Goldener Bär

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Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi mit der gewonnenen Preistrophäe 2017 für Körper und Seele

Mit dem Goldenen Bären wird bei den jährlich veranstalteten Internationalen Filmfestspielen von Berlin der beste Langfilm im internationalen Wettbewerb prämiert. Dieser gilt damit als wichtigste Auszeichnung des Festivals noch vor dem Großen Preis der Jury (Silberner Bär). Das Motiv wurde, wie dies auch beim Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig oder der Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes auf die jeweilige Stadt bezogen der Fall ist, aus dem Stadtwappen Berlins entnommen. Über die Vergabe des Preises stimmt eine Wettbewerbsjury ab, die sich meist aus internationalen Filmschaffenden zusammensetzt. Die Preistrophäe wurde von der deutschen Künstlerin Renée Sintenis gestaltet und wird seit 2007 auch an den besten Beitrag der Sektion Berlinale Shorts, dem internationalen Kurzfilm-Wettbewerb, vergeben.

Preisträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bester Langfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am häufigsten mit dem Hauptpreis in Berlin ausgezeichnet wurden die Werke US-amerikanischer Filmregisseure (13 Siege), gefolgt von ihren Kollegen aus Frankreich (8), Großbritannien und Italien (je 7), Deutschland und Spanien (je 6). Zweimal den Goldenen Bären gewinnen konnte bisher nur der Taiwaner Ang Lee (1993 und 1996). Zudem konnte sich die Wettbewerbsjury in der Vergangenheit mehrfach nicht auf einen Siegerfilm einigen, so zuletzt 2002 geschehen, als sich der Brite Paul Greengrass (Bloody Sunday) den Goldenen Bären mit Hayao Miyazaki (Chihiros Reise ins Zauberland) teilte. Es war der zweite Sieg eines Zeichentrickfilms nach der Auszeichnung von Cinderella im Jahr 1951. Ebenfalls 1951 wurde mit James Algars Im Tal der Biber erstmals ein Dokumentarfilm preisgekrönt, dem erst 2016 mit Seefeuer von Gianfranco Rosi ein weiterer Dokumentarfilm-Sieg folgte.

Regisseure aus dem deutschsprachigen Kino waren erstmals 1951 erfolgreich, als Die Vier im Jeep des Schweizers Leopold Lindtberg gemeinsam mit vier weiteren Produktionen prämiert wurde. Ihm folgten die Deutschen Robert Siodmak (1955 für Die Ratten), Peter Lilienthal (1979 für David), Werner Schroeter (1980 für Palermo oder Wolfsburg), Rainer Werner Fassbinder (1982 für Die Sehnsucht der Veronika Voss), Rainer Simon (1985 für Die Frau und der Fremde), Reinhard Hauff (1986 für Stammheim) und Fatih Akin (2004 für Gegen die Wand).

Siege weiblicher Filmemacher blieben wie auch bei den Filmfestspielen von Cannes und Venedig Ausnahmen. Nachdem 1975 die Ungarin Márta Mészáros mit ihrem Drama Adoption den Goldenen Bären gewann, folgten ihr 1977 die sowjetische Regisseurin Larissa Schepitko (Aufstieg), 2006 die Bosnierin Jasmila Žbanić (Esmas Geheimnis – Grbavica), 2009 die Peruanerin Claudia Llosa (Eine Perle Ewigkeit) und 2017 die Ungarin Ildikó Enyedi (Körper und Seele).

Jahr Originaltitel Deutscher Titel Regie
19511 Beaver Valley Im Tal der Biber James Algar
Cinderella Cinderella Wilfred Jackson
Hamilton Luske
Clyde Geronimi
Justice est faite Schwurgericht André Cayatte
Sans laisser l’adresse Ohne Angabe der Adresse Jean-Paul Le Chanois
Die Vier im Jeep Die Vier im Jeep Leopold Lindtberg
1952 Hon dansade en sommar Sie tanzte nur einen Sommer Arne Mattsson
1953 Le Salaire de la peur Lohn der Angst Henri-Georges Clouzot
1954 Hobson’s Choice Herr im Haus bin ich David Lean
1955 Die Ratten Die Ratten Robert Siodmak
1956 Invitation to the Dance Einladung zum Tanz Gene Kelly
1957 12 Angry Men Die zwölf Geschworenen Sidney Lumet
1958 Smultronstället Wilde Erdbeeren Ingmar Bergman
1959 Les Cousins Schrei, wenn du kannst Claude Chabrol
1960 El lazarillo de Tormes Der Schelm von Salamanca César Fernández Ardavín
1961 La notte Die Nacht Michelangelo Antonioni
1962 A Kind of Loving Nur ein Hauch Glückseligkeit John Schlesinger
1963 武士道残酷物語 (Bushido zankoku monogatari) Bushido – Sie lieben und sie töten Tadashi Imai
Il diavolo Amore in Stockholm Gian Luigi Polidoro
1964 Susuz yaz Trockener Sommer Metin Erksan
1965 Alphaville, une étrange aventure de Lemmy Caution Lemmy Caution gegen Alpha 60 Jean-Luc Godard
1966 Cul-de-sac Wenn Katelbach kommt… Roman Polański
1967 Le Départ Der Start Jerzy Skolimowski
1968 Ole dole doff Raus bist du Jan Troell
1969 Rani radovi Frühe Werke Želimir Žilnik
1970 Preis nicht vergeben wegen Abbruch der Berlinale
1971 Il giardino dei Finzi Contini Der Garten der Finzi Contini Vittorio de Sica
1972 I racconti di Canterbury Pasolinis tolldreiste Geschichten Pier Paolo Pasolini
1973 অশনি সংকেত (Ashani Sanket) Ferner Donner Satyajit Ray
1974 The Apprenticeship of Duddy Kravitz Duddy will hoch hinaus Ted Kotcheff
1975 Örökbefogadás Adoption Márta Mészáros
1976 Buffalo Bill and the Indians, or Sitting Bull’s History Lesson Buffalo Bill und die Indianer Robert Altman
1977 Восхождение (Woßchoschdenie) Aufstieg Larissa Schepitko
19782 Las truchas Die Forellen José Luis García Sánchez
Las palabras de Max Gespräche mit Max Emilio Martínez Lázaro
Ascensor (Kurzfilm) Fahrstuhl Tomás Muñoz
1979 David David Peter Lilienthal
1980 Heartland Land meines Herzens Richard Pearce
Palermo oder Wolfsburg Palermo oder Wolfsburg Werner Schroeter
1981 Deprisa, deprisa Los, Tempo! Carlos Saura
1982 Die Sehnsucht der Veronika Voss Die Sehnsucht der Veronika Voss Rainer Werner Fassbinder
1983 Ascendancy Im Schatten der Erinnerung Edward Bennett
La colmena Der Bienenkorb Mario Camus
1984 Love Streams Love Streams John Cassavetes
1985 Die Frau und der Fremde Die Frau und der Fremde Rainer Simon
Wetherby Wetherby David Hare
1986 Stammheim Stammheim Reinhard Hauff
1987 Тема (Tema) Das Thema Gleb Panfilow
1988 红高粱 (Hóng Gāoliang) Rotes Kornfeld Zhang Yimou
1989 Rain Man Rain Man Barry Levinson
1990 Music Box Music Box – Die ganze Wahrheit Constantin Costa-Gavras
Skrivánci na niti Lerchen am Faden Jiří Menzel
1991 La casa del sorriso
(„auch Würdigung des Gesamtwerkes von Marco Ferreri“)
Haus der Freuden Marco Ferreri
1992 Grand Canyon Grand Canyon – Im Herzen der Stadt Lawrence Kasdan
1993 香魂女 (Xiāng hún nǚ) Die Frauen vom See der unschuldigen Seelen Xie Fei
喜宴 (Xǐyàn) Das Hochzeitsbankett Ang Lee
1994 In the Name of the Father Im Namen des Vaters Jim Sheridan
1995 L’Appât Der Lockvogel Bertrand Tavernier
1996 Sense and Sensibility Sinn und Sinnlichkeit Ang Lee
1997 The People vs. Larry Flynt Larry Flynt – Die nackte Wahrheit Miloš Forman
1998 Central do Brasil Central Station Walter Salles
1999 The Thin Red Line Der schmale Grat Terrence Malick
2000 Magnolia Magnolia Paul Thomas Anderson
2001 Intimacy Intimacy Patrice Chéreau
2002 千と千尋の神隠し (Sen to Chihiro no kamikakushi) Chihiros Reise ins Zauberland Hayao Miyazaki
Bloody Sunday Bloody Sunday Paul Greengrass
2003 In This World In This World – Aufbruch ins Ungewisse Michael Winterbottom
2004 Gegen die Wand Gegen die Wand Fatih Akin
2005 U-Carmen e-Khayelitsha U-Carmen Mark Dornford-May
2006 Grbavica Esmas Geheimnis – Grbavica Jasmila Žbanić
2007 图雅的婚事 (Túyǎ de hūnshì) Tuyas Hochzeit Wang Quan’an
2008 Tropa de Elite Tropa de Elite José Padilha
2009 La teta asustada Eine Perle Ewigkeit Claudia Llosa
2010 Bal Bal – Honig Semih Kaplanoğlu
2011 جدایی نادر از سیمین (Dschodai-ye Nader az Simin) Nader und Simin – Eine Trennung Asghar Farhadi
2012 Cesare deve morire Cäsar muss sterben Paolo Taviani
Vittorio Taviani
2013 Poziția Copilului Mutter & Sohn Călin Peter Netzer
2014 白日焰火 (Báirì yàn huǒ) Feuerwerk am helllichten Tage Diao Yinan
2015 تاکسی (Taxi) Taxi Teheran Jafar Panahi
2016 Fuocoammare Seefeuer Gianfranco Rosi
2017 Testről és lélekről Körper und Seele Ildikó Enyedi
1 1951 wurde der Preis nach den Genres Dokumentation (Beaver Valley), Drama (Die Vier im Jeep), Komödie (Unbekannt verzogen), Kriminal- oder Abenteuerfilm (Schwurgericht) und Musikfilm (Cinderella) vergeben.
2 1978 konnte sich die Jury nicht auf einen Siegerfilm einigen und vergab den Goldenen Bären an das Land Spanien für seinen Gesamtbeitrag, darunter an die beiden im Wettbewerb befindlichen Spielfilme Die Forellen und Gespräche mit Max.

Bester Kurzfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Originaltitel Deutscher Titel Regie Länge (in min.)
1955a Zimmerleute des Waldes Zimmerleute des Waldes Heinz Sielmann nicht bekannt
1956 Paris la nuit Die Nacht in Paris Jacques Baratier 23’
1957 Gente lontana Menschen in der Ferne Lionetto Fabbri nicht bekannt
1958 La lunga raccolta Olivenernte in Kalabrien Lionetto Fabbri 22’
1959 Prijs de zee Lobet das Meer Herman van der Horst 24’
1960 Le songe des chevaux sauvages Der Traum der wilden Pferde Denys Colomb Daunant 11’
1961 Gesicht von der Stange? Gesicht von der Stange? Raimond Rühl 12’
1962 De werkelijkheid van Karel Appel Der Maler Karel Appel Jan Vrijman 15’
1963 Bouwspelement Bauimpressionen Charles Huguenot van der Linden 18’
1964 Kirdi Kirdi Max Lersch 25’
1965 Yeats Country Die Heimat des Dichters Yeats Patrick Carey 18’
1966 Knud Knud Jørgen Roos 31’
1967 Through the Eyes of a Painter Impressionen M. F. Hussain nicht bekannt
1968 Portrait Orson Welles Portrait Orson Welles François Reichenbach
Frédéric Rossif
nicht bekannt
1969 To See Or Not To See To See Or Not To See Bretislav Pojar 15’
1970 Preis nicht vergeben
1971 1501 1/2 Das Apartment Paul B. Price nicht bekannt
1972 Flyaway Flyaway Robin Lehman 11’
1973 Colter’s Hell Colters Hölle Robin Lehman 12’
1974 The Concert Das Konzert Claude Chagrin 12’
1975 See See Robin Lehman 15’
1976 Horu – Munakata shiko no sekai Munakata der Holzschnitzer Takeo Yanagawa 36’
1977 Ortsfremd … wohnhaft vormals Mainzer Landstraße Ortsfremd … wohnhaft vormals Mainzer Landstraße Hedda Rinneberg
Hans Sachs
12’
1978 Co jsme udelali slepícim Was haben wir den Hennen getan? Josef Hekrdle
Vladimír Jiránek
6’
1979 Ubu Ubu Geoff Dunbar 18’
1980 Hlavy Köpfe Petr Sís 8’
1981 History Of The World In Three Minutes Flat Weltgeschichte in genau drei Minuten Michael Mills 4’
1982 Loutka, pritel cloveka Die Puppe, Freund des Menschen Ivan Renc 7’
1983 Možnosti Dialogu Die Möglichkeiten des Dialogs Jan Švankmajer 11’
1984 Cykelsymfonien Fahrrad-Symphonie Åke Sandgren 9’
1985 Nr. 1 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste Nr. 1 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste Helke Sander 10’
1986 Tom Goes To The Bar Tom geht in die Kneipe Dean Parisot 10’
1987 Curriculum vitae nicht bekannt Pavel Koutsky 9’
1988 Oblast Die Macht Zdravko Barisic 2’
1989 Pas à deux Pas à deux Monique Renault
Gerrit van Dijk
6’
1990 Mistertao Mistertao Bruno Bozzetto 3’
1991 Six Point Nine Sechs Komma Neun Dan Bootzin 8’
1992 Preis nicht vergeben
1993 Bolero Bolero Ivan Maximov 6’
1994 Hamu Asche Ferenc Cakó 6’
1995 Repete Repeat Michaela Pavlátová 8’
1996 Pribitie poezda Die Ankunft des Zuges Andrei Schelesnjakow 9’
1997 Senaste nytt The Latest News Per Carleson 3’
1998 I Move So I Am I Move So I Am Gerrit van Dijk 8’
1999 Faraon Pharao Sergei Owtscharow 10’
Masks Masks Piotr Karwas 5’
2000 Hommage à Alfred Lepetit Hommage an Alfred Lepetit Jean Rousselot 9’
2001 Âme Noire Black Soul Martine Chartrand 10’
2002 At Dawning At Dawning Martin Jones 10’
2003 (A)Torzija (A)Torsion Stefan Arsenijević 15’
2004 Un cartus de kent si un pachet de cafea Cigarettes and Coffee Cristi Puiu 13’
2005 Milk Milk Peter Mackie Burns 10’
2006 Aldrig som första gangen! Nie wie beim ersten Mal! Jonas Odell 15’
2007 Raak Treffer Hanro Smitsman 10’
2008 O zi buna de plaja Ein schöner Tag zum Schwimmen Bogdan Mustata 10’
2009 Please Say Something Please Say Something David O’Reilly 10’
2010 Händelse vid bank Zwischenfall vor einer Bank Ruben Östlund 12’
2011 Paranmanjang Nachtangeln Park Chan-wook
Park Chan-kyong
33’
2012 Rafa nicht bekannt João Salaviza 25’
2013 La Fugue Die Ausreißerin Jean-Bernard Marlin 22’
2014 Tant qu'il nous reste des fusils à pompe nicht bekannt Caroline Poggi
Jonathan Vinel
30’
2015 Hosanna nicht bekannt Na Young-kil 25’
2016 Balada de um Batráquio Ballade der Batrachia Leonor Teles 11’
2017 Cidade Pequena Kleine Stadt Diogo Costa Amarante 19’
a 1955 wurde als Auszeichnung eine „Kleine Goldene Plakette“ vergeben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]