Gladenbach

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gladenbach
Gladenbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gladenbach hervorgehoben
Koordinaten: 50° 46′ N, 8° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Gießen
Landkreis: Marburg-Biedenkopf
Höhe: 262 m ü. NHN
Fläche: 72,28 km²
Einwohner: 12.014 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 166 Einwohner je km²
Postleitzahl: 35075
Vorwahl: 06462
Kfz-Kennzeichen: MR, BID
Gemeindeschlüssel: 06 5 34 010
Stadtgliederung: 15 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karl-Waldschmidt-Straße 3
35075 Gladenbach
Webpräsenz: www.gladenbach.de
Bürgermeister: Peter Kremer (parteilos)
Lage der Stadt Gladenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf
Münchhausen (am Christenberg) Biedenkopf Breidenbach Steffenberg Angelburg Bad Endbach Dautphetal Gladenbach Lohra Fronhausen Wetter (Hessen) Lahntal Rauschenberg Wohratal Cölbe Weimar (Lahn) Marburg Ebsdorfergrund Neustadt (Hessen) Kirchhain Amöneburg Stadtallendorf Nordrhein-Westfalen Landkreis Waldeck-Frankenberg Schwalm-Eder-Kreis Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Gladenbach ist eine Stadt in Hessen im Westen des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie ist als Luftkurort und Kneippheilbad ausgezeichnet.[2]

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Gladenbach liegt an einem östlichen Ausläufer des (naturräumlichen) Westerwaldes, der nach seiner zentralen Stadt Gladenbacher Bergland genannt wird, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland.

Gladenbach von der B 255 aus gesehen. Im zentralen Hintergrund der 357 m hohe Lammerich, links der nördliche Fuß des 361 m hohen Kirchberges.

Das heutige Stadtgebiet stimmt weitgehend mit dem Gebiet des „Untergerichtes“ des historischen Amtes Blankenstein überein. Das Untergericht umfasste den ostsüdöstlichen Teil des ehemaligen Landkreises Biedenkopf, der auch unter dem Namen Hessisches Hinterland bekannt war.

In den Gemarkungen der südlichen Stadtteile Weidenhausen, Erdhausen, Gladenbach und Mornshausen fließt von Westen die auf dem Gebiet der Gemeinde Bad Endbach entspringende Salzböde durch das Stadtgebiet und dann östlich weiter in die Gemeinden Lohra, Fronhausen und Lollar, wo sie bei Odenhausen in die Lahn mündet. Die Gemarkungen der weiter nördlich gelegenen Stadtteile Runzhausen, Bellnhausen, Sinkershausen, Frohnhausen und Friebertshausen durchquert ebenfalls weitgehend west-östlich die Allna, die im weiteren Verlauf im Gebiet der Gemeinde Weimar (Lahn) dann bereits oberhalb der Salzböde in die Lahn mündet. Weitershausen liegt am wichtigsten Allna-Zufluss Ohe. Beide Flussläufe sind durch Höhenrücken auch in ihrem jeweiligen Einzugsgebiet für kleinere Zuflüsse deutlich voneinander getrennt.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daubhaus (552 m, links der Mitte) und Allberg (528 m) am äußersten Ostrand der Bottenhorner Hochflächen. Im Vordergrund Runzhausen

Das Stadtgebiet liegt ganz in Naturräumen der Haupteinheit 320 – Gladenbacher Bergland. Alle Ortsteile, die im Einzugsgebiet der Salzböde liegen, werden, inklusive der Kernstadt, zum Naturraum Salzbödetal gerechnet, wobei Rachelshausen bereits an der Nahtstelle zum Hochplateau der Bottenhorner Hochflächen liegt.

Dem gegenüber werden die nördlichen Ortsteile an der Allna zum Naturraum Damshäuser Kuppen gezählt. Die ganz im Osten, am Unterlauf der Allna bzw. dessen Einzugsgebiet gelegenen Friebertshausen und Rüchenbach werden gar zur Elnhausen-Michelbacher Senke gerechnet. Im Süden trifft die Gemarkung der Stadt auf den Höhenzug der Zollbuche, wo auf Gladenbacher Gemarkung über 450 m über NN erreicht werden. Höchste Erhebung ist indes der 552 m hohe Daubhaus am Ostrand der Bottenhorner Hochflächen.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Gladenbach von Süden. Rechts der Kirchberg

Das Stadtgebiet von Gladenbach ist in 15 Stadtteile gegliedert.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gladenbach 1849
Burg Blankenstein

Gladenbach grenzt im Norden an die Gemeinde Dautphetal, im Nordosten an die Stadt Marburg, im Osten an die Gemeinde Weimar (Lahn), im Südosten an die Gemeinde Lohra (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Südwesten an die Gemeinde Bischoffen (Lahn-Dill-Kreis), sowie im Westen an die Gemeinde Bad Endbach (Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gladenbach wurde 1237 als Gerichtsort erstmals urkundlich erwähnt. Zuvor, etwa in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts hatten Gladenbacher Ritter die heute nur noch als Ruine vorhandene Burg Blankenstein erbauen lassen (Quelle?). Diese wurde mehrmals zerstört und wieder aufgebaut. Zuletzt jedoch 1647 wurde anstelle des Schlosses dann lediglich ein Amtshaus errichtet. Ab 1775 wurden dann die Mauerreste als Steinbruch genutzt. Erst 1937 erhielt Gladenbach das Stadtrecht.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1972 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Runzhausen eingegliedert. Am 1. Juli 1974 folgten Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2004 gab es vier mit großem Polizeischutzaufgebot durchgeführte, legal angemeldete Aufmärsche von auswärtigen Neonazis, die größere Gegendemonstrationen auslösten. Zu letzteren hatte das Bürgerbündnis Gladenbach, ein auf Anregung des Schulleiters Siegfried Seyler gegründeter Zusammenschluss von Kirchen, Jusos, DGB und Bürgern, aufgerufen. Zentrum der rechtsextremistischen Aktivitäten waren Gladenbach, Kirtorf (Vogelsberg) und Marburg. Die größte Gruppe der Rechtsextremisten mit einer Personenanzahl von ca. 30 Rechtsextremisten sowie einem großen Sympathisantenumfeld ist das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM), ein Zusammenschluss regionaler freier Kameradschaften. Ende 2004 löste sich das ABM eigenständig auf, um ein Verbot durch das hessische Innenministerium zu umgehen. Deren Aktivisten führten die Aktivitäten in anderen neonazistischen Gruppen fort. Das Aktionsbündnis Mittelhessen (ABM) war die aktivste und größte neonazistische Gruppe in Hessen (vergl. Verfassungsschutzbericht Hessen 2004).

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[5] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[6][7]

Sitzverteilung in der Stadtverordnetenversammlung 2016
    
Von 37 Sitzen entfallen auf:
Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,3 12 45,7 17 50,9 19 43,8 16
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 36,5 13 37,8 14 34,8 13 34,6 13
JL/GRÜNE Junge Liste/Bündnis 90/Die Grünen 7,3 3 10,2 4 4,4 2 5,6 2
FW Freie Wähler 25,0 9 6,3 2 6,5 2 7,5 3
ÜPL Überparteiliche Liste 3,4 1 8,5 3
Gesamt 100,0 37 100,0 37 100,0 37 100,0 37
Wahlbeteiligung in % 47,8 47,5 49,6 59,9

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Gladenbach folgende Bürgermeister:

  • 28. März 1945 Amerikanische Truppen ziehen ein, der amtierende Bürgermeister Jäger wird verhaftet und der Deutsch-Amerikaner Schmitz wird kommissarisch eingesetzt
  • 16. August 1945 Ernst Leinbach I wird als Bürgermeister eingesetzt
  • 11. März 1946 Ernst Leinbach I wird zum Bürgermeister gewählt. Er war bis zu seinem Tod im Mai 1951 im Amt.
  • 1951–1978 Karl Waldschmidt (CDU)
  • 1978–1990 Siegfried Dellnitz (CDU)
  • 1990–2002 Klaus Bartnik (SPD)
  • 2002–2014 Klaus-Dieter Knierim (CDU)
  • seit 2014 Peter Kremer (parteilos)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Stadt zeigt im geteilten Schild: oben in blau, den wachsenden, dreimal von silber (weiß) und rot geteilten, golden gekrönten, hessischen Löwen; unten in grün ein goldenes (gelbes) Schrägkreuz. Der Löwe versinnbildlicht die frühe Zugehörigkeit zu Hessen, das Schrägkreuz steht für den Einfluss der Herren von Merenberg vor dieser Zeit.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gerichtszuständigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Gladenbach sind das Amtsgericht Biedenkopf und das Landgericht Marburg zuständig. Bis 1968 bestand ein eigenes Amtsgericht, das Amtsgericht Gladenbach.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koppeturm bei Erdhausen
  • Evangelische Pfarrkirche (ehemals St. Martin) ursprünglich romanische flachgedeckte Pfeilerbasilika aus fünf schmalen Langhausjochen mit einem Chorquadrat.
  • Altes Pfarrhaus am Bornrain, stattlicher Fachwerkbau von 1607
  • Am westlichen Stadtrand von Gladenbach befindet sich die Ruine der Burg Blankenstein. Eine ehemalige Hügelburg die vermutlich im 12. Jahrhundert erstmals errichtet wurde.
  • Im Ortsteil Rachelshausen befindet sich eine 1617 erbaute Fachwerkkapelle. Die Kapelle wurde in zweigeschossiger Rähmbauweise auf einem Steinsockel errichtet. Sie trägt einen achteckigen Dachreiter. Die Kapelle dient heute der evangelischen Gemeinde als Kirche.
  • Südlich von Erdhausen befindet sich auf dem 454,1 m ü. NHN[8] hohen Berg Koppe eine Schutzhütte sowie der 1987 errichtete „Koppeturm“.

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg-Ludwig-Hartig-Park

Der Georg-Ludwig-Hartig-Park ist eine weitläufige Parkanlage mit zahlreichen Rasenflächen. Sie erinnert an den in Gladenbach geborenen Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig (1764–1837). Durch den Park führt der Georg-Ludwig-Hartig-Weg, an dem auch ein Gedenkstein für Hartig zu finden ist.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine wichtige durchgehende Verkehrsachse in ost-westlicher Orientierung ist die Bundesstraße 255, die das Stadtgebiet aus Richtung Marburg durch die Gemeinden Weimar und Lohra kommend quert, um in Weidenhausen im Bereich der Zollbuche das Stadtgebiet in südwestlicher Richtung auf das Gebiet der Gemeinde Bischoffen im Lahn-Dill-Kreis zu verlassen. Hier führt sie zunächst entlang des Aartalsees weiter nach Herborn und letztlich Montabaur. In der Gemarkung Gladenbach mündet die Bundesstraße 453 von Norden aus Richtung Biedenkopf kommend ein, nachdem sie das Gebiet der Gemeinde Dautphetal und die Gemarkung Runzhausen durchquert hat.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Stadtgebiet im Salzbödetal verlaufende eingleisige Bahnstrecke der Aar-Salzböde-Bahn ist seit 1995 stillgelegt und inzwischen durch Abbruch einer Straßenüberquerung in Ortslage Weidenhausen und mangelnde Unterhaltung mit daraus resultierenden Überwucherungen durch Gehölze weitgehend verfallen. Eine angeregte Nutzung als Draisinen-Strecke für touristische Zwecke fand bei den Politikern keine Unterstützung.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gemeindegebiet, südlich von Mornshausen, fand 1822 der Postraub in der Subach statt, der die Grundlage des Fernsehfilms Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach von Volker Schlöndorff darstellt. Die bewusst dialektgefärbte Sprache der Schauspieler hat jedoch wenig Ähnlichkeit mit dem örtlich gesprochenen Dialekt (Hinterländer Platt).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gladenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Prädikate auf dem Prüfstand - Erwachen aus dem Dornröschenschlaf In: Oberhessische Presse, aufgerufen am 25. März 2016.
  3. Verleihungsurkunde (Memento vom 22. Juli 2013 im Internet Archive)
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 und 351.
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016
  6. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  7. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  8. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)