Gopuram

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Gopuram des Sri-Chamundeshwari-Tempels, Mysore

Der Begriff Gopuram (tam. கோபுரம்kōpuram = „Königs-Feste“) bezeichnet in der südindischen religiösen Architektur den Torturm, der den Zugang zu einem von einer Mauer eingefassten Tempelbezirk gewährt.

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gopurams entstanden ab dem späten 7. Jahrhundert im südindischen Gebiet des heutigen Tamil Nadu (z. B. am Kailasanatha-Tempel in Kanchipuram (um 700) oder am Brihadishvara-Tempel in Thanjavur (um 1000)); die meisten stammen jedoch aus jüngerer Zeit. Sie sind ein charakteristisches Merkmal der dravidischen hinduistischen Tempel-Architektur. Sie dienen in erster Linie dazu, den heiligen Bezirk des Tempels weithin sichtbar nach außen hin abzugrenzen und bestehen aus einem durch Nischen gegliederten und mit und Wächterfiguren (dvarapalas) geschmückten Steinsockel, auf dem ein in Stein und Stuck ausgeführtes gestuftes, meist mit überbordendem Figurenschmuck versehenes Dach ruht. Der obere Abschluss wird meist von quergelagerten Langdächern gebildet, deren Frontseiten reich verziert sind.

Die nach oben verkürzenden Stockwerke der jüngeren Gopurams sind durch seitlich angebrachte Treppenstufen innen begehbar. Die zentralen Öffnungen im Zentrum jedes Stockwerks gestatten dabei beeindruckende Blicke über den Tempel und über die jeweilige Stadt. Gopurams waren zu Beginn Einzelbauten; später jedoch wurden zwei und sogar vier Tempelzugänge in allen vier Himmelsrichtungen errichtet. Größere Komplexe, so genannte „Tempelstädte“, weisen mehrere konzentrische Ringe von Umfassungsmauern mit zentralen Gopuram-Zugängen auf. Die Größe der Gopurams nimmt dabei von außen nach innen ab.

In Deutschland existiert bisher ein Tempel mit einem Gopuram in Originalform, und zwar der Sri-Kamadchi-Ampal-Tempel Hamm. Weltweit werden noch heute von gläubigen Tamilen mit Gopurams ausgestattete Tempel errichtet.

Gopurams in Südostasien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch in den südostasiatischen Regionen des heutigen Kambodscha, Vietnam und Thailand, die schon früh von indischer Kultur und Religion beeinflusst wurden, bildeten Gopurams die Zugangsportale von Tempelanlagen. Ausgehend von Angkor wurden sie, obwohl ursprünglich aus dem Hinduismus kommend, auch auf buddhistischen Tempelarealen errichtet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Torana – freistehende Tore bei nordindischen Tempeln
  • Torii – freistehende Tore zu japanischen Schreinen, die die Grenze zwischen heiligem und profanem Bereich markieren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Emily Cole (Hrsg.): Stilformen und Epochen der Weltarchitektur. Fleurus Idee, Köln 2005, ISBN 3-89717-350-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gopurams – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien