Golowkino

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Siedlung
Golowkino
Nemonien (Elchwerder)

Головкино
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Polessk
Frühere Namen Wiepe,
Wyppen (vor 1540),
Wieppe (vor 1590),
Nemonien (bis 1938),
Elchwerder (1938–1946)
Bevölkerung 352 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40158
Postleitzahl 238634
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 230 802 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 59′ N, 21° 16′ OKoordinaten: 54° 58′ 46″ N, 21° 16′ 6″ O
Golowkino (Europäisches Russland)
(54° 58′ 46″ N, 21° 16′ 6″O)
Lage im Westteil Russlands
Golowkino (Oblast Kaliningrad)
(54° 58′ 46″ N, 21° 16′ 6″O)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Golowkino (russisch Головкино, deutsch Nemonien, 1938–45 Elchwerder, litauisch Nemanynas) ist ein Fischerdorf an der Ostküste des Kurischen Haffs an der Mündung des Flusses Nemonien (russ. Nemonija) im Rajon Polessk in der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ort gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Polessk.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golowkino liegt 17 Kilometer nördlich der Stadt Polessk (Labiau) an der Kommunalstraße 27K-147, die entlang der Küste des Kurischen Haffs bis nach Matrossowo (Gilge) verläuft. Dabei ist im Ort eine Pontonbrücke über den Nemonien zu überqueren. Ein direkter Bahnanschluss besteht nicht, der nächste Bahnhof ist in Polessk an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit). Der Flughafen Kaliningrad (Königsberg) in Chrabrowo (Powunden) liegt etwa 80 Autokilometer entfernt und ist über die Regionalstraße 27A-024 (ex A190) und den Primorskoje Kolzo (Küstenautobahnring) mit direkter Flughafenanbindung zu erreichen.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Nemonien ist prußisch.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nemonien, nordöstlich der Stadt Labiau am Südufer des Kurischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910.

Am 9. April 1874 wurde das kleine Fischerdorf Nemonien Amtsdorf und namensgebend für einen neu errichteten Amtsbezirk.[3] Er bestand – nach Umbenennung in „Amtsbezirk Elchwerder“ am 25. August 1938 – bis 1945 und gehörte zum Kreis Labiau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. In Nemonien waren im Jahre 1910 insgesamt 1.065 Einwohner registriert.[4] Ihre Zahl belief sich 1933 auf 1.051 und 1939 auf 1.043.[5]

Im Jahre 1945 kam das am 3. Juni (mit amtlicher Bestätigung vom 16. Juli) 1938 in „Elchwerder“ umbenannte Dorf mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und erhielt 1947 die russische Bezeichnung Golowkino.[6] Gleichzeitig wurde der Ort Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Polessk. Von 2008 bis 2016 war Golowkino Sitz einer Landgemeinde und gehört seither zum Stadtkreis Polessk.

Amtsbezirk Nemonien/Elchwerder (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei seiner Bildung im Jahre 1874 gehörten zum Amtsbezirk Nemonien (ab 1938: Elchwerder) drei Landgemeinden. Am 1. Januar 1945 waren es noch zwei:[3]

Name Änderungsname
1938–1946
Russischer Name Bemerkungen
Groß Friedrichsgraben II,
ab 1918: Ludendorff
Juwendt Möwenort Rasino 1939 in die Gemeinde Ludendorff eingegliedert
Nemonien Elchwerder Golowkino
ab 1935:
Alt Heidendorf
Heidendorf Rasino bis 1935: Amtsbezirk Pfeil. - 1939 in die Gemeinde
Ludendorff eingegliedert

Im Jahre 1945 bildeten nur noch die Gemeinden Elchwerder und Ludendorff den Amtsbezirk.

Golowkinski selski Sowet/okrug 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Golowkinski selski Sowet (ru. Головкинский сельский Совет) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[6] Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Golowkinski selski okrug (ru. Головкинский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Golowkinskoje selskoje posselenije übernommen.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Golowkino (Головкино) Nemonien, 1938–1945: „Elchwerder“ Verwaltungssitz
Klimowka (Климовка) Wilhelmsrode [Forstkolonie] Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Krasnoje (Крaсное) Agilla, 1938–1945: „Haffwerder“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet.
Lesnoje (Лесное) Florweg [Forsthaus] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet. Er verlor vor 1975 seine Eigenständigkeit.
Lossowaja (Лозовая) Franzrode Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1975 verlassen.
Malaja Matrossowka (Малая Матросовка) zu Nemonien, 1938–1945:zu Elchwerder“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski im Rajon Slawsk eingeordnet.
Matrossowo (Матросово) Gilge Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski im Rajon Slawsk eingeordnet.
Otkrytoje (Открытое) Rinderort Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet. Er wurde vermutlich vor 1975 an den Ort Saliwino angeschlossen.
Priretschnoje (Приречное) Wilhelmswerder Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Rasino (Рaзино) Juwendt, 1938–1945: „Möwenort“, (Alt) Heidendorf und Neu Heidendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt.
Saliwino[7] (Заливино) Labagienen, 1938–1945: „Haffwinkel“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet.
Schewtschenko (Шевченко) Klein Reikeningken, 1938–1945: „Kleinreiken“ Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet. Er wurde vermutlich vor 1969 an den Ort Saliwino angeschlossen.
Tarassowka (Тaрaсовкa) Eversdorf [Kolonie], Alt Sussemilken, 1938–1945: „Friedrichsrode“, Neu Sussemilken, 1938–1945: „Neu Friedrichsrode“, und Sussemilken [Forsthaus], 1938–1945: „Friedrichsrode [Forsthaus]“ Der Ort wurde 1947 umbenannt und vor 1988 verlassen.
Uglowoje (Угловое) Schwallenberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Iljitschowski eingeordnet. Er wurde vor 1975 verlassen.
Wschody (Всходы) Groß Reikeninken, 1938–1945: „Reiken“ Der Ort würde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Mordowski eingeordnet. Später gelangte er unter dem Namen Podsobny in den Dorfsowjet Tjuleninski.

Golowkinskoje selskoje posselenije 2008–2016[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lage der Landgemeinde Golowkinskoje selskoje posselenije im Nordwesten des Rajons Polessk

Die Landgemeinde Golowkinskoje selskoje posselenije (ru. Головкинское сельское поселение) wurde im Jahr 2008 eingerichtet.[8] Sie lag im Nordwesten des Rajons Polessk unmittelbar am Kurischen Haff und umfasste einen 122,5 km² großen Landstreifen zwischen den Flussmündungen der Deime (russisch: Deima) und des Gilgestroms (Matrossowka). Zum Gemeindegebiet gehörten sieben jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannte Ortschaften, die vorher zum Dorfbezirk Golowinski selski okrug und in einem Fall (Belomorskoje) zum Saranski selski okrug gehörten. Im Jahr 2017 ging die Gemeinde im neu gebildeten Stadtkreis Polessk auf.

Ortsname deutscher Name
Belomorskoje (Беломорское) Groß Friedrichsgraben I/Hindenburg
Golowkino (Головкино) Nemonien/Elchwerder
Krasnoje (Красное) Agilla/Haffwerder
Malaja Matrossowka (Малая Матросовка) zu Nemonien/zu Elchwerder
Matrossowo (Матросово) Gilge
Rasino (Разино) (Alt) Heidendorf und Juwendt/Möwenort
Saliwino (Заливино) Labagienen/Haffwinkel, Rinderort und Klein Reikeninken/Kleinreiken

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit seinen fast ausnahmslos evangelischen Einwohnern war Nemonien resp. Elchwerder bis 1945 in das Kirchspiel der Kirche Gilge eingepfarrt. Es gehörte zum Kirchenkreis Labiau in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Zwischen 1945 und den 1990er Jahren kam das kirchliche Leben in Golowkino zum Erliegen. Erst dann bildete sich – vornehmlich aus Russlanddeutschen – eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde in Golowkino. Sie gehört zur Kirchenregion der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) in der Propstei Kaliningrad[9] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Altlutherisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nemonien hatte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Gemeinde der Altlutheraner gebildet, die bis 1945 bestand. Sie gehörte zum Pfarrbezirk Tilsit-Insterburg in der Superintendentur Marienwerder (heute polnisch: Kwidzyn), ab 1920 in Stolp (Słupsk). Von den Kirchenbüchern haben sich provisorische Aufzeichnungen erhalten[10]: Taufen 1853 bis 1903, Trauungen 1853 bis 1907 und Begräbnisse 1855 bis 1862, die im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg verwahrt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nemonien. In: Oekonomisch-technologische Encyklopädie. Band 58 (herausgegeben von Johann Georg Krünitz, Friedrich Jakob Floerken, Heinrich Gustav Flörke, Johann Wilhelm David Korth, Carl Otto Hoffmann und Ludwig Kossarski), Berlin 1792, S. 45.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Peteraitis, Vilius: Mažoji Lietuva ir Tvanksta, Vilnius 1992, S. 130
  3. a b Rolf Jehke, Amtsbezirk Nemonien/Elchwerder
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Labiau
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Labiau (russ. Polessk). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  7. Nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen Tawe.
  8. Durch das Закон Калининградской области от 30 июня 2008 г. № 260 «Об организации местного самоуправления на территории муниципального образования "Полесский городской округ"» (Gesetz der Oblast Kaliningrad vom 30. Juni 2008, Nr. 260: Über die Organisation der lokalen Selbstverwaltung auf dem Gebiet der munizipalen Bildung "Stadtkreis Polessk")
  9. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento des Originals vom 29. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-kaliningrad.info
  10. Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, Seite 87