Gigamesh Software Framework

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GigaMesh Software Framework

GigaMesh Logo.png
GigaMesh Screenshot 20180917 Salmanasssar III Tablet Fragment.png
Basisdaten

Entwickler Forensic Computational Geometry Laboratory (FCGL)[1], IWR, Universität Heidelberg
Aktuelle Version v.181004
(4. Oktober 2018 [2])
Betriebssystem Linux
Programmiersprache C++
Lizenz Freeware
https://gigamesh.eu

Das GigaMesh Software Framework ist eine modulare Software zur Anzeige, Bearbeitung und Visualisierung von 3D-Daten, typischerweise aufgenommen mittels Streifenlichtscanning oder Structure-from-motion.

Zur Analyse insbesondere archäologischer Objekte wie Keilschrifttafeln oder Keramik besitzt es eine Vielzahl von Funktionen wie Abrollungen[3], Profilschnitte[4], Krümmungs- und Distanzvisualisierungen sowie Exportfunktionen als Raster- oder Vektorgrafik. Das Lesbarmachen verwitterter Texte, etwa auf Grabsteinen[5] oder Keilschrifttafeln bzw. die Sichtbarmachung feiner Oberflächendetails mit Hilfe des Mehr-Skalen Integral Invarianten (MSII) Filterverfahrens[6] ist eine Kernfunktionalität der Software.[7][8] Um möglichst zuverlässige Filterergebnisse zu bekommen, können die Dreiecksgitter bzw. Polygonnetze der 3D-Modelle geprüft und bereinigt werden. Die bereinigten Daten eignen sich ebenfalls zum 3D-Druck und zur elektronischen Publikation in einem Dataverse.[9]

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Der Name „GigaMesh“ bezieht sich einerseits auf die Verarbeitung großer 3D-Datensätze, andererseits lehnt er sich bewusst an Gilgamesch, einen mythischen sumerischen König und dessen auf Tontafeln überliefertes Heldenepos, an.[6]:115 Das Logo besteht aus dem Keilschriftzeichen 𒆜 (kaskal) und kann Weg, Straße oder Kreuzung bedeuten. Damit ist das Aufeinandertreffen von Geisteswissenschaften und Informatik gemeint. Die umgebende Kreisform bezieht sich auf die Berechnung der Integralinvarianten mittels Kugeln und Sphären. Die Farbe Rot wird von der Universität Heidelberg, dem Entwicklungsort von GigaMesh, verwendet.

Einsatz und Entwicklung in Forschungsprojekten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GigaMesh wurde zu Beginn im Umfeld der Editionsreihe Keilschrifttexte aus Assur literarischen Inhalts (KAL) der Heidelberger Akademie der Wissenschaften entwickelt. Parallel dazu wurde es im Corpus Vasorum Antiquorum der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zur Dokumentation von rotfiguriger Keramik eingesetzt. Zusätzlich zu Projekten wie die Multidimensionale Sicht- und Erfahrbarmachung von Kulturerbe (MUSiEKE)[10] wird das Framework in einem DFG und einem BMBF Projekt zur Kontextualisierung und Erschließung des Corpus der minoischen und mykenischen Siegel erweitert.[11][12] Analog zu den Arbeiten mit Keilschrifttafeln gibt es weitere Ansätze bei der 3D Bildverarbeitung mit Methoden des Maschinellen Lernens kombiniert und für Schrift in 3D, zum Beispiel in der Textdatenbank und Wörterbuch des Klassischen Maya, angewendet wird.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • GigaMesh.eu Homepage des GigaMesh Software Frameworks mit Tutorials, Publikationen und Downloads
  • ResearchGate Projektwebseite und Blog

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.iwr.uni-heidelberg.de/groups/forensicgl
  2. https://gigamesh.eu/download
  3. Paul Bayer, Susanne Lamm: Mehr als nur Ben Hur – Eine 3D-Abrollung des römischen Silberbechers von Grünau, Steiermark. In: Forum Archaeologiae. Band 87, Nr. VI, 2018, ISSN 1605-4636.
  4. Hubert Mara, Julia Portl: Acquisition and Documentation of Vessels using High-Resolution 3D-Scanners. In: Elisabeth Trinkl (Hrsg.): Corpus Vasorum Antiquorum Österreich. Beiheft 1. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 2013, ISBN 978-3-7001-7145-4, S. 25–40 (austriaca.at [PDF; 900 kB; abgerufen am 24. August 2018]).
  5. Kurt F. de Swaaf: Gemeißelte Geheimnisse: Forscher entziffern jüdische Grabinschriften. In: Spiegel Online. 30. Juni 2010 (spiegel.de [abgerufen am 3. August 2018]).
  6. a b Hubert Mara: Multi-Scale Integral Invariants for Robust Character Extraction from Irregular Polygon Mesh Data. Heidelberg 2012, doi:10.11588/heidok.00013890.
  7. Hubert Mara, Susanne Krömker, Stefan Jakob, Bernd Breuckmann: GigaMesh and Gilgamesh — 3D Multiscale Integral Invariant Cuneiform Character Extraction. In: Proceedings of VAST International Symposium on Virtual Reality, Archaeology and Cultural Heritage. Eurographics Association, 2010, ISSN 1811-864X, S. 131–138, doi:10.2312/vast.vast10.131-138 (eg.org [abgerufen am 3. August 2018]).
  8. Hubert Mara: Visual Computing for Analysis of Sealings, Script and Fingerprints in 3D, Präsentation zum Mehr-Skalen Integral Invariante Filterverfahren mit erklärenden Bildern. 2017 (uni-koeln.de [PDF; 8,7 MB; abgerufen am 24. August 2018]).
  9. heiDATA — IWR Computer Graphics Dataverse in der Universitätsbibliothek Heidelberg
  10. Regine Kleber: HEiKA - HEiKA Projekte 2015. 4. Oktober 2018, abgerufen am 11. September 2018 (deutsch).
  11. DFG - GEPRIS - Minoische Siegelglyptik zwischen corpusartiger Erfassung und 3D-Forensik. Eine multidisziplinäre Dokumentation von 900 unpublizierten Siegeln aus dem Archäologischen Museum von Heraklion. Abgerufen am 11. September 2018 (deutsch).
  12. ErKon3D — Erschließung und Kontextualisierung von ägäischen Siegeln und Siegelabdrücken mit 3D-Forensik. Abgerufen am 11. September 2018.
  13. Felix Feldmann, Bartosz Bogacz, Christian Prager, Hubert Mara: Histogram of Oriented Gradients for Maya Glyph Retrieval. In: Proc. of the Eurographics Workshop on Graphics and Cultural Heritage (GCH). 2017, ISSN 2312-6124, S. 115–118, doi:10.2312/gch.20171301 (eg.org [abgerufen am 11. September 2018]).