Gingen an der Fils

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gingen an der Fils
Gingen an der Fils
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gingen an der Fils hervorgehoben
Koordinaten: 48° 39′ N, 9° 47′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Stuttgart
Landkreis: Göppingen
Höhe: 380 m ü. NHN
Fläche: 10,01 km2
Einwohner: 4377 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 437 Einwohner je km2
Postleitzahl: 73333
Vorwahl: 07162
Kfz-Kennzeichen: GP
Gemeindeschlüssel: 08 1 17 025
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Bahnhofstraße 25
73333 Gingen
Webpräsenz: www.gingen.de
Bürgermeister: Marius Hick (CDU)
Lage der Gemeinde Gingen an der Fils im Landkreis Göppingen
Alb-Donau-KreisLandkreis EsslingenLandkreis HeidenheimLandkreis ReutlingenRems-Murr-KreisOstalbkreisOstalbkreisAdelbergAichelberg (Landkreis Göppingen)AlbershausenBad BollBad DitzenbachBad ÜberkingenBirenbachBöhmenkirchBörtlingenDeggingenDonzdorfDrackensteinDürnau (Landkreis Göppingen)Eislingen/FilsHeiningen (Landkreis Göppingen)Ebersbach an der FilsEschenbach (Württemberg)Eschenbach (Württemberg)GammelshausenGeislingen an der SteigeGingen an der FilsGöppingenGruibingenHattenhofen (Württemberg)Heiningen (Landkreis Göppingen)HohenstadtKuchen (Gemeinde)LautersteinMühlhausen im TäleOttenbach (Württemberg)RechberghausenSalachSchlatSchlierbach (Württemberg)SüßenUhingenWäschenbeurenWangen (bei Göppingen)WiesensteigZell unter AichelbergKarte
Über dieses Bild

Gingen an der Fils ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg in der Region Stuttgart und gehört zum Landkreis Göppingen. Sie liegt zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und Ulm. Nach Stuttgart sind es 55 km, nach Ulm 38 km. Die Bürger von Gingen sind als Schnapper bekannt. Der Legende nach hat im 19. Jahrhundert Gingen dem Nachbarort Kuchen die Rechte an einem Brunnen „weggeschnappt“. Immer wieder spielt und spiele der Begriff in der Gemeinde eine Rolle (Schnapperbrunnen, Schnappermobil, Schnapperball).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gingen liegt im Filstal in 380,45 (Rathaus) bis 701 (Hohenstein) Meter Höhe. Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden) Süßen, Donzdorf, Kuchen und Bad Überkingen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Gingen an der Fils gehören das Dorf Gingen an der Fils und der Weiler Grünenberg sowie die abgegangene Ortschaft Marrbach.[2]

Flächenaufteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gingen um 1900

915 wurde der Ort Ginga in einer Schenkungsurkunde der Königin Kunigunde, Ehefrau des Königs Konrad I. des Ostfrankenreichs, für Kloster Lorsch erstmals erwähnt.[4] Archäologische Funde der späten Eisenzeit (sog. Viereckschanze), römischer Zeit (Weihesteine) und der Merowingerzeit (Reihengräber) belegen eine Besiedlung in vorgeschichtlicher Zeit. Vermutlich spielte dabei die Lage am Ausgang der Schwäbischen Alb, dort, wo sich das Filstal verbreitert und umfangreiche Ackerflächen bietet, eine wesentliche Rolle.

Der Staufer König Konrad III. erwarb 1147 vom Kloster Lorsch das in seinem Kerngebiet gelegene Dorf Gingen[5], während die Kirche mit ihrem gesamten Vermögen in der Hand des Klosters verblieb und 1232 an das Erzbistum Mainz überging. Seit etwa 1300, nach Aussterben der Staufer, war der Ort im Besitz der Grafen von Helfenstein. 1403 kam Gingen in den Besitz der Freien Reichsstadt Ulm. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gingen von durchziehenden kaiserlichen Truppen verwüstet.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses wurde Gingen 1803 zunächst bayerisch, fiel aber bereits 1810 im Rahmen eines Gebietstausches infolge des Pariser Vertrages an das Königreich Württemberg.

Neueste Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die bäuerlichen Betriebe immer unwichtiger, da die „Wirtschaftswunder“jahre einen wirtschaftlichen Strukturwandel brachten. Die alten Landstraßen wurden nach und nach asphaltiert und eine neue Schule und später sogar eine Sporthalle, die Hohensteinhalle, errichtet. In den 1980er Jahren dehnte sich die Gemeinde um neue Wohngebiete aus und es entstanden auch kleine Industrieviertel, die immer mehr wachsen.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freie Reichsstadt Ulm leitete in ihrem Gebiet – und damit auch in Gingen – 1531 die Reformation ein. Seither ist der Ort mehrheitlich evangelisch geprägt.

Seit 1965 gibt es auch eine katholische Kirche.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1970

Datum Einwohner
1837 1275
1907 1738
17. Mai 1939 2042
13. September 1950 3284
27. Mai 1970 4080
31. Dezember 1983 4038
31. Dezember 1991 4343
31. Dezember 1995 4311
31. Dezember 2005 4412
31. Dezember 2010 4289
31. Dezember 2015 4329

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Silber (Weiß) über einem schräglinken blauen Wellenbalken eine eintürmige rote Kirche. – Flagge: Blau-Weiß.[6]

Der Wellenbalken steht für die Fils, die durch den Ort fließt. Darüber liegt die Ortskirche, in der möglicherweise die älteste Kircheninschrift Deutschlands aus dem Jahre 984 erhalten ist. Das Wappen wurde im Jahre 1922 angenommen, die blau-weiße Flagge wurde am 5. Dezember 1958 von dem Innenministerium verliehen.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Gingen hat 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis[7]. Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2014
Sitze
2014
%
2009
Sitze
2009
Kommunalwahl 2014
 %
50
40
30
20
10
0
45,39 %
33,06 %
20,07 %
1,49 %
CDU/FWV
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,79 %p
-4,44 %p
+0,07 %p
+1,49 %p
CDU/FWV
UWG-FW Unabhängige Wählergemeinschaft - Freie Wähler 45,39 6 42,6 6
CDU/FWV Christlich Demokratische Union Deutschlands/Freie Wählervereinigung 33,06 5 37,5 5
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,07 3 20,0 3
Piraten Piratenpartei Deutschland 1,49 0
gesamt 100,0 14 100,0 14
Wahlbeteiligung 58,44 % 58,9 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[8]

  • 1945–1948: Kaleb Fetzer
  • 1948–1954: Karl Schmid
  • 1954–1986: Heinz Nagel
  • 1986–2010: Lothar Schober (parteilos)
  • seit 2010: Marius Hick (CDU)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eisenbahnverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnhof Gingen(Fils) mit RB 19246 nach Stuttgart Hbf

Gingen ist durch die Filstalbahn (StuttgartUlm) an das überregionale Schienennetz angeschlossen. Am Bahnhof Gingen (Fils) hält täglich die Regionalbahn (Stuttgart–)PlochingenGeislingen (Steige). Buslinien des Filsland Mobilitätsverbunds verbinden Gingen mit Geislingen und Süßen sowie Göppingen.

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch das Gemeindegebiet verläuft die Bundesstraße 10 Stuttgart–Ulm als Ortsdurchfahrt. Eine Ortsumgehung ist im Bau und soll 2018 fertiggestellt sein.

Bürgerrufauto[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Schnappermobil gibt es in der Gemeinde seit 2017 ein Bürgerrufauto, das von ehrenamtlichen Fahrern betreut wird.[9]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gingen verfügt mit der Hohensteinschule über eine eigene zweizügige Grundschule, mit flexibler Ganztagesbetreuung. Nächstgelegene Realschulen bzw. Gymnasien finden sich in Süßen (3 km), Geislingen a.d. Steige (5-6 km) und Donzdorf (8 km). Für die kleinsten Einwohner stellt die Gemeinde mit der Kindertagesstätte Sonnenschein mit Kinderkrippe und dem Kindergarten St. Barbara zwei Betreuungseinrichtungen zur Verfügung. Ein Neubau der Kindertagesstätte Hohenstein wird ab 2018 den ehemals katholischen Kindergarten St. Barbara ersetzen. Zudem gibt es einen evangelischen Kindergarten. [10]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Johanneskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanneskirche Gingen an der Fils

Spätgotischer Bau mit Chor von 1463 und flachgedecktem Langhaus von 1512.

Über der Nordpforte eine Weiheinschrift vom 1. Februar 984; sie ist die älteste datierte Kircheninschrift Deutschlands (nach dionysischer Zeitrechnung).

Johanneskirche Weltgerichtsfresko

Bei der Renovierung 1964–66 wurden die übertünchten Wandgemälde im Chor (1487 ) und über dem Chorbogen entdeckt. Dieses monumentale Weltgerichtsbild von 1524 , das vom Obervogt Eitel Sigmund von Berg und seiner Gattin Ursula von Speth gestiftet wurde, ist wahrscheinlich dem katholischen Ulmer Künstler Martin Schaffner zuzuschreiben. Vieles deutet darauf hin, dass es vor dem Übertritt zum Protestantismus warnen soll, z. B. finden sich Vornehme (Adlige, Bischof) nur bei den Seligen und keiner bei den Verdammten. [11][12]

Rathaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das moderne Gingener Rathaus mit Bibliothek, das zentral in Gingen liegt und als Treffpunkt der Gemeinde gilt, ist eine weitere Sehenswürdigkeit, da dort oft diverse Kunst- und Kulturgegenstände in wechselnden Ausstellungen zu sehen sind.

Johanneskirche Weiheinschrift aus dem Jahr 984

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Wimmer, Schulamtsdirektor i. R., seit 18. November 2005 „In Würdigung seines herausragenden Wirkens für die örtliche Gemeinschaft …“

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Klinsmann (* 1964), ehemaliger Fußballspieler und heutiger -trainer, spielte als Kind von 1972 bis 1974 beim örtlichen Verein TB Gingen.[13]
  • Karl Allgöwer (* 1957), ehemaliger Fußballspieler, lebt mit seiner Familie in Gingen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gingen an der Fils – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2016 (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 296–297
  3. Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Gingen an der Fils.
  4. RI I n. 2095, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0915-02-08_1_0_1_1_0_4484_2095
  5. RI IV,1,2 n. 429, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1147-01-30_1_0_4_1_2_431_429
  6. Internetpräsenz der Gemeinde Gingen
  7. Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
  8. Dr. Gabriele von Trauchburg: 1100 Jahre Gingen an der Fils - Offizielle Ortschronik. Hrsg.: Gemeinde Gingen an der Fils. Gemeinde Gingen an der Fils, Gingen 2015, S. 292.
  9. Gemeinde Gingen an der Fils. Abgerufen am 4. Januar 2018.
  10. Allgemeines: Gemeinde Gingen an der Fils. Abgerufen am 4. Januar 2018.
  11. http://www.swp.de/geislingen/lokales/taele/Historikerin-mit-faszinierenden-Thesen;art5565,2178372
  12. Heribert Hummel: Wandmalereien im Kreis Göppingen. Konrad-Verlag, Weißenhorn 1978, S. 108–109.
  13. Jürgen Klinsmann auf fussballportal.de (Memento vom 29. September 2007 im Internet Archive)