Gorazd von Mähren

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Der heilige Gorazd von Mähren (slowakisch: Svätý Gorazd, tschechisch: Svatý Gorazd) war ein mährischer Priester, Gelehrter und Schüler Methods, welcher Gorazd 885 kurz vor seinem Tod zu seinem Nachfolger als Erzbischof des Mährerreiches bestimmte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darstellung des heiligen Gorazd aus dem 17. Jahrhundert

Über das Leben des Sohnes großmährischer Adeliger gibt es wenige Informationen. Von den Eltern, die in Močenok in der Nähe von Nitra (Slowakei, dt. Neutra) gewohnt haben sollen, wurde er für die kirchliche Laufbahn vorgesehen, das Studium erfolgte bei fränkischen Geistlichen. Die Priesterweihe erfolgte 868 durch Bischof Formosus in Rom. (Über seine Anwesenheit in Rom zeugt eine schriftliche Notiz im Uspenije Kirilla).

Während der Mission von Kyrill von Saloniki und Method in Großmähren war er einer der ergebensten Schüler des Method von Saloniki. Dieser ernannte ihn auch vor seinem Tod zu seinem Nachfolger als Vorstand der Großmährischen Akademie und als Erzbischof. Er ging davon aus, dass Gorazd die sprachlichen Auseinandersetzungen der Kirche beim Gottesdienst durch seine vermittlerische Gabe beilegen und die Unterstützung des Fürsten Svatopluk I. erhalten würde.

Durch Intrigen des Bischofs Wiching aus Nitra kam es jedoch nicht zu einer Ernennung zum Erzbischof. Vielmehr wurde Gorazd mit anderen Schülern Methods auf der Synode (?) 886 der Ketzerei beschuldigt und inhaftiert. Über sein Schicksal in den Folgejahren gibt es keine Informationen. Man vermutet, dass er entweder mit anderen Schülern aus Großmähren verjagt wurde, oder dass er als einheimischer Adeliger in der Heimat blieb und sich auf eine Burg zurückzog.

Als Mojmír II. mit Hilfe des Papstes die großmährische Kirche erneuerte, wurden 899 und 900 drei neue Bischöfe und ein Erzbischof ernannt. Letzterer könnte Gorazd gewesen sein. Nach dem Fall Großmährens flüchtete er wohl mit den Bischöfen nach Wislanien (Weichsel-Gebiet, heute etwa Kleinpolen). Andere Quellen sprechen von einer Flucht nach Böhmen oder auch Bulgarien.[1]

Gorazd wurde später heiliggesprochen. Sein Gedenktag als einer der „Fünf von Ochrid“, auch die „Fünfzahl“ genannt, ist der 27. Juli.[2][3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Gorazd mit dem Leben des hl. Method vertraut und sein enger Begleiter war, spricht einiges dafür, dass er der Autor der Pannonische Legende Leben des Method ist.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ľ. Bosák, P. Kýška, Lúč: Svätý Gorazd – Učený muž našej zeme. Bratislava 2004.
  • J. Kuzmík: Gorazd Sloviensky: Teologické studie. Odkaz Soluňských bratří. Sborník k 1100. výročí úmrtí sv. Metoděje, 88–93, Prag 1979.
  • F. Janhuba: Žáci svatých Cyrila a Metoděje: Teologické studie. Odkaz soluňských bratří. Sborník k 1 100. výročí úmrtí sv. Metoděje, 94–105, Prag 1987.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dvorník, Francis: Byzantine Mission among the Slavs: SS. Constantine-Cyril and Methodius. Rutgers University Press, New Brunswick, New Jersey 1970, ISBN 0-8135-0613-1, S. 198–202 (englisch, 484 S.).
  2. Das Synaxarion - die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche. In 2 Bänden. Gestützt auf die 6-bändige Ausgabe des Hl. Klosters Simonos Petra. Zweiter Band. März bis August. Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers, Chania (Kreta) 2006, ISBN 960-88698-0-3, S. 638 f.
  3. Nikolaj Velimirović: Der Prolog von Ochrid. Verlag Johannes A. Wolf, Apelern 2009, ISBN 978-3-937912-04-2, S. 485.
  4. Vavřínek, Vladimír: Staroslověnské životy Konstantina a Metoděje. In: Rozpravy Československé Akademie Věd. Nakladatelství Československé Akademie Věd (NČSAV), Praha 1963, S. 3–9 (tschechisch, 123 S., mit französischem Resume).