Golliwog

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Uptons Golliwog, publiziert 1895.

Golliwog (auch: Golliwogg) ist eine Kinderbuchfigur der britischen Illustratorin Florence Upton mit schwarzem Gesicht und schwarzen abstehenden Haaren. In Uptons Buch „The Adventures of two Dutch Dolls and a Golliwogg“, wird Golliwogg mit Grödner Drechselpuppen reichlich illustriert.

Inspiriert von den Minstrel Shows in den USA veröffentlichte Upton 1895 erstmals Kinderbücher mit der Golliwog-Figur. Der Kinderbuchmarkt in Großbritannien war zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr stark entwickelt - technische Innovationen machten es jedoch zunehmend möglich, vergleichbar preisgünstig farbig illustrierte Bücher auf den Markt zu bringen.[1] Die Geschichten von Golliwog war eine der ersten. Upton veröffentlichte aufgrund des Erfolges weitere 13 Golliwog-Bücher mit ähnlichem Erfolg.[2]

Golliwogpuppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golliwogpuppe

Trotz des Erfolgs der Golliwogbücher wurde die Figur des Golliwog nicht patentrechtlich geschützt.[2] Der Figur nachempfundene Puppen wurden insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein großer Verkaufserfolg.[2] Insbesondere für Jungen sah man die Golliwogpuppen als angemessener an, als Kuscheltiere oder Puppen, die eher als mädchenhaft gesehen wurden.[2]

Rassismuskritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Figur des Golliwog wurde früh zu einem rassistischen Stereotyp für afroamerikanische Schwarze, aber auch Farbige anderer Abstammung.[2] Im Zuge der zunehmenden Sensibilisierung für die rassistische Konnotation von Ministrelshows und Blackface-Figuren gerieten Golliwogpuppen ebenfalls ab den 1970er und 1980er Jahren außer Mode.[2]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Claude Debussy benannte nach der Golliwog-Puppe ein Klavierstück aus dem Zyklus „Children’s Corner“: „Golliwogg’s Cakewalk“. Auch der Paarschreittanz Cakewalk, den übertriebene Verrenkungen der Tänzer kennzeichnen und der Anfang des 20. Jahrhunderts in Europa sehr modern war, ist aus den Minstrel Shows entnommen. Der Erfolg der Golliwog-Bücher trug maßgeblich dazu bei, dass auch die Bildergeschichten von Beatrix Potter einen Verleger fanden. Die Geschichte von Peter Hase wurde 1903 vom Verlag Frederick Warne & Company veröffentlicht, weil man sich diesen lukrativen Markt nicht entgehen lassen wollte.[3]

Bevor die amerikanische Rockgruppe Creedence Clearwater Revival zu ihrem endgültigen Namen kam, hieß sie „The Golliwoggs“.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Golliwoggs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Linda Lear: Beatrix Potter - The extraordinary life of a Victorian genius. Penguin Books, London 2007, ISBN 978-0-141-00310-8. S. 143
  2. a b c d e f Rodney P. Carlisle: Encyclopedia of Play in Today’s Society, Band 1, SAGE, 2009, S. 280
  3. Linda Lear: Beatrix Potter - The extraordinary life of a Victorian genius. Penguin Books, London 2007, ISBN 978-0-141-00310-8. S. 144