Gofio

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Gofio aus Weizen, Gofio aus Mais, Gofio aus Gerste, Pella de Gofio

Gofio ist ein Erzeugnis, das durch Vermahlen gerösteten Getreides mit oder ohne Zusatz von Meersalz gewonnen wird. Gelegentlich enthält der Gofio auch Hülsenfrüchte, die der gleichen Behandlung wie das Getreide unterzogen werden.[1] Gofio canario (Gofio von den Kanarischen Inseln) ist eine in der Europäischen Union geschützte geografische Angabe (g.g.A.), engl. PGI [2]

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gofio gilt als wichtigstes pflanzliches Nahrungsmittel der Altkanarier, der ersten Einwohner der Kanarischen Inseln. Die Ausgangsprodukte wurden in Tonkrügen geröstet, in Handmühlen gemahlen und mit Ziegenmilch, Ziegenkäse oder Fett vermischt gegessen.[3] Gofio war auch nach der Eroberung der Inseln durch das Königreich Kastilien im 15. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil der Ernährung besonders der ländlichen Bevölkerung.

Grundstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell wurde Gofio aus Gerste hergestellt. Die gerösteten Körner wurden als Vollkorn mit den Schalen verarbeitet. In geringeren Mengen wurden Weizen und Hülsenfrüchte verwendet. In Zeiten, in denen Getreide knapp war, dienten auch die Samen von Bäumen und Farn ebenso wie verschiedene Wurzeln als Ersatz. Heute wird auf den Kanarischen Inseln 55 % des Gofios aus Mais, 19 % aus Weizen, 14 % aus einer Mischung von Weizen und Mais und 12 % aus anderen Getreidemischungen hergestellt. Auf der Insel Fuerteventura spielt Gerste eine gewisse Rolle. Die verarbeiteten Mengen von Kichererbsen, Roggen, Hafer, Hirse und Reis bleiben insgesamt statistisch unter Werten von 1 %. Außer Weizen, der zu 42 % aus Frankreich importiert wird, stammen die Grundstoffe weitgehend von den Kanarischen Inseln oder der spanischen Halbinsel.[4]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elektrisch getriebenes Mahlwerk einer Gofiomühle

Seit dem 16. Jahrhundert gab es auf den Kanarischen Inseln eine Vielzahl von Wind- und Wassermühlen in denen vorwiegend Gofio hergestellt wurde. Die Mühlen wurden üblicherweise von den örtlichen, adeligen Grundbesitzern betrieben, weil die, im Gegensatz zu selbständigen Müllern oder Pächtern, keinerlei Steuern zu entrichten hatten. Im Jahr 2013 produzierten auf den Kanarischen Inseln 40 Gofiomühlen. In den Mühlen arbeiteten 107 Personen davon waren 40 % Mühleneigentümer und deren Familienangehörige.[5] „Die Anwesenheit des Müllermeisters, der in den Mühlen des Gofio Canario das Ende des jeweiligen Prozesses mithilfe von Fertigkeiten bestimmt, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden, ist bei der Herstellung des Gofio Canario das entscheidende Merkmal.“[6]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Gofio lange Zeit als Nahrungsmittel armer Leute galt, das ohne Probleme zum Verzehr in der Pause bei der Feldarbeit mitgenommen werden konnte, hat das Interesse sowohl aufgrund einer Renaissance der kanarischen Vergangenheit aber auch wegen ernährungswissenschaftlicher Erkenntnisse zugenommen. Getreidekörner enthalten etwa 12 % Wasser, das bei dem Röstvorgang zu einem großen Teil verdampft wird. Weitere Bestandteile sind etwa 11 % Eiweiß, 2 % Fett, 2,5 % Ballaststoffe und 70 % Stärke. Alle Getreide enthalten einen hohen Anteil an Mineralstoffen und den Vitaminen E, B1 und B2. Der Energiegehalt des Gofios liegt über 300 Kalorien (ca. 1250 Joule) pro 100 Gramm.[7] Einige Mühlen verkaufen auch Energieriegel z.B. aus Mais- und Weizengofio, Honig, Mandeln, Erdnüssen, Rosinen, Zitronensaft und Zimt. Die Zutaten sind nur zusammengeknetet.

In der Gastronomie wird Gofio heute in zwei Varianten angeboten. Einerseits in der eher traditionelleren Art als Teig, bei dem Gofio z. B. mit Fleisch- oder Gemüsebrühe, Kräutern und Zwiebeln verknetet wird oder als süße Variante z. B. mit Honig, gemahlenen Mandeln und Rosinen.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Europäische Kommission: Veröffentlichung eines Eintragungsantrags. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 31. August 2013, ISSN 1977-088X ([1] [abgerufen am 14. September 2016]).
  2. Europäische Kommission: DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) Nr. 128/2014. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 5. Februar 2014, ISSN 1977-088X ([2] [abgerufen am 14. September 2016]).
  3. Antonio M. Macías Hernández: La “Economía” de los primeros isleños. In: Antonio de Béthencourt Massieu (Hrsg.): Historia de Canarias. Cabildo Insular de Gran Canaria, Las Palmas de Gran Canaria 1995, ISBN 84-8103-056-2, S. 55 (spanisch).
  4. Instituto Canario de Calidad Agroalimentaria (Hrsg.): Estudio sobre la producción del sector del gofio en Canarias. Gobierno de Canarias, Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas de Gran Canaria 2013, S. 13 ff. (spanisch, [3] [abgerufen am 14. September 2016]).
  5. Instituto Canario de Calidad Agroalimentaria (Hrsg.): Estudio sobre la producción del sector del gofio en Canarias. Gobierno de Canarias, Santa Cruz de Tenerife, Las Palmas de Gran Canaria 2013, S. 21 (spanisch, [4] [abgerufen am 14. September 2016]).
  6. Europäische Kommission: Veröffentlichung eines Eintragungsantrags. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 31. August 2013, ISSN 1977-088X ([5] [abgerufen am 14. September 2016]).
  7. Frank Massholder: Getreide: Definition, Warenkunde, Lebensmittelkunde: lebensmittellexikon.de. In: lebensmittellexikon.de. Abgerufen am 16. August 2016.
  8. Yuri Millares: Desayunos canarios. Informaciones Canarias, Las Palmas de Gran Canaria 2000, S. 62 (spanisch, [6] [abgerufen am 12. September 2016]).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europäische Kommission: Veröffentlichung eines Eintragungsantrags. In: Amtsblatt der Europäischen Union. 31. August 2013, ISSN 1977-088X ([7] [abgerufen am 14. September 2016]).