Gigaset

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Gigaset AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005156004
Gründung 26. Januar 1900
Sitz München, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung

Klaus Weßing,
Vorstandsvorsitzender
Bernhard Riedel,
Aufsichtsratsvorsitzender

Mitarbeiterzahl

930 (2017)

Umsatz 293 Mio. Euro (2017)
Branche Herstellung und Vertrieb von Telekommunikationseinrichtungen
Website www.gigaset.com

Die Gigaset AG ist ein börsennotierter Hersteller von mobilen Kommunikationsgeräten und Smart-Home-Geräten; dabei werden die operativen Aktivitäten über die Tochter Gigaset Communications getätigt. Das Unternehmen firmierte bis 2010 unter dem Namen Arques Industries und war ursprünglich als Beteiligungsgesellschaft tätig. 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 305 Millionen Euro und beschäftigte weltweit 1.366 Mitarbeiter.[1] 2017 betrug der Umsatz 293,30 Millionen Euro bei 930 Mitarbeitern.[2]

Im Mai 2018 kündigte Gigaset an, an einem Standort in Bocholt im Münsterland als erster Hersteller seit 10 Jahren wieder Smartphones in Deutschland zu produzieren.[3]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war Gigaset eine Marke der Siemens Home and Office Communication Devices. Dieser Geschäftsbereich wurde als Gigaset Communications durch Siemens veräußert und von der Arques bzw. Arques Industries, dem Vorläufer der aktuellen Gigaset AG erworben. Nach diesem Kauf beschloss Arques 2010, das Beteiligungsgeschäft aufzugeben und als Unternehmenszweck die Herstellung und den Vertrieb von Telekommunikationseinrichtungen festzusetzen. Im Zuge dessen wurde die vormalige Arques in die heutige Gigaset AG umbenannt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

AG Bad Salzschlirf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktie über 1000 Mark der AG Bad Salzschlirf vom 22. Februar 1907

Am 26. Januar 1900 gründete Hermann Vollrath die Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf, die den kompletten, seit 1838 bestehenden Kurbetrieb im Kurort Bad Salzschlirf für 1,25 Mio. Mark übernahm. Daneben übernahm die AG Bad Salzschlirf Berechtigungen für Quellen und Bergwerke, füllte Wasser aus dem Salzschlirfer Bonifatiusbrunnen ab und vertrieb unter anderem Mineralwasser und Limonaden aus den Bad Salzschlirfer Quellen. Das Unternehmen gab Aktien zu 100 und 1.000 Mark Nominalwert aus. Zu Kriegsanfang 1939 endete der reguläre Badebetrieb. Die drei Kurhotels der AG Bad Salzschlirf wurden beschlagnahmt und dienten fortan als Lazarett für verwundete Soldaten. 1949 wurden sie zunächst Quartier für Besatzungstruppen, ehe sie ein Jahr später wieder in den Besitz der AG Bad Salzschlirf gingen.

Das Kostendämpfungsgesetz verbunden mit Missmanagement brachte die AG Bad Salzschlirf in finanzielle Schwierigkeiten, so dass sie sich Anfang der 90er Jahre von 300 Mitarbeitern trennen, drei Bäder, den Mineralbrunnenbetrieb und das Moorbadehaus verkaufen und ein Kurhotel schließen musste. Dies reichte jedoch nicht zur Reduzierung der Verluste, weshalb die AG Bad Salzschlirf, die sich laut dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Friedrich Kramer in den letzten Jahren immer mehr zur verlustreichen Immobiliengesellschaft entwickelt hatte, am 7. Februar 2001 wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden musste. Großaktionäre waren zu der Zeit zu rund 45 Prozent der Landkreis Fulda, zu rund 25 Prozent die Landesbank Baden-Württemberg und zu rund 11 Prozent die Familie Retzmann. Zum 31. Juli 2001 erhielten alle Mitarbeiter die Kündigung, und es begann die Verwertung der noch im Besitz der Firma befindlichen Immobilien. Den Kurbetrieb übernahm die Gemeinde Bad Salzschlirf mit Hilfe einiger Investorengruppen. Für den nun verbliebenen Börsenmantel unterbreiteten der Investor Peter Löw und die Buchanan-Gruppe des Investors Steven Wilkinson ein Übernahmeangebot zu 32,60 Euro je Aktie, was weit unter der damaligen Notierung lag. Nach Ende der Angebotsfrist am 31. Juli 2002 hatten sie 83 Prozent des Kapitals unter ihre Kontrolle gebracht.

Arques Industries[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 24. Juni 2002 berief die AG Bad Salzschlirf eine Hauptversammlung ein, auf der der neue Geschäftszweck und der neue Firmenname Arques vorgestellt wurde, der sich laut Löw an das spanische Wort für Bögen (arcoes) anlehnte. Neuer Geschäftszweck war die Beteiligung an sanierungsbedürftigen mittelständischen Unternehmen mit dem Ziel, sie nach Sanierung und Neuausrichtung zu veräußern. In diesem Rahmen erwarb Arques 2008 den Bereich Siemens Home and Office Communication Devices von Siemens für 45 Millionen Euro. Es entstand ein Streit mit Siemens wegen ausstehender Zahlungen in der bezeichneten Höhe sowie Garantien in Höhe von 15 Millionen Euro. Im Laufe dieses Rechtsstreits erstattete Siemens Anzeige wegen Betrugs, was zu einer Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten von Arques Industries führte. Der Rechtsstreit endete schließlich mit einem Vergleich.

Gigaset AG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2010 firmierte Arques Industries in Gigaset um. Das Unternehmen verkaufte schließlich sämtliche Beteiligungen mit Ausnahme der beiden Tochterunternehmen Gigaset Communications (Telefone) und der SM Electronic (Satreceiver).

Neuer Großaktionär[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende September 2013 gab Gigaset eine Kapitalerhöhung durch Ausgabe von Aktien und Begebung einer Wandelschuldanleihe bekannt, die weitgehend der chinesische Investor Pan Sutong (über sein Vehikel Goldin Fund) zeichnet, so dass er nach Abschluss der Kapitalerhöhung Ende Oktober 24 % am Kapital der Gigaset hielt; in einer Investorenvereinbarung hat sich Goldin Fund gegenüber der Gigaset verpflichtet, nach der Kapitalerhöhung ein Angebot zum Erwerb sämtlicher Aktien der Gesellschaft (Übernahmeangebot) zu unterbreiten. Mittlerweile besitzt Investor Pan Sutong 85 % der Aktien der Gigaset AG und ist somit Haupteigentümer.[4] Darüber enthält die Investorenvereinbarung Regelungen über Kapitalmaßnahmen für den Aufbau eines neuen Geschäftsbereichs für Tablet-Computer, Smartphones und andere mobile Kommunikationsgeräte.[5][6]

Im Januar 2014 wurde die SM Elektronic als letztes Tochterunternehmen außerhalb des Telekommunikationsbereichs verkauft.[7]

Im November 2015 wurde bekannt, dass sich Gigaset von 550 Mitarbeitern trennen will. Pan Sutong wolle Gigaset als Smartphonehersteller etablieren und ließ deshalb im September 2015 bereits die Gigaset-Markenrechte für 29 Millionen Euro auf sich übertragen. Den Kaufpreis bezahlte Pan Sutong allerdings nicht sofort, weshalb der Verbleib der Markenrechte vorläufig unklar blieb. An der singapurischen Briefkastenfirma, die die Gigaset-Smartphones herstellt, ist Gigaset nur mit 15 Prozent beteiligt; die restlichen 85 Prozent gehören Pan Sutong direkt. Der Gewinn an den Smartphones fließt deshalb nicht direkt an Gigaset, sondern an diese von Sutong kontrollierte Briefkastenfirma.[8][9]

Am 16. Dezember 2015 berief der Aufsichtsrat den Vorstandsvorsitzenden Charles Fränkl und Finanzvorstand Kai Dorn mit sofortiger Wirkung ab und bestellte als neuen Vorstandsvorsitzenden den bisherigen Werksleiter der Gigaset-Telefonfertigung in Bocholt Klaus Weßing, und für das Amt des Finanzvorstands den bei Start-Ups tätigen Manager Hans-Henning Doerr. Als Grund werden Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden vormaligen Vorständen und dem Großaktionär Pan Sutong angenommen.[10][11]

Sponsoring[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 9. Juli 2015 ist die von Sutong kontrollierte Gigaset Mobile, das Joint Venture mit der Gigaset AG, an dem die AG eine Beteiligung von 15 % hält, offizieller Platinum Partner des FC Bayern München. Ziel des Sponsorings ist die Verkaufsförderung der Smartphonelinie Gigaset ME. Für diesen Sponsoringvertrag zahlt Sutong 5 Millionen Euro jährlich.

Produktion in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2018 wurde bekannt, dass Gigaset erstmals seit 10 Jahren wieder ein Smartphone in Deutschland produzieren wird und hierfür die Produktion von China nach Deutschland verlagert. Geplant ist ein Dreischichtbetrieb mit je 8 Mitarbeitern und eine Produktion von bis zu 6000 Smartphones pro Woche. Dank hoher Automatisierung soll dies zu vergleichbaren Kosten wie in Asien möglich sein.[12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gigaset – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gigaset.com: Geschäftsbericht 2014. (PDF; 2,2 MB)
  2. Geschäftsberichte. Gigaset, abgerufen am 30. Mai 2018.
  3. Frühere Siemens-Tochter: Gigaset produziert wieder Smartphones in Deutschland. Handelsblatt, 29. Mai 2018, abgerufen am 30. Mai 2018.
  4. Ehemalige Siemens-Sparte Gigaset will Smartphones bauen. 19. Januar 2015, abgerufen am 24. Februar 2015.
  5. Bezugsrechtskapitalerhöhung und Wandelschuldverschreibung mit Bezugsrecht beschlossen - Unter Bedingung 30%igen Anteilserwerbs steht Backstop Investor zur Verfügung – Übernahmeangebot erwartet. Gigaset AG, 27. September 2013, abgerufen am 29. Oktober 2013 (Ad Hoc Meldung).
  6. Gigaset AG: Veröffentlichung gemäß § 26 Abs. 1 WpHG mit dem Ziel der europaweiten Verbreitung. 25. Oktober 2013, abgerufen am 29. Oktober 2013.
  7. Stefan Zuber: Gigaset verkauft SM Electronic. Gigaset AG, 22. Januar 2014, abgerufen am 23. April 2014 (Pressemeldung).
  8. http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/telefon-hersteller-gigaset-massenentlassungen-hier-fc-bayern-party-dort-1.2767658
  9. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.telefonhersteller-in-der-krise-unruhige-weihnacht-bei-gigaset.4d7f360b-e598-4539-9042-3d1af9277551.html
  10. http://www.gigaset.com/de_de/cms/gigaset-ag/investor-relations/news/neuigkeiten/news/detail/News/gigaset-ag-besetzt-vorstand-neu.html
  11. http://boerse.ard.de/aktien/gigaset-feuert-chefs100.html
  12. Thomas Heuzeroth: Jetzt gibt es das erste Smartphone „Made in Germany“. Die Welt, 29. Mai 2018, abgerufen am 31. Mai 2018.