Gjöll

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Gjöll (altnordisch: Gjǫll: "der Lärmende, der Brausende") ist in der nordischen Mythologie der Totenfluss am Rande der Unterwelt Hel.

Totenfluss Gjöll[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gjöll entspringt laut Snorri Sturluson in der Grímnismál der Quelle Hvergelmir und fließt gemäß der Gylfaginning als Grenzfluss entlang der Menschenwelt Midgard und Unterwelt Helheim, in der Nähe der Einzäunung Helgrind, ehe er gänzlich in der Unterwelt verschwindet. Die goldene Jenseitsbrücke Gjallarbrú, die von der Riesin Móðguðr (Modgud) aus dem Geschlecht der Jötun bewacht wird, überspannt den Fluss, der zu den Élivágar gehört. Vor dem Eingang nach Helheim wacht der Höllenhund Garm und lässt alle an Krankheiten und Altersschwäche gestorbenen Neuankömmlinge passieren, die ins Totenreich der Hel wollen.[1]

Steinplatte Gjöll[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gjöll ist laut Snorri Sturlusons Gylfaginning auch der Name einer Steinplatte, an den der Fenriswolf gebunden ist. Er reißt sich von dieser am Weltuntergang Ragnarök los. Der Name hängt vielleicht bmit dem Heulen des Wolfes zusammen. Ein Zusammenhang mit dem Fluss besteht nicht. [2]

Quellentexte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grímnismál[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grímnismál 28

Vina heißt einer,
ein zweiter Vegsvinn,
ein dritter Þjóðnuma:
Nyt und Nöt,
Nönn und Hrönn,
Slíð und Hríð,
Sylg und Ylg,
Víð und Ván,
Vönd und Strönd,
Gjöll und Leifter,
sie fließen nach Midgard,
aber von dort fallen sie nach Hel.
Vína heitir ein,
önnur Vegsvinn,
þriðja Þjóðnuma,
Nyt ok Nöt,
Nönn ok Hrönn,
Slíð ok Hríð,
Sylgr ok Ylgr,
Víð ok Ván,
Vönd ok Strönd,
Gjöll ok Leiftr,
þær falla gumnum nær,
er falla til Heljar héðan.

Gylfaginning[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gylfaginning 4
Es gab viele Menschalter vor der Entstehung der Welt als Nifelheim geschaffen wurde, und mitten in Nifelheim liegt ein Brunnen, der Hvergelmir heißt, und von ihm entspringen die Flüsse, die da heißen: Svöl, Gunnþrá, Fjörm, Fimbultul, Slíðr und Hríð, Sylgr und Ylgr, Við, Leipter; Gjöll ist dem Helgrind am nächsten.
‘Fyrr var þat mǫrgum ǫldum en jǫrð var skǫpuð er Niflheimr var gǫrr, ok í honum miðjum liggr bruðr sá er Hvergelmir heitir, ok þaðan af falla þær ár er svá heita: Svǫl, Gunnþrá, Fjǫrm, Fimbulþul, Slíðr ok Hríð, Sylgr ok Ylgr, Víð, Leiptr; Gjǫll er næst Helgrindum.’
  • Gylfaginning 49
Aber über Hermod kann man sagen, dass er neun Tage und Nächte durch die dunkeln, tiefen Täler ritt, und er sah nichts bis er an den Fluss Gjöll kam und über die Gjallarbrú ritt.
En þat er at segja frá Hermóði at hann reið níu nætr døkkva dala ok djúpa svá at hann sá ekki fyrr en hann kom til árinnar Gjallar ok reið á Gjallar brúna.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Körner Verlag 1984, S. 131
  2. Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Körner Verlag 1984, S. 131

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Körner Verlag 1984, ISBN 3 520 36801 3