Gladenbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gladenbach
Gladenbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gladenbach hervorgehoben

Koordinaten: 50° 46′ N, 8° 35′ O

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 262 m ü. NHN
Fläche: 72,28 km2
Einwohner: 12.264 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km2
Postleitzahl: 35075
Vorwahl: 06462
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 010
Stadtgliederung: 15 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karl-Waldschmidt-Straße 3
35075 Gladenbach
Website: www.gladenbach.de
Bürgermeister: Peter Kremer (parteilos)
Lage der Stadt Gladenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Münchhausen (am Christenberg)BiedenkopfBreidenbachSteffenbergAngelburgBad EndbachDautphetalGladenbachLohraFronhausenWetter (Hessen)LahntalRauschenbergWohratalCölbeWeimar (Lahn)MarburgEbsdorfergrundNeustadt (Hessen)KirchhainAmöneburgStadtallendorfNordrhein-WestfalenLandkreis Waldeck-FrankenbergSchwalm-Eder-KreisLahn-Dill-KreisLandkreis GießenVogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Gladenbach ist eine Stadt im Westen des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie ist als Luftkurort und Kneippheilbad ausgezeichnet.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gladenbach von der B 255 aus gesehen. Im zentralen Hintergrund der 357 m hohe Lammerich, links der nördliche Fuß des 361 m hohen Kirchberges.

Die Stadt Gladenbach liegt an einem östlichen Ausläufer des (naturräumlichen) Westerwaldes, der nach seiner zentralen Stadt Gladenbacher Bergland genannt wird, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland. Das heutige Stadtgebiet stimmt weitgehend mit dem Gebiet des „Untergerichtes“ des historischen Amtes Blankenstein überein. Das Untergericht umfasste den ostsüdöstlichen Teil des ehemaligen Landkreises Biedenkopf, der auch unter dem Namen Hessisches Hinterland bekannt war.

In den Gemarkungen der südlichen Stadtteile Weidenhausen, Erdhausen, Gladenbach und Mornshausen fließt von Westen die auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Endbach entspringende Salzböde durch das Stadtgebiet und dann östlich weiter in die Gemeinden Lohra, Fronhausen und Lollar, wo sie bei Odenhausen in die Lahn mündet. Die Gemarkungen der weiter nördlich gelegenen Stadtteile Runzhausen, Bellnhausen, Sinkershausen, Frohnhausen und Friebertshausen durchquert ebenfalls weitgehend west-östlich die Allna, die im weiteren Verlauf im Gebiet der Gemeinde Weimar (Lahn) dann bereits oberhalb der Salzböde in die Lahn mündet. Weitershausen liegt am wichtigsten Allna-Zufluss Ohe. Beide Flussläufe sind durch Höhenrücken auch in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet für kleinere Zuflüsse deutlich voneinander getrennt.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Lammerich (Naumburg) über Gladenbach, Mornshausen, Lohra, Damm ins untere Salzbödetal
Daubhaus (552 m, links der Mitte) und Allberg (528 m) am äußersten Ostrand der Bottenhorner Hochflächen. Im Vordergrund Runzhausen

Das Stadtgebiet liegt ganz in Naturräumen der Haupteinheit 320 – Gladenbacher Bergland. Alle Ortsteile, die im Einzugsgebiet der Salzböde liegen, werden, inklusive der Kernstadt, zum Naturraum Salzbödetal gerechnet, wobei Rachelshausen bereits an der Nahtstelle zum Hochplateau der Bottenhorner Hochflächen liegt.

Demgegenüber werden die nördlichen Ortsteile an der Allna zum Naturraum Damshäuser Kuppen gezählt. Die ganz im Osten, am Unterlauf der Allna bzw. deren Einzugsgebiet gelegenen Friebertshausen und Rüchenbach werden zur Elnhausen-Michelbacher Senke gerechnet. Im Süden trifft die Gemarkung der Stadt auf den Höhenzug der Zollbuche, wo auf Gladenbacher Gemarkung über 450 m über NN erreicht werden.

Höchste Erhebung des Stadtgebiets ist der 552 m hohe Daubhaus am Ostrand der Bottenhorner Hochflächen.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Gladenbach von Süden. Rechts der Kirchberg

Das Stadtgebiet von Gladenbach ist in 15 Stadtteile gegliedert:

Weiterhin gibt es einige wüst gefallene Orte, darunter Idenshausen und Seibertshausen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gladenbach 1849
Burg Blankenstein

Gladenbach grenzt im Norden an die Gemeinde Dautphetal, im Nordosten an die Stadt Marburg, im Osten an die Gemeinde Weimar (Lahn), im Südosten an die Gemeinde Lohra (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Südwesten an die Gemeinde Bischoffen (Lahn-Dill-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinde Bad Endbach (Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gladenbach wurde im Jahr 1237 als Gerichtsort erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor, etwa in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, hatten Gladenbacher Ritter die heute nur noch als Ruine vorhandene Burg Blankenstein erbauen lassen (Quelle?). Diese wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Zuletzt wurde 1647 anstelle des Schlosses ein Amtshaus errichtet. Ab 1775 wurden die Mauerreste als Steinbruch genutzt. 1821 bis 1832 war Gladenbach Sitz des Landratsbezirks Gladenbach. Erst 1937 erhielt Gladenbach das Stadtrecht.[3]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Gladenbach:

„Gladenbach (L. Bez. gl. N.) Marktflecken; liegt 412 St. nordwestlich von Giessen, so wie an der von Giessen nach Biedenkopf ziehenden Chaussee, und 780 Hess. (600 Par.) Fuß über der Meeresfläche. Gladenbach hat 179 Häuser 1030 Einwohner, die außer 10 Kath. und 104 Juden evangelisch sind, und ist der Sitz des Landraths, des Landrichters, des Rentamtmanns, des Steuerkommissärs und eines Grenznebenzollamts I. Classe. Man findet eine Posthalterei, eine Mahlmühle, eine Tabaksfabrik, die nur geringe Sorten liefert; sodann in der Gemarkung die geringen Ueberreste der Burg Blankenstein, ein verlassenes Silberbergwerk im Kirchberg, mehrere Brüche von Schieferwacke, die aber wegen ihrer Sprödigkeit nur als Mauersteine benutzt werden können, und endlich einen Dachschieferbruch. Letzterer, der zwar einen vorzüglich guten Stein, aber keine reiche Ausbeute liefert, wird durch eine Privatgesellschaft betrieben, und könnte, bei gehöriger Unterstützung, nicht nur ergiebiger, sondern auch für die dortige Gegend, ein nicht unwichtiger Erwerbszweig werden. Jährlich werden 5 Märkte, und darunter 3 Viehmärkte, gehalten. – Schon 913 kommt ein Gladenbach, welches ohne Zweifel das gegenwärtige war, vor. Ein Priester überließ damals seine, sowohl hier als in Breidenbach gelegenen Güter, zu welchen 42 Leibeigene gehörten, dem Stifte Weilburg. Die Entstehung der Kirche ist im Dunkeln; sie besaß ein sehr ausgedehntes Kirchengebiet, aus welchem wahrscheinlich die ehemalige Cent Gladenbach hervorging. Vermuthlich kam diese von dem Gisonischen Hause, nebst Biedenkopf, an die Landgrafen. Auf die Gerichtsbarkeit machten noch 1237, die Herrn von Merenberg (Erben der Grafen von Gleiberg) Ansprüche, entsagten aber ihren Rechten durch einen Vergleich im Jahr 1323. Des Bergbau's im Kirchberg gedenkt Landgraf Philipp der Großmüthige in seinem Bergpatent vom Jahr 1537. Im größten Flor war dieses Werk unter Landgraf Ludwig von Marburg, der auch die Münze, da wo jetzo das Amthaus stehet, hatte bauen lassen und in welcher 1558 die jetzo sehr seltenen Gladenbacher Thaler geschlagen wurden. Seit der Zerstörung des Schlosses Blankenstein, 1770, ist Gladenbach der Beamtensitz.“[4]

und über das am 1. Januar 1929 eingemeindete Ammenhausen[5]:

„Ammenhausen (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt einige Minuten von Gladenbach, wohin es auch eingepfarrt ist, hat 13 Häuser und 72 Einw. die evangelisch sind und alle dem Bauernstand angehören.“[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin eigenständige Gemeinde Runzhausen eingegliedert. Am 1. Juli 1974 folgte durch Landesgesetz der Zusammenschluss der Stadt Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Stadt Gladenbach.[7][8] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und Gladenbach wurden Ortsbezirke eingerichtet.

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Gladenbach lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[9][10][11]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechtsprechung gibt 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[17] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden wurden aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt.[18] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[19] Vom 1. Oktober 1944[20] bis 1. Januar 1949[21] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach aber wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach,[22] welches fortan nur noch als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[23] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle schließlich aufgelöst.[24]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Gladenbach 12.227 Einwohner. Darunter waren 699 (5,7 %) Ausländer, von denen 165 aus dem EU-Ausland, 440 aus anderen Europäischen Ländern und 94 aus anderen Staaten kamen.[25] Von den deutschen Einwohnern hatten 14,0 % einen Migrationshintergrund.[26] Die Einwohner lebten in 5045 Haushalten. Davon waren 1468 Singlehaushalte, 1424 Paare ohne Kinder und 1600 Paare mit Kindern, sowie 421 Alleinerziehende und 102 Wohngemeinschaften.[27]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[9]

• 1502: 0015 Männer
• 1577: 0040 Hausgesesse
• 1630: 0032 Hausgesesse
• 1677: 0011 Männer, 3 Jung-Mannschaften, 2 ledige Mannschaften
• 1742: 0026 Haushalte
• 1791: 0805 Einwohner[28]
• 1800: 0799 Einwohner[29]
• 1806: 0889 Einwohner, 156 Häuser[16]
• 1829: 1030 Einwohner, 179 Häuser[4]
Gladenbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
805
1800
  
799
1829
  
1.030
1834
  
1.084
1840
  
1.112
1846
  
1.164
1852
  
1.180
1858
  
1.211
1864
  
1.217
1871
  
1.119
1875
  
1.115
1885
  
1.280
1895
  
1.398
1905
  
1.533
1910
  
1.513
1925
  
1.513
1939
  
1.953
1946
  
2.971
1950
  
3.154
1956
  
3.161
1961
  
3.176
1967
  
3.573
1972
  
4.315
1975
  
11.087
1980
  
11.157
1985
  
11.030
1990
  
11.341
1995
  
12.151
2000
  
12.674
2005
  
12.543
2010
  
12.190
2011
  
12.227
2015
  
12.166
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [9][30]; 1972:[31]; ab 1975:[32]; Zensus 2011[25]
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte.
Ab 1972 einschließlich der im Zuge der Gebietsreform in Hessen eingegliederten Orte. (1939: Bevölkerungszahl mit dem 1929 eingemeindeten Ammenhausen)

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[9]

• 1829: 0916 evangelische (= 88,92 %), 10 römisch-katholische (= 0,97 %), 104 (= 10,40 %) jüdische Einwohner
• 1885: 1100 evangelische (= 85,94 %), 34 katholische (= 2,22 %), 146 jüdische (= 11,41 %) Einwohner
• 1961: 2229 evangelische (= 70,18 %), 883 katholische (= 27,80 %) Einwohner
• 2011: 7620 evangelische (= 63,0 %), 1540 katholische (= 12,7 %), 680 freikirchliche (= 5,7 %), 120 orthodoxe (= 1,0 %), 320 andersgläubig (= 2,7 %), 1810 sonstige (= 14,9 %) Einwohner[33]

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[9]

• 1867: Erwerbspersonen: 46 Landwirtschaft, 5 Forstwirtschaft, 15 Bergbau und Hüttenwesen, 51 Gewerbe und Industrie, 44 Handel, 24 Verkehr, 156 persönliche Dienstleistungen, 8 Gesundheitspflege, 3 Erziehung und Unterricht, 3 Kirche und Gottesdienst, 5 Staatsverwaltung, 9 Justiz, 5 Gemeindeverwaltung, 23 Personen ohne Berufsausübung, 8 Personen ohne Berufsangabe.
• 1961: Erwerbspersonen: 79 Land- und Forstwirtschaft, 663 produzierendes Gewerbe, 296 Handel und Verkehr, 303 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2004 gab es vier mit großem Polizeischutzaufgebot durchgeführte, legal angemeldete Aufmärsche von auswärtigen Neonazis, die größere Gegendemonstrationen auslösten. Zu letzteren hatte das Bürgerbündnis Gladenbach, ein auf Anregung des Schulleiters Siegfried Seyler gegründeter Zusammenschluss von Kirchen, Jusos, DGB und Bürgern, aufgerufen. Zentrum der rechtsextremistischen Aktivitäten waren Gladenbach, Kirtorf (Vogelsberg) und Marburg. Die größte Gruppe der Rechtsextremisten mit einer Personenanzahl von ca. 30 Rechtsextremisten sowie einem großen Sympathisantenumfeld ist das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM), ein Zusammenschluss regionaler freier Kameradschaften. Ende 2004 löste sich das ABM eigenständig auf, um ein Verbot durch das hessische Innenministerium zu umgehen. Deren Aktivisten führten die Aktivitäten in anderen neonazistischen Gruppen fort. Das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM) war die aktivste und größte neonazistische Gruppe in Hessen (vergl. Verfassungsschutzbericht Hessen 2004).

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[34] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[35][36]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Insgesamt 37 Sitze
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,3 12 45,7 17 50,9 19 43,8 16
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 36,5 13 37,8 14 34,8 13 34,6 13
JL/GRÜNE Junge Liste/Bündnis 90/Die Grünen 7,3 3 10,2 4 4,4 2 5,6 2
FW Freie Wähler 25,0 9 6,3 2 6,5 2 7,5 3
ÜPL Überparteiliche Liste 3,4 1 8,5 3
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 47,8 47,5 49,6 59,9

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Gladenbach folgende Bürgermeister:

  • 28. März 1945 Amerikanische Truppen ziehen ein, der amtierende Bürgermeister Jäger wird verhaftet und der Deutsch-Amerikaner Schmitz wird kommissarisch eingesetzt
  • 16. August 1945 Ernst Leinbach I wird als Bürgermeister eingesetzt
  • 11. März 1946 Ernst Leinbach I wird zum Bürgermeister gewählt. Er war bis zu seinem Tod im Mai 1951 im Amt.
  • 1951–1978 Karl Waldschmidt (CDU)
  • 1978–1990 Siegfried Dellnitz (CDU)
  • 1990–2002 Klaus Bartnik (SPD)
  • 2002–2014 Klaus-Dieter Knierim (CDU)
  • seit 2014 Peter Kremer (parteilos)

Mit 59,3 Prozent der Stimmen wurde Kremer im Mai 2014 bei einer Wahlbeteiligung von 53,7 Prozent zum neuen Bürgermeister gewählt.[37]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Stadtteil Gladenbach wurde ein eigener Ortsbeirat installiert. Für die Wahlperiode 2016–2021 wurde Hans-Bernhard Schwarz zum Ortsvorsteher gewählt.[38]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Stadt zeigt im geteilten Schild: oben in blau, den wachsenden, dreimal von silber (weiß) und rot geteilten, golden gekrönten, hessischen Löwen; unten in grün ein goldenes (gelbes) Schrägkreuz. Der Löwe versinnbildlicht die frühe Zugehörigkeit zu Hessen, das Schrägkreuz steht für den Einfluss der Herren von Merenberg vor dieser Zeit.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerichtszuständigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Gladenbach sind das Amtsgericht Biedenkopf und das Landgericht Marburg zuständig. Bis 1968 bestand ein eigenes Amtsgericht, das Amtsgericht Gladenbach.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koppeturm bei Erdhausen
  • Evangelische Pfarrkirche (ehemals St. Martin) ursprünglich romanische flachgedeckte Pfeilerbasilika aus fünf schmalen Langhausjochen mit einem Chorquadrat.
  • Altes Pfarrhaus am Bornrain, stattlicher Fachwerkbau von 1607
  • Am westlichen Stadtrand von Gladenbach befindet sich die Ruine der Burg Blankenstein. Eine ehemalige Hügelburg die vermutlich im 12. Jahrhundert erstmals errichtet wurde.
  • Im Ortsteil Rachelshausen befindet sich eine 1617 erbaute Fachwerkkapelle. Die Kapelle wurde in zweigeschossiger Rähmbauweise auf einem Steinsockel errichtet. Sie trägt einen achteckigen Dachreiter. Die Kapelle dient heute der evangelischen Gemeinde als Kirche.
  • Südlich von Erdhausen befindet sich auf dem 454,1 m ü. NHN[39] hohen Berg Koppe eine Schutzhütte sowie der 1987 errichtete „Koppeturm“.

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg-Ludwig-Hartig-Park

Der Georg-Ludwig-Hartig-Park ist eine weitläufige Parkanlage mit zahlreichen Rasenflächen. Sie erinnert an den in Gladenbach geborenen Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig (1764–1837). Durch den Park führt der Georg-Ludwig-Hartig-Weg, an dem auch ein Gedenkstein für Hartig zu finden ist.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmkunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet, südlich von Mornshausen, fand 1822 der Postraub in der Subach statt, der die Grundlage des Fernsehfilms Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach von Volker Schlöndorff darstellt. Die bewusst dialektgefärbte Sprache der Schauspieler hat jedoch wenig Ähnlichkeit mit dem örtlich gesprochenen Dialekt (Hinterländer Platt).

Wirtschaft uns Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flächennutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst 2015 eine Gesamtfläche von 7228 Hektar, davon entfallen in ha auf:[32]

Nutzungsart 2011 2015
Gebäude- und Freifläche 447 462
davon Wohnen 272 274
Gewerbe 37 51
Betriebsfläche 23 10
davon Abbauland 0 0
Erholungsfläche 43 43
davon Grünanlage 23 24
Verkehrsfläche 480 483
Landwirtschaftsfläche 3082 3072
davon Moor 0 0
Heide 0 0
Waldfläche 3081 3089
Wasserfläche 40 39
Sonstige Nutzung 33 24

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige durchgehende Verkehrsachse in ost-westlicher Orientierung ist die Bundesstraße 255, die das Stadtgebiet aus Richtung Marburg durch die Gemeinden Weimar und Lohra kommend quert, um in Weidenhausen im Bereich der Zollbuche das Stadtgebiet in südwestlicher Richtung auf das Gebiet der Gemeinde Bischoffen im Lahn-Dill-Kreis zu verlassen. Hier führt sie zunächst entlang des Aartalsees weiter nach Herborn und letztlich Montabaur. In der Gemarkung Gladenbach mündet die Bundesstraße 453 von Norden aus Richtung Biedenkopf kommend ein, nachdem sie das Gebiet der Gemeinde Dautphetal und die Gemarkung Runzhausen durchquert hat.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtgebiet, im Salzbödetal, verlief die eingleisige Aar-Salzböde-Bahn. Sie ist seit 1995 stillgelegt, der Oberbau weitgehend abgebaut.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Gladenbach geborene Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die in Gladenbach gelebt oder gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Blume (1920–2004), Lehrer und Ornithologe, verstorben in Gladenbach
  • Jürgen Runzheimer (1924–2012), Historiker, Heimatforscher, Buchautor und Lehrer, verstorben in Gladenbach
  • Walter Reschny (1931–2011), Unternehmer, erster Ehrenbürger der Stadt Gladenbach, verstorben in Gladenbach

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gladenbach – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2019 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)  (Hilfe dazu).
  2. Prädikate auf dem Prüfstand - Erwachen aus dem Dornröschenschlaf In: Oberhessische Presse, aufgerufen am 25. März 2016.
  3. Verleihungsurkunde (Memento vom 22. Juli 2013 im Internet Archive)
  4. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 95 f. (Online bei google books).
  5. Ammenhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 12 (Online bei google books).
  7. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 21 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  8. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350–351.
  9. a b c d e Gladenbach, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 12 ff. (Online bei google books).
  12. Dieter Blume, Jürgen Runzheimer: Gladenbach und Schloß Blankenstein. hrsg. von der Kur- und Verkehrsgesellschaft mbH anlässlich der 750-Jahrfeier; W. Hitzeroth Verlag, Marburg 1987, ISBN 3-925944-15-X. S. 27–33
  13. Die Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  14. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 7 (Online bei google books).
  15. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6c) (Online bei google books).
  16. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 243 (Online in der HathiTrust digital library).
  17. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407)
  18. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103)
  19. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220)
  20. Erlaß zur Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken vom 20. Juli 1944 (RGBl. I S. 163)
  21. Betr.: Gerichtsorganisation; hier Änderung von Oberlandesgerichtsbezirken (Punkt 728 Abs. a)) vom 14. Dezember 1948. In: Der Minister der Justiz (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1948 Nr. 52, S. 563 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,4 MB]).
  22. Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210–16) vom 12. Februar 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, Artikel 1, Abs. 6 b) und Artikel 2, Abs. 8 a) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  23. Betrifft: Gerichtsorganisation (Errichtung von Zweigstellen der Amtsgerichte) (§1 Abs. 5) vom 1. Juli 1968. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1968 Nr. 28, S. 1037–1039 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,8 MB]).
  24. Dritte Verordnung zur Anpassung gerichtsorganisatorischer Regelungen (Ändert GVBl. II 210–33; GVBl. II 210–86) vom 10. Oktober 2003. In: Der Hessische Minister der Justiz (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2003 Nr. 16, S. 291, Artikel 1, Abs. 3) (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 531 kB]). bezieht sich auf Anordnung über die Errichtung und Zuständigkeit von gerichtliche Zweigstellen (Ändert GVBl. II 210-33) vom 24. Mai 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 18, S. 539 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,6 MB]).
  25. a b Bevölkerung nach Staatsangehörigkeitsgruppen: Gladenbach, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Januar 2020.
  26. Migrationshintergrund in %: Gladenbach, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Januar 2020.
  27. Haushalte nach Familien: Gladenbach, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Januar 2020.
  28. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 188 (Online in der HathiTrust digital library).
  29. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 200 (Online in der HathiTrust digital library).
  30. Gemeindedatenblatt: Gladenbach. (PDF; 222 kB) In: Hessisches Gemeindelexikon. HA Hessen Agentur GmbH;
  31. Kommunalwahlen 1972; Maßgebliche Einwohnerzahlen der Gemeinden vom 4. August 1972. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1972 Nr. 33, S. 1424, Punkt 1025 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  32. a b Hessisches Statistisches Informationssystem In: Statistik.Hessen.
  33. Religionszugehörigkeit: Gladenbach, Stadt. In: Zensus2011. Bayerisches Landesamt für Statistik, abgerufen im Januar 2020.
  34. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  35. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  36. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  37. Peter Kremer setzt sich bei Bürgermeisterwahl in Gladenbach durch auf focus online vom 25. Mai 2014.
  38. Ortsbeirat Gladenbach, abgerufen im Februar 2018.
  39. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)