Google’s Ideological Echo Chamber

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Google’s Ideological Echo Chamber (Googles ideologische Echokammer), häufig auch Google Memo bezeichnet, ist ein internes Memo, das vom amerikanischen Google-Ingenieur James Damore über die ideologische Haltung des Unternehmens gegenüber der Diversität geschrieben wurde. In dem Memo legte Damore dar, dass nach seiner Ansicht Google eine Diskussion über den Umgang mit Diversität unterbinde und begründete seine Ansicht, dass geschlechtsspezifische Ungleichheit in der Spitzentechnologie teilweise auf biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen zurückzuführen sei. Google CEO Sundar Pichai sah in dem Memo eine Aufrechterhaltung schädlicher Geschlechterstereotypen und entließ am 7. August Damore wegen Verletzung des Verhaltenskodex des Unternehmens. Das Memo sowie die Entlassung fanden breite Wahrnehmung in Massenmedien und öffentlicher Diskussion.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Memo begann mit folgenden Thesen:

  • Googles politische Tendenz setze Freiheit vor Angriffen mit psychologischer Sicherheit gleich, aber Beschämen zum Stillschweigen sei Antithese psychologischer Sicherheit.
  • Dieses Schweigen sorge für eine ideologische Echokammer, in der einige Ideen zu heilig wären, um ehrlich diskutiert zu werden.
  • Der Mangel an Diskussion fördere extremste und autoritärste Elemente dieser Ideologie:
  • Unterschiede in der Verteilung der Merkmale zwischen Männern und Frauen könnten zum Teil erklären, warum keine paritätische Vertretung von Frauen in Technologie und Management bestehe.
  • Diskriminierung zur Erreichung gleicher Vertretung sei unfair, spaltend und schlecht für die Wirtschaft.

Damore äußerte in seinem Memorandum die Meinung, die innere Ausrichtung von Google trübe das interne Nachdenken über Vielfalt und Integration und stünde damit der Diversität im Weg. Er schrieb: „Die Verteilung der Präferenzen und Fähigkeiten von Männern und Frauen unterscheidet sich zum Teil aufgrund biologischer Ursachen und diese Unterschiede können erklären, warum wir Frauen in Technologie und Management nicht im gleichen Ausmaß vertreten sehen.“ Laut Damore wären diese Unterschiede darauf zurück zu führen, dass Frauen mehr sozial veranlagt, auf Konsens und Kollaboration ausgerichtet seien. Männer hingegen würden sich mehr für systematisches Denken interessieren, hätten deshalb vielleicht einen direkteren Zugang zum Programmieren, seien auf jeden Fall auf „Status“ und dessen Symbole fixiert. Frauen würden eher nach einer Work-Life-Balance streben, die nicht darin bestehe, Tag und Nacht am Arbeitsplatz zu verbringen, und lieber in Teilzeit arbeiteten. Damore schlug Änderungen bei Google vor, um den Ansprüchen von Frauen besser gerecht zu werden, wie z. B. Paarprogrammierung, eine Verbesserung der Work-Life-Balance, Förderung von Teilzeitarbeit u. a. Daneben spricht sich Damore auch für einen Kulturwandel aus: Empathie solle weniger Wert beigemessen werden, stattdessen der Benefit emotionaler Ungebundenheit genutzt werden und geschlechterspezifische Programme und Kurse wegen ihrer spaltenden Wirkung einzustellen.

Ablauf der Ereignisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Damore gab an, das Memo nach Teilnahme an einem Diversity-Programm bei Google während einem Flug nach China geschrieben zu haben. Dieses Programm sei enttäuschend, der Versuch, dies in seiner Peergroup zu diskutieren, erfolglos gewesen.[1] Es war datiert auf Juli 2017 und wurde ursprünglich über eine interne Mailingliste verteilt. In der ersten Augustwoche gelangte es an die Öffentlichkeit und führte zu kontroverser Diskussion im Social Media. Google stellte offiziell klar, nicht hinter dem Dokument zu stehen. Mehrere aktuelle wie auch ehemalige Mitarbeiter äußerten Kritik. Gemäß Wired war in den internen Foren bei Google aber auch Unterstützung für Damore vorhanden.[2]

Am 7. August 2017 wurde Damore fristlos entlassen.

Danielle Brown, Vice President Diversity & Governance, erklärte am 8. August 2017 bezüglich des Memos: „Ein Teil des Aufbaus eines offenen, integrativen Umfelds bedeutet die Förderung einer Kultur, in der sich diejenigen mit alternativen Ansichten, einschließlich unterschiedlicher politischer Ansichten, beim Austausch ihrer Meinungen sicher fühlen. Dieser Diskurs muss aber nach den Prinzipien gleicher Beschäftigungschancen, formuliert im Verhaltenskodex, unseren Richtlinien und den Antidiskriminierungsgesetzen, erfolgen.“[3]

n-tv berichtete, dass sich Damore am 10. August erstmals persönlich zu den Vorfällen geäußert habe. „Trotz mutmaßlich zahlreicher Anfragen sagte er jedoch ausgerechnet zwei Gesprächspartnern“ aus „der amerikanischen Alt-Right-Bewegung“ Interviews zu.[4]

Ein ursprünglich für den 11. August angesetztes Mitarbeitertreffen von Google wurde kurzfristig von Google-Chef Sundar Pichai abgesagt, in einer internen E-Mail begründete er dies mit Sorgen um die Sicherheit von Beschäftigten. Auf ultrakonservativen Websites in den USA waren bereits Informationen zu mehreren Mitarbeitern veröffentlicht worden, die Fragen auf dem Treffen stellen wollten.[5]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Google kämpft derzeit wie viele seiner Wettbewerber darum, den geringen Frauenanteil in der Belegschaft zu erhöhen. Konzernweit liegt er bei 31 %, in technischen Funktionen aber nur bei einem Fünftel. Vom US-Arbeitsministerium liegt aktuell eine Klage gegen Google vor Gericht, in der der Firma die systematische Diskriminierung von Frauen vorgeworfen wird. Negatives Beispiel ist der US-Fahrdienstvermittlers Uber, der in den Monaten zuvor in eine Führungskrise geriet, nachdem Berichte über den laxen Umgang mit Beschwerden über Fälle sexueller Belästigung an die Öffentlichkeit kamen. Auch in der Investorenszene des Silicon Valley ist das Thema nach einer Klage einer ehemaligen Junior-Partnerin wegen Diskriminierung gegen ihren damaligen Arbeitgeber, die Venture-Capital-Gesellschaft Kleiner Perkins Caufield & Byers, präsent.[6]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Wissenschaftler mit Expertise u.a. in Sexualwissenschaften, Evolutionsbiologie, Biologie, Soziologie, Psychologie, Neurologie und Gender Studies haben sich zum Inhalt des Memos geäußert; ihre Einschätzungen fallen teilweise konträr aus. Das Spektrum reicht von der Bestätigung, Damore habe seine Überlegungen plausibel mit Fachartikeln begründet bis hin zu vollständigem Widerspruch. Vielfach werden Einschränkungen formuliert, die herangezogenen Studien wären grundsätzlich valide, würden aber z. B. nur Teile der relevanten Aspekte beleuchten oder wären für die Sozialstruktur im Unternehmen Google nicht repräsentativ. Mehrfach wurde auch erwähnt, ein Rückschluss von Durchschnittswerten auf Individuen sei bei einer breiten Streuung von Merkmalen nicht hilfreich.

Jordan Peterson, Professor für Psychologie an der Universität von Toronto, interviewte Damores auf Youtube. Er sagte dabei, dass seiner Meinung nach Darmores Thesen von wissenschaftlichen Beweisen unterstützt würden und das Memo in seinen Augen kein diversitätsfeindliches Manifest sei.[1]

Lee Jussim, Professor für Sozialpsychologie an der Rutgers University, schrieb in Quillette, dass „der Autor des Google Aufsatzes über die Problematik der Diversität die ganze Wissenschaft und ihre Implikationen genau richtig“ verstünde, darunter: „Weder Links noch Rechts versteht die Diversität ganz richtig“ und dass es eine „autoritäre und repressive Atmosphäre“ zur Diskussion des Themas gibt.[7][8][9]

Nach Auffassung von Caryl Rivers von der Boston University und Rosalind Barnett von der Brandeis University impliziere Damore, dass Stress und Angst inhärente weibliche Persönlichkeitsmerkmale wären. In Wirklichkeit wären diese aber auf in dem Umfang bei Männern nicht vorhandenen Druck und Diskriminierung zurück zu führen. So habe beispielsweise die 2008 von großen Unternehmen unterstützte Studie „The Athena Factor“ ergeben, dass in männlich dominierten Bereichen Frauen in hohen Positionen bei Patzern schärfere Sanktionen als Männer und im Gegensatz zu diesen keine zweite Chance erhielten.[10]

Jonathan Haidt, Professor für Ethische Führung an der New York University’s Stern School of Business und Sean Stevens, Forschungsdirektor der Heterodox Academy, bestätigten, dass Damore insofern richtig läge, dass die Geschlechter unterschiedliche Merkmale aufweisen würden, aber dass es „extrem wichtig“ sei, zwischen Interesse/Freude und Fähigkeiten zu unterscheiden. Sie sagten auch, eine solche Schlussfolgerung würde weder das Vorhandensein von Belästigung und Entmutigung im Silicon Valley noch deren Auswirkung auf Ergebnisdisparitäten bestreiten.[11]

Gemäß David P. Schmitt, Persönlichkeitspsychologe und Autor in der populärwissenschaftlichen Zeitschrift Psychology Today, bestünden seines „Erachtens nach Geschlechtsunterschiede in der negativen Emotionalität” und dies sei „keine falsche Annahme über Geschlecht“, sondern „empirisch gut unterstützt“. Diese Unterschiede wären aber wahrscheinlich nicht besonders groß und irrelevant für einen Arbeitsplatz bei Google.[12] Weiterhin äußerte er die Ansicht: „Eine ganze Gruppe von Persönlichkeiten auf jemandes biologischem Geschlecht zu reduzieren, ist wie eine chirurgische Operation mit einer Axt. Nicht genau genug, um viel Gutes zu tun, wird jedoch wahrscheinlich viel Schaden verursachen. Darüber hinaus sind Männer in bestimmten Situationen emotionaler als Frauen. Auch die Unterschiede in der Emotionen hängen von der Art des Gefühls ab, wie es gemessen wird, wo es ausgedrückt wird, wenn es ausgedrückt wird und viele andere kontextuelle Faktoren. Wie das alles in den Google-Arbeitsplatz passt, ist mir unklar.“[13]

Peter Singer, Professor für Bioethik an der Princeton University und Ehrenprofessor der Universität Melbourne, sah den Inhalt des Manifests durch „seriöse Artikel, die in führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden“ unterstützt, schränkte aber ein, dass einige dieser Studien nicht unumstritten wären. Zur Kündigung von Damore sagte er: "Es ist nicht nötig zu entscheiden, welche Seite richtig ist, aber nur, ob Damores Ansicht eine ist, die ein Google-Mitarbeiter ausdrücken darf. Ich denke es ist eine."[14]

Cynthia Lee, Lecturerin an der Fakultät für Informatik der Stanford University,[15] hielt auf Vox das Memo wegen seiner „quasi-professionellen“ Art für gefährlich, weil es dadurch für viele so fundiert erscheine. Damores Aussagen würden nicht von seinen wissenschaftlichen Belegen gestützt: Er betrachte nicht nur zu sehr biologisch gegebene Persönlichkeitsunterschiede zu Lasten von Einflüssen des sozialen Umfelds, er betone letztlich auch selbst, dass sich die Unterschiede nur auf durchschnittliche Männer bzw. Frauen bezögen. Es widerspreche sich, dass Damore mit Bezug auf durchschnittliche Unterschiede den Fokus auf Google lege – das nur die besten Entwickler direkt von den Unis rekrutiere. Nur 19 % der Google-Entwickler seien weiblich. An der Stanford University – mit einer der renommiertesten Informatik-Fakultäten weltweit mit mehr Turing Awards u.ä. als jede andere Uni – liege der Anteil der Informatikstudentinnen dagegen mit 30 % deutlich höher.[16]

Geoffrey Miller, Evolutionsbiologe an der University of New Mexico, schrieb im Magazin Quillette:[7] „Wenn Sie mich fragen, ich denke dass die meisten empirischen Behauptungen in dem Google Memo wissenschaftlich korrekt sind.“ Allerdings hatte Damore die Möglichkeit zur Ableitung von Handlungsmaximen daraus selbst relativiert: „Viele dieser Unterschiede sind klein und es gibt eine signifikante Überlappung zwischen Männern und Frauen, so dass es nicht möglich ist, von Aussagen über die Population auf Individuen zu schließen.“[8] Renee Adams von der UNSW[17] und Vanitha Ragunathan von der University of Queensland[18] wiesen darauf hin, dass die hoch qualifizierten Google-Mitarbeitenden aufgrund der rigorosen Selektionskriterien nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung seien. Deshalb wäre es falsch, repräsentative Studienresultate zu Geschlechtsunterschieden in der Gesamtbevölkerung auf diese Subpopulation der Google-Mitarbeitenden anzuwenden.[19]

Georgina Rippon, Psychophysiologin an der Aston University, widersprach Miller gegenüber der BBC. Ihrer Ansicht nach habe Damore die Wissenschaftler nicht verstanden, die Basis seiner Argumentation wäre falsch. „Ich weiß nicht, wen er gelesen hat,“ antwortete sie, „es ist einer dieser Bereiche, wo die Wissenschaft sich möglicherweise schneller entwickelt als die Kommunikation darüber. Er scheint vorschlagen zu wollen, dass etwas, weil es biologisch ist, unveränderbar sei.“ Rippon gab zu bedenken, dass räumliches Vorstellungsvermögen – häufig als Aspekt angesehen, wo sich männliche und weibliche Gehirne unterscheiden – durch Computerspiele beeinflussbar wäre. Und mehr Computerspiele oder eine andere Umgebung könnten eine Auswirkung auf ein individuelles Gehirn haben.[20]

Susanne Ihsen, Professorin für Gender Studies an der TU München, nannte auf Befragung der Wochenzeitschrift Markt&Technik Damores Thesen „krude Annahmen und Weltsichten“, „die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten“ würden. Ihrer Auffassung nach fänden seine Mutmaßungen „weder in Biologie, Neurologie, Medizin, noch in den Geschichtswissenschaften, der Ethnologie, der Soziologie oder in der Gender-Forschung“ irgendeine Berechtigung.[21]

Eine differenzierte Analyse des Memos auf Quora durch Suzanne Sadedin, Evolutionsbiologin und Spezialistin für Biodiversität und Soziokulturelle Evolution an der KU Leuven, wurde z. B. im New York Magazin[22] The Guardian[23] und Forbes[24] aufgegriffen. Gemäß ihrem Verständnis impliziere Damore, dass kognitive Merkmale entweder biologisch (d.h. angeboren, natürlich und unveränderlich) oder nicht-biologisch (d.h. erlernt) sein müssen. Diese „Anlage versus Umwelt“-Dichotomie wäre gemäß Sadedin aber völlig veraltet. Vielmehr beruhe die moderne Forschung auf der mehr biologisch begründeten Sichtweise, dass neurologische Merkmale sich im Laufe der Zeit unter gleichzeitigem Einfluss epigenetischer, genetischer und umweltbedingter Einflüsse entwickeln. Alles über Menschen gehe sowohl mit Anlage wie Umwelt einher.[25]

Presse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Memo und die Reaktionen darauf wurden international und in der gesamten deutschsprachigen Presse ausführlich kommentiert. Das Memo selbst wurde von den meisten deutschen Leitmedien als sexistisch wahrgenommen. Kritik deutscher Medien konzentrierte sich aber vor allem auf die Reaktion des Unternehmens, mit der Entlassung eine notwendige Diskussion der Thesen zu unterbinden.

Debra W. Soh, Ph.D. für sexuelle Neurowissenschaften, kommentierte in der kanadischen The Globe and Mail das Memo als „gerecht und sachlich genau.“ Sie argumentierte, wissenschaftliche Studien hätten „Geschlechtsunterschiede im Gehirn, die zu Unterschieden in unseren Interessen und Verhalten führen“ gefunden. Außerdem würde pränatales Testosteron mit „einer Vorliebe für mechanisch interessante Dinge und Berufe im Erwachsenenalter“ korrelieren, die den höheren Prozentsatz von Männern in technologiebezogenen Feldern erklären könnte.[26]

Jochen Bittner erläuterte in einer Kolumne für Die Zeit, warum es nach seiner Ansicht kein Sexismus sei, über unterschiedliche Interessen von Männer und Frauen zu sprechen. Er polemisierte mit Bezug auf die Serie Hjernevask: während gemäß Genderforschern Unterschiede „auf soziale Prägung zurückzuführen“, die „Gehirnstruktur“ als Ursache „nicht ernst zu nehmen“ sei, könnten in den USA Evolutionsbiologen mit „Forschungsergebnisse[n] beeindrucken“, bereits Säuglinge würden geschlechtsspezifische Reaktionen zeigen. Bittner konstatiert, David Brooks wäre bereits „zu dem Schluss“ gekommen, „dass im Streit um genetische oder soziale Prägung die Evolutionsbiologen den Sieg davongetragen“ hätten. Ergo sei es „ziemlich albern“, sich über die Erwähnung von Unterschieden zu „ereifern“. Die unterschiedliche Prägung sei nicht nur gut, „noch besser“ sei der „Anspruch“, Individuen „mit allen Interessen, Talenten und Argumenten“ wahrzunehmen, bevor geurteilt würde.[27]

In der Wirtschaftswoche hielt es Lin Freitag für einen Fehler, dass der Autor des aus ihrer Sicht „sexistischen Manifests“ entlassen wurde: „Unternehmen müssen krude Debatten aushalten.“[28] Auch die Netzkolumnistin Angela Gruber hielt es in Spiegel Online für „das falsche Signal“, dass der Google-Mitarbeiter entlassen wurde, denn das „dürfte aus der Sicht seiner Unterstützer … dessen Vorwurf nur bestätigen“. Sie kommentiert: „Wenn ein pseudowissenschaftlicher, pseudointellektueller und an manchen Stellen irritierend pseudotoleranter Text eines einfachen Mitarbeiters solche Wellen schlägt, wirft das ein trauriges Licht auf die schlechte Gesamtsituation in der Tech-Branche in Sachen Diversität.“[29]

Michael Hanfeld schrieb in der FAZ: „Man kann sein Schreiben so oder so lesen – als unausgegoren, paternalistisch, als Vermittlungsversuch, als Wehklagen von einem, der seine und die Felle seiner ‚Klasse‘ (ältere, weiße Männer) davonschwimmen sieht, oder als Kampfansage. … Den Frauen nicht nur bei Google jedoch wäre viel mehr damit gedient, ein Memo wie dieses ‚Manifest‘ Punkt für Punkt zu hinterfragen, damit den Männern bei der nächsten Gehaltsverhandlung der ‚gender gap‘ wirklich um die Ohren fliegt.“[30]

In der Wochenzeitung Die Zeit sinnierte Robert Franken darüber, ob „die Nerds die Angst vor dem Statusverlust“ treiben würde. Seiner Ansicht nach zeige das Manifest: „Manche fürchten um ihre Privilegien. So verletzend die Äußerungen sind, wir müssen sie ernst nehmen.“[31]

„Einen größeren Mist habe ich selten gelesen.“ bekannte Jessica Tomala im Magazin GIGA und kam zu der Ansicht „Der Google-Entwickler … scheint wohl noch nicht verstanden zu haben, dass Stereotype in der sich weiterentwickelnden Gesellschaft in der wir leben, einfach out sind.“[32] „Die Empörung über das sexistische Memo eines Google-Mitarbeiters verstellt den Blick auf strukturelle Probleme der Technikbranche.“ schrieb Catharina Felke in Die Zeit. Denn: „Sie existieren auch in Deutschland.“[33]

Nina Bovensiepen kommentierte das Memo in der Süddeutsche Zeitung so: „Das antifeministische Manifest des Google-Mitarbeiters ist rückständig und dumm. Zustimmung bekommt er nur deshalb, weil er die Ängste vieler weißer Männer vor den Veränderungen im Arbeitsumfeld ausspricht.“[34]

Stefan Paravicini schrieb in der Neue Zürcher Zeitung: „Für krude geschlechtsspezifische Vorurteile gibt es im Silicon Valley zu Recht kein Pardon. Angesichts des mässigen Erfolgs der Bemühungen um mehr Diversität in der eigenen Belegschaft sollte Google allerdings auch offen sein für Stimmen von außerhalb der Echokammer.“[6]

Eine frauenfeindliche Polemik sah Belinda Grasnick in der taz in dem Dokument, das deutlich zeige, welche Meinungen es nach wie vor über Frauen in der Branche gäbe. Sie nahm aber auch wahr, dass das Dokument eine Diskussion innerhalb des Silicon Valleys ausgelöst habe.[35]

In einer Glosse in der Welt meinte Anett Selle, im gleichen Stil könne man begründen, warum Männer aufgrund ihres Körperbaus und geringerer Sprachkompetenz grundsätzlich schlechte Journalisten seien.[36]

Kritik an der Berichterstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David Brooks bezeichnete in einer Gastkolumne in der New York Times die Berichterstattung über das Google Memo als „grauenhaft“: „The coverage of the memo has been atrocious“. Der Mob, der derzeit Damore jagen würde, wäre wie die Mobs, die man zuletzt auf den (amerikanischen) Campussen gesehen habe.[8]

Conor Friedersdorf schrieb in The Atlantic, dass er sich nicht erinnern könne, wann das letzte Mal so viele Abnehmer und Einschätzer eines Textes, den jeder besaß, so viele Aspekte falsch charakterisieren konnten.[37]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen im Memo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

James Damore bezog sich in seinem Memo auf folgende Quellen:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Samantha Schmidt: ‘I’m not a sexist’: Fired Google engineer stands behind controversial memo. In: The Washington Post. 12. August 2017, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  2. Ashley Feinberg: Internal Messages Show Some Googlers Supported Fired Engineer’s Manifesto. In: Wired. 8. August 2017.
  3. Sarah Emerson: Google on Anti-Diversity Manifesto: Employees Must 'Feel Safe Sharing Their Opinions’. In: Vice. 5. August 2017. Archiviert vom Original am 6. August 2017.
  4. Nora Schareika: Alt-Right mag James Damore. In: n-tv, 10. August 2017
  5. Google sagt Mitarbeitertreffen zu Gender-Text ab. In: Handelsblatt, 11. August 2017
  6. a b Stefan Paravicini: Google wirft Ingenieur aus der „Echokammer“. In: Neue Zürcher Zeitung, 8. August 2017
  7. a b The Google Memo: Four Scientists Respond. In: Quillette. 7. August 2017, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  8. a b c David Brooks: Sundar Pichai Should Resign as Google’s C.E.O.. In: New York Times, 11. August 2017
  9. Prof: Google memo was correct about gender differences. In: Campus Reform. 14. August 2017 (campusreform.org [abgerufen am 16. August 2017]).
  10. Caryl Rivers, Rosalind Barnett: We’ve studied gender and STEM for 25 years. The science doesn’t support the Google memo. In: recode, 11. August 2017
  11. Jonathan Haidt, Sean Stevens: The Google Memo: What Does the Research Say About Gender Differences? In: Heterodox Academy. 11. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.
  12. David P. Schmitt: On That Google Memo About Sex Differences. In: Psychology Today. 7. August 2017, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  13. Brian Feldman: Here Are Some Scientific Arguments James Damore Has Yet to Respond To. In: Select All. 11. August 2017, abgerufen am 12. August 2017.
  14. Peter Singer: Why Google was wrong. In: Daily News. 10. August 2017, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  15. Cynthia Bailey Lee bei der akademischen Literatursuchmaschine Google Scholar
  16. Cynthia Lee: I'm a woman in computer science. Let me ladysplain the Google memo to you. In: Vox, 11. August 2017
  17. Renee Adams an der University of New South Wales
  18. Vanitha Ragunathan an der University of Queensland
  19. Renee Adams, Vanitha Ragunathan: The Google Diversity Memo: It’s still stereotyping—just not the way you think it is! Quillette, 11. August 2017, abgerufen am 13. August 2017.
  20. Nalina Eggert: Was Google wrong to fire James Damore after memo controversy? In: BBC, 9. August 2017
  21. Corinne Schindlbeck: Selbstverständlich ist das sexistisch!. In: Markt&Technik, 8. August 2017
  22. Brian Feldman: Here Are Some Scientific Arguments James Damore Has Yet to Respond To. In: New York Magazin, 11. August 2017
  23. Sam Levin: James Damore, Google, and the YouTube radicalization of angry white men. In: The Guardian, 13. August 2017
  24. A Scientist's Take On The Biological Claims From The Infamous Google Anti-Diversity Manifesto. In: Forbes, 10. August 2017
  25. Suzanne Sadedin: What do scientists think about the biological claims made in the document about diversity written by a Google employee in August 2017? In: Quora, 11. August 2017
  26. Debra Soh: No, the Google manifesto isn’t sexist or anti-diversity. It’s science. In: The Globe and Mail. 8. August 2017, abgerufen am 12. August 2017 (englisch).
  27. Jochen Bittner: Männer und Frauen sind eben unterschiedlich. In: Die Zeit. 17. August 2017, abgerufen am 17. August 2017.
  28. Lin Freitag: Google, wir müssen reden. In: Wirtschaftswoche, 10. August 2017
  29. Angela Gruber: Natürlich besser. In: Spiegel Online, 8. August 2017
  30. Michael Hanfeld: Wie Männer so sind. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. August 2017
  31. Robert Franken: Treibt die Nerds die Angst vor dem Statusverlust?. In: Die Zeit, 9. August 2017
  32. Jessica Tomala: Google und die Frauenfeindlichkeit. In: GIGA, 8. August 2017
  33. Catharina Felke: Abgründe gibt es nicht nur im Silicon Valley. In: Die Zeit, 10. August 2017
  34. Nina Bovensiepen: Die weißen Männer von Google. In: Süddeutsche Zeitung, 9. August 2017
  35. Belinda Grasnick: Der Sexismus im Silicon Valley lebt. In: die tageszeitung, 11. August 2017
  36. Anett Selle: Alle Männer sind schlechte Journalisten. In: Die Welt, 10. August 2017
  37. Conor Friedersdorf: The Most Common Error in Media Coverage of the Google Memo. In: The Atlantic, 8. August 2017