Giuseppe Ungaretti

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Giuseppe Ungaretti (links), Arnoldo Mondadori (Mitte) und Tom Antongini in den 1940er-Jahren vor dem Verlagshaus Mondadori, unbekannter Fotograf, aus den Archivi Mondadori

Giuseppe Ungaretti (* 10. Februar 1888 in Alexandria; † 2. Juni 1970 in Mailand) war ein italienischer Schriftsteller und Lyriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giuseppe Ungaretti wurde in Alexandria (Ägypten) geboren, da sein Vater am Bau des Suezkanals beteiligt war. Ungaretti studierte ab 1912 in Paris an der Sorbonne, und zwischenzeitlich auch in Italien. Während dieser Zeit lernte er verschiedene Künstler kennen (Apollinaire, Max Jacob, Derain, Picasso, Braque, Peguy, Bergson). 1914 kehrte er nach Italien zurück, um für das Land im Ersten Weltkrieg zu kämpfen.

Im Jahre 1916 entstanden seine ersten Texte Il porto sepolto (Allegria di naufragi, Sentimento del tempo). Darin war er von den französischen Futuristen beeinflusst. Nach dem Ersten Weltkrieg wirkte Ungaretti zunächst vor allem journalistisch. Er war ab 1937 Professor für italienische Literatur in São Paulo und von 1942 bis 1959 in Rom. Nach dem Tod seines neunjährigen Sohnes 1942 schrieb er Giorno per giorno. Seiner Affinität zum Faschismus verdankte er in den 1930er Jahren eine Stellung als Pressesprecher im italienischen Außenministerium.

Ungaretti übertrug die Lyrik William Blakes ins Italienische.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungaretti war mit seiner dunklen Lyrik führender Vertreter des literarischen Ermetismo. Seine Gedichte wurden von Autoren wie Ingeborg Bachmann, Hilde Domin und Paul Celan ins Deutsche übersetzt. „M'illumino / d'immenso“ ist das kürzeste und berühmteste Gedicht, mit dem Giuseppe Ungaretti am 26. Januar 1917 in Santa Maria La Longa zunächst unter der Überschrift „Cielo e mare“, später „Mattina“ einen Höhepunkt an Minimalismus erreichte.[1] Ingeborg Bachmanns Übertragung dieser vier Wörter lautet: „Ich erleuchte mich / durch Unermeßliches“.[2] Christoph Wilhelm Aigner nahm das Gedicht in seine Ausgabe mit Übersetzungen von Gedichten Ungarettis nicht auf. Er begründete seine Entscheidung, dass „von einem derart komprimierten Gebilde, das stark von den Vokalen und dem Rhythmus seiner Sprache genährt wird, bei jeglicher Übertragung ins Deutsche nicht viel mehr als eine Behauptung übrigbleibt“.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der begrabene Hafen. 1916.
  • Freude der Schiffbrüche. 1919. Gedichte. Verlag Volk und Welt, Berlin 1977
  • Der Krieg. 1919.
  • Gefühl der Zeit. 1933.
  • Der Schmerz. 1947.
  • Dialog. 1968.
  • Vita d'un uomo. Gesammelte Werke. 1942.
  • Ungaretti. Gedichte. (= Bibliothek Suhrkamp, Band 70). Italienisch und deutsch. Übertragung und Nachwort von Ingeborg Bachmann. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1961.
    • Taschenbuchausgabe: Ungaretti. Gedichte. (= Serie Piper, Band 2189). Italienisch / Deutsch. Aus dem Italienischen und mit einem Nachwort von Ingborg Bachmann. Piper, München / Zürich 1995, ISBN 3-492-12189-6.
  • Notizen des Alten. Il Taccuino del vecchio. Gedichte. Italienisch und Deutsch. Übertragung von Michael Freiherr Marschall von Bieberstein. Ars Librorum, Frankfurt am Main 1967.
  • Das verheißene Land. La terra promessa. Das Merkbuch des Alten. Il taccuino del vecchio. Italienisch und Deutsch. Übertragen von Paul Celan. Insel, Frankfurt am Main 1968.
  • Die späten Gedichte. Italienisch und Deutsch. Übertragung und Nachwort von Michael Freiherr Marschall von Bieberstein. Piper, München 1974, ISBN 3-492-02079-8.
  • Ich suche ein unschuldiges Land. Italienisch und Deutsch. Übertragung und Nachwort von Michael Freiherr Marschall von Bieberstein. Piper, München 1988.
  • Die Heiterkeit. L'allegria. Gedichte 1914–1919. Italienisch und Deutsch. Übertragen von Hanno Helbling. Hanser, München 1990, ISBN 978-3-446-16043-9.
  • Ein Menschenleben. Herausgegeben und aus dem Italienischen übertragen von Angelika Baader und Michael von Killisch-Horn. Werkausgabe in vier Bänden:
    • Band 1: Die Freude. Gedichte 1919–1934. P. Kirchheim, München 1993, ISBN 3-87410-047-2.
    • Band 2: Zeitgefühl. Gedichte 1919–1946. P. Kirchheim, München 1991, ISBN 3-87410-048-0.
    • Band 3: Das verheissene Land. Gedichte 1933–1970. P. Kirchheim, München 1992, ISBN 3-87410-049-9.
    • Band 4: Die Wüste und weiter. Reiseprosa 1931–1946. P. Kirchheim, München 2000, ISBN 3-87410-050-2.
  • Zeitspüren. Gedichte. Ausgewählt und übertragen von Christoph Wilhelm Aigner. DVA, München 2003, ISBN 978-3-421-05692-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angelika Baader: "Unschuld" und "Gedächtnis". Bewußtsein und Zeiterfahrung in Giuseppe Ungarettis Poetik und Lyrik. P. Kirchheim Verlag, München 1997, ISBN 3-87410-076-6, Inhaltsverzeichnis.[3]
  • Stephanie Dressler: Giuseppe Ungarettis Werk in deutscher Sprache. Unter besonderer Berücksichtigung der Übersetzungen Ingeborg Bachmanns und Paul Celans. (= Studia Romanica, Band 103). Carl Winter, Heidelberg 2000.
  • Elisabeth Görner: Ungarettis frühe Schriften zur Literatur. (Romanica et comparatistica, Band 24). Stauffenburg, Tübingen 1996
  • Peter Goßens: Paul Celans Ungaretti-Übersetzung. (= Neues Forum für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Band 9). Edition und Kommentar. Carl Winter, Heidelberg 2000.
  • Manfred Lentzen: Italienische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Von den Avantgarden der ersten Jahrzehnte zu einer neuen Innerlichkeit. In: Analecta Romanica. Heft 53. Klostermann, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-465-02654-3, S. 92–109.
  • Tobias Wyss: Dialog und Stille. Max Jacob. Giuseppe Ungaretti. Fernando Pessoa. Dissertation Universität Zürich 1969. Juris Druck und Verlag Zürich, Zürich 1969.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Leone Piccioni (Hrsg.): Giuseppe Ungaretti. Vita d'un uomo. Tutte le poesie. Mailand 2005, ISBN 88-04-55083-X, S. 65.
  2. Vgl. Mario Wandruszka: Die Mehrsprachigkeit des Menschen. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1981, ISBN 3-423-01723-6, S. 295–296.
  3. Inhaltsverzeichnis. Abgerufen am 18. Mai 2024.