Good Time (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelGood Time
OriginaltitelGood Time
ProduktionslandUSA
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2017
Länge101 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieBenny Safdie,
Josh Safdie
DrehbuchRonald Bronstein,
Josh Safdie
ProduktionSebastian Bear-McClard,
Oscar Boyson,
Terry Dougas,
Paris Kasidokostas Latsis
MusikOneohtrix Point Never
KameraSean Price Williams
Besetzung

Good Time ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm der Brüder Benny und Josh Safdie. Das Filmdrama feierte am 25. Mai 2017 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes seine Weltpremiere.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der geistig zurückgebliebene Nick Nikas, der gerichtliche Therapiesitzungen auferlegt bekommen hat, spricht mit seinem Arzt über seine gewalttätige Großmutter, bei der er im New Yorker Stadtteil Queens lebt, und darüber, dass er nicht weiß, wie er seinen Zorn oder die sozialen Auswirkungen seines Handelns kontrollieren kann. Er wird von seinem Bruder Connie aus der Sitzung geholt, der einen Banküberfall geplant hat, obwohl keiner der beiden große Erfahrung damit hat. Sie wollen dabei 65.000 US-Dollar erbeuten. Doch Nick, der während des Überfalls nicht wirklich verstanden hat, was sie in der Bank getan haben und warum sie dabei Masken trugen, wird bei ihrer Flucht von der Polizei gefasst und nach Rikers Island gebracht.

Da Connie die Kaution von 10.000 US-Dollar nicht aufbringen kann, weil das Raubgeld durch eine während der Flucht explodierte Farbpatrone eingefärbt wurde, muss er diese auf andere Weise aufbringen und begibt sich in die Unterwelt von New York, um sich das Geld dort zu besorgen. Er erhält das Geld schließlich von der Mutter seiner Freundin Corey. Zwischenzeitlich hat sich sein Bruder im Gefängnis schon allerlei Feinde gemacht. Connie entführt Nick in einem Rollstuhl aus einem Krankenhaus, in das er gebracht wurde, nachdem man ihn im Gefängnis verprügelt hatte.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 2017 stellte Robert Pattinson den Film beim Festival des amerikanischen Films vor

Stab und Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führten die Brüder Benny und Josh Safdie. Letzterer schrieb gemeinsam mit Ronald Bronstein auch das Drehbuch zum Film. In einem Interview mit Arte sagten die Regisseure, sie seien von Texten von Norman Mailer sehr beeinflusst worden, besonders von seinen Büchern Gnadenlos und In the Belly of the Beast. Auch die US-amerikanische Reality-TV-Serie COPS sei eine Inspiration gewesen. Dem Film scheine die Zeit auszugehen, und so wollten die Brüder die Geschwindigkeit in Good Time zu einer eigenen Figur machen.[2]

Robert Pattinson spielt im Film Connie Nikas, Benny Safdie, einer der Regisseure des Films, übernahm die Rolle seines geistig zurückgebliebenen Bruders Nick. Peter Verby spielt dessen Psychiater Peter, und Jennifer Jason Leigh ist in der Rolle von Corey Ellman zu sehen. Der Rapper Necro übernahm im Film mit Caliph eine kleinere Rolle.

Dreharbeiten und Beleuchtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten fanden in allen fünf Bezirken von New York statt, so unter anderem in Flushing, Rego Park, Forest Hills und im Vergnügungspark von Long Island.[2] Als Kameramann fungierte Sean Price Williams. Der Film wurde in 35-mm-Scope gedreht, wobei zwei einzelne Aufnahmen für ein Bild entstanden. Man arbeitete während der Dreharbeiten mit Mischlicht, bestehend aus Tages- und Kunstlicht, um verschiedene Farbtemperaturen in den Film zu bekommen, da New York so eine gemischte Stadt sei, so Josh Safdie. Der Regisseur erklärte weiter, oft habe man mit nur einzelnen Lichtquellen gearbeitet, da dies heutzutage im Leben oft der Realität entspreche, wie in einer im Film gezeigten Szene im Haus der Großmutter, die lediglich von einem laufenden Fernsehgerät erhellt wird. Sein Bruder Ben erklärte, man habe die vorhandenen Lichtquellen künstlich erweitert, so ein rotes Licht an einem Bus, bei dem die ganze Szene in künstliches rotes Licht getaucht wurde, um das Mindestmaß an Beleuchtung zu erhalten, die für die Herstellung von analogem Filmmaterial notwendig ist.[2]

Filmmusik und Sounddesign[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmmusik komponierte Oneohtrix Point Never alias Daniel Lopatin.[3] Im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes wurde Lopatin im Februar 2017 für seine Arbeit als bester Filmkomponist ausgezeichnet.[4] Der Soundtrack zum Film umfasst 13 Musikstücke[5] und wurde am 11. August 2017 als Doppel-LP, CD und Download veröffentlicht.[6] Das Sounddesign von Ryan M. Price sei von Filmen wie in Pickpocket von Robert Bresson inspiriert gewesen, so die Regisseure. So erfolgten Aufnahmen in der Totalen, bei der beispielsweise das Klimpern der Münzen zu hören ist, wodurch diese wie eine Nahaufnahme wirken soll.[2]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film feierte am 25. Mai 2017 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes seine Weltpremiere. Am 11. August 2017 kam der Film in ausgewählte US-amerikanische Kinos. Ebenfalls im August 2017 wurde der Film beim Internationalen Filmfestival von Locarno vorgestellt.[7] Im Oktober 2017 wurde der Film beim London Film Festival gezeigt.[8] Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 2. November 2017.[9]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altersfreigabe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland ist der Film FSK 12. In der Freigabebegründung heißt es: „Der Film ist mit zahlreichen genretypischen Mitteln erzählt, bemüht sich aber auch um eine realistische Darstellung von Milieu und Charakteren. Insbesondere der Protagonist ist zwischen Solidarität mit seinem Bruder und Skrupellosigkeit ambivalent gezeichnet. Diese Ambivalenz sowie einige Darstellungen von Gewalt und Sexualität könnten bei jüngeren Kindern eine sozialethische Desorientierung zur Folge haben.“[10]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film konnte bislang 92 Prozent der Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen.[11]

Michael Sennhauser von Radio SRF 2 Kultur sagt, der Film sei verblüffend gut gemacht: „Kamera und Schnitt, die atemlos schnelle, peitschende Dramaturgie, die reine erzählerische Energie sind bewundernswert und ziemlich einzigartig. Das ist ein Film wie ein höchst disziplinierter, kontrollierter Trip.“ Die Handlung könnte, so Sennhauser, mit etwas weniger Gewalt und Brutalität allerdings auch eine Komödie antreiben, und einzelne Szenen seien durchaus als Kabinettstückchen zu würdigen. Zudem übernehme der elektronische Bombast-Sound von Oneohtrix Point Never alias Daniel Lopatin hin und wieder komplett den Film, wodurch er diesen fast zum Videoclip degradiere, so Sennhauser.[12]

Pascal Blum vom Tages-Anzeiger meint: „Es ist ein unfassbarer Trip, eine Art Fiebertraum, so wie die Safdies diese Nacht in New York darstellen, die auf den Banküberfall folgt: mit hochgepeitschten Szenen auf höchster Nervositätsstufe, wo andauernd die Polizei an die Tür hämmert und der schmierige elektronische Sound von Oneohtrix Point Never eine Nacht befeuert, die auf eine Weise ausartet, die man nur crazy nennen kann.“[13]

Frank Schnelle von epd Film sagt, trotz der durchaus stringenten, »hässlichen« Ästhetik gelinge es dem Film nicht, uns wirklich für die Alptraumreise des Protagonisten zu interessieren: „Die Kamera rückt ihm zwar fortwährend auf den Leib, er bleibt uns aber trotzdem fremd. Das mag auch an Robert Pattinsons ausdruckslosem Spiel liegen. Im Vergleich zu seinen früheren Arbeiten in physischer Hinsicht kaum wiederzuerkennen, schafft er es nicht, die Low-Life-Rolle mit echtem Leben zu füllen. Seine leere Mimik taugt allenfalls als Projektionsfläche.“[14]

Andreas Busche vom Tagesspiegel bemerkt zu dem von Pattinson mit seiner enervierenden Physis beherrschten Nick, dieser sei das emotionale Zentrum des Films, und Williams tauche ihn bevorzugt in schillerndes Neonlicht, wie ein Raubtier auf nächtlichem Beutezug. Je länger der Film dauere, desto deutlicher werde auch, dass sich die Dynamik der Ereignisse verselbstständigt, so Busche weiter: „Was als noble Rettungsmission für Nick begann, verkommt irgendwann zu purem Aktionismus, es geht ums reine Überleben.“[15]

Einspielergebnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die weltweiten Einnahmen des Films belaufen sich bislang auf rund 3 Millionen US-Dollar.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 18. Dezember 2017 gab die Academy of Motion Picture Arts and Sciences bekannt, dass sich der aus dem Film stammende Song The Pure And The Damned in einer Vorauswahl von 70 Liedern befindet, aus der die Nominierungen in der Kategorie Bester Filmsong im Rahmen der Oscarverleihung 2018 bestimmt werden.[17] Am gleichen Tag gab die Academy bekannt, dass sich Oneohtrix Point Nevers Arbeit auf einer Shortlist befindet, aus der die Nominierungen in der Kategorie Beste Filmmusik erfolgen werden.[18] Im Folgenden eine Auswahl von Nominierungen und Auszeichnungen im Rahmen bekannter Filmpreise.

Evening Standard British Film Awards 2018

Gotham Awards 2017

Hollywood Music in Media Awards 2017

  • Nominierung in der Kategorie Original Score: Feature Film (Oneohtrix Point Never)[22]

Independent Spirit Awards 2018

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2017

  • Auszeichnung als Bester Filmkomponist mit dem Soundtrack Award (Oneohtrix Point Never)
  • Nominierung für die Goldene Palme im internationalen Wettbewerb (Benny Safdie und Josh Safdie)

Internationales Filmfestival von Locarno 2017

  • Nominierung für den Variety Piazza Grande Award (Benny Safdie und Josh Safdie)

Satellite Awards 2017

  • Nominierung als Bester Filmschauspieler (Robert Pattinson)[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Good Time – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Good Time. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 172388/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c d 'Good time' – Interview mit Joshua und Ben Safdie In: arte.tv. Abgerufen am 13. August 2017. (Video)
  3. http://www.indiewire.com/2017/06/good-time-soundtrack-robert-pattinsons-cannes-oneohtrix-point-never-listen-1201841524/
  4. Adam Bychawski: Oneohtrix Point Never wins Cannes Soundtrack Award In: factmag.com, 27. Mai 2017.
  5. http://filmmusicreporter.com/2017/06/08/good-time-soundtrack-announced/
  6. Oneohtrix Point Never 'Good Time' soundtrack released on 11 August, Hear 'The Pure and the Damned' ft Iggy Pop In: warp.net, 7. Juni 2017.
  7. Programm des 70. Filmfestivals von Locarno In: pardo.ch. Abgerufen am 6. August 2017. (PDF; 12,1 MB)
  8. All films in the 2017 BFI London Film Festival In: bfi.org.uk. Abgerufen am 31. August 2017.
  9. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 13. August 2017.
  10. Freigabebegründung für Good Time In: Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Abgerufen am 2. November 2017.
  11. Good Time In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 22. Mai 2018.
  12. Michael Sennhauser: 'Good Time' beschert Filmfans keine gute Zeit In: Radio SRF 2 Kultur, 26. Mai 2017.
  13. https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/kino/Ein-Fieber-namens-Verbrechen/story/28572430
  14. Frank Schnelle: Kritik zu 'Good Time' In: epd Film.
  15. http://www.tagesspiegel.de/kultur/good-time-mit-robert-pattinson-raubtier-im-neonschein/20528842.html
  16. Good Time In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 25. Oktober 2017.
  17. 70 Original Songs Vie For 2017 Oscar In: oscars.org, 18. Dezember 2017.
  18. Zack Sharf: Oscars 2018: Best Original Score Shortlist Includes 'The Shape of Water', 'All the Money in the World' and More In: indiewire.com, 18. Dezember 2017.
  19. Robert Dex: Discover all the nominations for this year's Evening Standard British Film Awards In: Evening Standard, 12. Januar 2018.
  20. Gordon Cox: 'Get Out' Leads 2017 Gotham Awards Nominations In: Variety, 19. Oktober 2017.
  21. Anthony D'Alessandro: 'Get Out' Tops IFP Gotham Awards Nominations; 'Mudbound' Voted Special Jury Award In: deadline.com, 19. Oktober 2017.
  22. 8th Hollywood Music in Media Awards Nominations Announced In: filmmusicreporter.com, 25. Oktober 2017.
  23. Hilary Lewis: 2018 Independent Spirit Award Nominations Revealed In: The Hollywood Reporter, 21. November 2017.
  24. Steve Pond: 'Dunkirk', 'The Shape of Water' Lead Satellite Award Nominations In: thewrap.com, 29. November 2017.