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Glockenblumen

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Glockenblumen

Breitblättrige Glockenblume
(Campanula latifolia), Typusart

Systematik
Asteriden
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Glockenblumengewächse (Campanulaceae)
Unterfamilie: Campanuloideae
Gattung: Glockenblumen
Wissenschaftlicher Name
Campanula
L.

Die Glockenblumen (Campanula) sind die größte Pflanzengattung in der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Vegetative Merkmale

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Glockenblumen-Arten sind meist ausdauernde krautige Pflanzen, nur wenige Arten sind ein- oder zweijährig. In der großen Gattung gibt es sowohl polsterbildende als auch bodendeckende Arten. Die Laubblätter der meisten Glockenblumen-Arten weisen am Blattrand kleine weiße Drüsen auf. Nebenblätter fehlen.

Generative Merkmale

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Die Blüten stehen meist in traubigen oder zymösen Blütenständen.

Blütendiagramm von Campanula medium
Illustration der Filz-Glockenblume (Campanula bononiensis) von Jacob Sturm

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kelchblätter sind an ihrer Basis verwachsen. Die fünf Kronblätter sind röhrig oder glockenförmig, zu den typischen „Glocken“, verwachsen, meist sind die Spitzen frei, diese werden traditionsgemäß als „Kronzipfel“ bezeichnet. Die vorherrschenden Farben der Blütenkronblätter sind verschiedene Blautöne, lila oder weiß, seltener blühen sie hellgelb. Bei allen Arten kommen gelegentlich Individuen mit weißer (statt blauer) Krone vor. Es ist nur ein Kreis mit fünf fertilen Staubblättern vorhanden. Drei bis fünf Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen.[1]

Es werden Porenkapseln ausgebildet, eine auf nur wenige Gattungen beschränkte Unterform der Kapselfrüchte. Die vielen Samen werden durch Löcher ausgestreut.

Glockenblumen-Arten sind meist protandrisch. Zuerst wird der Pollen an den Griffelhaaren abgelagert, danach verwelken die Staubbeutel und die Insekten können den Pollen vom Griffel absammeln.

Glockenblumen-Arten sind Wind- und Tierstreuer (Semachorie, einer speziellen Ausbreitungsstrategie von Pflanzen).

Es gibt Wildbienenarten, die auf Glockenblumen spezialisiert sind. In Europa vorkommende Arten sind z. B.: (Große) Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), Kleine Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma campanularum), Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) und Glockenblumen-Sägehornbiene (Melitta haemorrhoidalis).[2]

Standortbedingungen

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Glockenblumen-Arten besiedeln verschiedenste Standorte. In Europa kommen sie auf Wiesen, an Waldrändern, Wegrändern oder an Felsstandorten vor. Auch im Hochgebirge in Höhenlagen oberhalb von 2000 Metern sind zahlreiche Glockenblumen-Arten zu finden.[3]

Systematik und Verbreitung

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Der Gattungsname Campanula wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum[4] erstveröffentlicht. Der botanische Gattungsname Campanula bedeutet Glocke, Glöckchen und ist auf die Blütenform bezogen. Als Lectotypusart wurde 1913 Campanula latifolia L. festgelegt.[5]

Im Umfang der Gattung nach C. Roquet et al. 2008[6] und Lammers 2007 sind Synonyme für Campanula: Astrocodon Fed., Annaea Kolak., Brachycodon Fed., Campanulastrum Small, Cenekia Opiz, Decaprisma Raf., Depierrea Schltdl., Diosphaera Buser, Drymocodon Fourr., Echinocodon Kolak. nom. illeg., Erinia Noulet, Fedorovia Kolak., Gadellia Schulkina, Gaertnera Retz. nom. illeg., Hemisphaera Kolak., Hyssaria Kolak., Lacara Raf., Loreia Raf., Marianthemum Schrank, Medium Opiz nom. illeg., Medium Spach, Megalocalyx (Damboldt) Kolak., Mzymtella Kolak., Nenningia Opiz, Neocodon Kolak. & Serdyuk., Pentropis Raf., Petkovia Stef., Popoviocodonia Fed., Pseudocampanula Kolak., Quinquelocularia K.Koch, Rapunculus Fourr. nom. illeg., Rapuntia Chevall., Rapuntium Post & Kuntze (orth. var.), Rotantha Small, Sachokiella Kolak., Sicyocodon Feer, Symphyandra A.DC., Symphiandra Steud. (orth. var.), Syncodon Fourr., Sykoraea Opiz, Rapuntia Chevall., Roucela Dumort., Talanelis Raf., Trachelioides Opiz, Tracheliopsis Buser, Weitenwebera Opiz.[7][8]

Mehrere phylogenetische Studien haben unabhängig voneinander gezeigt, dass Campanula paraphyletisch oder polyphyletisch, also keine natürliche Gruppe ist.[9][6][10] Eine neue Klassifikation, die die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Gattung berücksichtigt, gibt es noch nicht. Da bisher etwa 90 Arten in phylogenetischen Studien untersucht worden sind, müssen weitere Studien mit einer sehr viel größeren Anzahl von Arten abgewartet werden. Siehe hierzu die ausführliche Diskussion in Roquet et al. (2008)[6] sowie Borsch et al. (2009).[10] Die Paraphylie oder Polyphylie von Campanula legt weiterhin nahe, dass die Ähnlichkeiten im Blütenbau durch konvergente Anpassungen an Bestäuber entstanden sind.

Die Gattung Campanula ist fast weltweit verbreitet. Campanula-Arten gedeihen hauptsächlich von arktischen bis in gemäßigte Gebiete der Nordhalbkugel. Am häufigsten kommen Campanula-Arten vom Mittelmeerraum bis zum Kaukasusraum vor.[11] In europäischen Hochgebirgen (Alpen, Kaukasus) kommen besonders viele Arten vor, die nur dort zu finden sind. Campanula ist weiterhin die Gattung mit den meisten kleinräumig verbreiteten Arten in Europa.[3] In China kommen über 22 Arten vor, 12 davon nur dort.[11]

Es gibt 300 bis 500 Campanula-Arten:[8][7]
Knoblauchraukenblättrige Glockenblume (Campanula alliariifolia subsp. alliariifolia)
Allionis Glockenblume (Campanula alpestris)
Alpen-Glockenblume (Campanula alpina)
Bestand von Campanula andrewsii
Oviedo-Glockenblume (Campanula arvatica)
Bärtige Glockenblume (Campanula barbata)
Campanula bellidifolia subsp. besenginica in Kultur
Birkenblättrige Glockenblume (Campanula betulifolia)
Filz-Glockenblume (Campanula bononiensis)
Campanula bornmuelleri
Karpaten-Glockenblume (Campanula carpatica), Kulturform
Blütenstand der Borstigen Glockenblume (Campanula cervicaria)
Rasen-Glockenblume (Campanula cespitosa)
Zwerg-Glockenblume
(Campanula cochleariifolia)
Campanula damascena
Chamisso-Glockenblume (Campanula dasyantha subsp. chamissonis)
Campanula dichotoma
Campanula erinus
Ausgeschnittene Glockenblume (Campanula excisa)
Fenster-Glockenblume (Campanula fenestrellata)
Campanula forsythii
Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata)
Campanula hierosolymitana
Ring-Glockenblume (Campanula hofmannii); gut zu erkennen sind hier die grünen Kelchblätter.
Bestand der Riesen-Glockenblume (Campanula lactiflora)
Campanula lasiocarpa
Breitblättrige Glockenblume (Campanula latifolia)
Campanula lingulata
Marien-Glockenblume (Campanula medium)
Bestand von Campanula myrtifolia
Habitus und Blüten von Campanula oreadum
Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)
Pfirsichblättrige Glockenblume
(Campanula persicifolia)
Felsen-Glockenblume (Campanula petraea)
Dalmatiner Glockenblume (Campanula portenschlagiana)
Dunkle Glockenblume (Campanula pulla)
Ausschnitt eines Blütenstandes der Punktierten Glockenblume (Campanula punctata)
Blütenstand und Laubblätter von Campanula punctata
Insubrische Glockenblume (Campanula raineri)
Acker-Glockenblume (Campanula rapunculoides)
Rapunzel-Glockenblume (Campanula rapunculus)
Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia)
Bestand der Sarmatischen Glockenblume (Campanula sarmatica) im Habitat
Steinbrech-Glockenblume (Campanula saxifraga)
Aucher-Glockenblume (Campanula saxifraga subsp. aucheri)
Steppen-Glockenblume (Campanula sibirica)
Campanula stellaris
Die gelben Blüten von Campanula sulphurea
Blütenstand der Gewöhnlichen Strauß-Glockenblume (Campanula thyrsoides subsp. thyrsoides)
Campanula topaliana
Blütenstand der Nesselblättrigen Glockenblume (Campanula trachelium)
Campanula troegerae
Einzeln stehende Blüten der Einblütigen Glockenblume (Campanula uniflora)
Habitus und Blüten von Campanula wilkinsiana
Arten in Europa und Vorderasien

Die folgende sortierbare Tabelle zeigt Name, Habitus und Verbreitungsgebiet von mehr als 90 in Europa und Vorderasien beheimateten Glockenblumenarten. Die Verbreitungsgebiete sind entnommen aus.[8][19][20] Die Verbreitungsgebiete lassen sich anhand ihres ungefähren Mittelpunktes (gegeben durch die geographische Breite und Länge) sortieren. (Nutzung der „ctrl“ Taste ist hilfreich)

Name Trivialname Bild Verbreitungskarte Verbreitungsmittelpunkt in Grad
Breite Länge
Campanula alliariifolia
Willd.
Knoblauchraukenblättrige Glockenblume / Raukenblättrige Glockenblume4242
Campanula alpestris
All.
Allionis Glockenblume / Seealpen Glockenblume449
Campanula alpina
Jacq.
Alpen-Glockenblume4620
Campanula andrewsii
A.DC.
3822
Campanula armena
Steven
4045
Campanula arvatica
Lag.
42−3
Campanula asperuloides
Lag.
3822
Campanula autraniana
Albov
4342
Campanula barbata
L.
Bärtige Glockenblume / Bart-Glockenblume4710
Campanula baumgartenii
Becker
Lanzettblättrige Glockenblume / Niederösterreich-Glockenblume4615
Campanula bayerniana
Rupr.
4047
Campanula bellidifiolia
Adams
Gänseblümchenblättrige Glockenblume4343
Campanula betulifolia
K.Koch
Birkenblättrige Glockenblume4143
Campanula bohemica
Hruby
5016
Campanula bohemica ssp. gelida
Jindřich Chlapek
0000
Campanula bononiensis
L.
Filz-Glockenblume
Campanula bornmuelleri
Nabelek
3743
Campanula carnica
Schiede ex Mert. & W.D.J.Koch
Karnische oder Leinblatt-Glockenblume4512
Campanula carpatica
L.
Karpaten-Glockenblume4822
Campanula cenisia
L.
Mont-Cenis-Glockenblume4610
Campanula cervicaria
L.
Borstige Glockenblume
Campanula cespitosa
Scop.
Rasen-Glockenblume4318
Campanula cochleariifolia
Lam.
Zwerg-Glockenblume / Niedrige Glockenblume4613
Campanula collina
Sims.
Berghügel-Glockenblume4242
Campanula dasyantha
M. Bieb.
Chamisso-Glockenblume Campanula dasyantha subsp. chamissonisRusslands Ferner Osten bis Japan
Campanula dolomitica
E.A. Busch
4242
Campanula elatinoides
Moretti
Lombardische Glockenblume
Campanula excisa
Schleich. ex Murith
Ausgeschnittene Glockenblume448
Campanula fenestrellata
Feer
Fenster-Glockenblume4315
Campanula ficarioides
Timb.-Lagr.
421
Campanula foliosa
Ten.
4018
Campanula fragilis
Cirillo.
Zerbrechliche Glockenblume4214
Campanula garganica
Ten.
Sternpolster / Gargano-Glockenblume4118
Campanula gentilis
Kovonda
Fremde Glockenblume4813
Campanula glomerata
L.
Knäuel-Glockenblume
Campanula grossekii
Heuff.
Grossek-Glockenblume / Serbische Glockenblume4222
Campanula hercegovina
Degen & Fiala
4319
Campanula hispanica
Willk.
41−1
Campanula hofmannii
(Pantan.) Greuter & Burdet
Ring-Glockenblume4118
Campanula incurva
Aucher ex A.DC
3823
Campanula isophylla
Moretti
Stern-Glockenblume449
Campanula jacquinii
Sieber
Ring-Glockenblume3425
Campanula kladniana
(Schur) Witasek
[Abb. im Weblink 1]4722
Campanula lactiflora
M.Bieb.
Riesen-Glockenblume4044
Campanula lanata
Friv.
4021
Campanula latifolia
L.
Breitblättrige Glockenblume
Campanula lingulata
Waldst. & Kit.
4122
Campanula lusitanica
Freyn
40−5
Campanula macrostachya
Waldst. & Kit. ex Willd.
[Abb. im Weblink 2]4127
Campanula medium
L.
Marien-Glockenblume4210
Campanula mirabilis
Albov
4242
Campanula moravica
(Spitzn.) Kovanda
Mährische Glockenblume4619
Campanula morettiana
Rchb.
Dolomiten-Glockenblume4612
Campanula orphanidea
Boiss
4024
Campanula patula
L.
Wiesen-Glockenblume
Campanula pendula
M.Bieb.
4241
Campanula persicifolia
L.
Pfirsichblättrige Glockenblume / Wald-Glockenblume
Campanula petraea
L.
Felsen-Glockenblume4411
Campanula portenschlagiana
Schult.
Dalmatiner Glockenblume4316
Campanula poscharskyana
Degen
Hängepolster-Glockenblume / Poscharsky-Glockenblume4316
Campanula primulifolia
Brot.
40−4
Campanula pulla
L.
Dunkle Glockenblume4715
Campanula punctata
Lam.
Punktierte GlockenblumeSibirien, China, Japan
Campanula pyramidalis
L.
Pyramiden-Glockenblume4315
Campanula raddeana
Trautv.
Kaukasus-Glockenblume4045
Campanula raineri
Perp.
Insubrische Glockenblume / Rainer-Glockenblume4512
Campanula rapunculoides
L.
Acker-Glockenblume
Campanula rapunculus
L.
Rapunzel-Glockenblume
Campanula retrorsa
Labill.
3737
Campanula rhomboidalis
L.
Rautenblättrige Glockenblume467
Campanula romanica
Savul.
[Abb. im Weblink 3]4427
Campanula rotundifolia
L.
Rundblättrige Glockenblume
Campanula sarmatica
Ker Gawl.
Sarmatische Glockenblume4144
Campanula saxatilis
L.
3625
Campanula saxifraga
M. Bieb.
Steinbrech-Glockenblume3739
Campanula serrata
(Kit. ex Schult.) Hendrych
[Abb. im Weblink 4]4726
Campanula sibirica
L.
Steppen-Glockenblume
Campanula spatulata
Sm.
3823
Campanula speciosa
Pourr
Pyrenäen-Glockenblume421
Campanula spicata
L.
Ährige Glockenblume4313
Campanula stenocodon
Boiss. & Reut.
[Abb. im Weblink 5]457
Campanula stevenii
M.Bieb.
Campanula stricta
L.
3835
Campanula sulphurea
Boiss.
3335
Campanula tatrae
Borbás
[Abb. im Weblink 6]4920
Campanula thyrsoides
L.
Strauß-Glockenblume4615
Campanula topaliane
Beauverd
3723
Campanula trachelium
L.
Nesselblättrige Glockenblume
Campanula transsilvanica
Schur ex Andrae:
4324
Campanula tridentata
Schreb.
Dreizähnige Glockenblume3843
Campanula uniflora
L.
Einblütige Glockenblume
Campanula versicolor
Andrews
Verschiedenfarbige Glockenblume3920
Campanula waldsteiniana
Schult.
Waldstein-Glockenblume[Abb. im Weblink 7]4315
Campanula wanneri
Rochel
4322
Campanula xylocarpa
Kovanda
[Abb. im Weblink 8]4719
Campanula zoysii
Wulfen
Zois-Glockenblume, Karawanken-Glockenblume, Julische Glockenblume, Krainer Glockenblume, Nickende Glockenblume4614

Weblinks zu Abbildungen:

  1. plantarium.ru
  2. plantarium.ru
  3. treknature.com
  4. plantarium.ru
  5. florealpes.com
  6. botany.cz
  7. plantarium.ru
  8. biolib.cz
Nicht mehr in die Gattung Campanula gehören:

Nutzung als Zierpflanze

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Glockenblumen sind als Zierpflanzen[23] weit verbreitet, wobei fast nur Stauden Verwendung finden, die Einjährigen spielen als Zierpflanzen keine besondere Rolle, einige Zweijährige und monokarpe kommen vor, die meisten sind aber ausdauernde Gartenstauden. Die meisten Glockenblumen als Zierstauden blühen im Hochsommer. Glockenblumen im Garten sind generell sonnenliebend, auch wenn einige Sorten Schatten ertragen. Sie gedeihen schlecht auf staunassen Böden, die meisten sind kalkliebend. Nährstoffarme Böden sind hingegen kein Hindernis. Viele Arten vermehren sich im Garten selbst, über Ausläuferbildung oder Aussamen. Einige sehr niedrigwüchsige Arten, die aus Gebirgen stammen, sind geeignete Steingartenstauden, viele davon aber schwer kultivierbar und nur für Spezialisten geeignet.

Im Gartenhandel waren schon 1988 mehr als 250 Sorten erhältlich. Einige davon gehen auf Hybride zurück, Hybride spielen aber bei Glockenblumen eine geringere Rolle als bei vielen anderen Gartenstauden. Viele Arten sind, je nach Sorten, mit weißen und mit blauen Blüten erhältlich.

Als Zierpflanzen verbreitete Arten mit vielen Sorten sind zum Beispiel[23] Karpaten-Glockenblume (Campanula carpathica) im weiteren Sinne, unter Einschluss von Campanula turbinata, Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia), Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), Stern-Glockenblume (Campanula isophylla), Riesen-Glockenblume (Campanula lactiflora), Breitblättrige Glockenblume (Campanula latifolia), Marien-Glockenblume (Campanula medium), Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) (einige Sorten mit verdoppelter Blütenhülle), Hängepolster-Glockenblume (Campanula poscharskyana), Punktierte Glockenblume (Campanula punctata).

Verwendung als Heilpflanze

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Einige Arten werden traditionell als leicht antiseptische Heilpflanzen genutzt, so beispielsweise Campanula rapunculus.[24] Die auf den Kapverden endemische Campanula jacobaea (portugiesisch contra bruxas-azul ‚Blau gegen Hexen‘) wird in der Volksmedizin gegen Halsentzündung eingesetzt.[25] Sie ist auf der Rückseite der kapverdischen 5-Escudo-Münze abgebildet.

Die Blätter und Blüten einiger mitteleuropäischer Arten wie Campanula rapunculus oder Campanula persicifolia werden auch als Salat gegessen.[26]

Abbildungen von Pflanzen, die heute zur Gattung Campanula gestellt werden, finden sich etwa in den Kräuterbüchern von Hieronymus Bock (1539), Otto Brunfels (1532–1537), Leonhart Fuchs (1542), Rembert Dodoens (1554), Pietro Andrea Mattioli (1586) und Tabernaemontanus (1613),[27] während Beschreibungen oder Abbildungen bei den antiken Autoren wohl fehlen. Der lateinische Name „Campanula“ geht, nach eigenem Zeugnis, zurück auf Leonard Fuchs. In De historia stirpium commentarii insignes (1542) schreibt er, dass er den lateinischen Namen Campanula (wörtlich: „kleine Glocke“) in Anspielung auf die Blütenform gebildet habe. (in eigener Übersetzung: „Wir habends auff Lateinisch Campanulam genennt, darumb das feine blümen den Schellen oder Glocken gleich seind“) (New Kreüterbuch, Basel 1543). Die dort so bezeichnete und abgebildete Pflanze, deutsch von ihm „Halskraut“ genannt, ist die Nesselblättrige Glockenblume Campanula trachelium.[28]

  • T. Borsch, N. Korotkova, T. Raus, W. Lobin, C. Löhne: The “pet”D group II intron as a genus and species level marker: Utility for tree inference and species identification in the diverse genus “Campanula” (Campanulaceae). In: Willdenowia. Band 39, Nr. 1, 2009, S. 7–33, doi:10.3372/wi.39.39101.
  • Cristina Roquet, Llorenç Sáez, Juan José Aldasoro, Alfonso Susanna, María Luisa Alarcón, Núria García-Jacas: Natural delineation, molecular phylogeny and floral evolution in Campanula. In: Systematic Botany. Band 33, Nr. 1, 2008, S. 203–217, doi:10.1600/036364408783887465.
  • Thomas G. Lammers: World Checklist and Bibliography of Campanulaceae. Kew Publishing, Richmond, Surrey, 2007, ISBN 978-1-84246-186-0.
  • Jeong-Mi Park, Sanja Kovačić, Zlatko Liber, William M. M. Eddie, Gerald M. Schneeweiss: Phylogeny and Biogeography of Isophyllous Species of Campanula (Campanulaceae) in the Mediterranean Area. In: Systematic Botany, Volume 31, Issue 4, 2006. S. 862–880. doi:10.1600/036364406779695924
  • Sonja Kovačić: The genus Campanula L. (Campanulaceae) in Croatia, circum-Adriatic and west Balkan region. In: Acta Botanica Croatica. Band 63, Nr. 2, 2004, S. 171–202 (hrcak.srce.hr PDF).
  • Bernd Hertle, Peter Kiermeier, Marion Nickig: Gartenblumen – Porträts und Pflegeanleitungen beliebter Gartenblumen und attraktiver Grünpflanzen. Gräfe und Unzer, München 1993, ISBN 3-7742-1796-3.
  • Eugene Nasir: Flora of Pakistan 155: Campanulaceae. Department of Botany, University of Karachi, Karachi 1984, Campanula, S. 6–20: Campanula bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. Louis.
  • A. Fedorov: Campanulaceae. In: B. K. Shishkin, E. G. Bobrov (Hrsg.): Flora of the USSR. Begründet von Vladimir Leontyevich Komarov. Volume XXIV: Dipsacaceae, Cucurbitaceae, Campanulaceae, Israel Program for Scientific Translations/Smithsonian Institution and the National Science Foundation, Jerusalem/Washington, D.C. 1972, ISBN 0-7065-1254-5, S. 92–321 (engl., übersetzt von R. Lavoott; russisches Original: Botanicheskii institut, Izdatel'stvo Akademii Nauk SSSR, Moskau/Leningrad 1957, S. 126–450), Digitalisat.
  • A. Fedorov, M. Kovanda: Campanulaceae. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 4: Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae). Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-08717-1, S. 74–93 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
Commons: Glockenblumen (Campanula) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. W. M. M. Eddie, D. C. G. Cann: Campanula. In: J. Cullen et al.: The European Garden Flora: a Manual for the Identification of Plants Cultivated in Europe, Both Out-of-doors and under Glass. Vol. 6, Dicotyledons (Part IV): Loganiaceae to Compositae, Cambridge University Press, Cambridge 2000, ISBN 0-521-42097-0. S. 466, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  2. Paul Westrich: Wildbienen – Die anderen Bienen, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2015, S. 90, ISBN 978-3-89937-136-9.
  3. 1 2 A. Fedorov, M. Kovanda: Campanulaceae. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 4: Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae). Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-08717-1, S. 74–93 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 163 (Digitalisat).
  5. Campanula bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 5. Februar 2018.
  6. 1 2 3 4 C. Roquet, L. Sáez, J. J. Aldasoro, A. Susanna, M. L. Alarcón, N. García-Jacas: Natural Delineation, Molecular Phylogeny and Floral Evolution in Campanula. In: Systematic Botany. Band 33, Nr. 1, 2008, S. 203–217, doi:10.1600/036364408783887465 Abstract bei BioOne.
  7. 1 2 3 Campanula im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 22. März 2015.
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