Golub-Dobrzyń

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Golub-Dobrzyń
Wappen von Golub-Dobrzyń
Golub-Dobrzyń (Polen)
Golub-Dobrzyń
Golub-Dobrzyń
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Golub-Dobrzyń
Fläche: 7,50 km²
Geographische Lage: 53° 7′ N, 19° 3′ OKoordinaten: 53° 7′ 0″ N, 19° 3′ 0″ O
Höhe: 51 m n.p.m.
Einwohner: 12.893
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 87-400 bis 87-401
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: CGD
Wirtschaft und Verkehr
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 7,50 km²
Einwohner: 12.893
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1719 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0405011
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Mariusz Piątkowski
Adresse: Plac Tysiąclecia 25
87-400 Golub-Dobrzyń
Webpräsenz: www.golub-dobrzyn.pl



Golub-Dobrzyń ['gɔlub 'dɔbʒɨɲ] (deutsch Gollub, nördlich der Drewenz gelegen; Dobrzyn (1939–1945 Dobrin an der Drewenz), südlich des Flusses gelegen) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, an der Drewenz (Drwęca), etwa 30 Kilometer (Luftlinie) nordöstlich von Thorn (Toruń) und 45 Kilometer südsüdöstlich von Graudenz (Grudziądz).

Telansicht der Stadt aus der Vogelperspektive

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gollub südlich der Danziger Bucht, südlich der Städte Marienburg und Marienwerder sowie ostnordöstlich von Thorn auf einer Landkarte von 1908. Südlich von Gollub, auf der anderen Seite des Grenzflusses Drewenz, der polnische Ort Golub-Dobrzyń (Gollub-Dobrshin).
Altes Wappen der Stadt Gollub
Kirchengebäude im Stil der Backsteingotik
Katholische Kirche
Fragmente der alten Stadtmauer
Altes Arkadenhaus

Die älteste schriftliche Erwähnung von Gollub (villa golube) findet sich in einer Urkunde von 1258. Der Fluss Drewenz bildete seit der Inbesitznahme des Kulmer Landes durch den Deutschen Ordens 1230 mit Unterbrechungen bis 1920 die Grenze zwischen preußischen bzw. deutschen und polnischen Gebieten. Teilweise gehörte auch das südlich gelegene Dobrin zum Ordensgebiet.

Zur Sicherung der Flussquerung wurde 1296–1306 vom Deutschen Orden eine Burg errichtet; die daneben liegende Siedlung erhielt vom Landmeister Konrad Sack das Kulmer Stadtrecht. Das genaue Datum der Stadterhebung ist nicht bekannt, da die originale Urkunde verloren ging. 1421 wurde das Stadtrecht aber durch den Großmeister des Deutschen Ordens bestätigt.

Die Stadt hatte sich bereits gut entwickelt, geriet 1414 aber in die Streitigkeiten zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden, was 1422 sogar zum sogenannten „Gollubischen Krieg“ führte. Nach dem Zweiten Thorner Frieden wurde Gollub 1466 Teil des autonomen, unter der Schirmherrschaft der Krone Polens stehenden Königlichen Preußens. Die Stadt begann wieder zu florieren, vor allem als König Sigismund III. Wasa 1623 zeitweilig in Gollub residierte. Schwere Rückschläge erlitt die Stadt jedoch während der Kriege mit Schweden 1626–1629 und 1655–1660 sowie während des Siebenjährigen Krieges 1756–1763.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Gollub unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. In die Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts war auch der am gegenüberliegenden Ufer der Drewenz gelegenen Orte Dobrin (polnisch: Dobrzyń) gewachsen, der schon im Mittelalter genannt wurde, bis dahin aber nur ein kleines Dorf geblieben war. 1684 erhielt der Ort wichtige Privilegien, obwohl er noch als „Vorort“ von Gollub bezeichnet wurde. 1721 und 1740 wurden diese Privilegien bestätigt. 1769 wurden dem Ort das Stadtrecht und ein eigenes Wappen verliehen. Durch die Zweite Teilung Polen-Litauens 1793 fiel auch Dobrzyń, das früher zum Deutschordensstaat gehört hatte, an Preußen.

Während der Franzosenzeit wurden beide Städte 1807 Teil des Herzogtums Warschau (1809 Großherzogtum), das in Personalunion vom König von Sachsen regiert wurde, de facto aber von Napoleon abhängig war. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde die Drewenz wieder als Grenze zwischen Preußen und dem neuen Königreich Polen ("Kongress-Polen") festgelegt, das in Personalunion mit Russland verbunden war. Gollub wurde damit wieder preußisch, während Dobrin polnisch blieb. 1870 verlor Dobrin seinen Status als Stadt und konnte diesen erst nach Ende des Ersten Weltkrieges 1919 wiedererlangen.

Bis 1920 gehörte Gollub zum Kreis Briesen im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags mussten nach Ende des Ersten Weltkriegs zur Einrichtung des Polnischen Korridors 1919/20 große Teile Westpreußen, darunter auch Gollub, ohne Volksabstimmung an Polen abgetreten werden. Durch den Polenfeldzug 1939 kam Gollub wieder in das Reichsgebiet zurück und wurde nun dem Landkreis Briesen im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem es bis 1945 gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald danach wurde Gullub mit dem Kreisgebiet zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Stadtbewohner bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Soweit die deutschen Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

1951 wurden die beiden Städte unter dem gemeinsamen Namen Golub-Dobrzyń vereint. 1956 wurde die Stadt Sitz eines eigenen Powiats. Dieser wurde allerdings 1975 aufgelöst und der neu eingerichteten Wojewodschaft Toruń zugeschlagen. In der Verwaltungsreform vom 1. Januar 1999 wurde der Powiat Golub-Dobrzyń (powiat golubsko-dobrzyński) wiederhergestellt.

Bevölkerungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1783 766 einschließlich 57 Husaren, großtenteils Polen und Katholiken[2]
1831 1.750 teils Deutsche, teils Polen[3]
1875 2.701 [4]
1880 2.893 [4]
1890 2.738 davon 644 Evangelische, 1.729 Katholiken und 354 Juden (1.000 Polen)[4]

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde (gmina wiejska) Golub-Dobrzyń, zu welcher die Stadt Golub-Dobrzyń selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 197,45 km², auf welcher 8531 Menschen leben (Stand 30. Juni 2015). Sie besteht aus folgenden Ortschaften:

Polnischer Name Peutscher Name
(1815–1920)
Deutscher Name
(1939–1945)
Białkowo - 1939–1942 Bialkowo
1942–1945 Krähensand
Cieszyny Cieszyn 1939–1942 Cieszyn
1942–1945 Freudendorf
Dobrzyń - Dobrin a.d. Drewenz
Duża Kujawa Kujawa
1894–1920 Kamenzdorf
Kamenzdorf
Gajewo Gajewo 1939–1942 Gajewo
1942–1945 Geien
Gałczewko Galczewko
1900–1920 Galsburg
Galsburg
Gałczewo Galczewo
1900–1920 Galsdorf
Galsdorf
Golub Gollub Gollub
Karczewo Karczewo 1939–1942 Karczewo
1942–1945 Roden
Lisewo Lissewo
1903–1920 Lissau
1939–1942 Lissau
1942–1945 Lissauhütte
Macikowo - 1939–1942 Macikowo
1942–1945 Matzig
Nowa Wieś Neudorf Neudorf
Nowogród - 1939–1942 Nowogrod
1942–1945 Naugard
Olszówka Ellerbruch Ellerbruch
Ostrowite Ostrowitt
1906–1920 Osterbitz
Osterbitz
Paliwodzizna - 1939–1942 Paliwodzizna
1942–1945 Pahlweide
Pląchoty Plonchott
1865–1920 Friedeck
Friedeck
Podzamek Golubski Gut Gollub
1894–1920 Schloß Golau
Schloß Golau
Pusta Dąbrówka Pusta Dombrowken 1939–1942 Pusta Dombrowken
1942–1945 Ödheide
Skępsk Skemsk 1939–1942 Skemsk
1942–1945 Schems
Sokoligóra Sokoligora 1939–1942 Sokoligora
1942–1945 Falkenhöhe
Sokołowo - 1939–1942 Sokolowo
1942–1945 Falkenhöhe (Kr. Rippin)
Węgiersk - 1939–1942 Wengiersk
1942–1945 Wengers
Wrocki Wrotzk 1939–1942 Wrotzk
1942–1945 Frödenwalde

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Golub-Dobrzyń – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 44, Nr. 2.
  3. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438, Nr. 47.
  4. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/dan_briesen.html