Gleichnis von den wachsamen Knechten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Gleichnis in einer Radierung Jan Luykens

Das Gleichnis von den wachsamen Knechten (in der Lutherbibel überschrieben mit „Vom Warten auf das Kommen Christi“) ist ein Gleichnis Jesu, das in den Evangelien nach Matthäus (Mt 24,42-51 EU), Markus (Mk 13,33-37 EU) und Lukas (Lk 12,35-48 EU) überliefert ist.

Aufbau und Wortlaut bei Lukas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gleichnis wird in ähnlicher Form in allen drei synoptischen Evangelien überliefert. Die von Lukas überlieferten Form teilt sich in zwei Teile: das eigentliche Gleichnis und ein Gespräch Jesu mit seinen Jüngern darüber. Das eigentliche Gleichnis lautet in der Lutherübersetzung (revidierte Fassung von 1984):

„Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet’s so: selig sind sie. Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.“

Lukas 12,35-40 EU

Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gleichnis von den wachsamen Knechten geht es um das Warten auf das Kommen Christi. Das Leben der Jünger Jesu soll stets auf das Anbrechen der endgültigen Gottesherrschaft gerichtet sein soll. Durch das endgültige Kommen der Gottesherrschaft wird Jesus endgültig als Herr offenbar. Versuche der Vorhersage des Zeitpunktes des Wiederkommens Christi sind Zeichen von Nichtbegreifen und zum Scheitern verurteilt.
Die Situation der Jünger wird mit Knechten verglichen, die zu sehr fortgeschrittener Stunde (die dritte Nachtwache ist die letzte) auf ihren Herrn warten. Die Zuwendung, welche die Wachgebliebenen Knechte dann erfahren sollen, übersteigt bei weitem alles, was ein Knecht normalerweise erwarten kann.[1]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jurist und Liederdichter Johann Burchard Freystein (1671–1718) machte 1695 das Gleichnis zur Grundlage seines zehnstrophigen Chorals Mache dich, mein Geist, bereit, der im EG (387) mit sechs Strophen wiedergegeben ist. Die besondere Offensive des Einbruchs unterstreicht die – hier allerdings ungedruckt gebliebene – Strophe 4[2]:

Wache! dass dich Satans List / Nicht im Schlaf antreffe, / Weil er sonst behende ist, / Dass er dich beäffe: / Denn Gott gibt, / Die er liebt, / Oft in seinen Strafen, / Wenn sie sicher schlafen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stuttgarter Erklärungsbibel. ISBN 3-438-01121-2, 2. Aufl. 1992, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart, S. 1249 f. und 1293.
  2. http://www.capriccio-kulturforum.de/index.php?thread/6542-bach-j-s-kantate-nr-115-„mache-dich-mein-geist-bereit“