Giornico

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Giornico
Wappen von Giornico
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Leventinaw
Kreis: Kreis Giornico
BFS-Nr.: 5073i1f3f4
Postleitzahl: 6745
Koordinaten: 710460 / 13974846.48.875391Koordinaten: 46° 24′ 0″ N, 8° 52′ 30″ O; CH1903: 710460 / 139748
Höhe: 391 m ü. M.
Fläche: 19.5 km²
Einwohner: 876 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 45 Einw. pro km²
Giornico

Giornico

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Giornico [dʒorˈniko], in der alpinlombardischen Ortsmundart [ʒjorˈniːk],[2] deutsch veraltet Irnis, ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kreises Giornico (Bezirk Leventina) im Schweizer Kanton Tessin.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt in der Talsohle der Leventina beidseits des Flusses Tessin. Zwischen den Dorfteilen liegt eine bewohnte Flussinsel. Zur Gemeinde gehört das kleine Dorf Altirolo nordwestlich Giornicos. Von Norden kommend ist Giornico der erste Ort mit südlichem Charakter.

Die Gemeinde grenzt im Norden an Faido, im Osten an Sobrio, im Ostsüdosten an Bodio, im Süden an Personico, im Südwesten an Frasco und im Westen an Chironico.

Geschichte[Bearbeiten]

Denkmal Battaglia dei Sassi Grossi

Im Mittelalter gehörte Giornico, zusammen mit den drei ambrosianischen Tälern, dem Domkapitel Mailand und war zugleich ein Gerichtsort der Leventina. 1403 wurde es erstmals von Uri und Unterwalden erobert.

Am 28. Dezember 1478 kam es als Folge der die Alpen übergreifenden Machtansprüche der Eidgenossenschaft zur Schlacht bei Giornico, der Battaglia dei Sassi Grossi, bei der die Schweizer die Mailänder besiegten. Sie besiegelte die bis 1798 dauernde Herrschaft von Uri über die Leventina.

1803 kam Giornico wie die gesamte Leventina zum neu gegründeten Kanton Tessin.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Dorf ist von Weinbergen und Kastanienwäldern umgeben. Der alte Dorfkern besteht vorwiegend aus Steinhäusern. Bekannt ist Giornico besonders für seine romanischen Kirchen.

Kirchen[Bearbeiten]

Kirchen San Nicola (links) und
S. Michele
  • Die Kirche San Nicola ist die bedeutendste romanische Kirche des Kantons Tessin. Sie entstand um 1150 und weist kunstgeschichtlich herausragende Kapitelle sowie Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert auf. Unter Letzteren befindet sich ein Tricephalus, die mehrmals verbotene Darstellung der Dreifaltigkeit mittels ineinander übergehender Gesichter.[3][4][5] Taufstein.[6]
  • Die Pfarrkirche San Michele[3] ist seit 1210 bezeugt, wurde aber später vielfach umgebaut.
  • Die Kirche Santa Maria di Castello ist die letzte Zeugin des Castello di Santa Maria, einer Kirchenburg auf einem Hügel westlich des Dorfes.[7][3][8]
  • Die Kirche San Pellegrino liegt im Ortsteil Altirolo, an der alten Strasse, die von Giornico nach Chironico und zum Gotthardpass führte.[3][9][10] Sie gilt als die Kirche mit der reichsten Ausmalung im Stil der Spätrenaissance im Kanton Tessin.

Wohnhäuser und Museen[Bearbeiten]

  • Im Dorfzentrum des Ortsteiles Chironico steht ein gut erhaltener sechsgeschossiger Wohnturm. Er wird mit dem im 10. Jahrhundert wirkenden Bischof Atto von Vercelli in Verbindung gebracht. Die Bausubstanz des heute sichtbaren Turmes reicht ins 14. Jahrhundert zurück.[11][3][12][13]
Museo della Leventina
  • Die Casa Stanga[3][14] ist ein altes Wirtshaus aus dem 16. Jahrhundert, dessen Fassade um 1589 vielleicht von Tarilli oder Caresana mit gemalten Wappen berühmter Gäste verziert worden ist. Seit 1972 beherbergt es das Regionalmuseum der Leventina.
  • La Congiunta ist ein modernes Museum am nördlichen Dorfrand von Giornico. Es ist dem Bildhauer Hans Josephsohn gewidmet, wurde vom Schweizer Architekten Peter Märkli entworfen und von 1989 bis 1992 errichtet. 1995 wurde es im Rahmen des Wettbewerbes Neues Bauen in den Alpen mit dem ersten Preis ausgezeichnet.[3][15]

Brücken[Bearbeiten]

Zwei romanische Steinbrücken, über die der mittelalterliche Saumpfad führte, verbinden den rechtsseitigen Dorfteil über eine Tessininsel mit dem links des Flusses gelegenen Viertel. Sie wurden im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt.[16][17]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Weitere Sehenswürdigkeiten und Baudenkmäler sind das Schlachtendenkmal von 1937 (Bildhauer: A. Pessina),[3] das Oratorium Santa Maria di Loreto,[3][18] das Oratorium San Carlo,[3][19] ein Wohnhaus mit Fresko Madonna und zwei Bischöfe,[20] das Wohnhaus Robertini Spadaccini,[3] das Wohnhaus ex Scalabrini,[21] das Beinhaus,[3][22] der Kreuzweg im Friedhof,[3] im Ortsteil Altirolo das Oratorium Santa Maria Maddalena[3][23] und im Ortsteil Caslasc alte militärische Anlagen und Wehrbauten[24]

Verkehr und Wirtschaft[Bearbeiten]

Giornico war jahrhundertelang ein Bauern- und Säumer­dorf, das vom Gotthardverkehr lebte.

Von der Inbetriebnahme der Gotthardbahn 1882 konnte es trotz eines eigenen Bahnhofs nicht wie andere Gemeinden profitieren, da dieser aufgrund der schwierigen topographischen Verhältnisse zwei Kilometer ausserhalb der Gemeinde gebaut werden musste.[25] Die Teilstrecken zu den Nachbarbahnhöfen Lavorgo und Bodio mit 26.8 und 27 ‰ weisen die grössten Steigungen der Gotthardbahn auf. Die spätere Verlegung des Bahnhofs mehr zum Zentrum der Gemeinde hin vermochte den Trend nicht aufhalten; heute ist die Station geschlossen. Die Linienführung der Gotthardbahn direkt oberhalb von Giornico ist gekennzeichnet durch zwei unmittelbar aufeinander folgende Spiraltunnel (Pianotondo und Travi Spiral Tunnel) auf der linken Seite des Tessintals, die zusammen auch als Biaschina-Schleifen bezeichnet werden. – Bei Giornico befindet sich heute der längste und höchste Autobahnviadukt der A2, der Biaschina-Viadukt.

Die 1946 eröffneten Stahlwerke der FIrma Monteforno beschleunigten den Wandel zum Industrieort; sie wurden 1994 allerdings geschlossen. Einen Ersatz bietet die im Jahr 2000 nach Giornico gezogene Tensol Rail, die im Bereich Eisenbahnzubehör und Schienenunterhalt tätig ist. Etwa zwei Drittel der aktiven Bevölkerung sind Wegpendler.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

  • Associazione Calcistica Giornico[29]

Literatur[Bearbeiten]

Geschichte
Kunstgeschichte
  • Bernhard Anderes: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. Edizioni Trelingue, Porza-Lugano 1980, S. 7, 88–95, 102, 135, 137.
  • Marina Bernasconi Reusser: Monumenti storici e documenti d’archivio. I «Materiali e Documenti Ticinesi» (MDT) quali fonti per la storia e le ricerche sull’architettura e l’arte medievale delle Tre Valli. In: Archivio Storico Ticinese. II Serie, Nummer 148, Casagrande, Bellinzona 2010.
  • Peter Märkli: Stiftung La Congiunta: Haus für Reliefs und Halbfiguren des Bildhauers Hans Josephsohn. Hatje, Stuttgart 1994.[31]
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007.
  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 98–113.
  • Anton-Heinz Schmidt: Schweiz – Theater aus Stein oder Unbiblisches in Tessiner Kirchen: die wenig erforschten Kirchen San Nicola in Giornico, San Vittore in Muralto. A.-H. Schmidt, Aigen-Voglhub 2011.[32]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giornico – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 388 f.
  3. a b c d e f g h i j k l m n Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 117–122.
  4. Kirche San Nicolao
  5. Kirche San Nicola (Foto)
  6. Taufstein (Foto)
  7. Kirche des Castello di Santa Maria
  8. Kirche Santa Maria di Castello (Foto)
  9. Kirche San Pellegrino (Foto)
  10. Kirche San Pellegrino
  11. Turm des Bischofs Atto
  12. Attoneturm (Foto)
  13. Turm des Bischofs Atto
  14. Wohnhaus Stanga (Foto)
  15. La Congiunta
  16. Steinbrücke Ost (Foto)
  17. Steinbrücke West (Foto)
  18. Oratorium Santa Maria di Loreto (Foto)
  19. Oratorium San Carlo (Foto)
  20. Fresko Madonna und zwei Bischöfe (Foto)
  21. Wohnhaus ex Scalabrini (Foto)
  22. Beinhaus (Foto)
  23. Oratorium Santa Maria Maddalena (Foto)
  24. Militärische Anlagen und Wehrbauten im Ortsteil Caslasc
  25. Mario Fransioli: Giornico im Historischen Lexikon der Schweiz.
  26. Braun, Adolphe, Photographische Ansichten der Gotthardbahn, Dornach im Elsass, ca. 1875
  27. Dietler, H.: Gotthardbahn in Röll, V. Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 5. Berlin, Wien 1912, p. 356 and 358 on www.zeno.org/Roell-1912
  28. Davide Macullo
  29. Associazione Calcistica Giornico
  30. Kuno Müller: Frischhans Teiling: Der Held von Giornico.
  31. Peter Märkli: Stiftung La Congiunta: Haus für Reliefs und Halbfiguren des Bildhauers Hans Josephsohn.
  32. Anton-Heinz Schmidt: Schweiz – Theater aus Stein oder Unbiblisches in Tessiner Kirchen: die wenig erforschten Kirchen San Nicola in Giornico, San Vittore in Muralto.