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Goodnight My Love (Pleasant Dreams)

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Goodnight My Love
(Pleasant Dreams)
Cover
Jesse Belvin
Veröffentlichung 1956
Länge 3:06
Genre(s) Rhythm and Blues, Pop
Autor(en) Jesse Belvin, George Motola, John Marascalco
Verlag(e) Quintet Music Inc.
House of Fortune Music
Label Modern Records
Coverversionen
1956 The McGuire Sisters
1959 Ray Peterson
1963 The Fleetwoods
1966 Ben E. King
1969 Paul Anka
1977 Tavares

Goodnight My Love (Pleasant Dreams) (deutsch: „Gute Nacht, mein Schatz (angenehme Träume)“), zuweilen auch verkürzt Goodnight My Love getitelt, ist eine erfolgreiche Rhythm-and-Blues-Ballade von George Motola und Jesse Belvin aus dem Jahr 1956. Die Originalaufnahme stammt von Jesse Belvin für Modern Records. Per Cut In erkaufte sich der Songwriter John Marascalco Belvins Anteil an den Autorenrechten. Die Akkordfolge der Strophen entspricht einem pop-typischen Turnaround und wird zweimal von einer Bridge unterbrochen. Das Lied ist an eine geliebte Person gerichtet, der unter Versicherung der gegenseitigen Zuneigung zum abendlichen Abschied eine gute Nacht gewünscht wird. Bis 1977 war das Stück in sieben Versionen in den amerikanischen Charts.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Jesse Belvin 1956 für den Hit Dreamy Eyes der Gruppe The Youngsters auf Empire Records die Falsettstimme sang, lernte er den Labelchef George Motola kennen. Der unabhängige Produzent nahm Belvin mit, als er begann, auch für Modern Records zu arbeiten. Gemeinsam erarbeiteten sie Goodnight My Love (Pleasant Dreams), wobei es zu den genauen Beiträgen und Anteilen am Songwriting unterschiedliche Berichte gibt: Laut Billy Veras Recherchen hatte Motola den Song bereits in den 1940er Jahren erdacht und Belvin lediglich die Bridge beigesteuert.[1] Laut Steve Propes und Galen Gart brachte hingegen Belvin die unfertige Komposition in Motolas Büro. Der Produzent wusste bereits um die finanzielle Bedeutung von erfolgversprechenden Songrechten und übernahm für 400 Dollar gerne die Verlegerschaft mit seinem Verlag House of Fortune Music. Zudem fügte er die Bridge bei.[2] Auch Motolas Songwriting-Partner John Marascalco kam zur Session hinzu und half bei der Vollendung des Songs. Einige Tage später rief Jesse Belvin, der gerade Geld brauchte, Marascalco an und bot ihm für 400 Dollar seine Hälfte an den Autorenrechten an.[3] Marascalcos Geld ermöglichte Belvin, seine spätere Managerin Jo Ann Johnson zu heiraten, die zu dieser Zeit im Plattenladen von John Dolphin als Verkäuferin arbeitete.[2]

Nur wenige Wochen nach dem Verkauf des Stücks, ging Jesse Belvin mit George Motola für die Aufnahme ins Studio. Motolas Modern-Kollege Maxwell Davis hatte ein Arrangement für Streicher beigesteuert.[1] Für den Hintergrundchor wurden ein Gesangs-Quartett unter der Leitung von Don Raike und dessen Frau Dee Dee Patrick engagiert.[2] Eventuell sang auch Motolas Frau Rickie Page bei den Don Raike Singers.[4] Der prominent zu hörende Hintergrundchor war für ein Independent-Label dieser Zeit ungewöhnlich.[5] Am Piano half der erst 11-jährige Barry White aus.[6] Der Titel wurde von Motola und Marascalco am 10. Dezember 1956 bei der Library of Congress registriert.[7]

Musikalischer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelblatt der Notenausgabe

Goodnight My Love (Pleasant Dreams) ist eine Ballade im gemäßigten Tempo. Die Originalaufnahme des Songs steht in C-Dur im 4/4-Takt und wird überwiegend triolisch dargeboten. Während die Pianobegleitung Achteltriolen spielt, nutzt der Sänger bei der Melodieführung Viertel-Triolen und geshuffelte Punktierungen. Achteltriolen werden lediglich in der Bridge gesungen. Dem viertaktigen Intro folgen zwei Strophen, welche jeweils aus vier Turnarounds über den Akkorden C-Dur, A-Moll, D-Moll und G-Dur bestehen, somit stufentheoretisch als I-VI-II-V dargestellt werden können. Die folgende Bridge wechselt zwischen E-Dur und H-Dur, um dann um eine kleine Terz aufwärts auf G-Dur und D-Dur zu rücken. Anschließend werden die erste Strophe, die Bridge und erneut die erste Strophe wiederholt, worauf der Song ritardierend ausklingt.[8]


\relative c'' {\key c \major
\autoBeamOff
r8^"C" g8 c8. g16 e2^"Am7" | r4^"Dm7" f8 g8 \times 2/3 { b4^"G7" a b } | g4.^"C" f8 e2^"Am7" | r4^"Dm7" d8 e8 g8^"G7" e8 d4 | \times 2/3 { c4^"C" d e } c2^"Am7" | r8^"Dm7" d8 d8 e8 d8^"G7" b4 a'8 | g1^"C" | }

\addlyrics {
Good -- night my love | Pleas -- ant dreams and sleep | tight my love May to -- mor -- row be sun -- ny and bright And bring you clos -- er to me }

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Song erschien im Oktober 1956 auf Modern 1005 zusammen mit I Want You with Me Christmas.[4] Belvins Vorname wurde dabei zu „Jessie“ variiert. Die Weihnachts-B-Seite wurde nach den Ferien durch Let Me Love You Tonight ersetzt.[3] 1959 war Belvin mit Guess Who in den Charts, so dass Jamie Records die Modern-Aufnahme mit zusätzlichem Streicherarrangement unter der Nummer 1145, allerdings ohne Klammerzusatz im Titel, erneut herausbrachte.[4] Im gleichen Jahr erschien das Original zusammen mit Senorita beim Modern-Sublabel Kent Records wieder unter der Nummer 1005. 1960 erfolgte eine Nachausgabe auf Lana Records, Mitte der 1960er Jahre nochmals eine Ausgabe auf Modern Oldies.[3] Eine Notenausgabe erschien beim Musikverlag Quintet Music von Lester Sill, Jerry Leiber und Mike Stoller in Zusammenarbeit mit George Motolas eigenem Verlag House of Fortune. Den Vertrieb übernahm das New Yorker Verlagshaus Hill and Range.[8] Auf Langspielplatte erschien der Titel erstmals 1959 auf der Kompilation Casual Jesse Belvin von Crown Records, einer Tochterfirma von Modern Records, die sich der kostengünstigen Neuauflage des Katalogs der Mutterfirma verschrieben hat. Nach Jesse Belvins Unfalltod am 6. Februar 1960 wurde diese Praxis durch zahlreiche Zusammenstellungen fortgeführt, unter anderem in Split-Ausgaben mit Brook Benton.[9]

Coverversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbseitige Werbung von Modern Records am 10. November 1956 im Billboard
Word Roll für Pianola

Goodnight My Love (Pleasant Dreams) ist seit seiner Erstveröffentlichung über 60 mal gecovert worden. Viele Interpreten kürzen den Titel bei der Angabe auf dem Tonträger und lassen den Klammerzusatz weg. Bei der Veröffentlichung auf Langspielplatte wird der Titel gerne als Schlusstrack gesetzt. Die QRS Company ließ 1956 von Clyde Ridge eine Word Roll für Pianola bespielen, weitere instrumentale Versionen legten im Jahr 1962 Ray Anthony und 1990 Fred Mollin vor. 1957 spielten die Sunnies und die Coronels unter dem Titel Ein Leben lang und der Leitung von Günter Fuhlisch eine deutschsprachige Version ein.

Bedeutung, Kritik und Erfolg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Jesse Belvin
  US R&B 7 08.12.1956 (3 Wo.) [10]
The McGuire Sisters
  US 32 08.12.1956 (9 Wo.) [11]
Ray Peterson
  US 64 16.11.1959 (6 Wo.) [11]
The Fleetwoods
  US 32 01.06.1963 (11 Wo.) [11]
Ben E. King
  US 91 08.01.1966 (3 Wo.) [11]
Paul Anka
  US 27 04.01.1969 (10 Wo.) [11]
Tavares
  US R&B 14 23.07.1977 (11 Wo.) [10]
[11] [10]
Vorlage:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/Quellen-Parameter

Goodnight My Love (Pleasant Dreams) entwickelte sich rasch zu einem R&B-Standard. Der Miteigentümer von Modern Records Saul Bihari hatte den Song seinem New Yorker Freund Alan Freed empfohlen,[5] der ihn als Abspann seiner populären, allnächtlichen Radiosendung bei WINS nutzte. Auch an der Westküste erhielt der Titel reichlich Airplay[2] und konnte sich in verschiedenen lokalen Radioncharts platzieren.[3] National erreichte die Platte Platz sieben der R&B-Jukebox-Charts und verblieb drei Wochen in den R&B-Verkaufscharts des Billboard-Magazins.[10] Durch die mehrfache Wiederauflage des Stücks wurde der Titel der überragende „Brotverdienst-Song“ der Modern-Gruppe.[3]

Der Erfolg des Titels untermauerte Belvins Ambitionen, aus dem schwarzen, als rau empfundenen R&B-Genre den Crossover in den Pop-Musikmarkt zu suchen. Sein musikalisches und stimmliches Vorbild hierfür war Nat King Cole,[2] insbesondere auf dessen Hit Sentimental Reasons. Bei seinem größter Erfolg Guess Who aus dem Jahr 1959 orientierte sich Belvin stark an Goodnight My Love. Don Raikes Chorsatz antizipierte zudem das Arrangement von Sam Cookes erster Pop-Aufnahme You Send Me auf Keen Records aus dem Jahr 1957.[3]

Billy Vera lobte die Emotionalität des Stücks. Bis heute könne er Belvins Performance nicht hören, ohne dass in ihm „Gefühle unschuldiger Romantik“ aufkämen. Es sei eine perfekte Mischung aus einer Rockballade und einer Streicherlandschaft, die wie Filmmusik klänge.[1] Auch Dick Clark erinnerte sich in seiner Biografie gerne daran, dass er seine Tanzveranstaltungen mit Belvins „wundervoll romantischer“ Ballade beendete, zu der sich die Paare noch einmal aneinander anschmiegen konnten.[12] Gretchen Christopher von den Fleetwoods verabschiedete mit dem Song den verstorbenen George Motola 1991 zu dessen Seebestattung.[2]

Bereits im Jahr der Erstveröffentlichung coverten die McGuire Sisters das Stück und charteten damit hoch in den Popcharts. 1959 erreichte Ray Peterson mit seiner Version den 64. Platz. In den 1960ern nahmen sich The Fleetwoods, Ben E. King und Paul Anka des Songs an und erreichten damit die Bestenliste des amerikanischen Musikmarkts. Die vorerst letzte Chartnotierung datiert aus dem Jahr 1977 und geht auf die Funk-Band Tavares zurück, die allerdings wie die Originalversion 1956 nur im schwarzen Spartenmarkt der R&B-Charts punktete.[10] Außerhalb der Vereinigten Staaten erreichte keine Einspielung des Songs eine Bestenliste. 1987 spielten Los Lobos Goodnight My Love für den Film La Bamba über die kurze Karriere von Ritchie Valens ein. Der Song erschien auch auf dem zugehörigen Soundtrack-Album, das sich über zwei Millionen Mal verkaufte.[13]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Billy Vera: Jesse Belvin: Mr.Easy. In: DooWop Cafe. , abgerufen am 27. März 2013 (englisch, ursprünglich veröffentlicht als Liner Notes auf dem RCA Victor-Album Mr. Easy).
  2. a b c d e f Steve Propes, Galen Gart: L. A. R&B Vocal Groups 1945–1965. 1. Auflage. Nickel Publications, Milford 2001, ISBN 0-936433-18-3, Jesse Belvin, S. 14–18 (amerikanisches Englisch).
  3. a b c d e f Steve Propes: Old School. 77 Years of Southern California R&B & Vocal Group Harmony Records 1934–2011. 1. Auflage. San Bernadino 2013, ISBN 978-1-4610-7692-6, S. 134 (amerikanisches Englisch).
  4. a b c Jim Dawson: Jesse Belvin Discography. In: The Doo-Wop Society of Southern California. 2004, abgerufen am 27. März 2013 (englisch).
  5. a b John Broven: Record Makers and Breakers. Voices of the Independent Rock ’n’ Roll Pioneers. University of Illinois Press, Urbana, Chicago 2010, ISBN 978-0-252-03290-5, Harold Battiste: Specialty Records Branch Manager, New Orleans, S. 299 f. (amerikanisches Englisch).
  6. Bobby Bennett, Sarah Smith: The ultimate soul music trivia book: 501 questions and answers about Motown, Rhythm & Blues, and More. Carol Pub. Group, Secaucus 1998.
  7. Public Catalog. Library of Congress, abgerufen am 27. März 2013.
  8. a b George Motola, John Marascalco: Good-Night, My Love, Pleasant Dreams. Quintet Music, House of Fortune Music, Hill and Range Songs, New York 1956 (Notenausgabe).
  9. Gérard Lambert: Jesse Belvin. In: Rocky 52. 2011, abgerufen am 27. März 2013 (französisch).
  10. a b c d e Joel Whitburn: Hot R&B Songs. Billboard 1942–2010. 6. Auflage. Record Research Inc., Menomonee Falls 2010, ISBN 978-0-89820-186-4 (amerikanisches Englisch).
  11. a b c d e f Joel Whitburn: Top Pop Singles 1955–2006. Record Research, 2007, ISBN 978-0-89820-172-7.
  12. Dick Clark, Richard Robinson: Rock, roll & remember. Popular Library, 1978, ISBN 978-0-445-04178-3, S. 150 (amerikanisches Englisch).
  13. William Ruhlmann: Original Motion Picture Soundtrack. La Bamba. In: Allmusic. Abgerufen am 25. Juli 2013.
Dieser Artikel wurde am 17. August 2013 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.