GoFundMe

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GoFundMe
Crowdfunding
Sprachen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Betreiber GoFundMe, Inc.
Redaktion Brad Damphousse
Andrew Ballester
Registrierung Redwood City, Kalifornien, USA
Online 10. Mai 2010
https://de.gofundme.com/

GoFundMe ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Sitz in Redwood City, Kalifornien, dessen Geschäftsmodell die Vermittlung von Spendengeldern über eine Internetplattform ist. Die Spendenerhebung erfolgt hierbei nach dem Crowdfunding-Prinzip. Das heißt, eine große Anzahl an Privatpersonen kann in vergleichsweise kleinen Beträgen für einen bestimmten Zweck spenden. Die Empfänger des Geldes erstellen hierzu eine Webseite auf der Plattform, die den Spendenzweck erläutert. Oftmals handelt es sich dabei um bestimmte Lebensereignisse, für die Geld gesammelt wird. Diese Ereignisse decken ein breites Spektrum ab, von positiven Dingen wie Feiern oder Promotionen bis zu schwierigen Umständen im Sinne von Unfällen und Krankheiten, welche in Ländern mit lückenhaften Sozialversicherungen wie den USA durchaus private Existenzen bedrohen können.[1][2] In den ersten zehn Jahren – von 2010 bis 2020 – wurden mehr als 9 Milliarden US-Dollar von über 120 Millionen Spendern vermittelt.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im Mai 2010 von Brad Damphousse und Andrew Ballester in San Diego, Kalifornien gegründet.[4][5] Beide hatten zuvor Paygr gegründet, einen Online-Marktplatz, auf dem die Mitglieder Dienstleistungen an private Kunden anbieten konnten.[6] 2008 erweiterten sie ihre Tätigkeit um die Webseite „CreateAFund“, die als rudimentärer Vorläufer von GoFundMe gelten kann. Nach verschiedenen Funktionserweiterungen und Updates der Plattform erfolgte dann am 10. Mai 2010 der Relaunch der Seite unter dem heutigen Namen.[7][8] Das Konzept wurde von den Nutzern gut angenommen, und die Plattform wächst seitdem ständig. So sammelte das Unternehmen mit seiner Plattform zum Beispiel bis März 2017 3 Milliarden US-Dollar ein bei einem damaligen monatlichen Spendenumsatz von bis zu 140 Millionen US-Dollar und generierte einen Jahresgewinn von 100 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig wurde das Unternehmen damit zum größten seiner Art.[9] Bis 2020 hat sich die Gesamtsumme der Spenden weiter erhöht und nunmehr verdreifacht.[3]

Im Juni 2015 trennten sich Damphousse und Ballester von ihrer Mehrheitsbeteiligung und verkauften ihre Anteile, die zu diesem Zeitpunkt mit 600 Millionen US-Dollar bewertet wurden,[10] an ein Konsortium aus den Investmentfirmen Accel Partners und Technology Crossover Ventures. In der Folge traten die beiden Gründer aus der aktiven Geschäftsführung des Unternehmens zurück und begleiten es nur noch in beratender Funktion, respektive im Fall von Ballester als Mitglied des Aufsichtsrates.[11] Unter der neuen Führung übernahm GoFundMe dann im Januar 2017 den Konkurrenten CrowdRise.[12]

Seit Ende 2017 ist das Unternehmen mit einem Büro in Berlin auch in Deutschland aktiv.[4]

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um Geld einzusammeln, erstellen die Spendenempfänger wie eingangs beschrieben eine Unterseite auf der Homepage von GoFundMe. Dort beschreiben sie ihr Anliegen, definieren den möglichst, aber nicht zwingend zu erreichenden Betrag und ergänzen Fotos und Videos zum Sachverhalt. Der Fokus des Geschäftsmodells der Plattform liegt dabei auf persönlichen Lebensereignissen. Exemplarisch sind das im Heimatmarkt Dinge wie Arztrechnungen,[13] das Aufbringen von Ausbildungskosten und Studiengebühren,[14] oder die Finanzierung von Gerichtskosten.[15] Generell jedoch sind auch allgemeine Projektfinanzierungen möglich, wie sie für Künstler, Erfindungen oder Firmengründungen notwendig werden können.

Nachdem die Unterseite erstellt wurde, bietet die Plattform eine Integration dieser in diverse soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram an und motiviert die Empfänger gezielt dazu, virale Aufmerksamkeit für ihre Kampagne zu generieren.[16] Auch können direkt über die Plattform E-mails mit einem Link zur Spendenseite versandt werden.[17] Potenzielle Spender können dann einen Betrag ihrer Wahl via der im Internet üblichen Bezahlverfahren überweisen. Angeboten werden unter anderem Zahlungen via Kreditkarte, Giropay, Sofortüberweisung, Paypal und weitere.[18] Im Anschluss an ihre Zahlung können Spender dann auch mit dem Kampagnenbetreiber interagieren, den Spendenstand verfolgen und zum Beispiel Kommentare auf der Spendenseite hinterlassen.

Von den eingenommenen Spenden behält der Konzern als Gebühr pro Spende pauschal 0,25 € und weiter einen Prozentsatz vom Gesamtumsatz, der von Land zu Land variiert und in der Regel 2,90 % beträgt.[19] Weiter schlägt die Plattform eine 'freiwillige Spende' für den Betrieb von GoFundMe in Höhe eines wählbaren Prozentsatzes vor, welche erst vergleichsweise umständlich aus dem Spendendialog entfernt werden muss.[20][21]

Finanzierung von medizinischen Behandlungskosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Folge der Gestaltung des Gesundheitssystems der USA, in dem die Krankenversicherung in weiten Teilen freiwillig und privat organisiert ist, steigt der Anteil des Spendenumsatzes, der zur Deckung von fehlenden Versicherungsleistungen aufgebracht wird, kontinuierlich. Kritische Stimmen sehen darin zunehmend eine Kompensation von strukturellen Fehlern des Gesundheitssystems und bemängeln den Wandel in dessen Finanzierung weg von strukturierten Lösungen zu willkürlichen Almosen.[22][23] So ist GoFundMe nach eigener Darstellung mittlerweile führender Anbieter bei der Beschaffung von medizinischen Online-Spenden und jede dritte Kampagne auf der Plattform soll Mittel für Kosten sammeln, die Privatpersonen durch medizinische Behandlungen entstehen. In Summe waren dies 2018 etwa 250.000 Kampagnen, die 650 Millionen US-Dollar umsetzten.[23][24]

Rob Solomon, der derzeitige Geschäftsführer (CEO) von GoFundMe, äußerte sich Anfang 2019 dazu mit: “When we started in 2010, it [GoFundMe] wasn't purposefully set up and built to be a substitute for medical insurance. We weren't ever set up to be a health care company and we still are not. But over time, people have used GoFundMe for the most important issues they are faced with.” (Rob Solomon, deutsch: „Als wir 2010 begannen, wurde es [GoFundMe] nicht absichtlich als Ersatz für eine Krankenversicherung geschaffen und gebaut. Wir wurden nie als Gesundheitsunternehmen gegründet und wir sind es auch heute nicht. Aber im Laufe der Zeit haben die Menschen GoFundMe für die wichtigsten Probleme verwendet, mit denen sie konfrontiert werden.“)[24] Ein halbes Jahr später ergänzte er in einem Interview noch, dass die zunehmende Beschaffung von Behandlungskosten auf der Plattform das Ergebnis schwerwiegender Probleme im Gesundheitswesen der USA ist: “The system is terrible [...] there are people who are not getting relief from us or from the institutions that are supposed to be there. We shouldn't be the solution to a complex set of systemic problems.” (Rob Solomon, deutsch: „Das System ist schrecklich, [...] es gibt Menschen, die keine Unterstützung von uns oder von den Institutionen bekommen, die für sie da sein sollten. Wir sollten nicht die Lösung für eine komplexe Gruppe von systemischen Problemen sein.“)[25][26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Moneymaking Ideas. (Nicht mehr online verfügbar.) Bloomberg Businessweek, archiviert vom Original am 24. Juni 2012; abgerufen am 16. Juni 2016.
  2. How to fundraise. GoFundMe, abgerufen am 29. Mai 2020.
  3. a b Rachel Monroe: When GoFundMe Gets Ugly. 1. November 2019, abgerufen am 29. Mai 2020.
  4. a b Über GoFundMe. crowdfunding.de, abgerufen am 30. Mai 2020.
  5. Susan Adams: Free Market Philanthropy: GoFundMe Is Changing The Way People Give To Causes Big And Small. Forbes.com, abgerufen am 29. Mai 2020.
  6. Rip Empson: Paygr Looks To Combine Facebook And PayPal In A Marketplace For Local Buying And Selling. Tech Crunch, 7. Juni 2011, abgerufen am 29. Mai 2020.
  7. Big News: CreateAFund Has Joined Forces With GoFundMe. (Nicht mehr online verfügbar.) Create A Fund, archiviert vom Original am 22. Juni 2012; abgerufen am 21. Juni 2020.
  8. Soliciting Donations From Individuals. Crowdfunding Web Watch 2012, abgerufen am 29. Mai 2020.
  9. Ainsley Harris: How Crowdfunding Platform GoFundMe Has Created A Three Billion Digital Safety Net. 3. März 2017, abgerufen am 29. Mai 2020.
  10. Douglas MacMillan und Gillian Tan: GoFundMe Founders to Reap a Fortune in Buyout. Wall Street Journal, 24. Juni 2014, abgerufen am 29. Mai 2020.
  11. Celena Chong: A group of investors is buying GoFundMe. Business Insider, 24. Juni 2015, abgerufen am 29. Mai 2020.
  12. Ingrid Lunden: GoFundMe acquires CrowdRise to expand to fundraising for charities. Tech Crunch, 10. Januar 2017, abgerufen am 29. Mai 2020.
  13. Raising Money For Medical Expenses. (Nicht mehr online verfügbar.) Daily Crowdsource, archiviert vom Original am 22. Juni 2012; abgerufen am 21. Juni 2012.
  14. Web Pleas Help Immigrants Pay For College. USA Today, 13. September 2011, abgerufen am 30. Mai 2020.
  15. Kevin Reed: Fund drive to pay Chelsea Manning's court fines raises $267,000 in two days. World Socialist Web Site, 16. März 2020, abgerufen am 30. Mai 2020.
  16. Rilee Chastain: Live from IFC 2018: The social fundraising data report for nonprofits. fundraising.crowdrise.com, abgerufen am 30. Mai 2020.
  17. GoFundMe Hilfecenter, Kampagnenerstellung von A bis Z. GoFundMe, Inc., abgerufen am 30. Mai 2020.
  18. GoFundMe Hilfecenter, Spenden. GoFundMe, Inc., abgerufen am 30. Mai 2020.
  19. Preise und Gebühren. GoFundMe, Inc., abgerufen am 7. Januar 2021.
  20. GoFundMe-Hilfecenter: Wie kann ich die Höhe meines freiwilligen Beitrags anpassen? GoFundMe, Inc., abgerufen am 9. Juli 2021.
  21. Axel Mayer: Gofundme 2021: Gebühren & Kritik. Mitwelt Stiftung Oberrhein, 13. Januar 2021, abgerufen am 8. Juli 2021.
  22. J. Sisler: Crowdfunding for medical expenses. In: Canadian Medical Association Journal. Band 184, Nr. 2, 9. Januar 2012, S. E123–E124, PMID 22231688, PMC 3273528 (freier Volltext).
  23. a b Carolyn McClanahan: People Are Raising $650 Million On GoFundMe Each Year To Attack Rising Healthcare Costs. Forbes Magazine, 13. August 2018, abgerufen am 20. Juni 2020.
  24. a b Megan Cerullo: Their twins' medical costs total $750,000 — each. They and thousands of others are counting on GoFundMe. CBS News, 30. Januar 2019, abgerufen am 20. Juni 2020.
  25. Sam Baker: People are increasingly turning to GoFundMe for medical bills — and the company's own CEO realizes that's a huge indictment of the US healthcare system. Business Insider, 17. Januar 2019, abgerufen am 20. Juni 2020.
  26. Jeffrey Young: Life And Debt: Stories From Inside America's GoFundMe Health Care System. HuffPost, 10. Juni 2019, abgerufen am 20. Juni 2020.