Ruff errichtet. Sehenswert ist auch das im barockisierenden Heimatstil errichtete Gebäude Dianastraße 16, ein Wohn- und Geschäftshaus mit Apotheke in Ecklage von 1914/15. In der Meisenstraße haben einige Nebengebäude des Löffelholzschen Herrensitzes und des alten Dorfes den Luftangriff von 1945 überstanden. In der kleinen Grünfläche sind noch vereinzelte Überreste der Schlossanlage zu finden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gibitzenhof wird von West nach Ost durch die Ringstraße (B 4 R) erschlossen und im Westen vom Frankenschnellweg tangiert, die sich beide an der Anschlussstelle Nürnberg-Südring westlich des Dianaplatzes kreuzen. An öffentlichen Verkehrsmitteln verkehren die Straßenbahnlinie 4 sowie die Stadtbuslinien 58, 65 und 68.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • MAN, Siemens (ehemalige Schuckert-Werke), Geyer, Essplätze Werner

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich-Wilhelm-Herschel-Grundschule, Herschelplatz 1
  • Sigena-Gymnasium, Gibitzenhofstraße 135
  • Pirckheimer-Gymnasium, Gibitzenhofstraße 151

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gibitzenhof – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Jahrbuch der Stadt Nürnberg 2013 (PDF; 7,7 GB)
  2. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7. Seite 602