Goodwin-Modell

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Das Goodwin-Modell ist ein Modell zur Erklärung des Konjunkturzykluses, das Richard M. Goodwin entwickelt hat. Es nutzt die Mathematik der Lotka-Volterra-Gleichungen. Es wird das konjunkturelle Wechselspiel zwischen Beschäftigungsquote und Lohnquote modelliert. Bei hoher Beschäftigungsquote (mit v bezeichnet) ist die Verhandlungsmacht der Arbeiter hoch. Der Lohndruck und damit die Lohnquote (u) steigt. Die Profitquote (1-u) sinkt demnach. Wegen geringer Profite entlassen die Unternehmen. Die Beschäftigungsquote sinkt dann. Bei niedriger Beschäftigungsquote ist die Verhandlungsmacht der Arbeiter gering, es sinkt die Lohnquote, die Profitquote steigt. Für die Unternehmen steigt der Anreiz mehr einzustellen, die Beschäftigungsquote steigt wieder. Mathematisch entspricht die Lohnquote den „Räubern“, die Beschäftigungsquote den „Beutetieren“ in den auf den Lotka-Volterra-Gleichungen beruhenden Räuber-Beute-Beziehungen.

Mathematische Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Output, die gesamtwirtschaftliche Produktion, ist gegeben durch

dabei ist q der gesamtwirtschaftliche Output, ist die Beschäftigung, k ist der Bestand an Kapital und a ist die Arbeitsproduktivität. Alle Variablen ändern sich mit der Zeit, die Zeitindizes sind nicht aufgeführt. σ ist der konstant angenommene Kapitalkoeffizient.

Die Kapazitätsauslastung sei 100 %, also Vollauslastung der vorhandenen Kapazitäten:

Die Beschäftigungsquote ist

dabei ist n das Arbeitskräfteangebot, das mit der Rate β wächst. Außerdem wächst die Arbeitsproduktivität a mit der Rate α (technischer Fortschritt). Die Beschäftigung wächst damit mit

Das Arbeitsangebot steigt mit

Die Löhne bestimmen sich aus der Phillips-Kurve:

Die Lohnquote u ist definiert als

Die Wachstumsrate der Lohnquote beträgt also

Es wird angenommen, dass die Arbeiter ihre Löhne für Konsum ausgeben, während die Kapitaleigentümer einen Teil ihrer Profite sparen und dass Kapital mit der Rate delta an Wert verliert (Abschreibungen). Die Wachstumsrate von Output und Kapital ist demnach (wegen angenommener Vollauslastung des Kapitals gleich)

Also

Lösung der Gleichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ergeben sich zwei Differentialgleichungen für die Wachstumsraten von Lohnquote u und Beschäftigungsquote v:

Sie entsprechen den Lotka-Volterra-Gleichungen. Die konstanten Größen der Gleichungen lassen sich zu neuen Konstanten a,b,c und d, jeweils größer null, zusammenfassen:

Dabei ist

Setzt man die beiden Gleichungen gleich null, erhält man Werte für u und v, bei welchen sich v und u nicht verändern.

Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R. M. Goodwin: A Growth Cycle. In: C. H. Feinstein (Hrsg.): Socialism, Capitalism and Economic Growth. Essays presented to Maurice Dobb. Cambridge University Press, Cambridge 1967, S. 54–58.
  • Richard M. Goodwin: Chaotic Economic Dynamics. Clarendon Press, Oxford u. a. 1990, ISBN 0-19-828335-0.
  • Peter Flaschel: The Macrodynamics of Capitalism. Elements for a Synthesis of Marx, Keynes and Schumpeter. 2nd revised and enlarged edition. Springer, Berlin u. a. 2009, ISBN 978-3-540-87931-2, chapter 4.3.