Giesel (Neuhof)

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Giesel
Gemeinde Neuhof
Koordinaten: 50° 30′ 16″ N, 9° 33′ 58″ O
Höhe: 330 m ü. NHN
Fläche: 9,56 km²[1]
Einwohner: 982 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36119
Vorwahl: 0661
Blick auf Giesel mit der "Egert" und dem 490 m hohen Himmelsberg (links im Hintergrund) Das Jagdschloss im (Vordergrund Bildmitte)
Blick auf Giesel mit der "Egert" und dem 490 m hohen Himmelsberg (links im Hintergrund) Das Jagdschloss im (Vordergrund Bildmitte)

Das Dorf Giesel ist ein Ortsteil der Großgemeinde Neuhof, Landkreis Fulda, in Osthessen. Giesel liegt am gleichnamigen Bach Giesel und ist zwischen Rhön und Vogelsberg vom Gieseler Forst umgeben. Die Ortslage ist rund 10 km in südwestlicher Richtung vom Stadtzentrum Fulda gelegen. Reste einer ehemaligen später zum Jagdschloss umgebaute Wasserburg mit noch erkennbarem Wassergraben der Fürstäbte des Klosters Fulda, eine katholische St.-Laurentius-Kirche, alte Fachwerkhäuser sowie eine intakte Natur prägen das Gesicht des Ortes.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel liegt im Westen des Landkreises Fulda zwischen den Mittelgebirgen Rhön im Osten und Vogelsberg im Westen, im malerischen Talkessel der Giesel, eines Nebengewässers der Fulda, an den östlichen Ausläufern des Vogelsberges. Die Kreisstadt Fulda liegt 10 km nordöstlich von Giesel.

Lage von Giesel (Geisen) auf einer Karte des Hochstifts Fulda von 1574

Giesel liegt vollkommen von Wald umschlossen im Gieseler Forst, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens. Lediglich der Talzug, durch den die Giesel Richtung Fulda fließt, ist durch frühere Rodungsmaßnahmen unbewaldet. Durch Giesel führt die Landesstraße 3079 von Fulda nach Bermuthshain im Vogelsbergkreis. Die Landesstraße 3206 mündet, von Neuhof kommend, im Ortskern von Giesel in die L 3079.

Bereits im Mittelalter führten die alten Handelswege der Ortesweg und die Antsanvia an Giesel vorbei.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bach Giesel (Gysilaha), an dem der gleichnamige Ort liegt, wird bereits in der durch den Fuldaer Benediktinermönch Eigil um 820 n. Chr. verfassten „Vita Sturmi abbatis“ erwähnt. Zu dieser Zeit wurde dieser Siedlungsbereich Eihloha später Buchonia genannt. 1140 wurde Giesel (Giselaha) erstmals urkundlich bei der Aufsiedlung des wüstgewordenen Ortes durch den Cellarius Dudo aus dem Kloster Fulda erwähnt. Schon um 1150 bestand eine Kapelle als Filiale von Haimbach. 1330 wurde die verfallene Kapelle durch den kaiserlichen Leibarzt und Würzburger Stiftsherrn Nikolaus Roslon wieder aufgebaut. Zur selben Zeit baute der Fuldaer Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg (1315–1353) 1340 eine „Neue Burg“ in Giesel, die ab 1717 unter dem Fuldaer Fürstabt Konstantin von Buttlar zum Jagdschloss Giesel umgebaut wurde. Der Fuldaer Abt Reinhard von Weilnau verfügte 1469, dass ihm „auf Lebzeiten“ unter anderem „die Burg Giesel (Gisela)“ zustehen solle. Das Kapitel der Reichsabtei Fulda wählte 1472 den Koadjutor Henneberg als Johann II. Graf von Henneberg-Schleusingen zum Fürstabt von Fulda. Altabt Reinhard von Weilnau starb 1476 mit 55 Jahren in Thulba und wurde in Fulda beigesetzt.

Der heutige einfache rechteckige Bau des ehemaligen Jagdschlosses

Das Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jagdschloss Giesel

Das Amt Giesel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1605 wird das Amt Giesel in der Türkensteuerregister der Fürstabtei Fulda erwähnt, welches die Zahlungen der Untertanen an die Abtei ebenfalls zum „Fuldaer Anteil“ an der Türkensteuer auflistet. Zum Amt Giesel gehörten zu dieser Zeit: Giesel, Istergiesel, Hosenfeld, Brandlos, Oberrode, Mittelrode, Niederrode und Kleinlüder. Bis 1687 bildete Giesel ein eigenes fuldisches Amt.

Zollprivileg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1357 bestand ein Zollprivileg. Kaiser Karl IV. erlaubte Abt Heinrich von Kranlucken am 6. Januar 1357 diese Zollerhebung „von jedem Transport- oder Zugpferd einen Zoll von einem Schilling alter Heller zu nehmen, bis auf seinen oder seiner Reichsnachfolger Widerruf“. Antsanvia und Ortesweg waren die Handelsstraßen, die bei Giesel in fuldisches Stiftsgebiet führten.

Auswirkungen der Reformation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Reformation von 1569 bis 1573 wirkte vier Jahre der evangelische Kaplan Peter Bang in Giesel, bevor unter Fürstabt Balthasar von Dernbach 1604 anlässlich der Rekatholisierung die letzten Einwohner zum katholischen Glauben zurückkehrten.

Töpferhandwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1717 wurde durch den Fürstabt Konstantin von Buttlar auf den Grundmauern der von Heinrich VI. von Hohenberg errichteten Burg das heute noch vorhandene Jagdschloss errichtet. 1727 wurde Giesel wegen seines blühenden Töpferhandwerkes auch „Doeppegisel / Töpfengiesel“ genannt.

1731 wurde Giesel zur eigenen Pfarrei erhoben und von der ehemaligen Mutterpfarrei Haimbach abgetrennt. 1789 wohnten 50 Nachbarn und acht Beisassen in Giesel.

Säkularisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1803 kam Giesel durch die Säkularisation mit dem Zentamt Fulda an den Prinzen von Oranien, 1806 an das französische Département Fulda, 1810 an das Großherzogtum Frankfurt, 1813 an Österreich, 1815 an Preußen und 1816 an Kurhessen. 1895 zählte Giesel 632 Einwohner.

Auswirkungen der Weltkriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ersten Weltkrieg hatte Giesel 48 Gefallene. Die nachfolgende Zeit des Nationalsozialismus spielte in Giesel keine nennenswerte Rolle. Der folgende Zweite Weltkrieg brachte auch in Giesel Kriegsentbehrungen und wiederum waren 56 Gefallene zu beklagen.

Heimatvertriebene und Flüchtlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1946 kamen dann 290 Heimatvertriebene, vorwiegend aus dem Sudetenland. Flüchtlinge kamen aber auch aus Ostpreußen und Siebenbürgen nach Giesel und fanden hier durch eine vorübergehende Zwangseinquartierung in eine vorübergehende Bleibe oder eine neue Heimat.

Lage in Natur und Landschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel liegt im Vogelsberg im größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens, dem Gieseler Forst des nordöstlichen Unteren Vogelsberges westlich der Fuldaer Senke. Der nordwestlich der Ortslage gelegene 490 m hohe Himmelsberg ist der Hausberg.

Hauptartikel: Himmelsberg (Giesel)

Neugliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemals eigenständige Gemeinde Giesel, zu der bis 1961 die Wohnplätze „Schlagberg“, die „Hessenmühle“ und „Kleinheiligkreuz“ (jetzt alle Kleinlüder) gehörten, wurde mit dem verbliebenen Wohnplatz „Zwickmühle“ im Tal der „Kalten Lüder“ im Rahmen der Gebietsreform des Landes Hessen am 31. Dezember 1971 in die Gemeinde Neuhof eingegliedert.[3] Mit dem Kernort Neuhof sowie den Dörfern Dorfborn, Hattenhof, Kauppen, Rommerz, Hauswurz und Tiefengruben bildet Giesel die heutige Gemeinde Neuhof mit zusammen rund 11.100 Einwohnern (2007).

Hauptort und Wohnplätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Giesel umfasst den Hauptort Giesel und den ca. 3,1 km in nordwestlicher Richtung (Hosenfeld) im Gieseler Forst, im Tal der Kalten Lüder gelegenen Wohnplatz Zwickmühle.

Wohnplatz Zwickmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwickmühle: Ansicht von Westen

Die Zwickmühle ist ein zu Giesel gehörender Einzelhof mit früherer Mahl- und heutiger Sägemühle nördlich der Sieberzmühle gelegen und ein seit Jahrhunderten bestehendes landwirtschaftliches Gehöft im Tal der Kalten Lüder am Westfuß des Himmelsberges. Der geschichtliche Ursprung dürfte wohl eine alte Öl- und Sägemühle sein. Der Sägemühlenbetrieb besteht noch heute in eingeschränktem Umfang. Das zum Betrieb erforderliche Wasser wird der Kalten Lüder entnommen. Der Antrieb des Werkes erfolgt durch ein oberschlächtiges Wasserrad von 4,00 m Durchmesser sowie 0,70 m Breite und mit einer nutzbaren Kraft von ungefähr 3,7 PS = 2,7 kW. Der Höhenunterschied hat 4,20 m betragen. Betrieben wurden ursprünglich eine Mahlmühle und ein Sägewerk. Die Mahlmühle brannte jedoch 1949 ab und wurde danach nicht wieder aufgebaut. An der Ableitungsstelle liegt ein aus Steinen und Erde hergestelltes Wehr.

Wohnplätze Schlagberg, Hessenmühle und Kleinheiligkreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wohnplätze Schlagberg, Hessenmühle und Kleinheiligkreuz mit der Wallfahrtskirche gehörten bis zur Umgemeindung im Jahre 1961 zu Giesel. Im Jahre 1962 wurden diese Wohnplätze im Tal der Kalten Lüder der damals noch selbstständigen Gemeinde Kleinlüder zugeordnet. Damit endete die kirchliche Zugehörigkeit zur Pfarrei Giesel, die in dem Wallfahrtskirche Kleinheiligkreuz ihren religiösen Mittelpunkt hatte. Kirchlich gehören diese Wohnplätze seitdem zur katholischen Kirchengemeinde Johannes der Täufer in Kleinlüder. Mit der Umpfarrung endeten auch die über Jahrhunderte jährlich zu den Hochfesten Kreuzauffindung (3. Mai) und Kreuzerhöhung (14. September) stattgefundenen Wallfahrten von Giesel nach Kleinheiligkreuz. Erst in den 1980er Jahren wurde die Tradition der Wallfahrt nach Kleinheiligkreuz auf dem alten Wallfahrtsweg über den Himmelsberg/Herrgottseiche wieder aufgenommen. Die Wallfahrt erfolgt seitdem im September zur Wallfahrtwoche „Kreuzerhöhung“. Kleinlüder ist mit der Gebietsreform des Landes Hessen im Jahre 1972 in die Gemeinde Großenlüder eingegliedert worden.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Mariengrotte in Giesel

Gemeinschaftliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel verfügt über einen Friedhof, eine Mariengrotte am Waldrand am „Rödchen“ und einen gemeindlichen Festplatz. Das Kriegerehrenmal befindet sich gegenüber der 1960/62 errichteten katholischen Pfarrkirche und ein Pfarr-Jugendheim. Ein Dorfgemeinschaftshaus ist in der ehemaligen Grundschule zum „Christoph-Kalb-Haus“ eingerichtet und erweitert worden. Eine Zweigstelle der Volkshochschule bietet Kurse im „Christoph-Kalb-Haus“ an. Zur sportlichen Betätigung stehen zwei Fußball-Sportplätze mit Vereinsheim Sportlerhaus am Ortsrand zur Verfügung. Den Kindern und Jugendlichen des Dorfes stehen zwei Kinderspielplätze, ein Bolzplatz und ein offener gemeindlicher Jugendtreff zur Verfügung. Ein reges Vereinsleben mit 12 Vereinen und Verbänden verschiedentlichster Ausrichtungen ist im Ort anzutreffen. Ein Feuerwehrhaus und ein neues gemeindliches Backhaus dürfen nicht unerwähnt bleiben.

Das Dorf besitzt eine eigene Wasserversorgung mit Quellfassung, Pumpstation und Wasserhochbehälter und ist an die Abwasserentsorgung der eigenen Kläranlage angeschlossen.

Das Friedhofskreuz in Giesel neben der Friedhofskapelle

Der Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedhofskapelle Giesel von Südwesten

Im Jahr 1960 wurde der 1908 angelegte Friedhof an der Zellertstraße im Rahmen des laufenden Flurbereinigungsverfahrens nach Süden erweitert.

Die politische Gemeinde Giesel unter Bürgermeister Leonhard Glotzbach errichtete auf der Erweiterungsfläche ab 1961 eine neue Friedhofskapelle, die ebenfalls von den Architekten Weber, Fulda und Herbert Roer, Margetshöchheim, den Planern der neuen Pfarrkirche, entworfen worden war. Diese wurde 1962 eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Zur selben Zeit wurde das neue Friedhofskreuz aus rotem Sandstein vom Bildhauer Johannes Kirsch, Petersberg, geschaffen. Die Beschriftung lautet: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“.

Eine weitere Erweiterung erfolgte unter Bürgermeister Martin Hohmann. Mit der Neuanlage eines Landschaftsfriedhofes östlich und oberhalb der Sudetenstraße Ende der 1990er Jahre, wurde Neuland in der Friedhofsplanung für Giesel betreten. Mit den Planungen des Gartenarchitekten Klaus Heigl aus Poppenhausen, wurde ein Teil der Friedhofsfläche im Grabfeld „Familiengräber“ mit Tiefengräbern beplant und mit 2 Belegstellen übereinander anlegt. Die ersten Bestattungen fanden ab Mai 1997 statt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrum des Töpferhandwerks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel, heute Wohnort mit rund 1.000 Einwohnern, hatte in vergangenen Jahrhunderten durchaus eine wirtschaftliche Bedeutung für das Kloster Fulda, dessen Lehenspflicht lange Zeit über Giesel herrschte, auch im Bereich des Töpferhandwerkes. Zeugnis legen davon die zahlreichen im Staatsarchiv Marburg vorhandenen Urkunden über Verpfändungen des Lehens und das 1357 bereits erwähnte Zollprivileg ab. Die mit der günstigen strategischen Lage an den beiden mittelalterlichen Heeres- und Handelsstraßen Antsanvia und Ortesweg, die aus dem Frankfurter Raum kommend, bei Giesel in fuldisches Hoheitsgebiet und weiter über Fulda bis nach Leipzig und das Grabfeld führten, brachten Giesel einen gewissen wirtschaftlichen Vorteil und somit wohl auch einen bescheidenen Wohlstand. Einen in der Geschichtsforschung nachgewiesenen Schwerpunkt spielte Giesel im Töpferhandwerk.

Einige ausgewählte Daten sollen hier in einer kleinen Zeittafel erwähnt werden:

  • 1400 erschien die erste genaue Nachricht über das Töpferhandwerk. Fürstabt Johann I. von Merlau (1395–1440) hatte das Dorf und Schloss „Gisla“ und einen Hof für 300 Gulden versetzt. Er behielt nur das Recht, „Eier und Töpferwaren nach Fulda geliefert zu erhalten“.
  • 1584 zeigten alte Rechnungen, dass viele Töpfe nach Schloss Bieberstein verkauft wurden.
  • 1640 gab es in Giesel zwölf „Uhlmeister“ = Üllermeister (Töpfermeister).
  • 1660 erließ Fürstabt Joachim Graf von Gravenegg (1644–1671) von Fulda am 28. August 1660 für „Döpfergießel“ eine Art „Zunftordnung“.
  • 1832 gab es 29 Töpfermeister in „Döpfergiesel“, davon sind aber nur noch 15 Töpfer tätig. Der Zunftmeister der Häfnerzunft von Giesel machte eine schriftliche Eingabe an das kurhessische Ministerium des Innern nach Kassel und beschwerte sich über die schlechten Absatzmöglichkeiten sowie über die Konkurrenz aus Steinau und Lauterbach. Der Niedergang des Töpferhandwerkes und die aufkommende Industrialisierung wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutlich.
  • 1840 suchten viele Menschen in der Wetterau und im westfälischen Industriegebiet (sogenannte Westfalengänger) Arbeit.
  • 1842 starteten der kurhessische Handels- und Gewerbeverein noch einen letzten Versuch, das Töpferhandwerk zu retten. Ein neuer Brennofen sowie Töpferscheiben wurden besorgt und Fachunterricht gegeben. Am „Himmelsberg“ wurde eine neue Abbauanlage zur Tongewinnung errichtet. Die zahlreichen Tonkauten sind heute noch am östlichen Himmelsberges deutlich im Waldboden sichtbar.
  • 1850 wurde der Gemeindebrennofen (am Dalles) in der heutigen Töpferstraße abgebaut und verkauft. Er befand sich nach Forschungen des Hosenfelder Archäologen Christian Aschenbrenner 2010/12 – durch Berichte der Eigentümerfamilie und massive Tonscherbenfunde beim Hausbau – vermutlich auf dem Grundstück Schlitzer/Jahn in der Laurentiusstraße 17. Nach seinen Recherchen könnte damit der noch unbekannte Standort des „Unteren Brennofens“ am „Dalles“ vermutet bzw. lokalisiert werden.
  • 1967/68 wurden bei Kanalbauarbeiten und bei Erdarbeiten zum Neubau des Hauses Töpferstraße 6 eine ganze Reihe alter Tongefäße und große Mengen Tonscherben gefunden. Damit bestätigte sich die Vermutung, dass an dieser Stelle wohl der „Obere Brennofen“ stand. Bei den Ausgrabungsarbeiten waren Schüler der damaligen Volksschule und der Heimatforscher Lehrer Eduard Kramm beteiligt. In dessen Nachlass befand sich eine Vielzahl von Tongefäßen und Keramikscherben. Im Todesjahr von Eduard Kram wurden diese an den Gieseler Ortsvorsteher Reiner Schnell zur Sicherung für die Nachwelt übergeben. In Ausstellungsvitrinen im Foyer des „Christoph-Kalb-Hauses“ wurden diese unter fachmännischer Bewertung von Christian Aschenbrenner, dem Gieseler Heimatforscher Hubert Jörg und des Fuldaer Stadt- und Kreisarchäologen Frank Verse aufbereitet, sind diese für jedermann zugänglich. Unmittelbar nebenan am südöstlichen Hausgiebel des Grundstückes Töpferstraße 4 (am Straßenrand) befindet sich ein alter gemauerter Brunnen vermutlich aus dieser Zeit, dessen Brunnenkopf vor Jahren freigelegt und zur Sicherung mit einem Rundstahlrost versehen wurde. Das genaue Jahr der Errichtung ist geschichtlich noch nicht nachweisbar.

Braunkohlebergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliges Braunkohlebergwerk nach Aufgrabung des eingebrochenen Stolleneinganges mit Gebäuderesten der Anlage über Tage (links)

Neben dem Töpferhandwerk ist die Braunkohleförderung ein Wirtschaftszweig, der sich jedoch in Giesel nicht festigen konnte. Nordwestlich von der Ortslage Giesel erhebt sich der 489,1 m hohe Hausberg, der „Himmelsberg“, der vulkanischen Ursprungs und dem Vogelsberg zuzuordnen ist. Unter dem Basaltgestein aus frühgeschichtlicher Zeit lagert in geringen Tiefen Braunkohle, die in der Zeit vor 1900 schon einmal in unbedeutendem Umfang abgebaut wurde. Der zweite Versuch, das Braunkohlevorkommen gewerbsmäßig abzubauen, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts unternommen. Der Stollen wurde auf der Höhenlinie 450 m ü. NN, von der sogenannten „Bergwerksstraße“ horizontal durch den anstehenden Buntsandstein in das Berginnere des „Himmelsberges“ getrieben. Zu Tage gefördert wurde die Braunkohle über eine Gleisanlage mittels Güterlore einer Feldbahn. Sehr bald wurde jedoch festgestellt, dass die Braunkohle noch einen zu geringen Heizwert hatte. Man sagte, die Kohle sei 1000 Jahre zu jung.

In der Heimatforschung ist verzeichnet, dass 1919 der aus Giesel stammende 16-jährige Eduard Heil beim Einfahren in den Stollen tödlich verunglückte. Bei der Einfahrt zur Wetterkontrolle unter Tage, auf der sich Heil befand, entzündeten sich in den Stollen eingetretene Gase durch die mit offener Flamme betrieben Grubenlampe. 1920 wurde die Schachtanlage dann endgültig geschlossen. Heute noch sind der Schachteingang, Fundamente der Schachtanlage und die Abraumhalde sichtbar. In den 1960er Jahren befanden sich noch Reste von Gleisanlagen der Förderbahn vor dem Stolleneingang. Danach war der Schacht- und Stolleneingang zusammengefallen und nicht mehr begehbar. Nach der Ausweisung des „Himmelsberges“ zum Naturschutzgebiet im Jahre 1980 ist der Stolleneingang – der sich am Rande des Naturschutzgebietes an der sogenannten Bergwerksstraße befindet – durch die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel wieder geöffnet worden und mit einem Betonrohrvorsatz verschlossen worden. Der Stollen dient heute als Fledermausrefugium. Bis 2015 war er noch mittels Metalltürchen zumindest im vorderen Bereich begehbar. Beim Kalisalzabbau in rund 500 m unter Tage ist in diesem Bereich des Himmelsberges unter der Gieseler Gemarkung auch der erkaltete und mit verhärtetem Basalt gefüllte Vulkanschlot gefunden worden.

Kalibergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel liegt über einem Kalibergbaurevier des Kalibergwerkes Neuhof-Ellers. Unter dem Dorf, in einer Tiefe von rund 500 m, wird durch die Kasseler K+S AG (früher Kali und Salz AG bzw. Wintershall AG) eine Lagerstätte mit Kalisalz abgebaut. Die unterirdische Lagerstätte wird von der Schachtanlage in Neuhof-Ellers erschlossen und reicht in der Fläche in der Ausdehnung von Neuhof bis kurz vor Bad Salzschlirf. Sie ist fast identisch mit der Größe des Gieseler Forstes, dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Hessens. 1899 wird mit den Salzbohrungen zwischen Giesel und Neuhof begonnen. 1905 wurde bei der Erschließung der Lagerstätte auch in der Gemarkung Giesel in der Flurlage ein Bohrturm betrieben. Die damalige Kaligesellschaft Neuhof hatte diesen errichtet. Ein Foto des Bohrturmes in der Flurlage „In der Wiebelbach“ des Fotografen Simon aus Fulda trägt den Stempel des Jahres 1905. Der Bohrturm stand an der Zufahrt zu den beiden heutigen Aussiedlerhöfen Linden- und Hermeshof in der Flurlage „In der Wiebelbach“. Im selben Jahr wurde durch Bergwerkbesitzer Emil Sauer, Berlin, die „Kaligewerkschaft Hedwigsburg Neuhof“ gegründet. Am 19. Januar 1906 erfolgte in Neuhof-Ellers der erste Spatenstich zum Bau Schacht- und Übertageanlagen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das stillgelegte Bergwerk als Lager für Bedarfsgüter wie Stoffe und Bekleidung genutzt. Der Kaliabbau wurde nach dem Krieg wieder aufgenommen.

Das Kaliwerk beschäftigt heute rund 750 Mitarbeiter. Im Kalibergbau sind viele Bürger aus Giesel beschäftigt und arbeiten beim Abbau unter Tage oder in der Kalisalzfabrik über Tage. Die Abraumhalde ist Wahrzeichen der Kaligemeinde Neuhof bei Fulda und prägt die Landschaft wesentlich. Auf dieser Halde erfolgt die Lagerung des stark salzhaltigen nicht verwertbaren Abbaumaterials aus der Lagerstätte und wird vom Volksmund auch als „Monte Kali“ bezeichnet.

Kirchengeschichte/Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte der Pfarrei St. Laurentius[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte bis zur Bildung einer eigenen Pfarrei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel liegt seit seiner Gründung, die vermutlich durch das Kloster Fulda erfolgte, zu allen Zeiten in einem durch die katholische Religion geprägten Landstrich, der ehemals zum Hoheitsgebiet des durch Sturmius gegründeten Kloster Fulda zählte und sich bis heute bewahrt hat. Im Gebiet des „Himmelsberges“ an der „Sieberzheiligen“ an der heutigen Landesstraße L 3079, unweit des Verlaufes der alten Heer- und Handelsstraßen Ortesweg und der Ansanvia endete das Gebiet der Karlmann-Schenkung im Gemarkungsbereich von Giesel (ein alter Sandstein markiert den ehemaligen Grenzverlauf). Karlmann, der Bruder des späteren fränkischen Königs Pippin, übergab den Adelshof Eiloha am Fulda-Fluss samt Umland im Radius von 4.000 Schritt im Jahre 744 an Bonifatius zur Gründung eines Klosters; es ist dies die sogenannte Karlmann-Schenkung. Im Auftrag des Bonifatius gründete Sturmi hier am 12. März 744 das Benediktinerkloster Fulda.

Eine erste zerfallene Kapelle, die der hl. Maria Magdalena geweiht war, wurde 1330 erwähnt und wiederaufgebaut. 1333 wurde ein Burgkaplan Nikolaus (Roslon?) für Giesel genannt, das damals zur Pfarrei Haimbach gehörte. 1489 wurde die Gieseler Kapelle der hl. Maria Magdalena geweiht. Von 1569 bis 1573 wirkte der evangelische Kaplan Peter Bang in Giesel. 1594 gehörte die nun erwähnte „Schlosskapelle“ zur Pfarrei Haimbach und 1604 kehrten anlässlich einer Mission die letzten Einwohner zum katholischen Glauben zurück. Im Dreißigjährigen Krieg gab es wie in Fulda wohl auch Zerstörungen am Schloss. In der Zeit von 1632 bis 1634 war während der hessischen Okkupation der protestantische Prediger Magister Bremer in Giesel tätig. In 1657 wurde der heute noch vorhandene Taufstein aufgestellt[4] und 1659 begannen eigene Kirchenbücher für Giesel (Pfarramt Haimbach). 1693 wurde der älteste Gieseler Bildstock in der heutigen Töpferstraße (noch vorhanden) errichtet. Weitere noch erhaltene Bildstöcke wurden in den Jahren um 1750 am Ortsausgang nach Neuhof (an der Landesstraße 3206), 1767 am Weg zum Friedhof (Am Mühlberg), 1821 am Wegstern auf der Anhöhe Sieberzheiligen (an der Landesstraße 3079), 1828 beim Friedhof in der Zellertstraße, 1864 unweit des Ortsausganges nach Hosenfeld und am Beginn des Wallweges nach Kleinheiligkreuz (An der Windmühle) 19. Jahrhundert errichtet.

Erhebung zur Pfarrei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1731 wurde Giesel von der Pfarrei Haimbach abgetrennt und zur neuen Pfarrei im Dekanat Großenlüder erhoben. Zur Pfarrei Giesel gehörte auch die Wallfahrtskirche „Zum hl. Kreuz“ in Kleinheiligkreuz (bis 1962, dann Pfarrei Kleinlüder).

1763 wurden bei einer Visitation die Mauern der Kirche in Giesel als fest, Turm und Dach als unbeschädigt, der Innenraum aber als dunkel und feucht bezeichnet.

Zum 1. Januar 1831 wird unter Bischof Johann Adam Rieger (1828–1831) Istergiesel von der Pfarrei Haimbach abgetrennt und der Pfarrei St. Laurentius Giesel zugeordnet.

Hauptartikel: Mariä Geburt (Istergiesel)

1832 wurde ein neues Pfarrhaus in der heutigen Laurentiusstraße 36 gebaut. 1840 kam Giesel zum neu gebildeten Dekanat Neuhof. 1856 wurde der Bau einer neuen Kirche in der heutigen Laurentiusstraße 38 begonnen. Sie wurde 1859 vollendet und am 4. August 1861 durch den Fuldaer Bischof Christoph Florentius Kött zu Ehren des hl. Laurentius konsekriert. Das Patrozinium wird am 10. August gefeiert. 1890 wurde eine neue Orgel mit zehn Registern eingebaut. 1910 zählte die Pfarrei 822 Seelen. Davon wohnten 621 in Giesel zusammen mit zehn Protestanten. Zur Herstellung von Kriegsmaterial mussten im Ersten Weltkrieg die Kirchenglocken bis auf die Laurentiusglocke, die heute in der Friedhofskapelle hängt, abgeliefert werden. 1922 wurden zwei neue Kirchenglocken angeschafft. 1928 erhielt die Kirche eine neue Orgel mit 14 Registern (1963 für die neue Kirche umgebaut). 1942 mussten erneut alle Glocken bis auf die Laurentiusglocke zu Kriegszwecken (Zweiter Weltkrieg) abgeliefert werden. 1950 wurden für die Kirche zwei neue Glocken (St. Josef, St. Maria) angeschafft. 1961 wurde nach 100 Jahren Nutzung die alte Pfarrkirche St. Laurentius abgerissen und mit dem Bau die heutige Pfarrkirche St. Laurentius errichtet. Im selben Jahr wurde nach Abbruch des im Jahr 1832 errichteten Pfarrhauses an selber Stelle ein neues Pfarrhaus fertig gestellt.

Neue Pfarrkirche von 1962[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Hauptartikel: St. Laurentius (Giesel)
Die Katholische Pfarrkirche St. Laurentius

Am 3. Juni 1962 wurde die neue, im modernen Baustil errichtete Kirche durch den Fuldaer Weihbischof und späteren Bischof Eduard Schick zu Ehren des hl. Laurentius konsekriert und erhielt ihre Weihe. Sie wurde nach den Plänen der Architekten E. Weber und H. Roer, Fulda, von der Firma Ulrich-Bau, Fulda, errichtet. Der Kreuzweg ist eine Arbeit von Günther Zeuner (Speyer). Die Betonglasfenster stammen von Jupp Jost (Hattersheim). Die Wallfahrtskirche Kleinheiligkreuz wird 1962 von der Pfarrei Giesel abgetrennt und der Pfarrkuratie Kleinlüder angeschlossen, die neue Kirche erhielt zwei neue Glocken (St. Laurentius, St. Anna), die aber schon 1971 durch neue ersetzt werden mussten, da die Glocken von 1962 Risse zeigten. Der Glockenguss erfolgte durch die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher. Aus der Kirchengeschichte ist somit die Existenz dreier Kirchen bzw. Kapellen in Giesel belegt. Der Standort der ersten Kirche (Kapelle) befand sich in der Schloss- bzw. Zellertstraße auf dem 1959 aufgegebenen und eingeebneten alten Friedhof (heute Grundstück Zellertstraße 6 mit Zugang von der Schloßstraße) in der Nähe der ehemaligen Burg bzw. des Wasser- oder Jagdschlosses (heute Schlossstraße 2). Die zweite Kirche war die 1861 konsekrierte St. Laurentiuskirche und befand sich am selben Standort der heutigen dritten Kirche, der zweiten Laurentiuskirche, im ehemaligen „Joßgarten“ in der Laurentiusstraße 38.

Am Sonntag, 16. Juni 2012, fand das Jubiläum „50 Jahre St. Laurentius“ mit einem Festhochamt zelebriert mit Prälat Domkapitular i. R. Josef Mönninger und Pfarrer Markus Schneider statt.

Neuzeit und Gegenwart der Pfarrei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bistum Fulda, zu dem Giesel zugehörig ist, wurde 2002 durch den Bischof von Fulda, Heinz Josef Algermissen, einer Neugliederung, die als „Pastoraler Prozess“ bezeichnet wird, unterzogen. Ein Punkt dabei ist der Zusammenschluss selbstständiger Gemeinden zu Pastoralverbünden, d. h. zu größeren Seelsorgeeinheiten, die aus mehreren Pfarreien bestehen. Hintergrund der Neuorganisation ist der immer mehr um sich greifende Priestermangel im Bistum Fulda. In diesem Zusammenhang wurden die Pfarreien im Laufe des Jahres 2006 zu 48 Pastoralverbünden zusammengelegt, wobei die Pfarreien ihre Selbstständigkeit behalten haben. Auch die Struktur der Dekanate wurde zum Teil durch Zusammenlegungen verändert. Seit dem 1. April 2007 gibt es bistumsweit insgesamt nur noch zehn Dekanate.

Mit der Neugliederung des Bistums wurde die Pfarrei St. Laurentius in Giesel dem bisherigen Dekanat Neuhof dem Stadtdekanat Fulda sowie dem neu gebildeten Pastoralverbund Hl. Antonius von Padua Fulda-West zugeordnet. Dem Pastoralverbund gehören neben St. Laurentius in Giesel auch die Pfarreien St. Markus in Fulda-Haimbach mit der Filialkirche St. Hubertus in Fulda-Oberrode, Hl. Kreuz in Fulda-Maberzell und St. Andreas in Fulda-Neuenberg an. Die bisherige Filialgemeinde Maria Geburt Fulda-Istergiesel, die seit 1830 von der Pfarrei Haimbach der Pfarrei Giesel zugeordnet war, wurde im Rahmen der Neugliederung des Bistums im Mai 2006 dem Pfarrverbund Johannesberg im Dekanat Fulda zugeordnet. Die Betreuung und Verwaltung wird nunmehr von der Pfarrei St. Johannes d. Täufer, Johannesberg sichergestellt.

Die Pfarreien St. Andreas in Fulda-Neuenberg und St. Laurentius in Giesel wurden seit dem 1. September 2006 bis zum März 2012 von Pfarrer Winfried Abel (Pfarrei St. Andreas) gemeinsam seelsorgerisch betreut und verwaltet, während Pfarrer Markus Schneider (Pfarrei St. Markus) die Pfarreien St. Markus in Haimbach und Hl. Kreuz in Fulda-Maberzell ebenfalls gemeinsam betreute und verwaltete. Mit Wirkung vom 15. März 2012 wurde Pfarrer Markus Schneider zusätzlich zum Amt als Pfarrer der Pfarreien St. Markus in Haimbach und Zum Hl. Kreuz in Maberzell sowie als Moderator des Pastoralverbundes „St. Antonius von Padua – Fulda West“ zum Administrator der Pfarrei St. Laurentius in Giesel beauftragt.

Durch den derzeitigen Priestermangel im Bistum Fulda endete damit auch nach 281 Jahren die Eigenständigkeit der Pfarrei Giesel. Sie wird mit der Einsetzung von Pfarrer Markus Schneider durch Bischof Heinz-Josef Algermissen (seit 2001) als Administrator wieder der Mutterpfarrei Haimbach angegliedert aus der sie 1731 durch Abt Adolf von Dalberg zur eigenen Pfarrei erhoben worden war. Kirchenrechtlich bleibt sie jedoch noch als eigenständige Pfarrei erhalten.

Die Pfarrer von Giesel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Evangelische Kirche im Raum Fulda befindet sich in der Diaspora. Giesel hat in seiner Geschichte bis auf die Wirren in der Reformationszeit lediglich zwei Hinweise auf das Wirken evangelischer Geistlicher im Orte. Von 1569 bis 1573 wirkte der evangelische Kaplan Peter Bang in Giesel. In der Zeit von 1632 bis 1634 Dreißigjähriger Krieg war während der hessischen Okkupation durch schwedische Truppen der protestantische Prediger Magister Bremer in Giesel tätig. Weitere Informationen über evangelisches Leben sind nicht überliefert. Nach den geschichtlichen Erkenntnissen wurde der katholische Glaube durch die im Kloster Fulda und dem späteren Hochstift wirkenden Äbte und späteren Fürstbischöfe in Giesel immer wieder verteidigt und gefestigt. Eine besondere Rolle scheint der Fürstabt Balthasar von Dernbach dabei gespielt zu haben. Der evangelische Glaube, hatte im Verlauf der Geschichte wie auch heute, nur eine geringe Bedeutung. Eine Bestätigung zu dieser Feststellung ergibt sich aus Fundstellen im Staatsarchiv Marburg. Dort wurde der Hinweis auf das Jahr 1604 gefunden wonach die letzten Einwohner von Giesel anlässlich einer Mission zum katholischen Glauben zurückkehrten.

Kirchengemeinde Ortsteil Kirchenkreis Landeskirche
Kirchenkreis Fulda.- Kirchengemeinden Bronnzell-Eichenzell- Pfarrbezirk 1 Südwestliche Stadtteile von Fulda, die Ortsteile Engelhelms, Pilgerzell der Gemeinde Künzell und den Ortteil Giesel der Gemeinde Neuhof. Fulda Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

Heute sind die in Giesel lebenden evangelischen Christen dem Pfarrbezirk 1, der Evangelischen Kirchengemeinde Fulda-Bronnzell–Eichenzell, zugeordnet. Das Pfarramt befindet sich in Fulda-Bronnzell. Die Kirchengemeinde ist auf zwei Pfarrbezirke aufgeteilt und erstreckt sich im Pfarrbezirk Bronnzell auch auf Giesel. Weiter zählen die Stadtteile Bronnzell, Edelzell, Harmerz, Istergiesel, Johannesberg, Kohlhaus, Mittelrode, Niederrode, Oberrode, Sickels, Zell, Zirkenbach und von der Gemeinde Künzell die Orte Engelhelms und Pilgerzell noch zum Pfarrbezirk. Treffpunkt der Gemeinde ist die Evangelische Friedenskirche, Wartburgstraße 1, 36043 Fulda-Bronnzell.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Friedensvertrag zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich unter dem römisch-deutschen Kaiser Franz II. von Luneville 1801 wurde von Napoleon die Säkularisation in Deutschland eingeleitet und die geistlichen Gebiete weltlichen Fürsten zugeteilt. Daher ging die selbständige Fürstabtei Fulda und die dazugehörigen Gebiete wie viele andere, 1803 an Wilhelm von Nassau-Oranien. Damit verlor auch Giesel seine Rechte und Pflichten gegenüber Fulda. 1806 trat Nassau-Oranien dem von Napoleon und Frankreich gewünschten Rheinbund nicht bei, daher kam dass Fürstbistum Fulda unter die Schutzherrschaft von Napoleon, der 1810 das Großherzogtum Frankfurt bildete dem neben anderen Städten und Fürtsbistümern auch Fulda unter dem Fürstprimas Karl Theodor von Dalberg angehörte. In den Nachfolgejahren wurde die erste kommunale Selbstverwaltung auch in den Dörfern wie Giesel aufgebaut an deren Spitze stand zunächst der französische Ortsmaire, Schultheiß und Bürgermeister. 1816 fiel das Fuldaer Gebiet an Kurhessen-Kassel und 1866 an Preußen. Es gab nach 1806 keinen Kaiser mehr. Das ehemalige Fürstbistum Fulda kam 1816 als Großherzogtum Fulda zur Landgrafschaft Hessen-Kassel und wurde 1868 die preußische Provinz Hessen-Nassau.

Die Weltkriege und ihre Folgen bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mord am österreichischen Thronfolger bei einem Besuch in Sarajevo (Serbien) am 28. Juni 1914, bei dem er und seine Frau ums Leben kamen, gilt heute als Auslöser des Ersten Weltkrieges. Dieses Attentat löste bei den verbündeten Mächten hektische diplomatische Aktivitäten aus, die in einen europäischen Krieg mündeten. Daraufhin erklärte Deutschland Russland am 1. August 1914 und Frankreich am 3. August 1918 den Krieg. Unzweifelhaft ist, dass Deutschland eine Schlüsselrolle spielte. Im Ersten Weltkrieg hatte Giesel 48 Gefallene zu verzeichnen.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 um 4:45 Uhr und dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen, wurde eine große Zahl junger Männer aus Giesel zu den Waffen einberufen. Im Zweiten Weltkrieg hatte Giesel 56 Gefallene zu beklagen. 44 kehrten nicht mehr zurück, während andere in harter Gefangenschaft darbten und das Schicksal einiger heute noch nicht geklärt ist. Ihnen zu Ehren wurde das bereits für die Opfer des Ersten Weltkrieges im Jahre 1923 errichtete alte Kriegerehrenmal, mit zwei zusätzlichen Namenstafeln, ergänzt.

Das Dorf wurde von den Kriegseinwirkungen nicht verschont. Mehrere Gebäude, Waldstücke und Straßen wurden beim Einzug der Amerikaner am 31. März 1945 durch Artilleriebeschuss in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört. Es waren Einheiten der 11. US – Panzerdivision die Giesel von Hauswurz und Hosenfeld kommend auf dem Vormarsch Richtung Fulda erreichten.

Kriegstote in Giesel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kriegerdenkmal

Zweiter Weltkrieg 1939–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Vormarsch der US-Streitkräfte der 11. Panzerdivision am 31. März 1945 aus Richtung Hosenfeld und Hauswurz kommend in Richtung Fulda sind in den Ostertagen 1945 bei militärischen Säuberungen um Giesel sieben Wehrmachtssoldaten gefallen:

Dienstgrad Name geboren
Oberleutnant Werner Busch 15. Oktober 1910 in Birkenfeld
Oberfeldwebel Erich Haaker 19. August 1915 in Halle
Feldwebel August Büntge 25. Juni 1898 in St. Andreasberg
Unteroffizier Franz Fislage 28. Mai 1917 in Ibbenbüren
Unteroffizier unbekannt unbekannt
Stabsgefreiter Franz Ebert 20. Oktober 1912 in Simmershausen
Stabsgefreiter Wilhelm Butterweck 15. Oktober 1900 in Lüttersheim

Die Bestattung erfolgte durch die Gemeinde Giesel am 12. April 1945 in einem gemeinsamen Kriegsgrab auf dem alten Friedhof in Giesel.

Zivile Opfer aus Giesel bei den Luftangriffen auf Fulda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Luftangriffen der alliierten Bomberverbände auf Fulda sind fünf Gieseler Bürger, darunter die gesamte Familie Ender, zu Tode gekommen:[5]

Name geboren Todesort
Maria Seng, geb. Gärtner 26. Oktober 1900 in Giesel 12. Juni 1944 am Pröbel in Fulda
Adalbert Ender 1908 in Donnerau Kreis Waldenburg 27. Dezember 1944 im Fuldaer Krätzbachtunnel
Elisabeth Ender, geb. Ruppel 16. August 1912 in Giesel - " -
Rudolf Ender 2. September 1935 in Giesel - " -
Margot Ender 21. Januar 1940 in Giesel - " -
Kriegsgrab auf dem alten Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Kriegsgrab auf dem alten Friedhof in Giesel

Auf dem alten Friedhof in Giesel, der von der Gemeinde 1908 von der Gemeinde am Ende der Zellertstraße neu angelegt wurde, befindet sich rechts neben der Friedhofskapelle vor dem Friedhofskreuz ein noch von der Gemeinde Giesel nach dem Kriegsende 1945 errichtetes Kriegsgrab. 7 Soldaten sind beim Einmarsch US-amerikanischer Truppen am 31. März 1945 in Giesel durch Einheiten der 11. US-Panzerdivision ums Leben gekommen. Bei Säuberungsaktionen im ausgedehnten Gieseler Forst zwischen Hosenfeld, Hauswurz und Giesel waren sie gefallen.

Im Jahr 1980/81 erfolgten durch die Gemeinde Neuhof unter Mitwirkung des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e.V. in Kassel, 7 Umbettungen aus 3 privaten Kriegsgrabstätten in das vorhandene gemeindliche Kriegsgrab. Diese Gräber sind mit Ablauf der Liegefristen des Grabfeldes an der südöstlichen Friedhofsmauer bei der Terrassenförmigen Neuanlage eingeebnet worden. Es waren die des nach einem Lazarettaufenthalt an einer Kriegsverwundung verstorbenen Gefreiten Alois Eidmann dessen Name auf dem bestehenden Grabdenkmal ergänzt wurde.

Auf der 1981 hinzugefügten liegenden Granit-Grabplatte wurden die Namen der beiden Gräber der zivilen Kriegstoten aus Giesel erfasst. Diese mussten bei Luftangriffen auf Fulda ihr Leben lassen. Es handelt sich um die Angehörigen der ganzen Familie Ender die als zivile Opfer der Luftangriffe im „Krätzbachtunnel“ und der Maria Seng im Stadtbereich „Am Pröbel“ unterhalb der heutigen Jugendherberge für die Nachwelt namentlich erfasst wurden.

Kriegerehrenmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Hauptartikel: Kriegerdenkmal (Giesel)

Mit dem Abbruch der alten Laurentiuskirche 1960 wurde auch das alte 1926 errichtete Ehrenmal mit den Ergänzungen aus 1945 für die Schaffung des Baufeldes abgebrochen. Mit der Fertigstellung der neuen Laurentiuskirche 1962 wurde wieder ein neues Kriegerehrenmal in zeitgemäßer Form auf der gegenüberliegenden Straßenseite in der Laurentiusstraße errichtet und 1963 eingeweiht. Zuvor war der auf dem neuen Denkmalplatz verlaufende Gieselbach verrohrt worden.

Heimatvertriebene/Flüchtlinge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schäden des Krieges im Dorf waren noch nicht behoben, da wurde die Gemeinde vor eine weitere schwierige Aufgabe gestellt. Das Landratsamt in Fulda hatte den großen Strom der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, der auch den Landkreis nicht verschonte, zu lenken und in Notquartieren unterzubringen. Zirka 290 Heimatlose, überwiegend aus dem Egerland, aber auch aus Schlesien, Ostpreußen und Ungarn / Rumänien-Siebenbürgen - die von Haus und Hof verjagt waren, wurden in Giesel eingewiesen. Diese jetzt heimatlosen Menschen und mussten menschenwürdig untergebracht werden. Dies war mit erheblichen Anstrengungen und mit Schwierigkeiten in der Bürgerschaft bei der Einweisung in die Häuser verbunden. Der vorhanden Wohnraum musste mit den Neuankömmlingen geteilt werden.

Bauliche Entwicklung nach dem Kriege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Bau von acht neuen gemeindlichen Wohnungen im sogenannten „Gemeindehaus“ anstelle des ehemaligen Kindergartens in 1950 in der Laurentiusstraße 28/30 wurden erste Ansätze zur Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum eingeleitet. Die Ausweisung eines Baugebietes „Sudetenstraße“ mit acht neuen Siedlungshäusern, die die Hessische Heimstätte in den Jahren 1955-1959 oberhalb der damaligen Bebauungsgrenze – unterhalb des 1908 neu angelegten Friedhofes – errichtete, wurde auch hier nach und nach Abhilfe geschaffen. In 1958 wurde im Rahmen einer Flurbereinigung bis 1962 ein neues Baugebiet „Am Mühlberg“ mit 26 Bauplätzen zur Deckung des immer noch großen Wohnungsbedarfs erschlossen und mit der Bebauung begonnen.

Politik seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachkriegszeit bis 1972[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden die politischen Entscheidungen in Giesel zunächst von der amerikanischen Militärregierung getroffen. Mit der landesweiten Entnazifizierung wurden auch in Giesel alle Funktionsträger wie Lehrer, Bürgermeister, Beamte der ehemaligen Nazidiktatur und viele andere auf ihre politische Vergangenheit und Parteizugehörigkeit zur NSDAP überprüft. Nach der Entnazifizierung wurde dann im Jahre 1945 von der Militärregierung der erste kommissarische Bürgermeister in Giesel eingesetzt. Es war Ferdinand Ruppel. Dieses Amt übte er unter schwierigen Verhältnissen – Unterbringung von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen – bis zur ersten demokratischen Kommunalwahl 1948 aus. Bei dieser Wahl wurde erstmals auch die Gemeindevertretung (Gemeinderat) von der Wahlberechtigten Bevölkerung gewählt. Nach erfolgter Konstituierung des ersten Gieseler Nachkriegsparlamentes, erfolgte in derselben Sitzung die Wahl des neuen Bürgermeisters. Diese wählte zum ersten demokratisch gewählten Nachkriegsbürgermeister von Giesel, Ferdinand Ruppel. Damit wurde er in seiner Funktion, die er von der Militärregierung kommissarisch übertragen bekommen hatte, bestätigt. Bei den folgenden Kommunalwahlen in den Jahren 1952, 1956 und den jeweils anschließenden Bürgermeisterwahlen (durch die jeweils gewählte Gemeindevertretung) wurde er erneut in seinem Amt bestätigt. Ferdinand Ruppel leitete die Geschicke der Gemeinde in den 15 Nachkriegsjahren bis 1960.

Neben den großen Herausforderungen an den ersten Nachkriegsbürgermeister Ferdinand Ruppel in diesen ersten Nachkriegsjahren folgte 1949 der Großbrand der zu Giesel gehörenden Zwickmühle, 1950 der Neubau des Gemeindehauses Laurentiusstraße 28/30 mit 8 kleinen Wohnungen für Heimatvertriebe. 1956 die Anschaffung einer ersten Motorspritze TS 8 für die Feuerwehr. 1957 Bau einer ersten größeren Wohnsiedlung mit 8 Wohnsiedlungshäusern durch die Hessische Heimstätte für die Heimatvertrieben in der Sudetenstraße und 1958 die Einleitung der Flurbereinigung unter anderem zur Schaffung neuer Bauflächen in Giesel. 1959 nach Ablauf der letzten Ruherechte die Entwidmung und Aufgabe des alten ehemaligen Totenhofes/Kirchhofs in der Zellertstraße 6 und die Einebnung zu einem Bauplatz. 1958 erfolgte der Baubeginn des neuen Jugendheimes und 1959 des neuen Pfarrhauses.

1960 wurde als zweiter Bürgermeister nach dem Krieg Leonhard Glotzbach durch die Gemeindevertretung gewählt. Dieses Amt bekleidete er zwölf Jahre bis zur Gebietsreform des Landes Hessen 1972/73. In seiner Amtszeit erlebte Giesel eine Um- und Aufbruchzeit, die durch zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur begleitet wurde wie die Fortführung der Flurbereinigung von 1958. 1960 Neubau der L 3079 von der Kreuzung Sturmiusstraße bis zur Niederröder Höhe. Auch die Errichtung und Fertigstellung der Aussiedlerhöfe: Birkenhof auf der Anhöhe des Mühlberges am „Kirchpfad“ nach Istergiesel, des Hermeshof und Lindenhof im Talgrund der Wiebelbach. In diesem Jahr erfolgte im Mai der Abbruch der alten Laurentiuskirche. 1961 Errichtung und Fertigstellung der Aussiedlerhöfe: "Birkenhof" am Mühlberg am Kirchpfad nach Istergiesel, „Hermeshof“ und „Lindenhof“ in der Flurlage „In der Wiebelbach“. 1962 folgte die Erweiterung des Friedhofs und der Baubeginn der Friedhofskapelle.

Die Katholische Pfarrkirche St. Laurentius

1962 wurde mit zwei neuen Glocken (St. Laurentius und St. Anna) das Glockengeläute zu einem Viergeläut ergänzt und geweiht. Auch wird die neue St. Laurentiuskirche fertiggestellt und durch Weihbischof Eduard Schick konsekriert. 1963 erfolgt die Fertigstellung der Friedhofskapelle am Friedhof sowie die Weihe des neuen Friedhofkreuzes welches durch den Bildhauer Johannes Kirsch, Petersberg geschaffen wurde. Ebenfalls errichtete die damalige Spar- und Darlehenskasse in Giesel (später Raiffeisenbank) ein neues massives Düngemittellager mit Bankzahlstelle am Raiffeisenplatz. Die um 1896 mit der Gründung errichteten zwei Wellblech-Lagerhallen wurden zurückgebaut am heutigen Raiffeisenplatz. 1964 Verrohrung des Gieselbaches durch die ganze Ortslage von der Schloßstraße bis in die Sommerbergstraße und Neubau einer Gemeinschaftsgefrieranlage mit 74 Kühlfächern, sowie Feuerwehrhaus in der Laurentiusstraße. 1966 Neubau einer zweiklassigen Grundschule mit Lehrerwohnung und Fertigstellung des Umkleide- und Sportlerhauses sowie eines neuen Sportfeldes. 1967 die wesentliche Erweiterung des Telefonnetzes in gesamten Ortslage mit Neuverlegung eines neuen Hauptkabels parallel zur L 3079 von Fulda nach Giesel.

1968 erfolgte durch die Gemeinde die Veräußerung des unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Jagdschlosses (ehemalige Oberförsterei) in Privatbesitz. Im gleichen Jahr erhielt Giesel, zehn Jahre nach der Wiedergründung der Sportgemeinschaft S.G. Giesel, unter den damaligen Vorsitzenden Otto Wejda, unter Mithilfe des Hessischen Fußballverbandes, des Landkreises Fulda und der Gemeinde eines der ersten Sportlerhäuser „neuer Generation“ nach dem Kriege. Neben den Umkleideräumen für Mannschaft und Gäste war erstmals ein Duschraum für die Spieler vorhanden. Es wurde am heutigen Sportplatz errichtet. 1969 Fertigstellung eines neuen Hochbehälters beim Wanderparkplatz an der Sieberzheiligen für das neue Wasserversorgungsnetzes. Dafür war der Neubau eines Quellsammelschachtes beim „Großen Brunnen“ im Tal der Kalten Lüder sowie neuer Pumpstation an der L 3079 bei der Sieberzmühle und ein neues Trinkwassernetz in der gesamten Ortslage erforderlich. 1970 erfolgte die Anschaffung eines neuen Tragkraftspritzenfahrzeuges (TSF) Ford Transit. 1972 erfolgte die Ausweisung und Erschließung des Neubaugebiets „Hohlgraben/Trift“ mit 33 Bauplätzen.

Entwicklung von 1972 bis 1993[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Gebietsreform und der Eingliederung von Giesel in die Gemeinde Neuhof zum 1. Januar 1972 ging das Bürgermeisteramt in Giesel unter und wurde entsprechend der Gesetzeslage durch einen Ortsvorsteher, der durch den Ortsbeirat gewählt wird, ersetzt. Die Stellung des Bürgermeisters wurde ab diesem Zeitpunkt durch den gewählten hauptamtlichen Bürgermeister der neuen Großgemeinde Neuhof ersetzt (siehe Bürgermeister von Neuhof). Der erste Ortsvorsteher nach der Gebietsreform war Karl Schneider. Seine Amtszeit endete 1993 mit der Neuwahl seines Nachfolgers.

In 1973 folgte die Verbreiterung und der Ausbau der L 3079 in der Hosenfelder Straße bis zur Sturmiusstraße. Und im gleichen Jahr wurde ein Teil der Hühnerfarm des Karl Wiegand am Hirtsweg Richtung „Wiebelbach“ durch einen Brand vernichtet. 1974 wurde ein neues Gemeindebackhaus an das bestehende Feuerwehrhaus mit Gemeinschaftgefrieranlage für die Dorfgemeinschaft angebaut. Der Anbau wurde erforderlich da das alte Ende des 1900 Jahrhunderts errichtete Steinbackhaus abgebrochen werden musste. An den ehemaligen Standort erinnert heute die mit einer Linde bepflanzte Pflanzinsel an der Zufahrt zum heutigen Bürgerhaus und Kindergarten.

Daraufhin erfolgte 1975 der Umbau der in 1966 neu errichten Volksschule, die inzwischen aufgelöst und in die Schloßschule in Neuhof eingegliedert wurde. Beim Umbau wurde die offene ehemalige Pausenhalle der ehemaligen Volksschule zu einem geschlossenen Dorfgemeinschaftsraum im Erdgeschoss und die in der ersten Etage gelegenen drei Klassenräume zur Aufnahme eines Kindergartens mit 50 Plätzen eingerichtet. Ebenfalls wurde die L 3079 in der Hosenfelder Straße von der Kreuzung Laurentiusstraße bis zum Ortsausgang nach der Himmelsbergstraße / Am Hohlgraben verbreitert und neu ausgebaut. Auch „Am Rödchen“ wurde eine kleinere Baugebietsausweisung mit acht Bauplätzen bergseits Richtung Mariengrotte ausgewiesen. 1976 wurde von der Deutschen Bundespost an der „Zellert“ am Waldrand oberhalb des Friedhofs ein Füllsender zur Verbesserung des Fernsehempfanges im Talkessel von Giesel errichtet. In 1977 beginnt die grundlegende Erneuerung der nach dem Kriege erstmals verlegten Bürgermeisterkanäle mit Kanalbaumaßnahmen in der gesamten Laurentius- und Sturmiusstraße für die künftige zentrale Kläranlage in der Flurlage „In den Heiligenwiesen“ in der Gieseltalaue Richtung Fulda. Einen besonderen Einschnitt in das Gieseler Landschaftsbild brachte die Fällung von zwei großen ca. 300 Jahre alten Linden – unweit der Forstscheune der damaligen Oberförsterei beim Jagdschloss – für den geplanten Straßenausbau der L 3206 durch die gesamte Ortslage.

1978 beginnt die Verbreiterung und der Neuausbau der L 3206 (Laurentiusstraße) durch die gesamte Ortslage bis zur Sturmiusstraße. 1979 wird das 16 m hohe Bergkreuz oder Kolpingkreuz an der „Zellert“ oberhalb des Friedhofes durch die örtliche Kolpingsfamilie errichtet. 1980 erfolgt der Neubau der Kanalisation in der Sommerbergstraße von der Hosenfelder Straße bis zur Einmündung der Straße „Am Ingelberg“. 1981 erfolgt ein Küchenanbau an das Dorfgemeinschaftshaus und die katholische Pfarrei Giesel begeht in einem Festakt ihr 250-jähriges Bestehen.

In den folgenden 1980er Jahren wurde durch die amerikanische Armee im Gieseler Forst ein Versorgungsdepot („Forward Storage Site Giesel“)' errichtet und betrieben.[6] Das Depot war eines von mehreren im Rahmen des NATO-Verteidigungskonzepts im Fulda Gap errichteten Depots zur Lagerung von Munition und Versorgungsgütern. Es war über eine eigens ausgebaute Zufahrtsstraße an die Landesstraße 3079 bei dem Wanderparkplatz „Sieberzheiligen“ angebunden. Die Wasserversorgung wurde seinerzeit vom Wasserhochbehälter Giesel auf der Sieberzheiligen – und die Abwasserentsorgung durch eine ca. 4 km lange Anschlussleitung zum Abwasserentsorgungsnetz in der „Himmelsbergstraße“ und Kläranlage Giesel in der Gieselaue – sichergestellt.

1988 erfolgte der Neubau des heutigen Sportlerhauses Giesel in Eigenleistung der Mitglieder der S.G. Giesel und der finanzielle Hilfe der Gemeinde unter Bürgermeister Martin Hohmann und den Vorsitzenden Karlheinz Weigl. Die Einweihung des neuen Sportlerheimeims und des erneuerten Spielfeldes erfolgten noch im gleichen Jahr.

Mit der Öffnung des Eisernen Vorhanges in Ungarn bei einem Paneuropäischen Picknick im August 1989 endete der Kalte Krieg. Mit dem Fall der innerdeutschen Grenze stieg mit der Zuweisung von Um- und Aussiedlern aus der ehemaligen DDR und Spätaussiedlern aus Osteuropa die Einwohnerzahl von Giesel auf über 1.200 an. Zeitweise war in der ehemaligen Gaststätte „Zur Post“ in der Laurentiusstraße 4 eine temporäre Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen untergebracht.

Im September 1989 wurde die neue Kläranlage unter Bürgermeister Martin Hohmann und Ortsvorsteher Karl Schneider in Betrieb genommen. Sie befindet sich im Talzug der Giesel-Aue Richtung Istergiesel.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 verlor das NATO-Depot Giesel seine Funktion und wurde aufgegeben. Die baulichen Anlagen wie Wach- und Aufenthaltsräume für das Bewachungspersonal und die Einfriedung des gesamten Lagerbereichs die zur Lagerung dienendensind inzwischen zurückgebaut. Die ehemaligen Bunker sind zum größten Teil verfüllt. Ein ehemaliges Bunkergebäude wurde zu Naturschutzzwecken zu einem Refugium für Fledermäuse umgewandelt.

Bürgermeister und Ortsvorsteher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titel Name von bis
Bürgermeister Ferdinand Ruppel 1945 1960
Bürgermeister Leonhard Glotzbach 1960 1972
Ortsvorsteher Karl Schneider 1972 1993
Ortsvorsteher Karl-Heinz Block 1993 2000
Ortsvorsteher Ewald Schneider 12. Januar 2001 27. April 2001
Ortsvorsteher Reiner Schnell 27. April 2001 heute

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ÖPNV[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist Giesel mit der im Stundentakt verkehrenden Linie 5A an das Stadtbusnetz Fulda an das Oberzentrum Fulda angebunden.

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Bundesstraßen 27 und 254 und die Autobahnen 7 und 66 ist Giesel zu erreichen. Die Verkehrserschließung und Anbindung an das überörtliche Straßennetz erfolgt über die Landesstraßen L 3206 und L 3079 die bei Fulda-Kohlhaus in die Bundesstraße 254 (B 254) einmündet.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel ist über den ÖPNV an den etwa 10 km entfernten Intercity-Bahnhof im Stadtzentrum Fulda angebunden. Über den freigestellten Schulbusverkehr nach Neuhof (Linie 50) ist an Schultagen von der Haltestelle Raiffeisenplatz aus im 7 km entfernten Neuhof der Regionalbahnhof erreichbar.

Schule und Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giesel verfügt seit 1973 über keine Grundschule mehr. Diese wurde der Schloßschule Neuhof in Neuhof angegliedert. Die weiterführenden Schulen befinden sich am Schulstandort Neuhof und in der nahegelegenen Stadt Fulda.

Kindertagesstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Giesel befindet sich in Trägerschaft der Gemeinde Neuhof eine Kindertagesstätte.

Volkshochschule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Giesel besteht eine Außenstelle der Volkshochschule des Landkreises Fulda mit einem reichhaltigen und breitgefächerten Bildungsangebot. Die Veranstaltungen finden im „Christoph-Kalb-Haus“ statt.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den nachstehenden Jahren wurden folgende Vereine in Giesel gegründet und bereichern / bereicherten mit ihren Aktivitäten das kulturelle und sportliche Leben in der Vogelsberggemeinde.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Winfried Lorei, Oberstaatsanwalt, geboren am 25. Oktober 1930 in Giesel, verstorben am 22. Juni 2013 in Wiesbaden. Neben seinem beruflichen Wirken zeichnete er sich mit seiner Ehefrau Ingeborg Lorei in der Heimatforschung als exzellenter Kenner der Heimatgeschichte aus. Zahlreiche Veröffentlichungen stammen aus deren Feder.
  • Valentin Kraft, am 24. Februar 1886 in Giesel geboren.[7] Er erlernte zunächst das Schreinerhandwerk und entschied sich dann in den Franzikanerorden einzutreten. Unter dem Ordensnamen „Salesius“ war er Franziskaner-Ordensbruder der Indianermission in en:San Luis Rey de Francia in Kalifornien/USA. Er baute die Mescalero Missionsstation St. Josef in Mescalero, Neu Mexiko, auf, wobei er 1928 mit 42 Jahren beim Bau der Steinkirche durch herabstürzende Bausteine verunglückte. Nur zwei Tage später verstarb er an den Folgen seiner Verletzungen und wurde entsprechend seinem Wunsch auch dort neben der Kirche beigesetzt.
  • Heinrich Schnell, am 22. Oktober 1821 Giesel geboren, wanderte als 25-Jähriger im Jahre 1847 nach Amerika aus und gründete am 27. November 1865 Schnellville, Indiana (USA). Er verstarb am 25. Mai 1900 und wurde auf dem Friedhof von Schnellville bestattet.
  • Philipp Kreisler (Pfarrer), wurde am 17. August 1797 in Giesel geboren. Nach Studium und Priesterweihe war er zunächst Stadtkaplan in Fulda (1821), Pfarrer in Großkrotzenburg (1824), Hosenfeld (1835) und Oberbimbach (1853) wo er auch am 18. Dezember 1871 im Alter von 74 Jahren verstarb.

Quelle zu Kraft und Kreisler: Prof. Dominikus Heller; Aus den Pfarreien des Fürstbistums Fulda, Heft 1 - Die Pfarreien der Residenzstadt Fulda; 1956 Verlag Parzeller & CO., Fulda

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In den „Hessischen Blättern für Volkskunde“, Band 58, 1967 hat A. Höck, der bei den Grabungsarbeiten in Giesel (Bodendenkmalpflege Marburg) eingeschaltet war, eine Abhandlung über das Töpferhandwerk in Giesel verfasst.
  • Michael Mott: Einst Jagdschloss, davor Wasserburg / Das Schloss von Giesel: Ein Bauwerk mit wechselhafter Geschichte. Das Gebäude aus dem Jahr 1717 ist heute in Privatbesitz. In: Fuldaer Zeitung. 30. Nov. 1995, S. 13 (Serie: DENK-mal!).
  • Codex Eberhardi – In das 12. Jahrhundert in das Kloster Fulda entführt Günter Ruch mit seinem historischen Roman „Gottes Fälscher“ und erzählt die Geschichte von Eberhard von Giesel, eines Fälschers von Schriften des Klosters und des Adels mit begnadeten Fähigkeiten auf seinem Gebiet. Romanhafte Aufarbeitung der Entstehung des gefälschten „Codex Eberhardi“, einer bedeutenden mittelalterlichen Urkundensammlung, die man heute noch im Staatsarchiv Marburg bewundern kann: Günter Ruch: Gottes Fälscher, Droemer/Knaur, München 2009, ISBN 978-3-426-50054-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. „Giesel, Landkreis Fulda“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 21. September 2015)
  2. Bevölkerungsstatistik des Landkreises Fulda, abgerufen im September 2015.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/ Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 394.
  4. Heribert Kramm: Ein 360 Jahre alter Taufstein in Giesel, Buchenblätter 09/2017, Seite 43 (Beilage der Fuldaer Zeitung) Online (abgerufen am 26. Mai 2017)
  5. Der Bombenkrieg in Fulda
  6. Depot Giesel bei Fulda GAP, abgerufen im Oktober 2015.
  7. Fuldaer Zeitung vom 15. März 2017;S. 13: "Osthess. Fund im Indianerreservat"

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Giesel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien