Gleistein

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Gleistein ist ein international agierender Faserseilhersteller mit der Gleistein GmbH in Bremen-Blumenthal als Hauptsitz der Gruppe. Neben der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb hochwertiger Faserseile ist das Unternehmen auf die Entwicklung seilbasierter Individuallösungen spezialisiert. Den zweiten Produktionsstandort in Trenčín, Slowakei, eingeschlossen, beschäftigt die Gleistein GmbH nach eigenen Angaben 250 Mitarbeitende und erzielte 2022 einen Jahresumsatz von 32 Mio. €.

1824 von Georg Gleistein gegründet, ist die Seilerei bis heute in Hand seiner Nachfahren und damit das älteste industrielle Familienunternehmen Bremens.

Gleistein GmbH

Logo
Rechtsform GmbH[1]
Gründung 1824
Sitz Bremen-Nord
Leitung
  • Klaus Walther
  • Thomas Schlätzer
Mitarbeiterzahl ca. 250
Umsatz ca. 27,5 Mio. EUR[2]
Branche Tauwerkfabrik
Website www.gleistein.com
Stand: 31. Dezember 2021
Firma Gleistein, 1890

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1824 wurde ‘Georg Gleistein & Sohn’ von Segelschiffskapitän Georg Gleistein und seinem ältesten Sohn Johann gegründet. 12 Mitarbeiter („Reepschläger“) verarbeiteten die damals in Europa verfügbaren Naturfasern (Hanf, Werg) in Handarbeit zu Seilen. Kunden waren Fracht- und Flussschiffer, Reedereien und die Landwirtschaft. Die Seilerei mit einer 380 Meter langen, sogenannten Reeperbahn befand sich in Bremen-Vegesack, entlang der Kirchheide zwischen Bahnhofsstraße (heute Georg-Gleistein-Straße[3]) und Fährgrund.

Das Aufkommen neuer Fasern wie Sisal und Manila ermöglichte neue technische Produkte. Mit dem Herkulestauwerk wurden ab 1890 Schleppnetzfischer ausgerüstet. Am damaligen Firmensitz Vegesack baute man zu dieser Zeit gerade die später größte Heringsfischereiflotte Europas auf. Ab 1920 wurden Grundlagenforschungen zur Normierung und technischen Berechnung von Seilen durchgeführt. Im Jahr 1947 begann der Einsatz erster Chemiefasern, die dann in den 1970er-Jahren die Naturfasern verdrängten.

Gleistein verlegte 1980 seinen Hauptsitz nach Bremen-Blumenthal. 1997 wurde eine Produktion in Trencin in der Slowakei aufgebaut, 1999 bestand das Unternehmen 175 Jahre. Gleistein ist heute Bremens ältestes industrielles Familienunternehmen, das in achter Generation von Klaus Walther und seinem Cousin Thomas Schlätzer geleitet wird.

Am 8. Juni 2022 fand eine Umfirmierung von Geo Gleistein & Sohn GmbH in Gleistein GmbH statt.

Gleistein heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleistein ist insbesondere spezialisiert auf besonders leistungsfähige Seile aus hochmodularen Fasern wie HMPE (z. B. Dyneema ®), Aramid (Technora®, Kevlar®, Twaron®), LCP (Vectran®) und PBO (Zylon®), hält aber auch ein großes Sortiment an konventionellen Lösungen aus hochfesten Fasern wie z. B. Polyamid, Polyester, Polypropylen und BiPolymer bereit. Je nach verwendeten Rohstoffen sind die hergestellten Seile besonders elastisch, kraftaufnehmend oder z. B. besonders hitzebeständig. Als vollstufige Seilerei verfügt Gleistein über Produktionsmöglichkeiten von der 1 mm dünnen Flechtschnur bis zum über 300 mm starken Mehrkernseil.

Gleistein ist gefragter Entwicklungs- und Technologiepartner für neue Faserseilanwendungen und hat seine Marktposition mit Alleinstellungsmerkmalen wie hoher Produkt-Performance bei überdurchschnittlicher Lebensdauer im globalen Wettbewerb mit Billiganbietern erfolgreich gesichert und verzeichnet seit Jahren steigende Umsätze. Ein hoher Verantwortungs- und Nachhaltigkeitsanspruch ist im fast 200 Jahre bestehenden Unternehmen traditionell fest verankert.

Zum Angebotsumfang gehören umfangreiche Serviceleistungen, die von der technisch kompetenten Kaufberatung über die fachgerechte Installation bis zu Inspektion, Wartung und Reparatur reichen und weltweit angeboten werden.

Produktionsstandorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Werken in Bremen, Deutschland, und Trencin, Slowakei, verfügt das Unternehmen über zwei der weltweit modernsten Faserseil-Fertigungsbetriebe.

In Bremen werden insbesondere hochwertige dicke Rundgeflechte und Mehrkernseile mit hochmodularen Fasern hergestellt, aber auch die Produktionslinie für Herkulestauwerk (Kombiseile mit drahtseilarmierten Litzen) für Spielplätze ist hier beheimatet. Bis 1980 wurde am Gründungsstandort Bremen-Vegesack produziert, dann erfolgte der Umzug in den großzügigen Firmenneubau in Bremen-Blumenthal, in dem es auch ein modern ausgestattetes Testlabor mit Zugprüfanlagen bis zu einer Leistung von 300 Tonnen gibt.

Der Produktionsstandort in Trencin entstand im Zuge des Zerfalls der UdSSR, um auch mit einfacheren Produkten international wettbewerbsfähig zu bleiben. 2014 bezog die Gleistein Slovakia neue Hallen und ist dem Status des Billigstandorts inzwischen entwachsen. In Trencin werden die Kapazitäten für dünne bis mittlere Geflechte wie Yachttauwerk und Sicherheitsseile vorgehalten. Aber auch dicke Quadratgeflechte und gedrehtes Tauwerk – beide schwerpunktmäßig aus preisgünstigen hochfesten Fasern – werden hier hergestellt. Die drei Extrusionslinien für Polypropylen- und Bipolymerfasern sind ebenfalls in Trencin installiert. Seit der Verlagerung entstehen auch in Trencin mehr und mehr hochmodulare Hochleistungsseile.

Nachhaltigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleistein beschäftigt einen Referenten für Nachhaltigkeit, arbeitet traditionell mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch und verfolgt seit vielen Jahren verschiedene Klimaschutz-Initiativen. Als Grundlage für alle Entscheidungen hat sich das Unternehmen vier bestimmten globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen besonders verpflichtet: Ziel Nr. 3: Gesundheit und Wohlergehen, Ziel Nr. 9: Industrie, Innovation und Infrastruktur, Ziel Nr. 12: Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster und Ziel Nr. 13: Maßnahmen zum Klimaschutz.

Der Strombedarf am Hauptstandort Bremen wird seit 2014 komplett durch erneuerbare Energien gedeckt und der Fuhrpark wird zunehmend durch Elektro- und Hybridfahrzeuge ersetzt, dazu wurden entsprechende Ladestationen auf dem Firmengelände installiert. Das Unternehmen hat immer wieder Effizienzsteigerungen vorgenommen und setzt auf Ökostrom, um den Weg zur CO2-neutralen Produktion zu beschreiten. Jegliche verbleibenden Emissionen werden durch zertifizierte Klimaschutzprojekte kompensiert. Auf dem Firmengelände werden verschiedene Maßnahmen zur Biodiversität umgesetzt, darunter die Pflege von Bienenstöcken seit 2017.

Gleistein entwickelt Seile aus rPET, einer Polyesterfaser, die aus recycelten PET-Flaschen gewonnen wird und hat bereits einige davon auf den Markt gebracht. Zudem wurde eine Umstellung aller Produkte mit Dyneema® auf die Herstellung mit bio-basierten Fasertypen vorgenommen, was den Carbon Footprint erheblich reduziert und das Unternehmen zu einem Vorreiter in der Branche gemacht hat. Im Abfallmanagement setzt Gleistein auf die Reduzierung von Produktionsabfällen und arbeitet mit Recycling-Unternehmen zusammen, um den Großteil der verbleibenden Abfälle wiederzuverwerten.

Das GeoFit-Programm unterstreicht das soziale Engagement des Unternehmens, indem es gesundheitsfördernde Angebote für Mitarbeiter, wie Yoga und Stressmanagement, bietet. Die Gemeindebindung zeigt sich außerdem im regionalen Engagement, einschließlich der Unterstützung von „Jugend forscht“ und jährlichen Weihnachtsspenden an gemeinnützige Organisationen.

Produkte und Anwendungsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleistein ist eine vollstufige Seilerei. Abgebildet ist die volle Produktionskette, angefangen von den drei Extrusionslinien über Zwirn- und Litzenmaschinen bis hin zu über 300 Flecht- und Seilschlagmaschinen in allen Größen. Außerdem stehen mehrere Reck- und Tauwerkstabilisierungsanlagen zur Optimierung von Litzen und fertigen Seilen und umfangreiche Testmöglichkeiten für die Entwicklungsarbeit sowie zur Qualitätskontrolle zur Verfügung.

Der überwiegende Anteil der Produktionskapazität ist drehungsfreihen Geflechtskonstruktionen gewidmet, welche durch Variierung von Rohstoffen, Dimension und Litzenzahl, sowie der Kombination verschiedener Komponenten und die Veredelung durch Imprägnierungen und Färbungen einen unerschöpflichen Baukasten der Möglichkeiten für unterschiedlichste Produkte bilden.

Einen Schwerpunkt im Angebot bilden dicke Seile insbesondere für die Berufsschifffahrt und für Hebeanwendungen.

Hervorzuheben ist der textile Drahtseilersatz DynaOne®, ein sortenreines Geflecht aus hochwertigen HMPE-Fasern (Dyneema®), der sich in allen Dimension bis weit über 100 mm Durchmesser als überlegene Konstruktion mit Festigkeits- und Dehnungseigenschaften von gleich dicken Drahtseilen bei einem Achtel bis Zehntel der Masse etabliert hat.

Weiterhin ist das Unternehmen spezialisiert auf mittlere und dicke Kernmantelgeflechte und Mehrkernseile mit tragenden Seilkernen und bündelnden Schutzmänteln: Vor allem die Serien X-Twin und Texteel®Twin mit festigkeitsoptimierten Kernen aus HMPE der Eigenmarke Texteel® oder Dyneema®-Fasern bieten überragende Festigkeiten bei extrem langer Lebensdauer.

Alle Konfektionierungsarbeiten wie das Spleißen von Endverbindungen, das Aufbringen partieller Seilschutzelemente und die Einbindung von Beschlägen werden in den beiden hauseigenen Konfektionierungszentren durchgeführt, um Seile gebrauchsfertig zu individualisieren. Auch konfektionierte Serienprodukte gehören zum Angebotsumfang. Individuell für den genau definierten Einsatzzweck konfektionierte Seile haben eine wachsende Bedeutung gegenüber industrieller Meterware eingenommen. Diese Arbeiten sind nicht automatisierbar, insofern ist der Anteil von Handarbeit in den vergangenen Jahrzehnten bei Gleistein gestiegen. Mittlerweile arbeiten bis zu 45 Mitarbeiter täglich an der Herstellung von Endverbindungen.

Bediente Märkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berufsschifffahrt, insbesondere Festmachen und Schleppen
  • Wassersport: Cruising, Racing, Superyacht
  • Industrielles Heben, Schwerlastheben, Kran
  • Persönliche Schutzausrüstung (PSA), Arboristik, Theater- und Stuntrigging
  • Kabelzug
  • Spielgeräte

Innovationen und Individuallösungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gleistein entwickelt seine Produkte stetig weiter, um seinen technologischen Vorsprung im Markt zu erhalten. Wegbereiter für überlegene Sortimentsprodukte sind dabei meist neue Anforderungen des Marktes oder herausragende Projekte, die zu innovativen, neuen Lösungen führen. Dazu einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart:

Beispielhafte Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Handelsregister Bremen, HRB-Nr. 5168
  2. Bundesanzeiger: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 01.01.2018 bis zum 31.12.2018, abgerufen am 15. April 2020
  3. Die Georg-Gleistein-Straße hieß damals Bahnhofsstraße
  4. Volker Kölling, Eine Seilschaft, die verbindet, in Volker Kölling coast communication (PDF; 154 kB), Zugriff am 16. Mai 2013
  5. „News Archiv: Meldung vom 11. August 2008“ PUMA und Gleistein im härtesten Regattarennen gemeinsam auf Weltumsegelung
  6. „Das Spleißbuch“ als Kurzfassung
  7. Industry Talk Gleistein holds the show together

Koordinaten: 53° 11′ 38″ N, 8° 33′ 26″ O