Giorgio Vasari

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Selbstporträt (zwischen 1550 und 1567), Galleria degli Uffizi, Florenz
Der Salon der Casa Vasari, des Wohnsitzes in Arezzo
Die Sakristei des Vasari in der Kirche Sant'Anna dei Lombardi in Neapel

Giorgio Vasari (* 30. Juli 1511 in Arezzo; † 27. Juni 1574 in Florenz) war ein italienischer Architekt, Hofmaler der Medici und Biograph italienischer Künstler, darunter Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo. Er gilt durch seine Schriften über das Leben und Werk zeitgenössischer Meister als einer der ersten Kunsthistoriker. Vasari führte den Begriff der Gotik ein, allerdings abwertend: Als Verfechter der Ästhetik der antiken Kunst empfand er die mittelalterliche Kunst als fremdartig, barbarisch, wirr (italienisch gotico). Auch die Stilbezeichnung Manierismus geht auf ihn zurück. In seinen Beschreibungen der italienischen Künstler verwendete Vasari 1550 zudem als Erster das Wort rinascita (Renaissance).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vasaris Familie kam aus der Tradition der Töpferkunst von Arezzo (ital. vasaio oder vasaro = Töpfer). Nach einer Ausbildung durch Pollastra und den Glasmaler Guglielmo de Marcillat in Arezzo gelang es dem Vater, seinen Sohn Giorgio unter die Obhut der Medici zu stellen, wo er gemeinsam mit den Medici-Söhnen Ippolito und Alessandro ausgebildet wurde. Neben seinen literarischen Fähigkeiten erweiterte Vasari sein Wissen über die Malerei in den Werkstätten Andrea del Sartos und Baccio Bandinellis.

Nach dem Tod des Vaters 1527[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem republikanischen Umsturz von 1527 floh Vasari aus Florenz in seine Heimatstadt Arezzo. Im selben Jahr starb sein Vater, er musste für den Unterhalt der Mutter und der jüngeren Brüder verdienen und nahm jede Arbeit an, die sich bot, zuerst mehr als Goldschmied denn als Maler. 1530 lud ihn der Kardinal Ippolito de'Medici ein, ihn nach Rom zu begleiten, wo er bei den Künstlern, die für den Medici-Papst Clemens VII. arbeiteten, so bei Michelangelo, Raffael, Polidoro und Peruzzi, eine intensive Lehrzeit durchlief und den römischen Manierismus kennenlernte.[1] In diese Jahre fällt die Begegnung mit Rosso Fiorentino, der vor dem Sacco di Roma geflohen war. Die Expressivität Rossos beeinflusste den Stil Vasaris, zu sehen in einer Deposizione (Grablegung) in der Aretiner Kirche Santissima Annunziata oder einem Christus, der zu Grabe getragen wird.[2]

Depression und Heilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1535 arbeitete er wieder in Florenz im Auftrag der Medici. Der Tod seins Gönners Ippolito de'Medici und die Ermordung des Florentiner Regenten Alessandro de’ Medici durch seinen Vetter Lorenzino de’ Medici im Januar 1537 trafen ihn schwer. Vasari, des Hoflebens überdrüssig und depressiv, zog sich nach Camaldoli zurück, wo fünf große Tafelbilder in der Kirche verwahrt werden, und wurde Maler des Ordens der Olivetaner.

Im Februar 1538, wieder seelisch stabiler, übersiedelte er nach Rom. Noch im Frühling desselben Jahres erreichte ihn eine Einladung von Ottaviano de' Medici, wieder in die Dienste Cosimos einzutreten. Er lehnte ab, erst 1554 kehrte er nach Florenz zurück.

Reisetätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1539 ist er in Bologna nachweisbar, wo er Werke für San Michele in Bosco malte. Um 1540 erwarb er mit den ersten größeren Einkünften ein Haus in Arezzo („Casa Vasari“, s. u.).[3] 1541 war er in Venedig und malte die Tafelbilder des Palazzo Corner Spinelli, in Neapel, wo er hektisch malte, unter anderem im Refektorium von Monteoliveto, im Dom und in der Cappella della Sommaria des Castel Capuano. Er rühmte sich, den Neapolitanern die „Maniera moderna“ gebracht zu haben. Er war in Rimini und in vielen Städten der Emilia und Venetiens. Auf seinen Reisen konnte Vasari eine Unmenge Informationen über italienische Kunst sammeln, die er später in seinem Buch Le Vite de’ più eccellenti pittori scultori ed architettori (Lebensbeschreibungen, meist kurz Le Vite genannt) verarbeitete. Die Chronologie ist in den Quellen teilweise widersprüchlich.

1542 kam er wieder nach Arezzo, wo er in seinem Haus die Fresken schuf, die von der Kunstgeschichte zu seinen besten Werke gezählt werden. In den Öl- und Temperagemälden der Kassettendecke der Sala del Camino ist der Lebensweg zwischen Tugenden und Lastern und der Einfluss der Himmelskörper dargestellt. Im Mittelpunkt steht das achteckige Bild: Die Tugend, die das Glück schlägt und zu ihren Füßen den Neid hält. An den Seiten sind mit den vier Jahreszeiten die Lebensalter des Menschen abgebildet. Am Rand befinden sich die Planeten mit den Tierkreiszeichen.[4]

Rom, die Farnese und die Vite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1544–1545 war er in Neapel, im Oktober 1545 ging er wieder für einige Jahre nach Rom, wo ihn durch Vermittlung von Paolo Giovio und Annibal Caro der mächtige Kardinal Alessandro Farnese unter seine Schutzbefohlenen aufnahm. Das behinderte für lange Zeit die Rückkehr nach Florenz, weil die Farnese mit den Medici konkurrierten. Für die Farnese dekorierte Vasari 1546 einen Saal im Palazzo della Cancelleria in so kurzer Zeit, dass er hernach „Saal der hundert Tage“ genannt wurde. Die Freskenserie über den Pontifikat von Paul III., Großvater Alessandros brachte ihm großen Ruf und zahlreiche Aufträge.

Zwischen 1545 und 1547 schrieb er die erste Fassung seiner Vite, angeregt durch den Intellektuellen- und Künstlerkreis um Alessandro Farnese. Dazu benützte er die Zeichnungen, Skizzen und Aufzeichnungen seiner Reisejahre. Dieses „Libro de' disegni di Giorgio Vasari“ wurde nach seinem Tod auseinandergerissen, die Blätter befinden sich heute in einem Dutzend öffentlicher Sammlungen. Die Vite vereinigen über einen Zeitraum von drei Jahrhunderten insgesamt 318 Künstlerbiographien, chronologisch von Giovanni Cimabue (* 1240) bis zu Vasari selbst. Viele der Dargestellten hatten im Auftrag der Medici gearbeitet.[5] Obwohl die historischen Angaben unzuverlässig, fehlerhaft oder sogar erfunden sind, gelten die Vite nach wie vor als wichtiges Referenzwerk über die Malerei der italienischen Renaissance. „Für die Idee, die Geschichte der Kunst als Heroengeschichte, als Abfolge herausragender Individuen zu erzählen, bedeuten Giorgio Vasaris erstmals 1550 im Druck erschienene Lebensbeschreibungen der berühmtesten Maler, Bildhauer und Architekten ein wirkungsmächtiges Ereignis“,[6] stellt Andreas Dorschel fest; zuvor hatte man nur Herrscher, Feldherrn, Philosophen, Heilige in Biographien gewürdigt, für Künstler waren die Vite ein Symptom sozialen Aufstiegs.

In der Zeit der Abfassung der Vite ging er in Rom eine Beziehung zu Maddalena Bacci ein, mit der er zwei uneheliche Kinder hatte. Um den Skandal zu vermeiden, endete die große Liebe nicht mit einer Heirat, sondern zwei: Maddalena ehelichte einen Hauptmann der herzoglichen Miliz, Vasari nahm ihre jüngere Schwester Niccolosa, damals erst elfjährig, zur Frau. 1550 beschloss er deshalb, nach Florenz zurückzukehren; der Druck der Vite wurde so dem Florentiner Verlag Torrentino anvertraut. Das Werk Cosimo I. de' Medici zu widmen, war der Versuch, wieder dessen Gnade zu erlangen.[7]

Rückkehr in die Toskana[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er projektierte 1550–1552 die Ausschmückung der Villa Giulia. Cosimo I. berief ihn 1554 wieder nach Florenz, in den Folgejahren Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit. Nach dem großen Arno-Hochwasser im Jahre 1557 arbeitete er an der Wiederherstellung und am Neubau vieler Gebäude: Palazzo Vecchio (Ausmalung des „Quartiere degli Elementi“, 1555–1557, der Gemächer Leo X., 1555–1562; des Salone dei Cinquecento, 1562–1565; Dekoration des „Studiolo di Francesco I.“ 1570–1572), Bau der Uffizien 1559 bis zu seinem Tod. Für die Medici baute er auch den geschlossenen Gang von den Uffizien zum Palazzo Pitti über den Dächern der Altstadt.

Neben der Tätigkeit als Hofarchitekt führte er weitere Aufträge aus: Modernisierung 1560–1564 der Pieve Santa Maria in Arezzo, in der sich heute sein Grab befindet; der Kirche Santa Maria Novella, 1565–1567; Santa Croce 1566–1568; Umbau der Badia delle Sante Flora e Lucilla.

Die letzten Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den letzten Arbeiten zählen das Projekt der Loggien an der Piazza Grande in Arezzo (1570–1572) und die Ausschmückung der drei „Cappelle Pie“ und der „Sala Regia“ im Vatikan (1571–1573). An den riesigen Fresken der Domkuppel von Santa Maria del Fiore arbeitete er bis in sein Todesjahr, vollendet hat sie erst Federico Zuccari.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

sind in der Vita beschrieben.

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gemälde in der Kirche San Donnino und Ilario des Klosters Camaldoli, 1537–1540.
  • Fresken und Deckengemälde in der Casa di Giorgio Vasari in Arezzo, ca. 1541–1546 und erneut um 1568.
  • Fresken in der Sala dei Cento Giorni im Palazzo della Cancelleria in Rom, 1546/47.
  • Fresken und Deckengemälde im Palazzo Vecchio in Florenz (Quartiere di Leone X, Quartiere degli Elementi, Quartiere di Eleonora und Sala dei Cinquecento), 1555–1565.
  • Gemälde Die Toilette der Venus (für Luca Torrigiani), 1558, Staatsgalerie, Stuttgart.[9]
  • Entwürfe für das „Studiolo“, das Studierzimmer des Großherzogs Francesco I. im Palazzo Vecchio in Florenz, ca. 1568–1570.
  • Fresken in der Casa di Giorgio Vasari in Florenz, Borgo S. Croce, ca. 1569–1573.
  • Fresken in der Sala Regia des Vatikanpalastes in Rom, 1572.
  • Kuppel des Doms in Florenz, Fresko Das jüngste Gericht, 1572–1574, vollendet von Federico Zuccaro 1574–1579[10]

Die Biographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titel der zweiten Ausgabe von Le Vite (Holzschnitt von Giorgio Vasari), Florenz (Giunti) 1568.

Vasaris Opus Magnum, das ihm überdurchschnittliche Beachtung sicherte, sind die Künstlerbiographien, Le Vite. Der volle Titel der Erstauflage 1550: Le Vite de’ più eccellenti architetti, pittori, et scultori italiani, da Cimabue infino a’ tempi nostri: descritte in lingua toscana da Giorgio Vasari, pittore arentino – Con una sua utile et necessaria introduzione a le arti loro. L. Torrentino, Florenz 1550, 2 Bde.

1568 erschien die zweite, stark erweiterte Auflage mit leicht verändertem Titel:

  • Le Vite de’ più eccellenti pittori, scultori et architettori, scritte e di nuovo ampliate da Giorgio Vasari con i ritratti loro e con l'aggiunta delle Vite de’ vivi e de’ morti dall’anno 1550 infino al 1567. Giunti, Florenz 1568, 3 Bde. Darin fügte Vasari auch eine Reihe (großteils fiktiver) Künstlerporträts ein und vermehrte die Zahl der Maler, seine Autobiografie eingeschlossen, auf 318.

Inhalt der Ausgabe von 1568[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entgegen dem Titel schildert Vasari nicht die Leben sämtlicher bedeutender italienischen Künstler „von Cimabue bis in unsere Zeit“, d. h. zwischen ungefähr 1280 und 1550, sondern legt den Schwerpunkt auf toskanische und umbrische Künstler, unter Vernachlässigung anderer Regionen Italiens. Insbesondere fehlen bei Vasari viele herausragende Künstler aus Oberitalien.[11]

Erster Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Widmung für Cosimo de'Medici 1550
  • Widmung für Cosimo de'Medici vom 9. Januar 1968
  • Proemium (Vorwort) zum ganzen Werk
  • Einführung in die drei Künste der Zeichnung: 35 Kapitel über technische Aspekte und Referenzliteratur für Architektur, Bildhauerei und Malerei
  • Brief Giovambattista Adrianis an Vasari über die Namen und Werke der hervorragendsten alten Künstler der Malerei, der Bronzekunst und des Marmors
  • Proemium (Vorwort) zu den Biografien

Zweiter Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

40 Künstler in 31 Kapiteln

Dritter Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

131 Künstler in 59 Kapiteln

Vierter Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

62 Künstler in 51 Kapiteln

Fünfter Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

39 Künstler in 29 Kapiteln

Sechster Teil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

44 Künstler in 8 Kapiteln

Nachwirkung und Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der amerikanische Kunsthistoriker Paul Barolsky (* 1941, siehe Literatur) betrachtet 1991 die Vite aus einem neuen Blickwinkel. Vasari habe keine historische Quelle mit vielen „Fehlern“ verfasst, sondern eine Novellensammlung nach erkennbaren Mustern von Boccaccio und Franco Sacchetti, mit vielen Querbezügen zu Schriftstellern von Dante Alighieri und Francesco Petrarca bis zu seinen Zeitgenossen. Die Vite seien ein bewusst literarisch konzipiertes Werk, in dem Vasari frei erfundene Episoden aus dem Decamerone oder Sacchettis Novellen übernommen, bisweilen in die eigene Zeit versetzt und Malern zugeschrieben hat. Anderes Anekdotenmaterial habe Vasari selbst erfunden und zu spannenden Biographien kollagiert.

Auch zur Selbstdarstellung nutzte er die Vite, um seinen künstlerischen Rang und seine Wichtigkeit für die Medici gebührend darzustellen. 1527, als die Medici erneut aus Florenz vertrieben wurden, soll eine Bank aus einem Fenster des Palazzo Vecchio geworfen worden sein und den linken Arm der Statue des David zertrümmert haben. Der junge Vasari habe (nach seinem eigenen Bericht) die Bruchstücke eingesammelt und aufbewahrt.[12] Nachdem die Herrschaft der Medici endgültig gesichert war, habe er sie 1543 Cosimo I. übergeben, der die Skulptur restaurieren ließ.

Sogar ganze Malerpersönlichkeiten habe er frei erfunden, etwa den (schon im Namen verdächtigen) Morto da Feltro (der Tote aus Feltro, sic), den die Kunstgeschichte lange versucht hat zu identifizieren - , ohne ein einziges zugeschriebenes oder signiertes Werk und ohne jede zuverlässige Quelle - oder mit Malern wie Lorenzo Luzzo (aus Feltre) (Varianten Pietro Luzzo, Pietro Luci) oder Giovanni da Udine gleichzusetzen, „natürlich“ ohne konkretes Ergebnis.

Die meisten bildhaften Episoden in den Vite haben laut Barolsky keine Quelle, seien aber meisterlich zu glaubhaften Lebensläufen von Künstlern verknüpft und vierhundert Jahre lang als authentische historische Quelle benutzt worden. Die Vite haben so suggestiv gewirkt, dass die Uffizien Morto da Feltro, ohne ein einziges Referenzwerk, sogar ein Selbstporträt zugeschrieben haben, lediglich auf der Basis von Vasaris Erzählungen.

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Michelangelo stellte Herrn Tommaso in einem großen Karton nach der Natur dar, er, der weder vorher noch nachher jemals ein Bildnis fertigte, da es ihm ein Greul war, etwas nach dem Leben zu machen, wenn es nicht von höchster Schönheit war.“

Vasari, 1568

„Die reichsten und manchmal übernatürlichsten Gaben sehen wir häufig auf natürliche Weise mit Hilfe der himmlischen Einflüsse über menschliche Geschöpfe ausgegossen; wir sehen in ungeheuerlicher Weise in einem einzigen Körper Schönheit, Liebenswürdigkeit und Tugend sich so vereinigt, dass, wohin auch jener sich wendet, jede seiner Handlungen so göttlich ist, dass alle Menschen hinter ihm zurückbleiben und es sich deutlich offenbart: Was er leistet, ist von Gott gespendet, nicht durch menschliches Können erzwungen. Das hat die Welt an Leonardo da Vinci gesehen. Denn, von seiner nie genug gepriesenen Schönheit abgesehen, erfüllt göttliche Anmut all sein Tun.“

Die Einleitung Vasaris zu seiner Leonardo-Biographie
Geschichte des Zeuxis in der Casa Vasari in Florenz

Case Vasari[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Casa Vasari in Florenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt zwei Case Vasari, in Florenz und in Arezzo. In Florenz überließ Cosimo I. de’ Medici 1557 den Palazzo im Borgo Santa Croce 8 als Wohnsitz dem Künstler zur Miete, 1561 schenkte Cosimo das Haus Vasari in Anerkennung seiner Dienste. Vasari schuf in den Innenräumen Fresken, von denen nur die im Salon erhalten geblieben sind. Der Palast, lange vernachlässigt, wurde 1942, 1995 und umfassend 2009–2011 restauriert, wurde 1933 unter Denkmalschutz gestellt und ist seither über das danebenstehende Museo Horne der Fondazione Horne zu besichtigen.

Die Fresken der Sala grande zeigen Kunstallegorien, an der Westwand die „Geburt der Malerei“, an der Ostwand den Syrakusaner Bildhauer Zeuxis, im Norden die Geschichte von Apelles und im Süden dreizehn Künstler aus den Vite, Zeitgenossen Vasaris.

Casa Vasari in Arezzo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Geburtsstadt Arezzo erwarb Vasari das Haus in der Via XX settembre 55 und machte es zum Wohnsitz der Familie. Die manieristische Ausstattung ist erhalten, die Einrichtung großenteils verloren, Vasaris Fassadenplanung wurde nicht ausgeführt. Das Haus blieb im Besitz der Familie bis zu ihrem Aussterben im Jahr 1687, nach mehreren Besitzwechseln fiel es 1911 an den italienischen Staat, der daraus ein Museum machte. In der Casa Vasari befindet sich auch das Archivio Vasariano.

Archivio Vasariano[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Vasari-Archiv, das unter anderem 17 autographe Briefe von Michelangelo Buonarroti und drei Autographen seiner Sonette enthält, ist eine unschätzbare Quelle für die Kunst des 16. Jahrhunderts.

Als der letzte Erbe starb, behielt Graf Rasponi Spinelli als Testamentsvollstrecker das Archiv als Pfand, es wurde mehr als zweihundert Jahre später, 1908, im Florentiner Palazzo Rasponi Spinelli wiederentdeckt. Heute befindet sich das Archiv erneut in Arezzo, im Besitz der Erben, der vier Brüder Tommaso, Francesco, Leonardo und Antonio Festari. Sie haben im März 2017 die Digitalisierung der Dokumente abgeschlossen, die in dieser Form jetzt öffentlich zugänglich sind.

Schon 1983 wollte Giovanni Festari das Archiv des Künstlers für umgerechnet 150 Mio. Euro an den russischen Oligarchen Wassili Stepanow verkaufen, der kolportierte Preis wurde nie bezahlt. In Florenz kursieren Gerüchte, dass der astronomische Preis genannt wurde, um die Entschädigungssumme für die geplante Enteignung hochzutreiben (der Staat hat umgerechnet 1,5 Mio Euro angeboten,[13] ein Gericht hat den Schätzwert verdoppelt). Das Archiv ist durch das Gesetz Ronchey vinkuliert und darf Italien auf keinen Fall verlassen.[14]

2017 wurde das Archiv zum national wichtigen Kulturgut erklärt, der vorbereitende Schritt zur Enteignung. Dagegen legten die Erben Einspruch ein. Die Enteignung wurde am 25. April 2018 per Dekret verkündet, ist aber noch nicht rechtskräftig. Ein Rechtsstreit zwischen dem Staatsarchiv und den Brüdern Festari, unter anderem über die Entschädigungshöhe, sowie Strafanzeigen gegen das Staatsarchiv sind anhängig, der Konflikt kann angesichts des Zustands der italienischen Justiz noch Jahre dauern.

Übersetzungen und Nachdrucke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vite erlebten bisher 18 Neuausgaben und wurden in acht Sprachen übersetzt.

In deutscher Übersetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommentierte Gesamtausgabe von 1568

Weitere deutschsprachige Ausgaben

  • Fritz Schillmann (Hrsg.): Giorgio Vasari – Künstler der Renaissance – Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance, Transmare Verlag, Berlin 1948. (Volltext online im Projekt Gutenberg)
  • Künstler der Renaissance. Lebensbeschreibungen der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Architekten der Renaissance. Herausgegeben und zusammengestellt von Fritz Schillmann. Mit 30 Portraitzeichnungen von Herbert Thannhaeuser. Vollmer Verlag, Wiesbaden-Berlin 1959.
  • Ludwig Schorn, Ernst Förster (Hrsg.): Giorgio Vasari: Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister von Cimabue bis zum Jahre 1567. 6 Bände. Nachdruck der ersten deutschsprachigen Gesamtausgabe, Tübingen und Stuttgart 1832–1849. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms. 1. Auflage: 1983. ISBN 978-3-88462-018-2; 2. Auflage: 1988. ISBN 978-3-88462-057-1
  • Sabine Feser (Hrsg.): Giorgio Vasari. Mein Leben. Neu übersetzt von Victoria Lorini, kommentiert und herausgegeben von Sabine Feser. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2005, ISBN 978-3-8031-5026-4.
  • Künstler der Renaissance – Lebensbeschreibungen der ausgezeichneten italienischen Baumeister, Maler und Bildhauer. Mit einem Vorwort von Ernst Jaffé und nach der Übersetzung von Schorn und Förster, Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg 2010, ISBN 978-3-86820-076-8.

Italienische kritische Gesamtausgabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gaetano Milanesi, Carlo Milanesi, Vincenzo Marchese, Carol Pini: Giorgio Vasari: Le vite de' più eccellenti pittori, scultori e architetti. Società di Amatori delle Arti belle/F. Le Monnier, Florenz 1846–1857 (Kritische Ausgabe).
    • 2. Auflage als: Le vite de'più eccellenti pittori, scultori ed architettori seritte da Giorgio Vasari. 9 Bände, Florenz: G. C. Sansoni, 1878–1885.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Vasari[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Barolsky: Why Mona Lisa Smiles and Other Tales by Vasari, Pennsylvania State University Press 1991. Deutsche Ausgabe: Warum lächelt Mona Lisa? Vasaris Erfindungen, übersetzt von Robin Cackett. Wagenbach, Berlin 1996, ISBN 3-8031-3579-6.
  • Gerd Blum: Giorgio Vasari. Der Erfinder der Renaissance. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61455-2.
  • Georges Didi-Huberman: Die Kunst als Neugeburt und die Unsterblichkeit des idealen Menschen. In: Georges Didi-Huberman: Vor einem Bild. Hanser Verlag, München u. a. 2000, ISBN 3-446-16589-4, S. 61–92.
  • Fabian Jonietz, Alessandro Nova (Hrsg.): Vasari als Paradigma. Rezeption, Kritik, Perspektiven – The Paradigm of Vasari. Reception, Criticism, Perspectives (= Collana del Kunsthistorisches Institut in Florenz – Max-Planck-Institut. Vol. 20). Tagungsakten, 14.–16. Februar 2014, Florenz, Kunsthistorisches Institut, Max-Planck-Institut. Marsilio, Venedig 2016, ISBN 978-88-317-2661-0.
  • Alessandro Nova, Katja Burzer, Charles Davis, Sabine Feser (Hrsg.): Le Vite del Vasari. Genesi, topoi, ricezione. = Die Vite Vasaris. Entstehung, Topoi, Rezeption (= Collana del Kunsthistorisches Institut in Florenz Max-Planck-Institut. Vol. 14). Atti del convegno, 13–17 febbraio 2008, Firenze, Kunsthistorisches Institut, Max-Planck-Institut. Marsilio, Venedig 2010, ISBN 978-88-317-0829-6.
  • Erwin Panofsky: Das erste Blatt aus dem Libro Giorgio Vasaris. Eine Studie über die Beurteilung der Gotik in der italienischen Renaissance. (1930). In: Erwin Panofsky: Sinn und Deutung in der bildenden Kunst. = (Meaning in the visual arts) (= DuMont-Taschenbücher 33). DuMont Schauberg, Köln 1975, ISBN 3-7701-0801-9, S. 192–273.
  • Wolfram Prinz: Vasaris Sammlung von Künstlerbildnissen. Mit einem kritischen Verzeichnis der 144 Vitenbildnisse in der zweiten Ausgabe der Lebensbeschreibungen von 1568. L'Impronta, Florenz 1966.
  • Einar Rud: Giorgio Vasari. Vater der europäischen Kunstgeschichte (= Urban-Bücher. Bd. 77). Kohlhammer, Stuttgart 1964, ZDB-ID 995319-x.
  • Julius von Schlosser: Die Kunstliteratur. Ein Handbuch zur Quellenkunde der neueren Kunstgeschichte. Schroll, Wien 1924 (Unveränderter Nachdruck. ebenda 1985, ISBN 3-7031-0604-2).
  • Carlo Maria Simonetti: La vita delle 'Vite' vasariane. Profilo storico di due edizioni. Olschki, Florenz 2005.
  • Andreas Kamp: Vom Paläolithikum zur Postmoderne – Die Genese unseres Epochen-Systems, Bd. I: Von den Anfängen bis zum Ausgang des 17. Jahrhunderts, Amsterdam/Philadelphia 2010, S. 77–89 (zu Vasaris innovativer Geschichtsordnung)

Digitale Quellen der Vite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vasari: Vite, Ausgabe von 1550, pdf-Dokument [3]. Hrsg. Paola Baocchi, Fondazione Memofonte (frei zugängliche digitale Quellen), abgerufen am 14. Mai 2018

  • Daniel Kupper (Hrsg.) Giorgio Vasari: Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister von Cimabue bis zum Jahre 1567, Directmedia Publishing, Berlin 2007, ISBN 978-3-89853-621-9. Der Herausgeber hat (Stand 2018) seine Internetpräsenz eingestellt und seine Mail-Adresse gelöscht.
  • Ludwig Schorn (Hrsg.) Leben der ausgezeichnetsten Maler, Bildhauer und Baumeister von Cimabue bis zum Jahre 1567, Stuttgart u. Tübingen, Cotta 1832–1849, überholte deutsche Übersetzung Digitalisat
  • Das Leben Raphaels von Urbino, Übersetzung Herman Grimms von 1896 Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Giorgio Vasari – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Giorgio Vasari – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mary Pittaluga: Vasari, Giorgio. Enciclopedia Treccani, online-Ausgabe, abgerufen am 14. Mai 2018.
  2. Enrico Mattioda: Giorgio Vasari tra Roma e Firenze, 2008, auch im Internet [1], abgerufen am 14. Mai 2018
  3. Claudia Conforti, Francesca Funis: Vasari, Giunti Editore, Florenz 2001. ISBN 88-09-76481-1.
  4. Klaus Zimmermanns: Toscana. Dumont, Köln 1989, ISBN 3-7701-1050-1, S. 236
  5. Die Viten des Giorgio Vasari, LMU München, 21. Oktober 2015
  6. Andreas Dorschel: Frische des Anfangs. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 249, 26. Oktober 2004, S. 18.
  7. Alle Ereignisse dieser Jahre berichtet Enrico Mattioda: Giorgio Vasari tra Roma e Firenze, 2008, , S. 495 ff., auch im Internet [1], abgerufen am 14. Mai 2018
  8. Von links nach rechts: Marsilio Ficino, Cristoforo Landino, Francesco Petrarca, Giovanni Boccaccio, Dante Alighieri, Guido Cavalcanti. Six Tuscan Poets, Giorgio Vasari. Minneapolis Institute of Art, abgerufen am 17. Mai 2018.
  9. Ina Conzen: Staatsgalerie Stuttgart, die Sammlung: Meisterwerke vom 14. bis zum 21. Jahrhundert, Hirmer, München 2008, ISBN 978-3-7774-7065-8.
  10. Klaus Zimmermanns: Toscana. Dumont, Köln 1989, ISBN 3-7701-1050-1, S. 182
  11. Julius von Schlosser: Die Kunstliteratur. Ein Handbuch zur Quellenkunde der neueren Kunstgeschichte. (Nachdruck der Ausgabe von 1924), Schroll, Wien/München 1985, S. 293.
  12. Pontecommedia
  13. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden allein für sechs handschriftliche Zeilen Michelangelos 250.000 DM bezahlt (Christian Andree: 1,65 Millionen Mark für Spitzen-Autographen in Die Welt vom 15. Juli 2000 [2]), und allein die Michelangelo-Briefe hätten einen höheren Wert als das staatliche Angebot für das ganze Archiv.
  14. Anonymer Bericht: Chaos a Casa Vasari, La Nazione(Tageszeitung), Florenz, 25. April 2018
  15. Siehe dazu: Gerd Blum: Künstlerviten. Eine neue Sicht auf Vasaris Gesamtwerk zum Abschluss der Berliner Edition. In: Neue Zürcher Zeitung, 28. Oktober 2015, S. 41.