Gloria Swanson

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Gloria Swanson (1972)

Gloria Swanson (bürgerlich Gloria May Josephine Svensson; * 27. März 1899 in Chicago, Illinois; † 4. April 1983 in New York City) war eine US-amerikanische Schauspielerin und Produzentin. Gloria Swanson war einer der größten Stars der Stummfilmära und zählte zu den Stilikonen der 1920er-Jahre, ehe ihre Popularität Anfang der 1930er-Jahre mit dem Aufkommen des Tonfilm schwand. 1950 hatte sie ein Comeback in Billy Wilders Boulevard der Dämmerung. Sie wurde dreimal für den Oscar als beste Darstellerin nominiert.

Frühes Leben und Karriere als Stummfilmstar[Bearbeiten]

Gloria Swanson wurde als Tochter von Joseph Theodore Swanson, der als Soldat in der US-Armee diente, und seiner Frau Adelaide in eine lutherische Familie geboren. Swansons Vater stammte aus Schweden, die Mutter hatte Vorfahren aus Deutschland, Frankreich und Polen.[1] Die Familie lebte unter eher bescheidenen Verhältnissen auf verschiedenen Truppenstützpunkten, unter anderem auch auf Puerto Rico.

Gloria Swanson (1921)

Gloria Swanson machte ihr Filmdebüt 1914 im Essanay-Film The Song of Soul als Statistin. Sie war eher zufällig ins Filmgeschäft gelangt, als sie mit ihrer Tante einen Besuch bei Essanay machte und man sie dort fragte, ob sie als Statistin für das Filmstudio arbeiten wolle.[2]Ihre Gage betrug anfangs lediglich 13,5 US-Dollar in der Woche. Sie spielte auch eine kleine Rolle als Stenografin in der Komödie His New Job mit Charlie Chaplin, der gleichzeitig Regie führte. Bei Essaney lernte sie ihren ersten von insgesamt sechs Ehemännern, den Schauspieler Wallace Beery, kennen und übersiedelte mit ihm 1915 nach Hollywood. Die Schauspielerin wirkte häufig in den Filmen von Komödienspezialist Mack Sennett mit, unter anderem neben Komiker Bobby Vernon. Sie bestand jedoch darauf, niemals eine der Badeschönheiten gewesen zu sein, die leichtbekleidet in zahlreichen Komödien von Sennett für Abwechslung sorgten.

1919 erhielt sie einen Vertrag bei der Paramount, wo sie innerhalb von nur zwei Jahren zu einem der größten Stars des Studios aufstieg. Verantwortlich dafür war vor allem der Regisseur Cecil B. DeMille. In seinen „Salonkomödien“ setze er Swanson als selbstbewusste Frau der Gesellschaft ein, die eigene Ideen über Liebe und Ehe hat. Streifen wie Don't Change Your Husband, Why Change Your Wife und Male and Female, eine Version der Komödie "The Admirable Crichton", halfen mit, aus Swanson eine der glamourösesten Frauen und eine Stilikone der 1920er Jahre zu machen. Insbesondere viele weibliche Zuschauer interessierten sich für die aufwendigen Kleider der Swanson. Die Schauspielerin trat 1922 auch einmal gemeinsam mit Rudolph Valentino in dem von Sam Wood inszenierten Film Beyond the Rocks auf, der lange als verschollen galt, aber im Jahre 2003 in der Niederlanden wiederentdeckt wurde. Viele der Swanson-Filme aus den 1920er-Jahren sind bis heute verschollen, darunter auch das Kostümdrama Madame Sans-Gene aus dem Jahr 1925, das Swanson als ihren Lieblingsfilm aus ihrem Werk benannte. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere verdiente sie 22.500 $ pro Woche. Paramount bemühte sich nach Kräften, eine angebliche Rivalität zwischen Swanson und Pola Negri aufzubauen, was Swanson jedoch stets verneinte.

Gloria Swanson stellte in verschiedenen Filmen ihr Talent für Komödien und Imitation bekannter Stars unter Beweis. So parodierte sie Charlie Chaplin in Manhandled (1924). Fünfundzwanzig Jahre später stellte sie ihn in einer Szene von Boulevard der Dämmerung erneut dar. 1926 verließ Gloria Swanson Paramount und schlug ein Angebot von einer Million Dollar Gage pro Jahr aus. Sie produzierte ihre Filme selbst und brachte sie über United Artists in den Verleih, um mehr künstlerische Kontrolle über ihre Produktionen zu erlangen. Ein solches Vorgehen war damals für große Stars durchaus üblich. Auch die Talmadge-Schwestern Norma und Constance, Charlie Chaplin, Corinne Griffith sowie Colleen Moore agierten damals als unabhängige Produzenten. Swansons erster eigener Film, das Drama The Love of Sunya, handelte von einer Frau, die in ihre Zukunft mit verschiedenen Männern sehen kann. Die Produktion war von Problemen geplagt und der fertige Streifen war — im Gegensatz zu den meisten ihrer Filme — an den Kinokassen wenig erfolgreich. 1928 drehte Swanson …aber das Fleisch ist schwach, der sowohl bei Kritikern als auch beim Publikum erfolgreich war. Der Stummfilm basiert auf dem Bühnenstück Rain, das Motive von Somerset Maughams Erzählung Miss Thompson aufnimmt und mit Jeanne Eagels ein internationaler Erfolg war. Ebenfalls 1928 gerieten die Dreharbeiten zum Film Queen Kelly unter der Regie von Erich von Stroheim jedoch zum Fiasko. Swanson erkannte während der Dreharbeiten, dass der Film in der ursprünglichen Version nie die Zensur passieren würde. Stroheim wurde entlassen, und auch ein eilig von Swanson selbst hergestelltes Ende konnte den Film nicht mehr retten. Das gedrehte Material landete im Archiv. Swanson und ihr damaliger Lebensgefährte Joseph P. Kennedy, der Vater des späteren US-Präsidenten John F. Kennedy, verloren bei diesem Projekt angeblich 800.000 US-Dollar.

Gloria Swanson gelang der Wechsel zum Tonfilm Ende der 1920er-Jahre passabel, und sie wurde für ihren Auftritt in The Trespasser unter der Regie von Edmund Goulding für einen Oscar als beste Darstellerin nominiert. Der Wandel im Publikumsgeschmack führte jedoch zu einem nachlassenden Interesse an ihren folgenden Filmen. Nach 1934 zog sich die Schauspielerin weitgehend vom Film zurück.

Spätere Karriere[Bearbeiten]

Ein Comebackversuch in Father Takes a Wife neben Adolphe Menjou war 1941 erfolglos. Swanson spielte in der Zeit gelegentlich Theater und entwarf daneben eine eigene Serie von Kleidern, die sie über eine große amerikanische Einzelhandelskette vertreiben ließ. Sie arbeitete viel für das Radio und trat schon sehr früh im Fernsehen auf, so hatte sie ihre eigene lokale Fernsehshow.[3] 1948 wurde sie vom Life Magazin zur „schönsten Großmutter Amerikas“ gewählt.

1950 kehrte Swanson unter Regie von Billy Wilder auf die Leinwand zurück. Sie spielte den Stummfilmstar Norma Desmond im Filmklassiker Boulevard der Dämmerung, der sich obsessiv nach einem Comeback sehnt, am Ende des Filmes einen Mord begeht und in den Wahnsinn fällt. Zwar hatten Swanson und ihre Filmfigur Desmond viel gemeinsam, doch im Gegensatz zu Desmond lebte sie nicht in der Vergangenheit ihres alten Ruhmes. Swansons Sätze im Film wie "The Greatest Star of them all", "I am big; it's the pictures that got small", "We didn't need dialogue, we had faces" und "All right, Mr. DeMille, I'm ready for my close-up" werden bis heute oft rezitiert. Swanson erhielt für ihre Darstellung eine weitere Nominierung für den Oscar als beste Hauptdarstellerin und gewann den Golden Globe sowie den NBR-Award. Anschließend trat sie in lediglich drei weiteren Filmen auf, auch weil sie viele Filmangebote ablehnte, die sie als schlechte Imitationen von Norma Desmond empfand. Sie war anschließend nur noch in Fernsehproduktionen, Broadway-Stücken und Musicals zu sehen.

Die Schauspielerin war daneben als Unternehmerin tätig und besaß mehrere Gesellschaften, darunter Multiprises, Inc., die Swanson 1937 gründete. Die Firma war auf technische Forschung spezialisiert und beschäftigte unter anderem Wissenschaftler, die Deutschland und Österreich aufgrund Verfolgungen verlassen mussten: den Chemiker Leopold Karniol, Richard Kobler, Anton Kratkym, einen Metallurgen sowie den Ingenieur Leopold Neumann[4].

Privatleben[Bearbeiten]

Gloria Swanson war insgesamt sechsmal verheiratet: Ihre erste Ehe ging sie von 1916 bis 1919 mit Wallace Beery ein, der sie nach eigenen Angaben vergewaltigt haben soll. Von 1919 bis 1922 war sie mit Herbert K. Somborn, dem Inhaber der Brown-Derby-Resturantkette, verheiratet. Aus dieser Ehe kam ihr erstes Kind. Ihre dritte Ehe führte sie mit dem französischen Marquis Henri de la Falaise zwischen 1925 und 1930, der sie für Constance Bennett verließ. Während der Ehe mit Falaise hatte sie auch eine Beziehung mit Joseph P. Kennedy, dem Familienoberhaupt der Kennedys und Vater von John F. Kennedy. Anfang der 1930er-Jahre hatte sie außerdem eine Liebesbeziehung mit Schauspieler Herbert Marshall. Aus Swansons vierten Ehe mit dem Schauspieler Michael Farmer zwischen 1931 und 1934 stammte ihr drittes Kind. Ihre fünfter Ehepartner war George William Davey, mit dem sie zwischen 1945 und 1946 verheiratet war. Erst 1976 ging sie ihre letzte Ehe mit dem Autor William Dufty ein, die bis zu Swansons Tod im Jahre 1983 anhielt.

1980 veröffentlichte sie ihre Biografie Swanson on Swanson, die sich als erfolgreich erwies und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Sie engagierte sich für die evangelisch-lutherische Kirche sowie die Republikanische Partei. Zudem war sie als Verfechterin einer gesunden ausgewogenen Ernährung bekannt. 1983 verstarb sie mit 84 Jahren an einer Herzerkrankung, nachdem sie von ihrem Zweitwohnsitz in Portugal nach New York zurückgekehrt war.

Zwei Sterne auf dem Hollywood Boulevard erinnern an die Schauspielerin. Einer befindet sich auf Höhe 6748 Hollywood Boulevard zu Ehren ihres filmischen Schaffens und einer, auf Höhe 6301 Hollywood Boulevard, erinnert an ihre TV-Arbeit.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Gloria Swanson (ca. 1920)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar/Beste Hauptdarstellerin[Bearbeiten]

Golden Globe Awards[Bearbeiten]

National Board of Review[Bearbeiten]

  • National Board of Review Awards 1951 - Auszeichnung als Beste Hauptdarstellerin für Boulevard der Dämmerung

weitere Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gloria Swanson – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lawrence J. Quirk (1984): The Films of Gloria Swanson, Citadel Press, S. 256. ISBN 0-8065-0874-4.
  2. Swanson, Gloria (1981). Swanson on Swanson. Kapitel 2: Random House. ISBN 0-394-50662-6.
  3. Gloria Swansons Biografie bei der New York Times
  4. [1] mit ausführlichen Darstellungen der geschäftlichen Aktivitäten von Multiprises sowie anderer Firmen, die Swanson gründete.