Gläserne Manufaktur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Die Gläserne Manufaktur

Die Gläserne Manufaktur in Dresden ist eines von drei Produktionsstätten der Volkswagen Sachsen GmbH[1]. In Dresden wurde von 2002 bis 2016 der Phaeton produziert, seit April 2017 der Elektro-Golf der Marke Volkswagen. Zugleich entwickelt sich die Manufaktur zum Center of Future Mobility.[2] Mitte 2018 waren am Standort 380 Personen beschäftigt.[3]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gläserne Manufaktur befindet sich im Dresdner Stadtteil Seevorstadt-Ost/Großer Garten nahe der barocken Dresdner Innenstadt und bildet die Nordwestecke des Großen Gartens zum Straßburger Platz (Stübelallee). Unmittelbar südöstlich davor liegt das Areal des Botanischen Gartens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände der Gläsernen Manufaktur befand sich das Städtische Ausstellungsgelände mit dem Kugelhaus und dem Städtischen Planetarium, später das Ausstellungszentrum Fučíkplatz.

Obergeschoss: Orangerie

Die Anlage wurde von dem Münchener Architekturbüro Gunter Henn entworfen. In der Planungsphase war der Bau der Fabrik Gegenstand kontroverser Diskussionen, vor allem wegen der Lage am Rand des Großen Gartens. Besonders unter Umweltschützern führte der Bau zu starken Protesten. In erster Linie wurde das höhere Verkehrsaufkommen durch LKWs in der Anlieferung kritisiert, die die neue Produktionsanlage in der Innenstadt von Dresden beliefern sollten. Um das Problem abzumildern, verlangte der Stadtrat ein stadtverträgliches Logistikkonzept,[4] daraufhin schlug VW vor, das Frachtgut statt mit Lastwagen mit der CarGoTram zu transportieren, was schließlich sogar als Auflage Teil der Betriebserlaubnis für den Standort wurde. Mit Ausnahme der Karosserien werden nun alle Bauteile mit der blauen CarGoTram vom VW-Logistikzentrum am Bahnhof Dresden-Friedrichstadt – rund 5 Kilometer entfernt – zur Fabrik gebracht.

Tierschützer sorgten sich angesichts der großen Glasfassaden um die Vögel, Architekten bemängelten vor allem die Disharmonien mit der nahe gelegenen barocken Innenstadt. Außerdem musste der Bahnhof „Straßburger Platz“ der Dresdner Parkeisenbahn verlegt werden. Der alte Bahnhof wurde abgerissen und ein neuer gebaut, der an das Design der Gläsernen Manufaktur angepasst wurde. Eine Bürgerinitiative sammelte 17.600 Unterschriften gegen den Bau der VW-Manufaktur am Großen Garten – zu wenig, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Am 27. Juli 1999 wurde im Beisein vom Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch, Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf der Grundstein gelegt.[5]

Gläserne Manufaktur bei Nacht
Ausstellung über Elektromobilität in der Gläsernen Manufaktur (2016)
Roboterarbeitsplatz zur Rädermontage am e-Golf (2017)

Die Gläserne Manufaktur wurde am 19. März 2002 in Betrieb genommen. Außer den Fertigungsanlagen sind im Gebäude eine gastronomische Einrichtung und ein Startup-Inkubator untergebracht. Bis zum 23. März 2002 war die Öffentlichkeit zur freien Besichtigung eingeladen. Die Fertigung begann schon vor der offiziellen Eröffnung. Ferdinand Piëch als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder gaben bereits am 11. Dezember 2001 das Startsignal für die Produktion.[6] Das Unternehmen wurde für die Produktion des VW Phaeton errichtet und bot den Kunden und Besuchern Einblicke in die Endmontage der Fahrzeuge.

Weil die VW-Tochter Bentley in Crewe (Großbritannien) zeitweise die hohe Nachfrage nach ihren Modellen nicht befriedigen konnte, wurde von Mitte 2005 bis Ende 2006 hier auch der Continental Flying Spur montiert. Mit der Karosseriefertigung des Bentley und Phaeton war damals das Volkswagenwerk Zwickau beauftragt. Da die Nachfrage nach dem VW Phaeton im Jahr 2013 nachgelassen hat, wurde seit Anfang November 2013 erneut die Produktion des Bentley Flying Spur in kleiner Stückzahl aufgenommen.[7]

Im April 2017 übernahm Lars Dittert die Standort-Leitung der Gläsernen Manufaktur.[8] Dittert hat Wirtschaftsingenieurwesen in Dresden studiert, ehe er bei Audi in Neckarsulm im Produktionscontrolling startete. Es folgten vier Jahre bei Škoda Auto in Mladá Boleslav. Dort fungierte er als Leiter des Vertriebs- und Beteiligungscontrollings. Zuletzt leitete Dittert das Controlling bei Volkswagen Sachsen und berichtete als Standortleiter an die Geschäftsführung in Zwickau.[9]

Nachdem am 18. März 2016 die Phaeton-Produktion eingestellt worden war,[10] erfolgte ein 20 Millionen Euro teurer Umbau der Manufaktur und am 8. April 2016 eine Wiedereröffnung als Ausstellungsort zur Elektromobilität und Digitalisierung.[11] Seit dem 3. April 2017 wird in Dresden der e-Golf gefertigt.[12] Wegen der hohen Nachfrage wird seit 2018 wieder im Zwei-Schicht-Betrieb gefertigt, dabei entstehen 72 e-Golf pro Tag.[13] Im Zuge des neuen Produktionsstarts arbeiten jetzt wieder etwa 380 Mitarbeiter in der Gläsernen Manufaktur. Ein Teil der Mitarbeiter war seit dem Ende der Phaeton-Produktion größtenteils in anderen VW-Werken, vor allem in Zwickau, eingesetzt.[14]

Die Manufaktur entwickelt sich seit der Produktionsumstellung zu einem „Center of Future Mobility“. Kunden und Besucher können die Fertigung des e-Golf live erleben und erfahren in einer interaktiven Erlebniswelt für Elektromobilität und Digitalisierung mehr über die Zukunft der Mobilität. Dazu gehören auch kostenlose Probefahrten durch Dresden in Elektro-Fahrzeugen. Ferner werden auch alle Elektrofahrzeuge der Marke Volkswagen in der Gläsernen Manufaktur an Kunden ausgeliefert. Im neuen Startup-Inkubator-Programm können zudem jährlich zehn bis zwölf junge Gründerunternehmen ihre Ideen zur Mobilität der Zukunft mit Unterstützung von Volkswagen zur Marktreife treiben.[15] Sie erhalten 15.000 Euro und mit Unterstützung des Landeshauptstadt Dresden Wohnraum gestellt. Die Jungunternehmer bleiben für sechs Monate im VW Future Mobilty Incubator.

Am 12. November 2017 erfolgte die Erstausstrahlung des Tatort „Auge um Auge“ des MDR. Neun Tage lag wurde in der Manufaktur gedreht, ein Teil des Gebäudes diente als Kulisse für den Firmensitz der fiktiven Versicherungsgesellschaft „alva“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gläserne Manufaktur – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volkswagen Sachsen GmbH. Abgerufen am 19. Juli 2018 (deutsch).
  2. Gläserne Manufaktur Dresden: Die Manufaktur. Abgerufen am 18. Juli 2018 (deutsch).
  3. Basisinformationen: Automobilmanufaktur Dresden GmbH. Volkswagen Media Services, 15. März 2012, archiviert vom Original am 17. Dezember 2012; abgerufen am 14. Juli 2012.
  4. Julia Vollmer: Die Cargo-Tram ist wieder da. In: SZ-Online. (sz-online.de [abgerufen am 6. April 2018]).
  5. Automobile in Handarbeit. Grundsteinlegung für die Gläserne Manufaktur in Dresden. In: BauNetz. 27. Juli 1999, abgerufen am 29. Juli 2017.
  6. Im Großen Garten: „Gläserne Manufaktur“ in Dresden eröffnet. In: BauNetz. 11. Dezember 2001, abgerufen am 30. Januar 2016.
  7. Volkswagen: Temporäre Bentley-Produktion in Dresden. In: Autohaus.de. 8. November 2013, abgerufen am 30. Januar 2016.
  8. Lars Dittert neuer Chef der VW-Manufaktur Dresden. Abgerufen am 18. Juli 2018 (deutsch).
  9. Dr. Andreas Schmidt übernimmt Standortleitung der Gläsernen Manufaktur Dresden. Volkswagen Pressrelations Wolfsburg. 20. Dezember 2011. Abgerufen am 22. Dezember 2011.
  10. Produktionsende des Phaeton auf Volkswagen-Presse-Internetpräsenz, abgerufen am 18. März 2016.
  11. Gläserne Manufaktur eröffnet heute als neues Schaufenster für Elektromobilität und Digitalisierung. Volkswagen, 8. April 2016, abgerufen am 18. Juli 2018 (Pressemitteilung).
  12. Nach Umbau: Erster e-Golf1 rollt heute in der Gläsernen Manufaktur in Dresden vom Band. In: volkswagen-media-services.com. 3. April 2017, abgerufen am 5. April 2017.
  13. Volkswagen: Gläserne Manufaktur produziert E-Golf erstmals im Zwei-Schicht-Betrieb. (handelsblatt.com [abgerufen am 18. Juli 2018]).
  14. Frank Johannsen: VW-Kunden in Dresden sollen selbst am E-Golf schrauben. In: Leipziger Volkszeitung. Nr. 296, 20. Dezember 2016, S. 6.
  15. Gläserne Manufaktur Dresden: Gestalte mit uns die Zukunft. Abgerufen am 18. Juli 2018 (deutsch).

Koordinaten: 51° 2′ 40,2″ N, 13° 45′ 20,4″ O