Giesecke & Devrient

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Giesecke & Devrient
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Rechtsform GmbH
Gründung 1. Juni 1852
Sitz München, Deutschland
Leitung Walter Schlebusch
Mitarbeiter 11.453 (2014)[1]
Umsatz 1,83 Mrd. Euro (2014)
Website www.gi-de.com

Giesecke & Devrient (G&D) ist ein internationaler Technologiekonzern mit Sitz in München, der sich, ausgehend vom Banknoten-, Wertpapier- und Passdruck, auch zu einem Spezialisten für Chipkarten und Sicherheitslösungen entwickelt hat. Der Traditionskonzern wurde am 1. Juni 1852 von Hermann Giesecke (1831–1900) und Alphonse Devrient (1821–1878) in Leipzig als typographisches Kunst-Institut „Giesecke & Devrient“ gegründet und unterhält heute weltweit über 50 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen. G&D beschäftigte im Geschäftsjahr 2013 11.660 Mitarbeiter, davon 7.517 im Ausland. Im selben Jahr erwirtschaftete das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 1,75 Mrd. Euro.[1] Bei seinen Produkten gehört das Unternehmen zu den weltweiten Markt- und Technologieführern.[2]

G&D war zunächst auf den Banknoten- und Wertpapierdruck spezialisiert. Ab den 1960er Jahren stellte das Unternehmen auch Sicherheitspapiere, ab den 1970er Jahren Maschinen für die Banknotenbearbeitung und Chipkarten für Bankenanwendungen her. Außerdem war G&D maßgeblich an der SIM-Kartenentwicklung beteiligt. Später kam noch der Ausbau des Bereichs der ID-Karten dazu.

Eigentümer[Bearbeiten]

Giesecke & Devrient befindet sich im Familienbesitz. Als Siegfried Otto am 17. August 1997 starb, erbten seine zwei Töchter Verena von Mitschke-Collande und Claudia Miller das Unternehmen zu gleichen Teilen. Claudia Miller, die seit langem in den USA lebte, verkaufte ihre Anteile dann aber 2006 an ihre Schwester.[3] [4] Verena von Mitschke-Collande (* 1949) ist seit vielen Jahren im Aufsichtsrat und im Beirat aktiv. Ihr Mann Hans-Christoph von Mitschke-Collande (* 1940) war bis 2005 Arbeitsdirektor des Unternehmens. Im Jahr 2012 wurde bekannt gegeben, dass ihre vier Kinder (Celia, Gabriel, Marian, Sylvius) zu gleich hohen Anteilen am Unternehmen beteiligt wurden. Wie hoch deren Anteile insgesamt sind blieb unerwähnt.

Geschichte[Bearbeiten]

Firmenlogo um 1860
Verlagsgebäude in Leipzig
Verlagsgebäude in Leipzig
Aktie von Giesecke & Devrient, 1000 Reichsmark, 1939

Gründung[Bearbeiten]

Am 1. Juni 1852 gründeten Hermann Giesecke und Alphonse Devrient in Leipzig eine Buch-, Kupfer- und Steindruckerei unter dem Namen „Giesecke & Devrient“. Schnell entwickelte sich der Banknoten- und Wertpapierdruck zu einem erfolgreichen Geschäftsfeld und wurde bestimmend für das junge Unternehmen. Bereits 1858 zog die Druckerei mit einer eigenen Schriftgießerei in neu erbaute Geschäftsräume in der heutigen Nürnbergerstraße 12 in Leipzig (III). 1923 war G&D maßgeblich am Druck der Rentenmark beteiligt (IV). Die Produktionsanlagen wurden 1943 durch einen alliierten Bombenangriff schwer beschädigt, die Produktion ausgelagert. Das Unternehmen wurde 1948 durch die Sowjetische Militäradministration enteignet und in einen Volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt. Nach der deutschen Wiedervereinigung erwarb G&D 1991 das ehemalige Stammhaus in Leipzig und gliederte es als Standort für den Wertpapier- und Banknotendruck in den aus München geführten Konzern ein.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Nach der Enteignung in Leipzig und dem Tod von Ludwig Devrient sen. verlegte Siegfried Otto 1948 den Sitz des Unternehmens nach München und baute es neu auf. Vom ersten Münchner Standort in Riem zog G&D in den 1950er Jahren nach Steinhausen. Der Hauptsitz von G&D befindet sich heute in der Prinzregentenstraße in München. Bereits 1958 richtete Siegfried Otto das Unternehmen durch die Gründung einer Tochtergesellschaft in Mexiko international aus.(VI) 1958 wurde G&D mit der Lieferung der Hälfte der Banknoten für die Deutsche Bundesbank beauftragt. Die andere Hälfte lieferte die staatseigene Bundesdruckerei. Eine strategische Entscheidung war 1964 der Erwerb der Papierfabrik Louisenthal, die es G&D ermöglichte, eigenes Banknoten- und Sicherheitspapier herzustellen. Heute ist das Tochterunternehmen einer der führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und Königstein in der Sächsischen Schweiz.(IX) Siegfried Otto gründete 1970 die Gesellschaft für Automation und Organisation GmbH (GAO), in der über 30 Jahre lang die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten von G&D gebündelt wurden. Die Modernisierung und Automatisierung der Banknotenbearbeitung und des Zahlungsverkehrs waren der Forschungsschwerpunkt der GAO. 1968 war G&D an der Entwicklung des eurocheques und der eurocheque-Karte beteiligt, was den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Europa ermöglichte.(X) Unter dem 1970 ernannten GAO-Geschäftsführer Helmut Gröttrup, der bereits 1968 in Österreich die erste Chipkarte zum Patent angemeldet hatte, wurde die Chipkartentechnologie wegweisend weiterentwickelt.(XI) 1986 wurden die ersten Chipkarten im Auftrag der Deutschen Bundespost von G&D hergestellt.(XII) 1989 brachte der Konzern das sogenannte SIM Plug in auf den Markt, das sich in den kommenden Jahren zum weltweiten Standard für SIM-Karten durchsetzen sollte.(XIII)

Expansion[Bearbeiten]

Papierfabrik Louisenthal, Werk Königstein

Mit der Übernahme 1964 und dem Ausbau der Papierfabrik Louisenthal wurde Giesecke & Devrient zu einem der führenden Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier, mit Produktionsstätten in Gmund am Tegernsee und Königstein (Sächsische Schweiz)[5].

1975 lieferte G&D die erste automationsfähige Banknote aus, deren Echtheit durch maschinenlesbare Merkmale überprüft werden konnte.(XIV) In den folgenden Jahren wurde das Produktspektrum durch Maschinen zur Sortierung von umlaufenden Banknoten nach Echtheit und Zustand (Umlauffähigkeit) erweitert. Damit entwickelte sich G&D bereits in den 1970er Jahren zum Weltmarktführer für die Ausstattung von Zentralbanken.

Ab 1990 wurde die Expertise im Bereich Chipkarten ausgebaut. So entstand etwa die erste Gesetzliche Krankenversichertenkarte (1993),(XV) die erste multifunktionale eurocheque-Karte mit Funktion einer elektronischen Geldbörse in Österreich (1995) (XVI) und die weltweit erste SIM-basierte Mobile Banking-Lösung (1998).(XVII) Mitte der 1990er Jahre hatte sich G&D als führender Lieferant von Masken, Karten und Terminals für die in Deutschland eingeführte GeldKarte etabliert. Zwei Jahre später wurde das neue Unternehmenssegment Sicherheitssysteme gegründet, das einen Schwerpunkt auf Informations- und Netzwerksicherheit legte.

Seit 1999 druckt G&D (neben der Bundesdruckerei und anderen) für die Europäische Zentralbank die neue europäische Währung Euro auf der Grundlage modernster Sicherheitsstandards. Die von G&D gedruckten Eurobanknoten tragen das Druckereikennzeichen P (erste Serie) oder X (Europaserie; auch W wurde G&D zugeteilt, aber noch nicht benutzt).

2001 wurde die Tochtergesellschaft Giesecke & Devrient India Pvt. Ltd. in Mumbai gegründet. 2004 wurde der Firmensitz nach Gurgaon in die Nähe von Delhi verlegt.

2002 war G&D für Entwicklung, Design und Druck der neuen Banknotenserie für Afghanistan verantwortlich. In den folgenden Jahren entwickelte das Unternehmen vor allem auch Visa-Personalisierungssysteme, beispielsweise für Kasachstan, Serbien und Italien. Dem folgte die Herstellung von elektronischen Gesundheitskarten, z. B. für Taiwan. 2003 wurde eine Banknotendruckerei in Malaysia nahe Kuala Lumpur eröffnet.

2004 war G&D in der Bundesrepublik an der Herstellung der neuen Ausweisdokumente mit Speicherung biometrischer Daten auf einem Chip beteiligt. Zudem ist das Unternehmen am Projekt Elektronische Patientenkarte beteiligt.

2005 kam in Indien ein Entwicklungszentrum in Pune und 2012 ein Karten-Personalisierungszentrum in Chennai und ein weiterer Entwicklungsstandort in Gurgaon dazu. Mittlerweile beschaftigt die Firma über 700 Mitarbeiter in Indien.[6]

Bis Juli 2008 lieferte G&D das Papier für den Druck der Banknoten des Simbabwe-Dollar. Die Lieferung wurde schließlich wegen des international wachsenden öffentlichen Drucks und der Kontroverse um die rechtliche bzw. moralische Erlaubnis der Lieferungen eingestellt. Denn während die USA bereits 2001 Sanktionen gegen Simbabwe verhängt hatten, existieren in der EU lediglich Sanktionen gegen einzelne Vertreter des Regimes von Robert Mugabe.[7] [8] [9] [10]

Im Jahr 2013 wurde in Malaysia eine zweite Drucklinie eröffnet und damit die Kapazität der dortigen Banknotendruckerei verdoppelt.[11]

Am 11. Dezember 2014 teilte das Unternehmen mit, sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu befinden.[12] Es ist beabsichtigt in München die Produktion für den Banknotendruck zu schließen und das Dienstleistungszentrum zu verlegen. In Deutschland sollen rund 630 Arbeitsplätze abgebaut werden.[13]

Wirtschaftszahlen[Bearbeiten]

Die nachfolgenden Geschäftszahlen beziehen sich auf den Konzernabschluss nach IFRS bzw. §317 HGB und wurden in den Geschäftsberichten des Unternehmens veröffentlicht.[14]

Jahr Umsatzerlöse
in Mio. Euro
Bruttoergebnis
in Mio. Euro
Nettoergebnis
in Mio. Euro
Mitarbeiter
Ausland
Mitarbeiter
Deutschland
1999 902 325 40 1.833 3.310
2002 1.088 358 23,5 2.819 3.606
2004 1.157 359 38,4 3.852 3.485
2006 1.297 388 81,1 4.947 3.348
2008 1.689 528 111 6.102 3.747
2009 1.684 503 104,5 6.230 3.892
2010 1.688 564 80,5 6.493 3.920
2011 1.635 521 52,4 6.613 3.941
2012 1.789 530 39 7.125 4.088
2013 1.754 505 2,6 7.516 4.144

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus W. Bender: Geldmacher, das geheimste Gewerbe der Welt. Wiley-VCH Verlag, 2008, ISBN 978-35275-0383-4.
  • Jan Hendrik Prell, Horst Böttge: Giesecke & Devrient 1852–2002. Werte im Wandel der Zeit. Deutscher Sparkassen Verlag Stuttgart, 2002, ISBN 3-09-303892-8.
  • Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862. StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688
  • Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1854–1943, München 2009.
  • Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1955–2002. Anhang: VEB Wertpapierdruckerei der DDR (WPD) 1951–1990, München 2014.
  • Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012.
  • Giesecke & Devrient (Hrsg.), Ein Jahrzehnt der Innovation. Giesecke & Devrient 2002–2011, München 2012.
  • Papierfabrik Louisenthal (Hrsg.), Louisenthal 1964–2014, [Ostfildern] 2014.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giesecke & Devrient – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literaturquellen[Bearbeiten]

I StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688, Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862.
II Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1854–1943, München 2009, S. X-XII.
III StA-L (Staatsarchiv Leipzig), 21061, Giesecke & Devrient A.G., Nr. 688, Hermann Giesecke, Alphonse Devrient, Das Etablissement von Giesecke & Devrient in Leipzig, Leipzig 1862.
IV Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1854–1943, München 2009, S. XIV.
V Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852–2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 74, ebd. S. 161.
VI Giesecke & Devrient (Hrsg.), Ein Jahrzehnt der Innovation. Giesecke & Devrient 2002–2011, München 2012, S. 102f.
VII Franziska Jungmann-Stadler, Ludwig Devrient, Giesecke & Devrient. Banknotendruck 1955–2002. Anhang: VEB Wertpapierdruckerei der DDR (WPD) 1951–1990, München 2014, S. 14.
VIII Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852–2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 107ff.
IX Papierfabrik Louisenthal (Hrsg.), Louisenthal 1964–2014, [Ostfildern] 2014, S. 8.
X Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012, S. 18ff.
XI Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852–2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 121ff.; Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012.
XII Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012, S. 98.
XIII Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012, S. 168.
XIV Jan Hendrik Prell, Horst Böttge, Giesecke & Devrient 1852–2002. Werte im Wandel der Zeit, Stuttgart 2002, S. 204.
XV Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012, S. 140.
XVI Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012, S. 150.
XVII Giesecke & Devrient (Hrsg.), Von der ec-Karte zu Mobile Security. 1968–2012, München 2012, S. 175.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Zahlen, Daten, Fakten auf www.gi-de.com; zuletzt abgerufen: 22. April 2015
  2. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Artikel über G&D im IHK-Magazin 3/07 auf ihk.de
  4. Scheingefechte Süddeutsche Zeitung vom 9. Juli 2011
  5. Unternehmensprofil Louisenthal. Auf: louisenthal.de, abgerufen am 1. Mai 2015.
  6. G & India: Subsidiary of Giesecke & Devrient GmbH. Auf: gi-de.com, abgerufen am 1. Mai 2015.
  7. Giesecke & Devrient - Konzern soll nicht für Mugabe drucken. Auf: focus.de, 27. Juni 2008, abgerufen am 1. Mai 2015.
  8. Jan Puhl: Simbabwe vor der Wahl: Wie sich Mugabe an die Macht klammert. 28. März 2008, abgerufen am 1. Mai 2015.
  9. Bartholomäus Grill: Simbabwe - Blutgeld aus Bayern. Auf: zeit.de, 2008, abgerufen am 1. Mai 2015.[ Zeit: ]
  10. Tobias Dorfer: Lieferstopp nach Simbabwe - Giesecke gibt klein bei. Auf: sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 1. Mai 2015.
  11. Geschäftsbericht 2013. Giesecke & Devrient GmbH, 2014, abgerufen am 1. Mai 2015.
  12. Giesecke & Devrient - Kahlschlag bei den Gelddruckern. sueddeutsche.de, 12. Dezember 2014, abgerufen am 1. Mai 2015.
  13. Giesecke & Devrient legt Kostensenkungsprogramm vor. gi-de.de, 11. Dezember 2014, abgerufen am 1. Mai 2015.
  14. Geschäftsberichte auf gi-de.com

48.13893055555611.622547222222Koordinaten: 48° 8′ 20″ N, 11° 37′ 21″ O