Gideonbund

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Internationaler Gideonbund in Deutschland e.V.
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Rechtsform Eingetragener Verein
Gründung 1956
Sitz Wetzlar
Mitglieder 4700
Website www.gideons.de

Der Internationale Gideonbund (engl. Gideons International) ist eine internationale Vereinigung von Christen in beruflicher Verantwortung. Bekannt ist der Gideonbund vor allem durch die mehrsprachigen dunkelblauen Bibeln, die weltweit auf Hotelzimmern ausgelegt werden.

Gegründet wurden die Gideons 1899 in den USA.[1] Der deutsche Zweig heißt „Internationaler Gideonbund in Deutschland e.V“ und wurde 1956 begründet. 2016 waren in über 190 Ländern 280.000 Gideonmitglieder ehrenamtlich tätig.[2]

Die internationale Geschäftsstelle des Gideonbundes befindet sich in Nashville, Tennessee (USA), die deutsche Geschäftsstelle im hessischen Wetzlar.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene fremdsprachige Bibeln des Gideonbundes.
Verschiedene fremdsprachige Bibeln des Gideonbundes.

Im Jahr 1898 suchte der Geschäftsmann John H. Nicholson aus Janesville, Wisconsin (USA), auf einer Geschäftsreise ein Hotelzimmer in der Stadt Boscobel. In einem Hotel wurde ihm wegen Überfüllung des Hauses angeboten, sich mit einem anderen Gast – Herrn Samuel E. Hill – ein Doppelzimmer zu teilen. Nicholson willigte ein. Schon beim ersten Gespräch entdeckten beide, dass sie Christen waren. Im Rückblick auf diese Begegnung schrieben sie später, dass bereits an diesem Abend die Idee entstand, eine Vereinigung christlicher Geschäftsleute zu gründen.

Am 31. Mai 1899 gründeten Nicholson und Hill gemeinsam mit dem Kaufmann Will J. Knights diese Vereinigung. Als Namensgeber wurde der alttestamentliche Richter Gideon gewählt.[3] Das Logo – ein Krug mit einer Flamme – erinnert dabei an eine Episode aus dem Buch der Richter, in der Gideon gegen die Midianiter siegt (RichterLUT84). In besagter Episode sind Gideons Kämpfer lediglich mit Widderhörnern und leeren Krügen, in denen Fackeln stecken, bewaffnet.

In den Anfangsjahren entstand die Idee, am Empfang eines jeden Hotels eine Bibel auszulegen. Durch die spätere Praxis in jedem Hotelzimmer kostenlos Bibeln auszulegen wurde der Gideonbund weltweit bekannt.

Von den USA aus wurden im Laufe der Jahrzehnte weltweit Niederlassungen des Gideonbundes gegründet. Der erste Gideon-Dienst außerhalb der USA organisierte sich 1911 in Kanada.[4] 1950 kam mit Japan das erste fernöstliche Land und mit Südafrika das erste afrikanische Land hinzu.[4] 1989 kamen die ersten Gruppen im ehemaligen Ostblock hinzu. Inzwischen sind in über 190 Ländern 280.000 Gideonmitglieder ehrenamtlich tätig und verschenken Bibeln in über 100 Sprachen.

Bis 2016 wurden weltweit über 2 Mrd. Bibeln weitergegeben, davon über 24 Mio. in Deutschland.[5]

Deutschsprachiger Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsche Zweig des Internationalen Gideonbundes wurde 1956 als gemeinnütziger Verein in Wuppertal gegründet. Zunächst noch aus den USA unterstützt, wurde die deutsche Gideon-Niederlassung 1980 als „selbstständige nationale Vereinigung“ sowohl finanziell als auch organisatorisch eigenständig.

In Österreich sind die Gideons seit 1957 aktiv, in der Schweiz seit 1961.

Die 16-millionste, in Deutschland weitergegebene Bibel erhielt 2006 Bundespräsident Horst Köhler. Vorab wurden bereits Bibeln an die Bundespräsidenten Johannes Rau, Roman Herzog, Richard von Weizsäcker und Karl Carstens überreicht. 2010 wurde die 20-millionste Bibel an Bundestagspräsident Norbert Lammert übergeben.[6]

Ziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel des Gidonbundes ist es, Menschen mit den Grundlagen des Christentums bekannt zu machen. Dies versuchen sie durch die kostenlose Auslage von Bibeln (in Form des Neuen Testaments mit Psalmen und Sprüchen) in Hotels, Krankenhäusern, Altersheimen, sowie durch die Weitagebe von Bibeln an Schulen,in Justizvollzugsanstalten, in Polizeistationen und in Kasernen. Die ausgelegten und weitergegebenen Bibeln sollen zum Bibellesen anregen und die Neugier für die Bibel wecken.[7]

Die Kosten der Herstellung von Gideon-Bibeln werden aus Spenden der Mitglieder und von privaten Unterstützern gedeckt. Der Gideonbund verwendet nach eigenen Angaben 100 % der zweckgebunden gespendeten Gelder für die Beschaffung und den Druck der Bibeln; alle administrativen Ausgaben werden von den Mitgliedern des Gideonbundes selbst bestritten.[8]

Mitgliedschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglied im Internationalen Gideonbund können Christen in beruflicher Verantwortung werden. Die Mitglieder sollen aufgrund ihrer hervorgehobenen beruflichen und gesellschaftlichen Stellung als Multiplikatoren für den christlichen Glauben wirken. Des Weiteren können auch deren Frauen Mitglieder im Gideon-Frauendienst werden. Voraussetzung für beide ist ferner die Zugehörigkeit zur evangelischen Kirche, einer Freikirche, Gemeinschaft oder Versammlung.[9] Für den Freundeskreis kann sich jeder registrieren, der sich der Zielsetzung des Gideonbundes verbunden fühlt.[10]

Mitgliederstatistik[2]
Ort Mitglieder Lokale Gruppen
Weltweit 280.000 12.000
Deutschland 4700 217
Österreich 270 12
Schweiz 1250 37

Bibelweitergabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bibeln des Gideonbundes in Deutschland für verschiedene Einsatzbereiche.
Bibeln des Gideonbundes in Deutschland für verschiedene Einsatzbereiche: Großdruck für Arztpraxen, Krankenhäuser und Altersheime (hinten links), dreisprachige Ausgabe für Hotels (hinten rechts), Grau für medizinisches Personal, Jeansoptik für Schüler, Braun für die persönliche Weitergabe, Grün für Studenten.

In Deutschland verschenkt der Gideonbund die Bibel (immer Neues Testament mit Psalmen und Sprüchen) in verschiedenen Farben und Formaten für verschiedene Einsatzbereiche. Für die alltägliche persönliche Weitergabe gibt es die sogenannte „Zeugnis- Bibel“ in Braun, Diese wird von Gideon-Mitgliedern als persönliches Geschenk an Menschen weitergegeben. Auch werden diese Taschenbibeln durch das jeweilige Mitglied selbst erworben, also nicht durch Spenden finanziert. Für die Weitergabe an Schüler sind die Bibeln in Jeansoptik vorgesehen. Für Studenten gibt es die Bibeln in grün. Taschenbibeln im grauen Einband werden an Angestellte im medizinischen Bereich weitergegeben. Die mehrsprachige Ausgabe mit dunkelblauem Einband findet man häufig in Hotels. Sie ist dreisprachig (deutsch, englisch, französisch). Die Ausgaben in Großdruck finden sich vor allem in Arztpraxen, Krankenhäusern und Altenheimen.[11]

Im deutschsprachigen Raum wird überwiegend die Bibelübersetzung "NeueLuther" verschenkt.[12]

Für die Bibeln in Jeansoptik wird die moderne Bibelübersetzung "bibel.heute" verwendet. Begründet wird dies mit der klaren und prägnanten Ausdrucksweise dieser Übersetzung, die sie besonders für junge Menschen zugänglicher machen soll.[13]

Kontroverse um Weitergabe in deutschen Polizeidienststellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2015 reichte die Humanistische Alternative Bodensee (HABO) die Petition „gegen Religiöse Werbung im öffentlichen Dienst“ beim Landtag von Baden-Württemberg ein.[14] Vorausgegangen war die seit 2007 etablierte Praxis in verschiedenen Polizeidienststellen des Landes kostenlos Bibeln zu verteilen oder zur Mitnahme auszulegen. Dies war nach vorheriger schriftlicher Anfrage durch den Gideonbund, seitens des baden-württembergischen Innenministers Heribert Rech (CDU), am 1. März 2007 genehmigt worden.[15] Vor dem Hintergrund der Petition wurden die Polizeipräsidenten des Landes Baden-Württemberg am 2. Februar 2015 durch den damaligen Innenminister Reinhold Gall (SPD) aufgefordert, einer Verteilung von Bibeln und religiösen Schriften in den Dienststellen künftig nicht mehr zuzustimmen.[15] Der Landtag lehnte die Petition am 26. November 2015 ab.[15] Die HABO löste sich im September 2016 auf.[16]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Wendel (Hrsg.): Den dunklen Mächten entkommen ... und weitere persönliche Berichte. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2016. ISBN 978-3-86353-424-0.
  • Johannes Wendel (Hrsg.): Mein Leben war wie Müll ... und weitere persönliche Berichte. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2013. ISBN 978-3-86353-424-0.
  • Johannes Wendel (Hrsg.): Ich habe dem Mörder meiner Tochter vergeben ... und andere persönliche Berichte. Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg 2010. ISBN 978-3-89436-830-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. J. Gordon Melton: Gideons International. In: Encyclopedia of Protestantism. Facts On File, New York 2005, ISBN 978-0-8160-5456-5, S. 246.
  2. a b Daten und Fakten. Die Gideons, abgerufen am 29. August 2017.
  3. Reinhard Hempelmann: Handbuch der evangelistisch-missionarischen Werke, Einrichtungen und Gemeinden. Christliches Verlagshaus Stuttgart, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-7675-7763-3, S. 190.
  4. a b Die Gideons: Leitfaden – Arbeitshilfen und Richtlinien. Wetzlar 2010, S. 61.
  5. 2016 wurden 742.129 Neue Testamente weitergegeben. Evangelische Nachrichtenagentur idea, 22. Januar 2017, abgerufen am 29. August 2017.
  6. Öffentliche Beziehungen. Die Gideons, abgerufen am 29. August 2017.
  7. Über uns. Die Gideons, abgerufen am 30. August 2017.
  8. Spenden. Die Gideons, abgerufen am 30. August 2017.
  9. Stichwort: Der Gideonbund. DIE RHEINPFALZ, abgerufen am 30. August 2017.
  10. Freundeskreis. Die Gideons, abgerufen am 4. September 2017.
  11. Gideons übergeben Bibeln an die Thüringen-Kliniken. In: Pressemeldungen. Thüringen-Kliniken, 14. März 2017, abgerufen am 30. August 2017.
  12. Die NeueLuther Bibel. La Buona Novella Inc., abgerufen am 29. August 2017.
  13. Karl H. Vanheiden: NeÜ Bibel.heute. 1. Auflage. Christliche Verl.-Ges., Dillenburg 2010, ISBN 3-89436-851-9.
  14. Gegen religiöse Werbung in Polizeidienststellen. Humanistischer Pressedienst, 6. Februar 2015, abgerufen am 29. August 2017.
  15. a b c Petition 15/4804 betr. Auslegung/Verteilung von Bibeln in Polizeidienststellen. Landtag von Baden-Württemberg, 26. November 2015, S. 8-9, abgerufen am 29. August 2017.
  16. „Humanistische Alternative Bodensee“ (HABO) löst sich auf. Hochrhein-Zeitung, 1. September 2016, abgerufen am 5. September 2017.