Glaser

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Wappen des Glaserhandwerks mit altertümlichen Werkzeugen. (Glaserdiamant, Lötkolben, Hammer und Kröseleisen)
Butzenglaser um 1600
Historische Glaserwerkzeuge, Lötkolben und Glaserdiamanten;
Nr. 2, 3 und 5 mit Bruchhilfenuten
Flachglastransportwagen
Berufstypische Werkzeuge eines Glasers

Glaser verarbeiten das von Glasherstellern gefertigte Glas in der Glaserei mit Werkzeugen, wie Glasschneider und Zuschneidewinkel, und Maschinen wie der Schleifmaschine weiter. Das Handwerk wird grob in den Bereich Fenster- und Glasfassadenbau sowie Verglasung und Glasbau gegliedert. Am 31. Dezember 2016 gab es 10.067 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Glaser in Deutschland.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glasschleiferei war zwar bereits seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. im Mittelmeerraum bekannt, jedoch gelang noch nicht die Herstellung von klarsichtigem Flach- oder Fensterglas. Fensteröffnungen bestanden deshalb in Europa bis ins Mittelalter meist aus mit dünnen Tierhäuten bespannten Holzrahmen, die leicht zu ersetzen waren. Erst durch die Veränderung der Produktionsmethoden im späten Mittelalter hielten Glaselemente als sogenannte Butzenscheiben ihren Einzug in der Bautechnik, zuerst in Sakral- und Feudalbauten. Brauchbares Flachglas konnte mit Hilfe von Walz- und Polierverfahren ab dem 17. Jahrhundert hergestellt werden. Später stieg auch im Bürgertum zunehmend die Begehrlichkeit nach diesen Innovationen. Der Bedarf nach Handwerkern, die dieses Gewerk beherrschten, wuchs und der Beruf des Glasers entstand.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaser ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung (HwO). Die Ausbildungsdauer beträgt 3 Jahre, erfolgt als duale Ausbildung an Branchen-Betrieben bzw. an Berufsschulen und schließt mit der Gesellenprüfung ab.[2] Im zweiten Ausbildungsjahr erfolgt eine Spezialisierung in einer der beiden Fachrichtungen (Fenster- und Glasfassadenbau oder Verglasung und Glasbau).

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich ersetzt seit dem 1. Juli 2010 der Modullehrberuf Glasbautechniker den Lehrberuf Glaser.[3] Die duale Ausbildung umfasst verpflichtend eine zweijährige Ausbildung im Grundmodul Glasbautechnik und eine einjährige Ausbildung in einem der Hauptmodule, Glasbau oder Glaskonstruktionen. Der Lehrling kann während eines optionalen weiteren Ausbildungsjahr ein zweites Hauptmodul oder das Spezialmodule Planung und Konstruktion wählen. Das Spezialmodul kann nur in Kombination mit dem Hauptmodul Glaskonstruktion gewählt werden. Dauer der Lehrzeit:

  • 3 Jahre: Grundmodul + ein Hauptmodul
  • 4 Jahre: Grundmodul + ein Hauptmodul + ein Spezialmodul
  • 4 Jahre: Grundmodul + zwei Hauptmodule

Glasbautechniker schließen ihre Ausbildung mit der Lehrabschlussprüfung ab.

Fortbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach bestandener Gesellenprüfung kann man sich zum Techniker (2 Jahre Technikerschule) oder Meister weiterbilden. Die Meisterschule setzt sich aus vier Teilen zusammen: I Fachpraxis, II Fachtheorie, III Rechnungswesen, Betrieb und Wirtschaft, Recht und Steuern, IV Berufs- und Arbeitspädagogik. Die Meisterschule kann in Vollzeit (ca. 1 Jahr) oder Teilzeit (ca. 2 1/2 Jahre) absolviert werden.

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreichische Lehrlinge können mit einer abgelegten Lehrabschlussprüfung auch eine weiterführende Ausbildung zum Meister absolvieren bzw. die Berufsmatura (Berufsreifeprüfung) ablegen. So erhalten sie Zugang zu Höherqualifizierungen, zum Beispiel an Fachhochschulen.

Arbeitsmittel und Werkzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Berufstypische Arbeitsmittel und Werkzeuge für den Glaser sind zum Beispiel Glasschneider, Glasbrechzange, Klotzhebel, Kittmesser, Kittfräse, Aushaumesser, Bleimesser, Schablonenschere, Glaserhammer, Glasschleifmaschine, Kantenschleifautomat, Glasbohrmaschine, Glassäge, Glaserwinkel.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf Stacherl: Das Glaserhandwerk. Expert Verlag, 5. Auflage, Renningen 2011. ISBN 3816930980.
  • Robert Seiz: Glaserfachbuch. Hofmann Verlag, 5. Auflage, Schorndorf 1994. ISBN 3778010158.
  • Sebastian Strobl: Glastechnik des Mittelalters. Gentner Verlag, Stuttgart 1990. ISBN 3872474022.
  • Franz Lerner: Geschichte des deutschen Glaserhandwerks. Hofmann Verlag, 2. Auflage, Schorndorf 1981. ISBN 3778011022.
  • Verband von Glaserinnungen Deutschlands: Leitfaden für das Glasergewerbe. Berlin 1911 und 1928
  • C. J. Stahl: Glaserkunst, Glasmalerei und moderne Kunstverglasung. A. Hartlebens Verlag, Wien und Leipzig 1912
  • Johannes Kunckel: Ars Vitraria Experimentalis, oder Vollkommene Glasmacherkunst. Leipzig 1679, 1689, 1743 und 1785. Verlag Georg Olms, Hildesheim 2013. ISBN 3487304198.
  • Theophilus Presbyter: Schedula diversarium artium. Entstehung vermutlich zwischen 1100 und 1120
  • Theophilus Presbyter (Autor), Wilhelm Theobald (Herausgeber): Technik des Kunsthandwerks im 12. Jahrhundert. ISBN 3184006433.

Branchenmessen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die fensterbau/frontale in Nürnberg ist die weltgrößte Branchenmesse für den Fenster-, Tür- und Fassadenbau. Die Glasstec in Düsseldorf ist die weltweit größte und internationalste Fachmesse für Glasmaschinenbau, die Glasindustrie und das Glaserhandwerk.[4]

Bekannte Glaser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glazier's tools – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anzahl beschäftigter Glaser in Deutschland auf www.statista.de, abgerufen am 12. Februar 2018.
  2. Ausbildungsordnung Deutschland (PDF-Datei; 67 kB), abgerufen am 28. Juli 2010.
  3. Ausbildungsverordnung des österreichischen Wirtschaftsministeriums (Memento des Originals vom 23. Januar 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmwfj.gv.at (PDF-Datei; 254 kB), abgerufen am 27. Juli 2010.
  4. glasstec.de (Memento des Originals vom 3. März 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.glasstec.de