Glanum

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Koordinaten: 43° 46′ 26″ N, 4° 49′ 57″ O

Karte: Frankreich
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Glanum
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Frankreich

Glanum war eine römische Stadt in der Provence in Südfrankreich an den nördlichen Hängen der Alpilles-Kette im heutigen Département Bouches-du-Rhône, ca. 20 Kilometer südlich der heutigen Stadt Avignon. Sie liegt südlich von Saint-Rémy-de-Provence an der D5 Richtung Maussane-les-Alpilles und Les Baux-de-Provence.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Olivenhain bei Glanum

Die Stadt wurde von den Salluviern zunächst noch als Oppidum oder Festung auf dem Mont Gaussier gegründet. Eine Trockenmauer umgab das zwanzig Hektar große Gelände und versperrte den Weg durch die Alpilles. Spätestens im Laufe des 3. Jahrhunderts v. Chr. errichteten Griechen dort ein Handelszentrum mit Namen Glanum. Ausgehend von Marseille wuchs der griechische Einfluss durch Händler, die die Rhone hinaufzogen. Sie brachten ihr Alphabet mit, in dem der lokale keltische Dialekt geschrieben wurde und ihren Baustil. Eine trapezförmige Agora und ein Theater wurden errichtet. Der Zugang zum Tal wurde mit einem imposanten Tor geschlossen.

Ein Schrein des Keltengottes Glanis, der mit einer Heilquelle in Verbindung gebracht wird, wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. errichtet. Glanum war bereits alt, als es im 1. Jahrhundert v. Chr. römisch wurde. Die Römer übernahmen Schrein und Heiligtum, benannten den Ort nach Glanis und übernahmen ebenfalls eine Dreiheit lokaler Müttergöttinnen, denen sie die Bezeichnung Glanicae gaben. Sie wurden mit den Matronen identifiziert. Die Göttinnen Epona, Merkur und Rosmertha waren dort ebenfalls repräsentiert.

Die griechische Agora machte in zwei Phasen einem römischen Forum Platz. In augusteischer Zeit wurde die Stadt zur Kolonie aufgewertet[1] und viele Monumentalgebäude errichtet, inklusive eines vergrößerten Forums, Thermen, eines Triumphbogens und verschiedenes Tempel (einige waren durch die Generäle Kaiser Augustus, andere durch seinen Schwiegersohn Agrippa errichtet worden). Vermutlich zu dieser Zeit wurde der Glanum-Staudamm, die wohl erste bekannte Bogenstaumauer überhaupt, zur Versorgung der Kolonie errichtet. Auch für eine Kanalisation des Stadtgebiets, das in Regenzeiten unter großen Problemen zu leiden hatte, wurde durch ein Ringsystem unter gepflasterten Marktstraßen gesorgt.

Glanum wurde 260 durch den Alemannensturm zerstört und später aufgegeben; seine Einwohner siedelten einige Kilometer weiter nördlich in der Ebene an der Stelle, die später Saint-Rémy-de-Provence genannt wurde. Aber noch in der mittelalterlichen Peutinger-Karte, die auf römischen Wegkarten beruht, ist Glanum als Glano verzeichnet.

Entdeckungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1564 besichtigte der französische König Karl IX. den Triumphbogen und das Mausoleum. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden in diesem Bereich Münzen und Skulpturen gefunden, im 19. Jahrhundert begann der Marquis de Largoy, die Talmulden zu erforschen.

Systematisch wurde Glanum erst ab 1921 ausgegraben und entwickelte sich seitdem zu einer der bedeutendsten antiken Fundstätten in Frankreich. Pierre de Brun ließ die Thermen und das Gelände um die Basilika in der Unterstadt freilegen. Unter der Leitung von Henri Rolland wurde zwischen 1942 und 1969 das Gelände vom Forum bis zur Heilquelle erforscht. Ab 1982 fanden erneut Grabungen statt, bei denen unter anderem ein Brunnen aus der hellenistischen Epoche und weitere Anlagen zur Wasserversorgung untersucht wurden.

Die Fundstücke der Grabungen in Glanum befinden sich zum großen Teil in Saint-Rémy im Hôtel de Sade, das im 15. Jahrhundert von einer reichen Färberfamilie aus Avignon anstelle eines älteren Herrschaftshauses errichtet wurde.

Monumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glanum besitzt zwei berühmte antike Monumente vor der Stadt, die französisch Les Antiques genannt werden und als die beiden größten Fragmente und sichtbaren Erinnerungen an die antike Stadt gelten:

Triumphbogen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bogen von Glanum
Hauptartikel: Bogen von Glanum

Der eindrucksvolle Bogen von Glanum (12,50 m lang, 5,50 m breit, 8,60 m hoch) stammt aus dem Ende der Regierungszeit des Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.) und macht ihn damit zu einem der ältesten in Gallien. Er zeigt gallische Gefangene, die von den siegreichen Römern in Ketten abgeführt werden. Sein oberer Teil wurde im 18. Jahrhundert in Form eines Giebeldaches umgestaltet und mit Steinplatten abgedeckt, um das Regenwasser abfließen zu lassen und das Bauwerk zu schützen. Dies gab ihm seine etwas merkwürdige Form.

Mausoleum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mausoleum

Neben dem Triumphbogen befindet sich das Mausoleum (18 m hoch), das Teil einer Nekropole außerhalb der Stadtmauer war und von drei Brüdern mit dem Familiennamen Julius zum Gedenken an ihre Eltern errichtet wurde. Es wird auf etwa 40 v. Chr. datiert. Die Inschrift kann noch klar bestimmt werden:

SEX. L. M. IVLIEI C. F. PARENTIBVS SVEIS
Sextus, Lucius und Marcus Julius, Söhne des Gaius ihren Eltern

Diese Form ist ungewöhnlich. Am Fuß ist ein Piedestal eingraviert mit historischen und mythischen Motiven. Die Darstellungen zeigen die folgenden Szenen:

Über dem Piedestal befindet sich ein vierfacher Torbogen, der an einen Triumphbogen erinnert. Dies, der Ort und der Gegenstand der Gravuren hat die Archäologen zu der Vermutung veranlasst, dass er einem bestimmten Soldaten gewidmet sei. Der Kenotaph wird von einer Struktur überwölbt, die sicherlich einen runden Tempel oder Tholos mit Häuser-Statuen derer repräsentiert, denen er gewidmet ist (heute Kopien).

Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausgrabungen des 20. Jahrhunderts beschränken sich auf zwei Hektar im mittleren Tal, zur Blütezeit der Stadt waren auch noch zwei Seitentäler und die Hügel der Umgebung bebaut. Das Gelände ist durch die Straße der Thermen erschlossen, die vom nicht erhaltenen Stadttor zum sakralen Bezirk der Heilquelle führt. Unter der Straße befindet sich ein mit Platten abgedeckter Abwasserkanal sowie ein kleinerer Frischwasserkanal.

Thermen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hypokaustum

Die Überreste der Thermen befinden sich auf der linken Seite der Straße. Sie wurden zwischen 50 v. Chr. und 25 v.Chr. erbaut, gegen Ende des 1. Jahrhunderts erweitert und unter Lucius Verus (161 - 169) mit Marmor dekoriert. Der ältere nördliche Teil bestand aus drei Räumen, dem Caldarium (Heißbaderaum), dem Laconium (Trockenschwitzraum) mit einem rekonstruierten Hypokaustum und dem Frigidarium (Kaltbaderaum), in dessen Grundmauern noch eine Wasserleitung zu erkennen ist. Der Erweiterungsbau umfasste eine zentrale Palestra (Sportplatz) mit dem Haupteingang sowie eine Natatio (Schwimmbecken).

Hellenistische Häuser und Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegenüber standen zwei Häuser aus hellenistischer Zeit, die einen kleinen Marktplatz mit dem Heiligtum der Göttin Bona Dea flankieren. Vom nördlichen Haus der Antenpfeiler sind das Peristyl (Innenhof) und Säulen mit korinthischen Kapitellen erhalten, vom südlichen Haus des Attis aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. ein Atrium mit einem flachen Impluvium (Wasserbecken), das von Säulen umgeben war, von denen nur noch die Basen erhalten sind.

Forum und Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Ausgrabungen im Bereich des Forums sind vier unterschiedliche Phasen der Bebauung zu unterscheiden. Vom ursprünglichen Zentrum der gallo-griechischen Zeit sind noch ein toskanischer Tempel, ein Brunnen und zwei Säulen zu erkennen. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde dieses Zentrum mit Wohnhäusern überbaut. Für das erste römische Forum (25 v. Chr.) wurde das schräg abfallende Gelände dann aufgeschüttet. Das zweite, erweiterte Forum war mit einer hohen Mauer umgeben. Bei der Restaurierung im Jahr 2007 wurde versucht, den letzten Zustand zu rekonstruieren.

Gegenüber dem ersten Forum entstanden im Jahr 20 v. Chr. zwei unterschiedlich große Tempel mit korinthischen Säulen, die später in das zweite Forum integriert wurden. Dahinter befand sich das griechische Bouleuterion, ein Freilichtauditorium, in dem sich die Würdenträger der Stadt zur Beratung versammelten.

Heilquelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weiter aufwärts markiert ein monumentales, C. Marcius Paetus geweihtes Grab den Eingang zum Bezirk der Heilquelle. Gegenüber befindet sich ein kleiner Tempel, den Marcus Agrippa vermutlich im Jahr 39 v. Chr. der römischen Göttin der Gesundheit Valetudo widmete. Dahinter führt eine Steintreppe hinab zur Quelle, die aus einer tiefen, nicht zugänglichen Felsspalte entspringt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glanum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anne Roth-Congès: Glanum. Vom kelto-ligurischen Oppidum zur gallo-römischen Stadt. Éditions du patrimoine, Paris 2001. ISBN 9782757702260

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CIL 12, 04379; siehe Michel Christol, Michel Janon: Le statut de Glanum à l’époque romaine. In: Revue archéologique de Narbonnaise. Band 33, 2000, S. 47–54.(Online).