Golzow (Oderbruch)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Golzow
Golzow (Oderbruch)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Golzow hervorgehoben
Koordinaten: 52° 34′ N, 14° 30′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Märkisch-Oderland
Amt: Golzow
Höhe: 10 m ü. NHN
Fläche: 17,43 km2
Einwohner: 815 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km2
Postleitzahl: 15328
Vorwahl: 033472
Kfz-Kennzeichen: MOL, FRW, SEE, SRB
Gemeindeschlüssel: 12 0 64 172
Adresse der Amtsverwaltung: Seelower Straße 14
15328 Golzow
Bürgermeister: Frank Schütz (CDU)
Lage der Gemeinde Golzow im Landkreis Märkisch-Oderland
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Über dieses Bild

Golzow [ˈgɔltsoː] ist eine Gemeinde im Landkreis Märkisch-Oderland. Sie ist Sitz der Amtsverwaltung des Amtes Golzow. Seit dem 21. Januar 2014 führt die Gemeinde offiziell, auch auf den Ortseingangsschildern, die Zusatzbezeichnung „Ort der ‚Kinder von Golzow‘“.[2]

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Golzow liegt 10 km östlich der Stadt Seelow im Oderbruch. Am Nordrand des Ortes fließt die Alte Oder, ein schmaler Seitenarm der Oder, der bis in das 18. Jahrhundert den ursprünglichen Flusslauf markierte. Die flache, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Umgebung ist von landwirtschaftlichen Nutzflächen geprägt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golzow umfasst die bewohnten Gemeindeteile Golzow und Heimstättensiedlung.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golzow wurde 1308 als Golsow erstmals urkundlich erwähnt.[4] Im Zusammenhang mit der Trockenlegung des Oderbruchs unter Friedrich dem Großen von 1747 bis 1773 erfuhr auch Golzow eine erhebliche Vergrößerung.

Siegel des Ritterguts Golzow

Der in seiner Struktur friderizianische Grundriss ist noch nachvollziehbar. Das Dorf wird durch einen großen kreisrunden Platz, in dessen Mitte einst die Kirche stand, gegliedert. Sie war ein verputzter Backsteinbau, dessen Kern der Mitte des 18. Jahrhunderts entstammte. 1854 wurde sie durch Hinzufügen von Anbauten zu einer kreuzförmigen Anlage mit Turm über der Vierung umgestaltet und zeigte sich als ein markanter Bau der Schinkel­schule. Golzow prosperierte von der Anbindung an die Reichsstraße 1 sowie an die Preußische Ostbahn und hatte in den 1870er Jahren die höchste Anzahl an Einwohnern. Während der Schlacht um das Oderbruch im April 1945 wurde – wie auch in anderen Dörfern – der Kirchturm durch deutsche Truppen gesprengt, da er der anrückenden Roten Armee in der weiten, flachen Landschaft einen guten Orientierungspunkt gegeben hätte. Der Abriss der Reste der Umfassungsmauern erfolgte in den Nachkriegsjahren. Nach dem Ende der Kampfhandlungen waren rund 76 % der Gebäude im Ort zerstört.[5] Um die Kirche für immer aus dem Dorfbild zu tilgen, wurde in sozialistischer Zeit über ihren ehemaligen Standort eine neue Straßenkreuzung geführt. Auch die Ruine des einstigen Gutshauses wurde mitsamt dem Park nach dem Zweiten Weltkrieg abgeräumt.[6] 1946 wurden rund 750 Hektar Ackerfläche der Bauern enteignet und im Zuge der Bodenreform in Deutschland insbesondere an Neubauern verteilt. 1952 bildete sich auch in Golzow die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe, aus der heraus elf Bauern eine LPG gründeten. Sie wurde nach der politischen Wende in die Landwirtschaft Golzow überführt.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 2 061
1890 1 819
1910 1 432
1925 1 790
1933 1 687
1939 1 620
1946 1 217
1950 1 513
Jahr Einwohner
1964 1 287
1971 1 318
1981 1 245
1985 1 242
1989 1 217
1990 1 223
1991 1 212
1992 1 184
1993 1 161
1994 1 148
Jahr Einwohner
1995 1 137
1996 1 108
1997 1 111
1998 1 087
1999 1 081
2000 1 060
2001 1 039
2002 1 004
2003 973
2004 953
Jahr Einwohner
2005 920
2006 905
2007 938
2008 903
2009 890
2010 864
2011 904
2012 887
2013 856
2014 840
Jahr Einwohner
2015 836
2016 831
2017 815

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl[7][8][9]: Stand 31. Dezember (ab 1991), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Evangelische Kirche

Das evangelische Pfarramt Golzow umfasst die Dörfer Golzow und Genschmar mit jeweils einer eigenen Predigtstätte. In Golzow finden die Gottesdienste nach dem Zweiten Weltkrieg im Pfarrhaus eingerichteten Kirchsaal statt. Anstelle der ebenfalls im Zweiten Weltkrieg zerstörten Genschmarer Kirche nutzt die Gemeinde eine ehemalige Friedhofskapelle.

Römisch-katholische Kirche

Für die römisch-katholischen Christen existiert am südlichen Rand der Bahnhofssiedlung die Christus-König-Kirche. Die Kirche als Außengemeinde gehört neben Hohenjesar/Alt Zeschdorf und Müllrose zur Pfarrei Heilig Kreuz in Frankfurt (Oder).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung besteht aus zehn Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 48,1 % zu folgendem Ergebnis:[10]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
Wählergruppe Golzower für Golzow 63,2 % 6
CDU 17,9 % 2
FDP 14,5 % 2

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1998–2003 Christian Dorn[11]
  • 2003–2014 Klaus-Dieter Lehmann (FDP)[12]
  • seit 2014 Frank Schütz (CDU)

Schütz wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 ohne Gegenkandidat mit 79,6 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[13] gewählt.[14]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen von Golzow

Blasonierung: „In Silber auf grünem Dreiberg stehend ein gold-bewehrter schwarzer Hahn mit rotem Kamm und Lappen, im erhobenen rechten Fuß einen nach links über den Kopf gebogenen grünen Zweig haltend.“[15]

Das Wappen wurde am 20. April 1998 genehmigt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmmuseum Kinder von Golzow
Gedenktafel Die Kinder von Golzow

Bekannt ist Golzow durch die DEFA-Langzeitdokumentation[16] Die Kinder von Golzow, die in zahlreichen Filmen von 1961 bis 2007 das Leben von Menschen aus Golzow begleitet hat.[17][18] Im Ort zeigt ein Museum die Entstehungsgeschichte und den Werdegang der Protagonisten.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landwirtschaft Golzow Betriebs-GmbH als Nachfolger der ehemaligen LPG „Einheit“ aus Golzow hat im Ort ihren Sitz.[19]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemeinde verläuft die Landesstraße 33, die an der südlichen Gemeindegrenze auf die Bundesstraße 1 trifft.

Der Ort besitzt seit 1866 den Bahnhof Golzow (Oderbruch) an der Preußischen Ostbahn, auf der Züge der Regionalbahnlinie RB 26 (Berlin-OstkreuzKostrzyn) der Niederbarnimer Eisenbahn verkehren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Vetter, Helga Ochs, Eckhard Ochs, Simone Uebelhack, Anneliese Kunze: 700 Jahre Golzow 1308–2008, Golzow 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Golzow (Oderbruch) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2017 (XLSX-Datei; 223 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Pressemitteilung 008/14 des Ministeriums des Innern Brandenburgs
  3. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Golzow
  4. 700 Jahre im Zeichen des Hahns. In: Märkische Oderzeitung, 24. Januar 2008
  5. Aufsteller: Ortsbestimmung, aufgestellt im Filmmuseum, April 2017.
  6. Jüdische Herrschaft auf Golzow. In: Märkische Oderzeitung, 13. Juni 2008
  7. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland. S. 22–25
  8. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  9. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  10. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  11. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Märkisch Oderland
  12. Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen, S. 26
  13. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  14. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  15. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  16. Filmpremiere mit großem Anklang. In: Märkische Oderzeitung, 2. September 2008
  17. Wie aus Kindern Erwachsene wurden. In: Die Welt, 6. April 2008
  18. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.morgenpost.deGolzows Kinder sind erwachsen. In: Berliner Morgenpost, 8. Februar 2008
  19. Agrargigant feiert seinen Chef. In: Märkische Oderzeitung, 14. Juni 2007