Goethe-Gesellschaft

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Goethe-Jahrbuch 1880 Titel.png

Die Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V., 1885 auf Anregung von Großherzogin Sophie unter Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach gegründet,[1] ist eine literarisch-wissenschaftliche Gesellschaft mit Sitz in Weimar. Sie will unter anderem „zu vertiefter Kenntnis Goethes beitragen, seine Bedeutung für die moderne Welt aufzeigen und der ihm gewidmeten Forschung Anregungen geben“ (aus der Satzung). Ihre Publikationsorgane sind als Periodikum das Goethe-Jahrbuch (GJB), das 1880 von Ludwig Geiger gegründet wurde, und in loser Folge die Schriften der Goethe-Gesellschaft (SchrGG). Höchste Auszeichnung ist die Goldene Goethe-Medaille.

Die Goethe-Gesellschaft hat rund 2600 Mitglieder in 40 Ländern der Welt, in den 58 Ortsvereinigungen sind etwa 7000 Mitglieder organisiert. Mitglieder sind Goethefreunde wie auch Wissenschaftler und Institutionen. Neben der Goethe-Gesellschaft in Weimar existieren zahlreiche weitere Goethe-Gesellschaften im In- und Ausland, darunter die bereits 1878 als Wiener Goethe-Verein begründete Österreichische Goethe-Gesellschaft. Alle zwei Jahre findet in Weimar die Hauptversammlung der Gesellschaft statt, auf der unter anderem zahlreiche Vorträge zu Goethe geboten werden. Amtierender Präsident der Goethe-Gesellschaft ist Jochen Golz.

Anfangszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Goethe-Gesellschaft gehörten schon früh renommierte Frauen, darunter die Feministin Helene Stöcker, die auch als Autorin in den Publikationen der Gesellschaft hervortrat.[2]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein hatte in der Weltwirtschaftskrise seit 1929 einen starken Mitgliederrückgang zu verzeichnen.[3] Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 kam es zu einer Austrittswelle jüdischer Mitglieder, die durch die rassistischen Berufsverbote in ihrer beruflichen Existenz vernichtet worden waren und die nun, gemäß den Untersuchungen W. Daniel Wilsons (2015), eher austreten wollten als auf den Ausschluss warten. Die Gesellschaft nahm aus eigenem Antrieb nach 1933 keine Juden mehr auf. Die Gleichschaltung wurde unter dem Präsidenten Julius Petersen und den Vizepräsidenten Hans Wahl und Anton Kippenberg, welcher sich schon 1924 zum Antisemitismus bekannt hatte[3], auch in der Goethe-Forschung vollzogen. Nach der Reichspogromnacht 1938 kam es dann zum pauschalen Ausschluss aller jüdischen Mitglieder.

Präsidenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Neumann: „Die Zukunft der Goethe-Gesellschaft erfüllt mich mit Sorge.“ Anmerkungen zur Diskussion um die Nachfolge Gustav Roethes. In: Burkhard Stenzel: Die Weimarer Republik zwischen Metropole und Provinz, 1996, S. 57–70.
  • Thomas Neumann: „… der die idealen Triebe Ihrer Vorschläge vollauf zu würdigen weiß.“ Friedrich Lienhard und die Goethe-Gesellschaft. In: Jürgen John: Weimar 1930. Politik und Kultur im Vorfeld der NS-Diktatur, 1998, S. 185–210.
  • Jochen Golz, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Goethe in Gesellschaft. Zur Geschichte einer literarischen Vereinigung vom Kaiserreich bis zum geteilten Deutschland. Köln / Weimar / Wien 2005, ISBN 3-412-18805-0.
  • Lothar Ehrlich: Die Goethe-Gesellschaft im Spannungsfeld der Deutschland- und Kulturpolitik der SED. In: Stiftung Weimarer Klassik: Weimarer Klassik in der Ära Ulbricht, S. 251 - 282.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Goethe-Gesellschaft – Quellen und Volltexte
 Wikisource: Goethe-Jahrbuch – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeitgenössische Lebensbeschreibung der Großherzogin Sophie
  2. Helene Stöcker (2015): Lebenserinnerungen, hg. von Reinhold Lütgemeier-Davin u. Kerstin Wolff. Köln: Böhlau, 97.
  3. a b W. Daniel Wilson: „Unser Vorstand ist arisch zusammengesetzt“, in: Süddeutsche Zeitung, 17. Juni 2015, S. 14
  4. Klaus Mlynek: Goethe-Gesellschaft, in: Stadtlexikon Hannover, S. 224
  5. (Leseprobe)