Giovanni Maio

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Giovanni Maio in der Sendung hart aber fair, 2017

Giovanni Maio (* 1964 in San Fele, Italien) ist ein deutscher Mediziner, Philosoph und Universitätsprofessor für Bioethik.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maio übersiedelte mit seinen Eltern 1970 in den Raum Freiburg. Nach dem Abitur studierte er Medizin und Philosophie an den Universitäten Freiburg, Straßburg und Hagen. Neben seiner Promotion zum Dr. med in Freiburg absolvierte er ab 1989 eine Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin. Im Jahr 2000 habilitierte er sich mit einem Thema zur Ethik der Forschung an nicht einwilligungsfähigen Patienten an der Universität zu Lübeck für Ethik und Geschichte der Medizin. 2002 wurde er in die Zentrale Ethikkommission für Stammzellenforschung berufen. Nach Tätigkeiten als Wissenschaftlicher Assistent in Freiburg, Aachen und Lübeck ist er seit 2005 Professor für Bioethik und Medizinethik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und leitet außerdem das dortige interdisziplinäre Ethikzentrum.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maio ist Kritiker der Präimplantationsdiagnostik; sie widerspreche der bedingungslosen Annahme eines jeden Menschen, unabhängig von seinem Können, seiner Leistung oder davon, dass er den Wünschen anderer entspricht, und damit dem im Grundgesetz verankerten Prinzip der Menschenwürde. Der Unterschied zur straffreien Abtreibung bestehe in der bei der Präimplantationsdiagnostik nicht gegebenen Notlage der Frau.[1]

Außerdem kritisiert er die zunehmende Kommerzialisierung der Medizin durch den Trend zu medizinisch nicht indizierten Schönheitsoperationen in der Ästhetischen Chirurgie. Wenn der Arzt sich nicht mehr allein vom Wohl des Patienten und der Zielsetzung, Leiden zu lindern, leiten lasse, sondern sein Handeln von Marktströmungen abhängig mache, verließe er die Grundlage seiner besonderen Stellung in der Gesellschaft. Der Arzt wäre dann nur noch ein normaler Handwerker; der besondere Nimbus, den er genießt, würde dann missbraucht. Außerdem würde dabei die Akzeptanz auch älterer und weniger attraktiver Menschen leiden, was aus gesamtgesellschaftlicher Perspektive nicht wünschenswert sei.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2013: Apollonia-Preis[3]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor

  • Ethik der Forschung am Menschen. Zur Begründung der Moral in ihrer historischen Bedingtheit. (Habilitationsschrift, Universität Lübeck, 2000) Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 2002 (= Medizin und Philosophie, 6), ISBN 3-7728-2196-0.
  • Mittelpunkt Mensch. Ethik in der Medizin. Ein Lehrbuch. Mit 39 kommentierten Patientengeschichten. Mit einem Geleitwort von Wilhelm Vossenkuhl. Schattauer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-7945-2448-8.
  • Abschied von der freudigen Erwartung. Werdende Eltern unter dem wachsenden Druck der vorgeburtlichen Diagnostik. Manuscriptum, Waltrop/Leipzig 2013, ISBN 978-3-937801-93-3.
  • Medizin ohne Maß? Vom Diktat des Machbaren zu einer Ethik der Besonnenheit. Trias, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-8304-6749-6.
  • Geschäftsmodell Gesundheit: Wie der Markt die Heilkunst abschafft. Herausgegeben von Bernd Hontschik. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-46514-1.

Als Herausgeber

  • Abschaffung des Schicksals? Menschsein zwischen Gegebenheit des Lebens und medizin-technischer Gestaltbarkeit. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2011, ISBN 978-3-451-30461-3.
  • Ethik der Gabe. Humane Medizin zwischen Leistungserbringung und Sorge um den Anderen. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2014, ISBN 978-3-451-33282-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sarina Pfauth (Interview): Auch das kränkste Leben ist wertvoll. In: Süddeutsche.de. 6. Juli 2010, abgerufen am 27. August 2014.
  2. Giovanni Maio: Ist die ästhetische Chirurgie überhaupt noch Medizin? Eine ethische Kritik. In: Handchirurgie, Mikrochirurgie, Plastische Chirurgie. ISSN 0722-1819, Band 39 (2007), H. 3, S. 189–194.
  3. Apollonia-Preis für Prof. Giovanni Maio. In: Westfälisches Ärzteblatt. 2013, H. 11, S. 48 (PDF; 4,4 MB).