Goldlack

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Dieser Artikel behandelt die Pflanze namens Goldlack. Für den firnisartigen Überzug siehe Goldfirnis.
Goldlack
Goldlack (Erysimum cheiri)

Goldlack (Erysimum cheiri)

Systematik
Rosiden
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Gattung: Schöteriche (Erysimum)
Art: Goldlack
Wissenschaftlicher Name
Erysimum cheiri
(L.) Crantz

Der Goldlack (Erysimum cheiri) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schöteriche (Erysimum) innerhalb der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sorten dieser Art werden in den gemäßigten Gebieten weltweit als Zierpflanze verwendet; sie wurde früher unter dem Namen Cheiranthus cheiri geführt. Der Name Goldlack bezieht sich auf die ursprüngliche Blütenfarbe. In der Blumensprache steht Goldlack für Sehnsucht bzw. „Ich sehne mich nach dir“.

Beschreibung und Ökologie[Bearbeiten]

Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz, 1885

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Goldlack ist eine zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern. Die aufrechte bis aufsteigende Sprossachsen kann im unteren Bereich verholzen (Chamaephyt). Die unteren Laubblätter stehen in einer Rosette und sind kurz gestielt. Ihre Blattspreite ist bis zu 10 Zentimeter lang, lanzettlich und besitzt zweistrahlige Haare. Die Blätter entlang der Sprossachse stehen gedrängt, sind deutlich kleiner und fast sitzend.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht in Mitteleuropa von Mai bis Juni. Der traubige Blütenstand enthält 10 bis 30 stark duftende, nektarführende Stieltellerblumen, deren Krone durch das Zusammenwirken des roten Anthocyans Cyanidin mit verschiedenen Karotinoiden gelb bis braun oder rötlich, bei der Wildform goldgelb gefärbt ist. Die Blüten sind mit einem Durchmesser von 20, selten bis 25 Millimetern recht groß. Die Narbe ist tief zweilappig, die Lappen sind später zurückgekrümmt. Zwei Nektarien am Grunde der kurzen Staubfäden scheiden den Nektar in die als Safthalter dienenden Kelchblattaussackungen ab. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen und Hummeln.

Die aufrecht stehende Schote ist eine behaarte, 2,5 bis 6 Zentimeter lang, bis zu 3,5 Millimeter breit und vom Rücken her zusammengedrückte. Die Schotenfrüchte des Goldlacks sind Windstreuer.

Die Chromosomenzahl ist 2n = 12 oder 14[1].

Giftigkeit[Bearbeiten]

Aufgrund von herzwirksamen Cardenoliden (Cheiranthin) ist die Pflanze giftig.

Vorkommen[Bearbeiten]

Der Goldlack ist ein Kulturflüchter und ursprünglich in Südosteuropa, insbesondere im Mittelmeergebiet heimisch, wo er in freier Natur in Felsfluren wächst.[2] In Mitteleuropa ist Goldlack ein inzwischen stellenweise verwilderter und eingebürgerter Archäophyt, der dabei vor allem in wärmeren Lagen vorkommt, einstweilen aber nur zerstreut. Gleichwohl befindet sich der Goldlack auch hier in Ausbreitung. Er gedeiht in Mitteleuropa als eine Charakterart der Cheiranthus cheiri-Gesellschaft, die zum Verband Centrantho-Parietarion gehört[1].

Abbildung des Goldlack im Gart der Gesundheit, 1485

Geschichte[Bearbeiten]

Im 1. Jh. beschrieb Dioskurides ein „Leukoion“ (Λευκόϊον), das er nach der Blütenfarbe (weiß, gelb, blau oder purpurfarben) in vier Unterarten aufteilte. Nur das gelbe „Leukoion“, das von den Vätern der Botanik als Goldlack gedeutet wurde[3][4][5], diente ihm zur medizinischen Anwendung. Äußerlich als Sitzbad bei Unterleibsbeschwerden und zur Beförderung der Menstruation, in Wachssalbe zur Behandlung von Rhagaden, als Umschlag gegen Milzbeschwerden und Gicht. Eine Abkochung der Früchte sollte die Menstruationsblutung anregen und die Nachgeburt treiben.[6] Die gleichen Anwendungen beschrieb Plinius für die „Viola lutea“.[7] Diese Indikationen wurden von späteren Autoren übernommen.[8][9][10][11][12]

Im Oberdeutschen wurde der Goldlack als Gelbveiglein (Gelbveilchen) bezeichnet und war seit dem Minnesang in der deutschen Dichtung präsent. Heinrich Heine benutzte ihn später in seinem Schwabenspiegel (1838) und im Atta Troll (1847) als Metapher für die geistige und sprachliche Enge der schwäbischen Dichter.[13]

Um 1410 wurde der Goldlack in dem Gemälde „Paradiesgärtlein“ abgebildet. Im 16. Jh. war die Art bereits weit verbreitet. Erste gefüllte Formen sind von 1570 aus dem Garten von Matthias Lobelius bekannt, und seit dem 18. Jahrhundert gibt es auch bräunliche Formen. In der Folge entwickelte sich eine Vielzahl weiterer Sorten, die sich in zwei Gruppen gliederten: den niedrigen und verästelten Buschlack sowie den hohen, unverzweigten Stangenlack.

Die Sorte 'Chelsea Jacket'

Nutzung[Bearbeiten]

Stangenlack war im 19. und 20. Jahrhundert eine zeitweise häufig verwendete Schnittblume; an der Wende zum 21. Jahrhundert verlor er seine Bedeutung als Schnittblume. Auch seine Bedeutung als Gartenpflanze hat in Deutschland inzwischen beträchtlich abgenommen, und so wird er heute nur mehr als Zierpflanze genutzt. Früher dagegen verwendete man die Blüten, den Samen und das Kraut des Goldlacks auch als Heilpflanze[14], u.a. gegen Hautjucken, Geschwüre, bei Milzerkrankungen sowie zur Förderung von Menstruation und Geburt. Aus Goldlack-Blüten wurde ein Gesichtswasser hergestellt.[15]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Für den Goldlack bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Bauernveigel (Augsburg), Bohnafeiele (Appenzell), Gelb Feyel, Fijnelken (Unterweser), Giel Foaltcher (Siebenbürgen), Gelfyoln (niederdeutsch), Goldenlack, Kirche (Halle), Kirchen, Gelber Lack, Gemeiner Lack, Gülden Lack (Thüringen), Lak (Graubünden), Lackstock, Lackviole, Lamberter Foultcher (Siebenbürgen), Gelbe Levkoje, Majanegelli (Appenzell), Mariastengel (Appenzell), Gelbe Mauerblume, Mayennägeli (Schaffhausen), Gäle Nägeln, Negelviole, Nelke (Hessen), Nelkenviole, Poperli (St. Gallen bei Werdenberg), Stammanägeli (Aargau, Appenzell, St. Gallen), Stockviole (Eifel), Strössburger (Appenzell), Strösserli (Appenzell), Veiali (st. Gallen), Geel Veiel, Gelbe Veigel (Augsburg, Brixen), Vieltjes (Helgoland), Vigeli (Appenzell), Gäl Vilken (Altmark), Gelbe Viole, Viöndli (Graubünden), Viönli (Bern) und Geel Violaten.[16]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  2. Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot... Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007. ISBN 978-3-423-34412-8, S. 100.
  3. Otto Brunfels. Contrafeyt Kreüterbuch. Straßburg 1532, S. 95, Violanten Digitalisat
  4. Hieronymus Bock. New Kreütter Buch. Straßburg 1539, Buch I, Cap. 191, Violanten Digitalisat
  5. Leonhart Fuchs. New Kreütterbuch. Straßburg 1543, Cap. 174 Veiel Digitalisat
  6. Julius Berendes. Des Pedanius Dioskurides Arzneimittellehre in 5 Büchern. Enke, Stuttgart 1902, Buch III, Cap. 128 Digitalisat
  7. Plinius. Naturalis historia. (1. Jh.) (Ausgabe König), Buch XXI, § 25, 130-131: Viola lutea.
  8. Galen. De simplicium medicamentorum temperamentis ac facultatibus. (Ausgabe Kühn Band XII, S. 58) Leucoji Digitalisat
  9. Pseudo-Dioscorides de herbis feminis. (5. Jh.) Nach H. F. Kästner in Hermes Bd. 31 (1896), S. 578-636, hier S. 631: Viola aurosa.
  10. Michael Puff. Büchlein von den ausgebrannten Wässern. Druck Augsburg (Johannes Blaubirer) 1481, Cap. 9 Gelb Veyel Digitalisat
  11. Gart der Gesundheit. (Mainz 1485). Ausgabe Augsburg (Schönsperger) 1485. Digitalisat
  12. Hieronymus Brunschwig. Kleines Destillierbuch. Straßburg 1500, Blatt 53v-54r Gel violen Digitalisat
  13. Renate Francke: Gedichte 1845-1856. Kommentar. Walter de Gruyter, 2008. ISBN 978-3-050-05303-5 (S. 343)
  14. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6
  15. Vgl. Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot... Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007. ISBN 978-3-423-34412-8, S. 100-102.
  16. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 89 f. (online).