Glatt (Rhein)

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Glatt
Unterlauf kurz vor der Mündung

Unterlauf kurz vor der Mündung

Daten
Gewässerkennzahl CH: 690
Lage Kanton Zürich, Schweiz
Flusssystem Rhein
Abfluss über Rhein → Nordsee
Ursprung im Greifensee
47° 22′ 22″ N, 8° 39′ 20″ O
Quellhöhe 434 m ü. M.
Quellschüttung[1] MNQ
MQ
1,38 m³/s
4,08 m³/s
Mündung bei Rheinsfelden in den RheinKoordinaten: 47° 34′ 26″ N, 8° 28′ 15″ O; CH1903: 677663 / 269762
47° 34′ 26″ N, 8° 28′ 15″ O
Mündungshöhe 335 m ü. M.
Höhenunterschied 99 m
Sohlgefälle 2,6 ‰
Länge 38,5 km, mit Kemptnerbach 67 km
Einzugsgebiet 417 km²[2]
Abfluss am Pegel Rheinfelden[3]
AEo: 416 km²
Lage: 380 m oberhalb der Mündung
NNQ (2003)
MNQ 1976–2013
MQ 1976–2013
Mq 1976–2013
MHQ 1976–2013
HHQ (1999)
2,43 m³/s
5,47 m³/s
8,32 m³/s
20 l/(s km²)
11,4 m³/s
154 m³/s
Linke Nebenflüsse Breitibach, Sagentobelbach, Leutschenbach, Fischbach
Rechte Nebenflüsse Chimlibach, Chriesbach, Himmelbach, Furtbach
Glatt (Rhein) (Schweiz)
Quelle
Quelle
Mündung
Mündung
Quelle- und Mündungsort der Glatt

Die Glatt ist ein Fluss im Kanton Zürich von 38,5 Kilometern Länge, der den Greifensee zum Rhein entwässert.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

siehe auch: Glatttal

Die Glatt beginnt am Greifensee und mündet bei Rheinsfelden in den Rhein. Es handelt sich dabei um die unteren 38,5 Kilometer eines insgesamt etwa 67 Kilometer langen Flusslaufes, der mit dem in den Pfäffikersee fliessenden Kemptnerbach (im Dialekt Chämtnerbach) beginnt. Zwischen Pfäffikersee und Greifensee trägt der Flusslauf den Namen Ustermer Aa.

Die Glatt fliesst aus dem Greifensee auf einer Höhe von 436 m ü. M. Sie bildet zunächst die Grenze zwischen den Gemeinden Schwerzenbach und Fällanden und fliesst dann durch das Zentrum von Dübendorf. Sie verlässt Dübendorfer Gebiet im Neugut (430 m). Hier wird ihr der Chriesbach aus der Gemeinde Wangen-Brüttisellen zugeführt.

Die Glatt verlässt nun den Bezirk Uster und bildet die Grenze zwischen Wallisellen und Zürich Schwamendingen. Sie durchquert den Glattpark (425 m) auf dem Gemeindegebiet von Opfikon und nimmt hier den Zürcher Leutschenbach in sich auf. Der Leutschenbach wird gespeist von Katzenbach und Katzensee und entwässert damit die Zürcher Quartiere Oerlikon, Seebach und Affoltern. Die Glatt fliesst westlich am Dorfkern von Opfikon vorbei und verlässt das Opfiker Gemeindegebiet bei Glattbrugg (422 m).

Danach folgt der Glattkanal der westlichen Abgrenzung des Flughafens Zürich-Kloten; er folgt dabei zunächst der Gemeindegrenze zwischen Kloten und Rümlang, durchfliesst dann Rümlanger Gemeindegebiet und erreicht schliesslich Oberglatt. Unter dem Flughafengelände wird der Glatt der Altbach zugeführt, der aus den Gemeinden Kloten, Bassersdorf und Nürensdorf abfliesst.

Bei Oberglatt verliert die Glatt ihren stark begradigten Charakter und erreicht in etwas naturbelassenerem Flussverlauf Niederglatt (418 m) und Höri (409 m) und bildet dann die Gemeindegrenze zwischen Bülach und Hochfelden (399 m). Bei Höri nimmt die Glatt den Fischbach auf, der die Gemeinden Steinmaur und Neerach entwässert. Auf dem Gemeindegebiet von Glattfelden überwindet die Glatt noch ein beträchtliches Gefälle (gegen 60 m auf etwa 5 km), bevor sie schliesslich bei Rheinsfelden in den Rhein mündet (335 m).

Glattkorrektionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über weite Strecken wurde die Glatt begradigt und reguliert. Die nordöstlichen Ausläufer der Stadt Zürich passierend, wird der Flusslauf stark von der sich ausweitenden Agglomeration bedrängt. In einigen kurzen Abschnitten wurde die Glatt inzwischen wieder renaturiert oder es bestehen zumindest entsprechende Pläne, beispielsweise im Bereich der Eawag in Dübendorf und im Zusammenhang mit der geplanten Verlängerung von Piste 28 am Flughafen Zürich.

Vom Greifensee bis Niederglatt weist der Fluss kaum Gefälle auf. Zur Mündung hin wird der Flusslauf aber immer steiler.[4]

Seit 1822 wird der Fluss bei Rheinsfelden kurz vor der Mündung durch einen 90 Meter langen Stollen direkter zum Rhein geleitet, um Überschwemmungen des Orts zu vermeiden. Für den Bau des Kraftwerks Eglisau-Glattfelden musste die Mündung erneut verlegt werden. Seit 1916 wird der Fluss durch einen 261 Meter langen Stollen geführt, der direkt ins Unterwasser des Kraftwerks mündet.[5]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die heutige Landschaft des Glatttals wurde in den letzten Eiszeiten durch den Linthgletscher geprägt.[4]

Die Glatt wurde bereits im Mittelalter wirtschaftlich genutzt, indem man sich das relativ starke Gefälle im Unterlauf zum Betrieb von Wassermühlen zu Nutze machte. Während der Frühindustrialisierung wurden am Glattufer Textilfabriken gebaut, die ihre Maschinen mit Turbinen betrieben. Um 1900 wurde die Fabriken elektrifiziert und mit neu gebauten Wasserkraftwerken wurde Strom produziert.

Im 19. Jahrhundert wurde der Fluss praktisch auf der ganzen Länge korrigiert, um Überschwemmungen zu vermeiden.[4]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ursprünglich als fischreich angesehene Glatt galt lange Zeit durch die Abwässer des Grossraums Zürichs (Flughafen Zürich, Kläranlagen, Landwirtschaft) als sehr stark verschmutzt. Heute wird die Wasserqualität wieder mehrheitlich als gut bis sehr gut beurteilt, problematisch ist in gewissen Flussabschnitten lediglich noch der Anteil an gelöstem organischem Kohlenstoff (DOC).[6]

Der Hauptfisch ist der Alet, nebenbei sind Barben, Rotaugen, Aale, Karpfen, Schleien, Schneider, Gründling und vereinzelt Bachforellen, Barsche und Hechte anzutreffen. Im Sommer 2006 wurde an der Mündung zum Rhein erstmals auch ein Wels gefangen. Bei Dübendorf werden mittlerweile auch Biber gesichert, für die in der Folge ein Flussabschnitt oberhalb von Dübendorf unter Schutz gestellt wurde. 2017 wurden an der Glatt, Zuflüssen und auch Bächen oberhalb des Greifensees über zwei Dutzend Reviere von Bibern festgestellt, die zum Teil auch Nachwuchs haben.[7] An der Glatt siedeln auch zahlreiche Graureiher und – insbesondere in Greifensee-Nähe – Störche.

Namensgeber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diverse Ortschaften im Zürcher Unterland wurden nach dem Fluss benannt, so Glattbrugg, Glattfelden, Oberglatt ZH und Niederglatt ZH.

Brücken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehr als 90 Brücken überqueren zwischen der Quelle und der Mündung die Glatt.

Siehe auch: Liste der Brücken über die Glatt

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Glatt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Greifensee. In: Kanton Zürich. Amt für Wasser, Energie und Luft, Abteilung Gewässerschutz, abgerufen am 25. Februar 2013 (PDF; 131 kB).
  2. Geoserver der Schweizer Bundesverwaltung (Hinweise)
  3. Messstation Rheinfelden 1976–2013 (PDF) Bundesanstalt für Umwelt BAFU
  4. a b c Charles Knapp, Maurice Borel, Victor Attinger, Heinrich Brunner, Société neuchâteloise de géographie (Herausgeber): Geographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Emmenholz – Kraialppass. Verlag Gebrüder Attinger, Neuenburg 1904, S. 343–346, Stichwort Glatt  (Scan der Lexikon-Seite).
  5. 85 Jahre Strom aus Rheinsfelden. In: glattfeldernews.ch. April 2005, abgerufen am 18. Mai 2012.
  6. Archivlink (Memento des Originals vom 22. Juni 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.awel.zh.ch
  7. Dorothee Vögeli: Biber mögen keine Flaschen. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. November 2017, S. 18.