Giftgasangriff auf Sardasht

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Sardasht (Iran)
Sardasht
Sardasht

Der Giftgasangriff auf Sardasht am 28. Juni 1987 war der erste große Angriff des Irak mit Chemiewaffen auf eine iranische Stadt während des Ersten Golfkriegs. Der Angriff wurde erst infolge des Giftgasangriffs auf Halabdscha der Weltöffentlichkeit bekannt.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 13. April 1987 starteten die kurdischen Rebellen der Patriotischen Union Kurdistans zusammen mit regulären Einheiten der iranischen Armee in der Operation „Kerbala 9“, Angriffe gegen strategische Punkte der irakischen Armee im Gebiet um Sulaimaniyya. Zwei Tage später antwortete die irakische Luftwaffe mit Giftgasangriffen auf 20 kurdische Dörfer, so auch am 15. April 1987 um 19:00 Uhr gegenüber der iranischen Stadt Sardasht mit 12.000 Einwohnern. Dabei wurden in Sardasht 60 Menschen verletzt. Am 27. Juni 1987 wurde bei der Operation „Kerbala 10“ die irakische Stadt Qalat Dizah von kurdischen Rebellen angegriffen.[1]

Angriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Juni 1987 um 16:04 Uhr wurden von der irakischen Luftwaffe in zwei Angriffsflügen vier 250 kg Bomben mit Senfgas über der iranischen Stadt Sardasht abgeworfen. Durch das Giftgas starben im Laufe der Jahre über 100 Iraner.[2]

Erste Meldungen sprachen von 10 Getöteten und 650 Verletzten. Die Zahl der Getöteten stieg innerhalb von 24 Stunden auf 12, nach einer Woche auf 35 und nach einem Monat waren 60 Getötete und 2.000 Verletzte zu beklagen. Ausländische Journalisten wurden am 29. Juli nach Sardasht gebracht, um darüber zu berichten. Einige Verletzte wurden zur Behandlung nach Brüssel, Madrid, Rom und Wien geflogen; der UN liegen Bilder vor.[3]

Selbst nach dem Giftgasangriff vom 28. Juni 1987 wurde Sardasht am 11. Januar 1988 mit chemischer Artilleriemunition beschossen, am 28. März 1988 waren Vororte von Sardasht betroffen.[4]

Medizinische Studien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

372 Giftgasopfer von Sardasht wurden in Langzeitstudien beobachtet, insbesondere die Diagnose, Behandlung und Prävention bei Senfgas-Exposition stand im Vordergrund.[5][6]

Bilder von Giftgasopfern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dilip Hiro: The Longest War. The Iran-Iraq Military Conflict. New York: Routledge Chapman & Hall, Inc., 1991, ISBN 0-415-90407-2, S. 185
  2. presstv.ir Iran supports campaign for total eradication of chemical weapons, abgerufen am 15. Januar 2013
  3. cbw-events.org.uk 87/02 (PDF-Datei; 58 kB) Iraq and Chemical & Biological Warfare, abgerufen am 15. Januar 2013
  4. cbw-events.org.uk 88/01 (PDF-Datei; 89 kB) Iraq and Chemical & Biological Warfare, abgerufen am 15. Januar 2013
  5. journal.muq.ac.ir Quality of Life of Chemically-Disabled War Veterans Involved in Pulmonary Complications of Sulfur Mustard Gas in Sardasht, abgerufen am 15. Januar 2013
  6. Sardasht-Iran cohort study of chemical warfare victim, PMID 19111023