Goethe-Nationalmuseum (Weimar)

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Der Museums-Eingang
Wendeltreppe im Museum (Architekten Fischer/Fromm, 1999)

Das Goethe-Nationalmuseum wurde am 8. August 1885 in Form einer Stiftung in Weimar gegründet. Anlass war der Tod des letzten Goethe-Enkels Walther von Goethe. Gemäß dessen testamentarischer Verfügung wurden die Liegenschaften und Sammlungen des berühmten Dichters dem Großherzoglichen Haus übereignet und Goethes Wohnhaus am Frauenplan samt Hausgarten als „Goethe-Nationalmuseum“ eröffnet. Vorausgegangen war eine gründliche Rekonstruktion, nachdem das Haus jahrzehntelang von Fremden bewohnt gewesen war.

Nach der Bildung des Landes Thüringen 1920 ging das Goethe-Nationalmuseum zusammen mit einer Reihe anderer Gebäude Weimars aus der klassischen Zeit sowie den Weimarer Schlössern in das Eigentum des Landes über. In den 1920er Jahren wurden weitere Gebäude Weimars dem Goethe-Nationalmuseum zugeordnet. Im Jahre 1953 gingen diese in die Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der klassischen deutschen Literatur in Weimar (NFG) über. Seit Oktober 1991 gehört das Goethe-Nationalmuseum zur Klassik Stiftung Weimar (Nachfolgeinstitut der NFG), welche neben dem Stammhaus insgesamt 22 historische Häuser und Museen im gesamten Weimarer Stadtgebiet und darüber hinaus verwaltet. Als Weimar im Jahr 1999 Kulturhauptstadt Europas wurde, ist das Goethe-Nationalmuseum durch das Architekturbüro Fischer/Fromm grundlegend saniert und erneuert worden.

In Goethes Wohnhaus am Frauenplan sind die Wohnräume von ihm und seiner Frau Christiane, das Arbeitszimmer sowie die Bibliothek des Dichters, die Empfangs- und Kunstsammlungsräume sowie der Hausgarten zu besichtigen. Hier befinden sich auch Forschungseinrichtungen, u. a. der sog. Studiensaal, eine Einrichtung aus der Goethezeit, die man heute Kongress- und Konferenz-Zentrum nennen würde und auch als solches genutzt wird.

Zum Goethe-Nationalmuseum gehört neben dem Wohnhaus Goethes auch das „Goethe-Museum“, das in einem 1935 errichteten Erweiterungsbau auf dem Nachbargrundstück Platz fand. Sowohl das Wohnhaus, als auch der Museumsanbau wurden bei dem Bombenangriff vom 9. Februar 1945 schwer beschädigt bis zerstört (im Wohnhaus alle Mansardenzimmer, die darunterliegenden Wohnräume, das Junozimmer, das Urbinozimmer und die dahinterliegende Rundtreppe)[1], durch Holzverschalungen noch im Februar gesichert und nach dem Krieg wieder aufgebaut. Die Wandbilder im Urbino-Zimmer wurden von Hugo Gugg neu geschaffen.[2]

Das bewegliche Kulturgut war wegen des Luftkriegs ausgelagert und so gerettet worden. Die Goethe-Büste im Sterbezimmer war vor Ort geblieben und wurde am 9. Februar 1945 zerstört. Den Grundstock der Museumsbestände bilden Goethes Sammlungen zur Kunst und zur Naturwissenschaft und seine Bibliothek, dazu etwa 2000 eigenhändige Zeichnungen. Heute umfasst der Bestand rund 100.000 Stücke mit Sammlungsschwerpunkt Weimarer Klassik.

Im Museumsneubau befand sich seit 1999, dem Jahr der Ernennung Weimars zur Kulturhauptstadt Europas, bis zum 20. Oktober 2008 eine ständige Ausstellung mit dem Titel „Wiederholte Spiegelungen - Weimarer Klassik 1759-1832“. Die Nachfolge trat 2009 als einmaliges Gastspiel die Ausstellung „Meisterwerke der Bauhauskünstler in Weimar“ anlässlich des 90-jährigen Gründungsjubiläums des Staatlichen Bauhauses Weimar an. Im Jahre 2010 wurde eine Wechselausstellung mit dem Thema Augengespenst und Urphänomen. 200 Jahre Goethes Farbenlehre gezeigt. Nach Abschluss des Umbaus des Museumsanbaus gibt es seit August 2012 eine neue ständige Ausstellung unter dem Titel Lebensfluten – Tatensturm.[3]

Das Goethe-Nationalmuseum wird unterstützt von einem eigenen Förderverein, dem „Freundeskreis des Goethe-Nationalmuseums e.V.“.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goethe-Nationalmuseum (Weimar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bilder der Zerstörung. Weimar 1945. Fotos von Günther Beyer. Katalog zur Sonderausstellung im Stadtmuseum 2015. S. 34-41
  2. Frank Quilitzsch: Goethe-Nationalmuseum war Teil der NS-Kulturpolitik. Thüringische Landeszeitung, 11. August 2015
  3. Informationen zur Dauerausstellung, abgerufen am 18. April 2013

50.97755111.328707Koordinaten: 50° 58′ 39,2″ N, 11° 19′ 43,3″ O