Giovanni Soranzo

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Wappen Giovanni Soranzos

Giovanni Soranzo (* 1240; † 31. Dezember 1328) war der 51. Doge von Venedig. Seine Regierungsperiode von 1312 bis 1328 war für die Republik eine Zeit des Friedens und des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Soranzo, die ursprünglich aus Burano kam, gehörte zu den ältesten aristokratischen Familien Venedigs. Soranzo blieb zwar der einzige Doge. Aus der Familie gingen jedoch eine Reihe von Prokuratoren hervor. Einer von ihnen war Antonio Soranzo, der Vater Giovannis.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Geschäfte (1257), Ansiedlung auf Kreta (1261–1281), Flottenführer und Bailò[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 17-jährige Giovanni Soranzo erhielt von einem Pietro Trevisan eine Geldsumme, um damit Geschäfte zu betreiben, welcher Art er auch immer bevorzugen würde.[1] Er und sein Bruder Marino residierten von 1261 bis 1281 in Candia, der Hauptstadt des venezianischen Kreta. 1281 verkauften sie ihren dortigen immobilen Besitz einschließlich ihrer Weingärten in einem Dokument, das zugleich letztmals die Anwesenheit Giovanni Soranzos auf der Insel erweist.[2]

Nachdem er Kreta verlassen hatte, kämpfte er gegen die byzantinischen Expansionsbemühungen. Dabei gelang ihm 1285 die Rückeroberung von Negroponte, wo sein Bruder Marino von 1287 bis 1289 als Bailò fungierte. Bis 1294 finanzierte er drei Kriegsgaleeren, die er in den Dienst der Republik Venedig stellte. Im 1296 beginnenden abermaligen Krieg gegen Byzanz beherrschte er gemeinsam mit Menego Schiavo und ihren 25 Galeeren die Ägäis. Mit dieser Flotte segelten sie 1297 ins Schwarze Meer, um das von den Genuesen eroberte Kaffa auf der Krim zurückzuerobern.

Soranzo war mit Francesca Molin verheiratet, mit der er drei Söhne und drei Töchter hatte, darunter Soranza.

Soranzo war nicht nur Flottenführer, sondern auch Feldherr im Krieg um Ferrara gegen die Genuesen und die Paduaner. Er unterstützte den Dogen Pietro Gradenigo bei der Unterdrückung der Unruhen in Venedig in der Folge der Schließung des Großen Rates (serrata) von 1296. Diese gewaltsamen Auseinandersetzungen im Jahr 1310 betrafen unmittelbar Soranzos Familie, denn sein Schwiegersohn Niccolò Querini war einer der Aufstandsführer. Dessen Ehefrau Soranza Soranzo floh gemeinsam mit ihm in die Ägäis, wohl um auf Sifnos in Sicherheit zu sein; das Eigentum der Querini wurde, wie das aller Aufständischen, konfisziert. Da Soranza an der Verschwörung nicht beteiligt war, wurde sie 1314 begnadigt. Nach ihrer Rückkehr wurde sie jedoch bis zu ihrem Tod im Kloster Santa Maria delle Vergini in eine Zelle eingesperrt. Ihre Familie durfte sie nur bei Nacht und in gedecktem Boot durch einen Seiteneingang des väterlichen Palastes besuchen, und dies nur zu seltenen Anlässen. Ihre mehr als 37 Anträge liegen für die Jahre zwischen 1315 und 1335 im Staatsarchiv und sind ediert.[3] Ihr Mann starb um 1326, vielleicht auf Sifnos.

Das Dogenamt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soranzo wurde am 13. Juli 1312 im Alter von 72 Jahren zum Dogen gewählt. Während seiner Regierungszeit kam es endlich zu einer Aufhebung des Interdikts von 1308 durch den Papst, um die sich seine Vorgänger bisher vergeblich bemüht hatten. Der Aufstand in Zara in Dalmatien kam zum Erliegen und auch Insel Kreta erkannte die venezianische Oberherrschaft an, ebenso wie eine Reihe von Städten an der Adria, die sich dem Beispiel Zaras mehr oder weniger freiwillig anschlossen. Es folgte für Venedig eine Zeit des Friedens mit den Möglichkeiten einer Ausdehnung des Handels und der Anknüpfung neuer Handelsverbindungen im Mittelmeer, der nur durch die üblichen Scharmützel mit dem ewigen Konkurrenten Genua gestört wurde.

Auch Venedigs Wirtschaft und Kunsthandwerk nahm einen Aufschwung, wozu wesentlich die aus Lucca immigrierten Seidenweber beitrugen. Im August 1321, kurz vor seinem Tod, besuchte Dante als Botschafter des Guido Novello da Polenta die Stadt und wurde ehrenvoll empfangen.

Im Gegensatz zu seiner Amtsführung gab es in seinem privaten Leben mehr Probleme. Die Dogaressa setzte sich ständig über die promissio, die strengen Gesetze, auf die sich ein Doge bei Amtsantritt verpflichten musste, hinweg. Seine Tochter hatte sich mit Niccolò Querini, mit Beinamen zoppo (der Hinkfuß) verheiratet, der einer der Verschwörer beim Umsturzversuch des Baiamonte Tiepolo von 1310 gewesen war. Sie war vom Rat der Zehn verurteilt worden, Querini in das Exil zu folgen, kehrte aber trotzdem nach Venedig zurück. Daraufhin wurde sie im Hospiz Santa Maria delle Vergini mit nur einem Dienstmädchen in Einzelhaft gehalten. Sie blieb bis an ihr Lebensende Staatsgefangene, wenn sie auch den kranken Dogen in seinen letzten Lebensmonaten gelegentlich besuchen durfte.

Soranzo starb am 31. Dezember 1328. Er wurde im Baptisterium von San Marco begraben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrea da Mosto: I dogi di Venezia. Florenz 2003. ISBN 88-09-02881-3
  • Claudio Rendina: I dogi. Storia e segreti. Rom 1984, ISBN 88-8289-656-0
  • Helmut Dumler: Venedig und die Dogen. Düsseldorf 2001.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Raimondo Morozzo della Rocca, Antonino Lombardo (Hrsg.): Documenti del commercio italiano nei secoli XI-XIII, V.II., R. Isitituto Storico Italiano per il Medio Evo, Rom 1940, No. 841, S. 366.
  2. Eleni Mahaira-Odoni: Venetian Colonialism in the Aegean: Sifnos in the Thirteenth Century, Center for European Studies Working Paper Series 144 (2007) 1-28, hier: S. 6.
  3. Ferruccio Zago (Hrsg.): Consiglio dei Dieci. Deliberazioni Miste Registri I & II (1310-1325) und III & IV (1325-1335), Venedig 1962.
VorgängerAmtNachfolger
Marino ZorziDoge von Venedig
1312–1328
Francesco Dandolo