Gideonbund

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Taschenbibel: Neues Testament mit Logo des Gideonbundes

Internationaler Gideonbund ist die gängige deutsche Bezeichnung für „The Gideons International“. Die Gideons sind eine internationale Vereinigung vorwiegend evangelikaler Geschäftsleute, gegründet 1898 in den USA.[1] Ende August 2011 sind in 193 Ländern weltweit über 290.000 Gideons ehrenamtlich tätig.

Die Zentrale des Internationalen Gideonbundes befindet sich in Nashville (Tennessee, USA), die für Deutschland in Wetzlar.

Ziele[Bearbeiten]

Ziel der Vereinigung ist es, Menschen mit den Grundlagen des Christentums bekannt zu machen. Dies versuchen sie durch die kostenlose Weitergabe von Bibeln und Bibelteilen, die in Hotels, Krankenhäusern, Schulen, Altersheimen, Justizvollzugsanstalten ausgelegt werden. Besondere Zielgruppen sind neben Schülern Polizisten, Armeeangehörige und Pflegepersonal. Die ausgelegten bzw. weitergegebenen Bibeln sollen zum Bibellesen anregen und die Neugier für die Bibel wecken.

Die Kosten der Herstellung von Gideon-Bibeln werden aus Spenden der Mitglieder, durch kirchliche Kollekten und von privaten Gönnern gedeckt. Der Gideonbund verwendet nach eigenen Angaben 100 % der zweckgebunden gespendeten Gelder für die Beschaffung und den Druck der Bibeln; alle Verwaltungsausgaben werden von den ehrenamtlichen Gideons selbst bestritten. Allein im Jahr 2009 wurden von den Gideons weltweit über 80 Mio. Bibeln in 84 Sprachen verteilt. Die sechzehnmillionste in Deutschland verteilte Bibel erhielt 2006 Bundespräsident Horst Köhler. Bis Juli 2011 wurden weltweit 1,6 Mrd. Bibeln verteilt, davon etwa 20 Mio. in Deutschland.

Es gibt an Farbe und Format verschiedene Varianten der Gideon-Bibel. Die Standard-Variante ist die grüne oder blaue Taschenausgabe. Daneben gibt es in Deutschland auch noch eine braune sogenannte „Zeugnis-Bibel“, die von Gideon-Mitgliedern als persönliches Geschenk weitergegeben wird. Diese Bibeln werden durch das jeweilige Mitglied erworben, also nicht durch die bereits erwähnten Spenden finanziert. Taschenbibeln in weißem Einband werden an Angestellte im medizinischen Bereich weitergegeben. Die großformatige Ausgabe mit blauem Einband findet häufig in Hotels. Sie ist drei- oder viersprachig (deutsch, englisch, französisch, italienisch). Eine Ausgabe in Großdruck findet sich vor allem in Arztpraxen, Krankenhäusern und Altenheimen.

Im gesamten deutschsprachigen Raum wird die in Deutschland meistverbreitete Bibelübersetzung verwendet, nämlich die revidierte Lutherbibel von 1984 in der neuen deutschen Rechtschreibung.

Das Logo auf dem Umschlag – ein Krug mit einer Flamme – erinnert an eine Episode aus dem Buch der Richter, in der Gideon gegen die Midianiter siegt (Ri 7). In dieser Episode sind Gideons Kämpfer lediglich mit Widderhörnern und leeren Krügen, in denen Fackeln sind, bewaffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1898 sucht der Geschäftsmann John H. Nicholson aus Janesville, Wisconsin (USA), auf einer Geschäftsreise ein Hotelzimmer. In einem Hotel wird ihm wegen Überfüllung des Hauses angeboten, sich mit einem anderen Gast (Samuel E. Hill) ein Doppelzimmer zu teilen. Nicholson willigt ein. Schon beim ersten Gespräch entdecken die beiden, dass sie eine gemeinsame christliche Glaubensüberzeugung teilen. Im Rückblick auf diese Begegnung schreiben beide später, dass bereits an diesem Abend die Idee entstand, eine Vereinigung christlicher Geschäftsleute zu beginnen.

Am 31. Mai 1899 gründen Nicholson und Hill gemeinsam mit dem Kaufmann Will J. Knights eine Vereinigung christlicher Handelsreisender, die Keimzelle des späteren Gideonbundes. Als Namensgeber wird der alttestamentliche Richter Gideon gewählt (siehe Die Bibel, Buch der Richter, Kapitel 6 und 7).[2]

Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts entstehen ein deutscher und ein österreichischer Zweig des Gideonbundes. 1982 wird die deutsche Gideon-Arbeit als Selbständige Nationale Vereinigung konstituiert. Damit ist der deutsche Gideonbund von der amerikanischen Mutterorganisation sowohl finanziell als auch organisatorisch weitgehend unabhängig.

Mitglieder[Bearbeiten]

Die Mitglieder im Internationalen Gideonbund sind christliche Geschäftsleute, Freiberufler, Selbstständige, Beamte, Akademiker und deren Frauen. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche, Freikirche, Gemeinschaft oder Versammlung.[3] Die Bibel ist ihrer Auffassung nach unfehlbares, vom Heiligen Geist inspiriertes Wort Gottes. Sie ihre einzige Glaubensgrundlage. Der Gideonbund als Kirche oder kirchliche Gemeinschaft, auch nicht als Schriftenverlag, sondern als Instrument der Mission.

Es können prinzipiell nur Männer Mitglieder („Gideons“) des Internationalen Gideonbundes werden. Ehefrauen der Mitglieder können eine Art von Co-Mitgliedschaft erwerben, sofern sie sich zu den theologischen Grundlagen bekennen. Die Ehefrauen der Gideons sind unter dem Dach des internationalen Gideonsbundes in einem eigenen Arbeitszweig, dem sogenannten Gideon-Frauendienst, zusammengeschlossen. Zweck dieses Dienstes ist es, die Männer bei ihrem Dienst zu unterstützen und Bibeln in Arztpraxen, Dialysezentren, Krankenhäusern, Altenheimen, beim Roten Kreuz, in Frauen-Justizvollzugsanstalten sowie Frauenhäusern auszulegen bzw. weiterzugeben.[4]


Mitgliederanzahl

Land Mitglieder
Deutschland etwa 4100 (in über 194 örtlichen Gruppen)
Österreich etwa 200 (in 11 örtlichen Gruppen)
Schweiz etwa 1200

Die Verteilung von Bibeln in staatlichen Einrichtungen und Behörden wird kritisch gesehen, da der Staat zur Neutralität verpflichtet ist. Das Land Baden-Württemberg hat dem Gideon-Bund 2007 die Verteilung von Bibeln in Landeseinrichtungen gestattet. Nach der Genehmigung einer Verteilaktion in den Polizeidienststellen des Landes Baden-Württemberg wurde von der Humanistischen Alternative Bodensee am 29. Januar 2015 die Petition Religiöse Werbung im öffentlichen Dienst beim Landtag von Baden-Württemberg eingereicht.[5] Laut Schreiben des Innenministeriums von Baden-Württemberg vom 18. Februar 2015 ist künftig eine Verteilung von religiösen Schriften in Einrichtungen der Landespolizei Baden-Württemberg grundsätzlich nicht mehr zugelassen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  J. Gordon Melton: Gideons International. In: Encyclopedia of World Religions. Encyclopedia of Protestantism, Facts of File, New York 2005, ISBN 978-0816054565, S. 246.
  2. Reinhard Hempelmann (Hrsg.): Handbuch der evangelistisch-missionarischen Werke, Einrichtungen und Gemeinden. Christliches Verlagshaus Stuttgart, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-7675-7763-3, S. 190f
  3. Öffentlichkeit – Zusammenarbeit mit Kirchen und Gemeinden. Abgerufen am 30. August 2010.
  4. Die Gideons: Gideon-Frauendienst, gesehen 9. Juli 2008.
  5. Gegen religiöse Werbung in Polizeidienststellen. Humanistischer Pressedienst, 6. Februar 2015, abgerufen am 22. Februar 2015.