Gläserne Manufaktur

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Die Gläserne Manufaktur

Die Gläserne Manufaktur ist eine Dresdner Automobilmanufaktur der Volkswagen AG, die von der Volkswagen Sachsen GmbH betrieben wird. Die offizielle Bezeichnung lautet Automobilmanufaktur Dresden GmbH. Ende Dezember 2011 waren am Standort 515 Personen beschäftigt.[1] Seit April 2017 sind es etwa 300, 125 davon in der Fertigung.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gläserne Manufaktur befindet sich im Dresdner Stadtteil Seevorstadt-Ost/Großer Garten nahe der barocken Dresdner Innenstadt und bildet die Nordwestecke des Großen Gartens zum Straßburger Platz (Stübelallee). Unmittelbar südöstlich davor liegt das Areal des Botanischen Gartens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände der Gläsernen Manufaktur befand sich das Städtische Ausstellungsgelände mit dem Kugelhaus und dem Städtischen Planetarium, später das Ausstellungszentrum Fučíkplatz.

Obergeschoss - Orangerie

Die Anlage wurde von dem Münchener Architekturbüro Gunter Henn entworfen. In der Planungsphase war der Bau der Fabrik Gegenstand kontroverser Diskussionen, vor allem wegen der Lage am Rand des Großen Gartens. Besonders unter Umweltschützern führte der Bau zu starken Protesten. In erster Linie wurde das höhere Verkehrsaufkommen an LKW kritisiert, die die neue Produktionsanlage in der Innenstadt von Dresden beliefern sollten. Um das Problem abzumildern, schlug VW vor, das Frachtgut statt mit Lastwagen mit der CarGoTram zu transportieren. Mit Ausnahme der Karosserien werden nun alle Bauteile mit der CarGoTram vom VW-Logistikzentrum am Bahnhof Dresden-Friedrichstadt zur Fabrik gebracht.

Tierschützer sorgten sich angesichts der großen Glasfassaden um die Vögel, Architekten bemängelten vor allem die Disharmonien mit der nahe gelegenen barocken Innenstadt. Außerdem musste der Bahnhof „Straßburger Platz“ der Dresdner Parkeisenbahn verlegt werden. Der alte Bahnhof wurde abgerissen und ein neuer gebaut, der an das Design der Gläsernen Manufaktur angepasst wurde. Eine Bürgerinitiative sammelte 17.600 Unterschriften gegen den Bau der VW-Manufaktur am Großen Garten – zu wenig, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen. Am 27. Juli 1999 wurde im Beisein vom Volkswagen-Vorstandsvorsitzenden Ferdinand Piëch, Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf der Grundstein gelegt.[2]

Gläserne Manufaktur bei Nacht
Ausstellung über Elektromobilität in der Gläsernen Manufaktur (2016)
Roboterarbeitsplatz zur Fenstermontage am e-Golf (2017)

Die Gläserne Manufaktur wurde am 19. März 2002 in Betrieb genommen. Außer den Fertigungsanlagen ist hier auch eine Gastronomie- und Kultureinrichtung untergebracht. Bis zum 23. März 2002 war die Öffentlichkeit zur freien Besichtigung eingeladen. Die Fertigung begann schon vor der offiziellen Eröffnung. Ferdinand Piëch als Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder gaben bereits am 11. Dezember 2001 das Startsignal für die Produktion.[3] Das Unternehmen wurde für die Produktion des VW Phaeton errichtet und bot den Kunden und Besuchern Einblicke in die Endmontage der Fahrzeuge.

Weil die VW-Tochter Bentley in Crewe (Großbritannien) zeitweise die hohe Nachfrage nach ihren Modellen nicht befriedigen konnte, wurde von Mitte 2005 bis Ende 2006 hier auch der Continental Flying Spur montiert. Mit der Karosseriefertigung des Bentley und Phaeton ist das Volkswagenwerk Zwickau beauftragt. Da die Nachfrage nach dem VW Phaeton im Jahr 2013 nachgelassen hat, wurde seit Anfang November 2013 erneut die Produktion des Bentley Flying Spur in kleiner Stückzahl aufgenommen.[4]

Zum 1. Januar 2012 übernahm Andreas Schmidt die Standort-Leitung der Automobilmanufaktur. Schmidt war bis zu diesem Zeitpunkt der Leiter der Qualitätssicherung im Fahrzeugwerk Zwickau und verantwortete parallel Produktion und Qualität in der Karosseriefertigung für Phaeton und Bentley in Zwickau. In dieser Funktion berichtete er an den Sprecher der Geschäftsführung von Volkswagen Sachsen in Zwickau.[5]

Nachdem am 18. März 2016 die Phaeton-Produktion eingestellt worden war,[6] erfolgte ein Umbau der Manufaktur und am 8. April 2016 eine Wiedereröffnung als Ausstellungsort zur Elektromobilität und Digitalisierung.[7] Seit dem 3. April 2017 wird in Dresden der e-Golf gefertigt.[8] Hierzu erfolgten seit November 2016 weitere Umbaumaßnahmen. Im Zuge des neuen Produktionsstarts kehrten etwa 300 der ursprünglich 500 Dresdner Mitarbeiter in die Gläserne Manufaktur zurück. Diese waren seit dem Ende der Phaeton-Produktion größtenteils in anderen VW-Werken, vor allem in Zwickau, eingesetzt.[9]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Automobilmanufaktur Dresden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Basisinformationen: Automobilmanufaktur Dresden GmbH. Volkswagen Media Services, 15. März 2012, archiviert vom Original am 17. Dezember 2012, abgerufen am 14. Juli 2012.
  2. Automobile in Handarbeit. Grundsteinlegung für die Gläserne Manufaktur in Dresden. In: BauNetz. 27. Juli 1999, abgerufen am 29. Juli 2017.
  3. Im Großen Garten: „Gläserne Manufaktur“ in Dresden eröffnet. In: BauNetz. 11. Dezember 2001, abgerufen am 30. Januar 2016.
  4. Volkswagen: Temporäre Bentley-Produktion in Dresden. In: Autohaus.de. 8. November 2013, abgerufen am 30. Januar 2016.
  5. Dr. Andreas Schmidt übernimmt Standortleitung der Gläsernen Manufaktur Dresden. Volkswagen Pressrelations Wolfsburg. 20. Dezember 2011. Abgerufen am 22. Dezember 2011.
  6. Produktionsende des Phaeton auf Volkswagen-Presse-Internetpräsenz, abgerufen am 18. März 2016.
  7. Wiedereröffnung auf Volkswagen-Presse-Internetpräsenz, abgerufen am 8. April 2016.
  8. Nach Umbau: Erster e-Golf1 rollt heute in der Gläsernen Manufaktur in Dresden vom Band. In: volkswagen-media-services.com. 3. April 2017, abgerufen am 5. April 2017.
  9. Frank Johannsen: VW-Kunden in Dresden sollen selbst am E-Golf schrauben. In: Leipziger Volkszeitung. Nr. 296, 20. Dezember 2016, S. 6.

Koordinaten: 51° 2′ 40″ N, 13° 45′ 20″ O