Gorkowski Awtomobilny Sawod

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GAZ-Emblem an einem Wolga
Ein GAZ 31105 Wolga
GAZ-69A
Ein Pobeda in einer Straße von Mzcheta (Georgien).

Gorkowski Awtomobilny Sawod (russisch Горьковский автомобильный завод (ГАЗ); deutsch: Gorkier Automobilwerk) ist ein russischer Automobilkonzern mit Sitz in Nischni Nowgorod (ehemals Gorki). Gegründet wurde GAZ 1932 als Resultat des ersten Fünfjahrplans der Sowjetunion. Bis 1932, dem Jahr der Umbenennung Nischni Nowgorods in Gorki, war das Werk unter dem Namen Nischnegorodski Awtomobilny Sawod (russisch Нижегородский автомобильный завод (НАЗ)) bekannt.

Viele Jahre trug das Werk zusätzlich den Beinamen W. M. Molotow, nach dem Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, worauf der Buchstabe M in verschiedenen Typenbezeichnungen zurückgeht. Heute gehört GAZ zur GAZ-Gruppe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem der Fünfjahrplan 1928–1932 besondere Aufmerksamkeit auf die bis dahin wenig entwickelte Automobilproduktion legte, schloss der Oberste Wirtschaftssowjet 1929 ein Abkommen mit dem amerikanischen Autobauer Ford, von dem Produktionsanlagen importiert und Lizenzen für die ersten Modelle übernommen wurden. Der Autoschlosser Andrei Aleksandrowitsch Lipgart, der nach Hochschulbesuch 1930 zum Studium der US-Autoindustrie in die USA entsendet worden war, wurde 1933 Chefkonstrukteur von GAZ und blieb es bis 1951. Er zeichnete sich nicht nur durch hohe technische Kreativität, sondern auch durch sehr gute Führungsfähigkeiten aus.[1]

GAZ wurde eine der größten Autofabriken der Russischen Sowjetrepublik; nachdem im Jahr 1930 mit dem Bau der Fabrikanlagen begonnen wurde, lief die Produktion im Jahr 1932 an. In den Vorkriegsjahren wurden vor allem Lastwagen, etwa der 1,5-Tonner GAZ-AA, aber auch Personenwagen wie der GAZ-A oder der GAZ-M1 (seit 1936) gebaut. Letzterer wird auch als Emka bezeichnet und basiert auf dem V8-40 von Ford. Während des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Zweiten Weltkrieg produzierte GAZ nur noch LKW für die Kriegsindustrie. GAZ wurde 1941 und 1971 mit dem Leninorden ausgezeichnet, 1944 mit dem Rotbannerorden und 1945 mit dem Orden des Großen Vaterländischen Krieges 1. Klasse.

Ein wichtiger Konstrukteur war Juri Dolmatowski.[2] Nach 1945 folgten Eigenentwicklungen wie 1946 der GAZ-20 (Pobeda), 1950 der luxuriöse GAZ-12 ZIM und 1954 das Amphibienfahrzeug GAZ-46 auf Grundlage des PKW GAZ-69.

1952 wurde Lipgart nach Konflikten mit Stalin ins Uralski Awtomobilny Sawod, 1953 aber zurück in die Forschung und Motorenkonstruktion nach Moskau versetzt, wo er später ordentliches Mitglied des Akademie der Wissenschaften wurde und 1980 hochgeehrt verstarb.

Im Jahre 1956 begann die Produktion des GAZ-21 (Wolga); seit 1959 wurden die Luxusmodelle GAZ-13 bzw. ab 1977 GAZ-14 (Tschaika) hergestellt.

1959 wurde der leichte Lkw GAZ-56 vorgestellt, der neben dem UAZ-450 D das Angebot verfügbarer Kleintransporter nach oben hin abrunden sollte. Die Nutzlast betrug 1,5 Tonnen. Ein Lkw mit 2,5 Tonnen Nutzlast und 85 PS war der GAZ-52, der 1959 präsentiert wurde und den GAZ-51 ablösen sollte. Daraus wurde auch ein 4-Tonnen-Lkw GAZ-52A mit 110 PS abgeleitet.[3] Die Serienfertigung begann jedoch erst 1966. Die Die Entwicklungen mündeten zunächst im ab 1961 produzierten Typ GAZ-53, der noch bis 1993 hergestellt wurde und entsprechend große Verbreitung fand.

Einen Topseller landete das Unternehmen nach dem Zerfall der Sowjetunion mit dem selbst entwickelten Transporter GAZelle. Mitte der 1990er-Jahre tauchten die ersten Exemplare auf den Straßen Russlands auf und 2007 hatte der Ur-GAZelle und alle auf dieser Plattform basierenden neueren Modelle einen geschätzten Marktanteil von 30–50 %. Der GAZel ist mit einem modifizierten 4-Zylinder-Benzinmotor der zuletzt produzierten Wolga-Modelle ausgestattet (produziert von ZMZ), was dem Fahrzeug einen unökonomisch hohen Benzinverbrauch von 15–20 l/100 km beschert. Daneben wird ein Turbo-Dieselmotor (Magna Steyr) mit 2,1 l Hubraum angeboten, der von ZMZ (Sawolschski Motorny Sawod) in Lizenz gebaut wird. Vereinzelt sind auf dem russischen Markt auch nachträglich auf westliche Turbo-Dieselmotoren umgerüstete GAZel unterwegs.

Neben Kraftfahrzeugen produzierte GAZ außerdem Einzelmotoren, Ersatzteile, Fahrräder, Metallwerkbänke, Metallpressteile und anderes mehr. Seit 2011 fertigte GAZ keine PKW mehr, es wurden nur noch die restlichen GAZ Siber vertrieben.

GAZ wollte in Zusammenarbeit mit der russischen Sberbank und dem kanadisch-österreichischen Automobilzulieferer Magna International beim deutschen Automobilhersteller Opel einsteigen, wie am 29. Mai 2009 bekanntgegeben wurde. GAZ und die Sberbank wollten dabei 35 %, Magna knapp 20 % der Anteile vom bisherigen Besitzer General Motors übernehmen. GAZ beabsichtigte, durch den Einstieg jährlich bis zu einer Million Opel-Fahrzeuge für den russischen Markt zu bauen, nachdem die eigene Produktpalette inzwischen veraltet und beim russischen Kunden nicht mehr gefragt ist. Opel hingegen ist nach einem ZDF-Bericht vom Mai 2009 in Russland aufgrund seiner fortschrittlichen Technologie sehr gefragt und eine „Modemarke“. Am 3. November 2009 wurde der Verkauf von Opel an Magna abgesagt. Der US-Autobauer General Motors (GM) behält bis auf Weiteres sein deutsches Tochterunternehmen Opel. Am 22. Juni 2012 gaben GAZ und Mercedes-Benz die Produktion von Kleintransportern im Werk Nischni Nowgorod bekannt. Gebaut sollen hier ab Mitte 2013 jährlich bis zu 25.000 Einheiten des Mercedes Sprinter T1N der ersten Generation, die Mercedes Benz über sein eigenes Vertriebsnetz in Russland vermarkten will.[4]

Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowjetische Briefmarke mit GAZ-A als Motiv
GAZ-53 als Tankfahrzeug
Bilder eines GAZ-21 Wolga
GAZelle-Marschrutka vom Typ GAZ-22171 in Rostow am Don
GAZ-2975 „Tigr“

PKW und Geländewagen

  • GAZ-A PKW (1932–1936)
  • GAZ-M1 PKW (1936–1942)
  • GAZ-M415 Pickup (1939–1941)
  • GAZ-11-73 PKW (1939–1946)
  • GAZ-61 4×4 Geländewagen (1939–1945)
  • GAZ-64 4×4 Geländewagen (1941–1942)
  • GAZ-67 4×4 Geländewagen (1944–1953)
  • GAZ-M20 Pobeda (1946–1958)
  • GAZ-69 4×4 Geländewagen (1953–1972)
  • GAZ-12 SIM Limousine (1950–1959)
  • GAZ M-21 Wolga Limousine (1956–1970)
  • GAZ-22 Wolga PKW (1962–1970)
  • GAZ-23 Wolga Limousine mit V8 Motor (1962)
  • GAZ-72 Pobeda 4×4 PKW (1955–1957)
  • GAZ-13 Tschaika Limousine (1959–1981)
  • GAZ-14 Tschaika Limousine (1977–1988)
  • GAZ 24 Wolga Limousine (1968–1985)
    • GAZ-24-05 Wolga PKW (1972–1992)
    • GAZ-24-10 Wolga Limousine (1985–1992)
  • GAZ 31 Wolga (1982–2010)
    • GAZ-3102 Wolga Luxuslimousine (1982–?)
    • GAZ-31029 Wolga Limousine (1992–1997)
    • GAZ-310221 Wolga PKW (1997)
    • GAZ-3110 Wolga Limousine (1997–2004)
    • GAZ-3111 Wolga Limousine (1998–2000)
    • GAZ-31105 Wolga Limousine (2004)
  • GAZ-2330 Tigr 4×4 Geländewagen (2005)
  • GAZ Wolga Siber Mittelklasselimousine in Chrysler-Partnerschaft (2008–2010)

Transporter

  • GAZ-3302 GAZel Pickup (1992)
  • GAZ-3221 GAZel PKW (1992)
  • GAZ-2705 GAZel Kompaktvan (1992)
  • GAZelle (Kleintransporter) (seit 1994)
  • GAZ-2752 Sobol Van (1999)
  • GAZ-2217 Barguzin Van (1999)
  • GAZ-22171 Sobol Van (2000)
  • GAZ-L6PFB0-024-9 Maxus VAN (2008–2009)
  • GAZ-L1BFA0-10 Maxus Kleintransporter (2008–2009)
  • GAZelle-Business Kleintransporter (2010–2013)
  • Mercedes Sprinter T1N Kleintransporter (seit 2013)
  • GAZelle NEXT Kleintransporter (seit 2013)

Lkw

GAZ-66

Panzer, militärische Transportfahrzeuge und Ähnliches

  • T-38 leichter Panzer (1937)
  • BA-10 Aufklärungspanzerwagen (1938)
  • T-60 leichter Panzer (1941–1942)
  • T-70 leichter Panzer (1942–1943)
  • T-80 leichter Panzer, Prototypen (1942)
  • BA-64 Panzerspähwagen (1942–1946)
  • SU-76 leichter Selbstfahrlafette (1943–1945)
  • BTR-40 Transportpanzer (1948)
  • GAZ-46 4×4 Amphibienfahrzeug (1953–1958)
  • GT-S Transportfahrzeug
  • GT-SM Transportfahrzeug
  • BTR-60 Transportpanzer (1960–1976)
  • BRDM-2 (GAZ 41-08) Panzerspähwagen (1962)
  • BTR-70 Transportpanzer (1976)
  • BTR-80 Transportpanzer (1984)
  • BTR-90 Transportpanzer (1994)
  • GAZ-3937 Wodnik amphibischer Geländewagen (1997)
  • GAZ-2975 Tigr leichter Radpanzer (2005)
  • GAZ-3344 Gleiskettenfahrzeug (2012)
  • GAZ-3351 Gleiskettenfahrzeug (2012)
  • GAZ-5903V Vetluga

Busse

Prototypen

  • GAZ-WM (1937)
  • GAZ-M73 (1954)
  • GAZ-18 (1954)
  • GAZ-19 (1955)
  • GAZ-3106 (?)
  • GAZ-City Van (2006)

Rennwagen

  • GAZ-A-Aero (1934)
  • GAZ-GL-1 (1938–1940)

GAZ International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

GAZ Siber

GAZ hat im April 2006 in den USA Pressen und sonstige Anlagen eines kompletten Autowerkes erworben. Die Maschinen stammen aus dem DaimlerChrysler-Werk in Sterling Heights, Michigan, und dienten zur Produktion des Chrysler Sebring und Dodge Stratus. Gleichzeitig erwarb GAZ das Recht, auf der Plattform für Mittelklassewagen der Chrysler Group in allen GUS-Staaten Fahrzeuge unter eigener Marke und mit verändertem Design zu fertigen und zu vertreiben. Entsprechende Motoren sollen von Chrysler aus dem Werk im mexikanischen Saltillo geliefert werden. Der GAZ Siber wurde von März 2008 bis Oktober 2010 für den russischen Automobilmarkt produziert. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus.

LDV Maxus Van

GAZ hatte am 31. Juli 2006 den britischen Kleintransporter-Hersteller Leyland DAF Vans (LDV Limited) übernommen. Es sollten neue Kleintransporter und Kleinbusse unter dem Label Maxus bei GAZ produziert werden. Jedoch wurden von 2008 bis 2009 nur Modelle aus Großbritannien importiert bzw. als CKD-Bausatz montiert. Nach der Insolvenz von LDV Limited übernahm SAIC die Rechte und produziert das Modell unter einem eigenen Markennamen in China.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: GAZ – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volker Heyse, G. P. Rjabow, N. J. Bashaikin: Deutsche und Russen im Gouvernement Nischni Nowgorod: Geschichte und Gegenwart. Waxmann, Münster usw. 1995.
  2. Maurice A. Kelly: Russian Motor Vehicles. Soviet Limousines 1930–2003. Veloce Publishing, Dorchester 2011, S. 95.
  3. Die Kraftfahrzeugindustrie der UdSSR im Siebenjahrplan von 1959 bis 1965. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1959, S. 275–279.
  4. Daimler und GAZ starten Sprinter-Fertigung in Russland.

Koordinaten: 56° 14′ 50,9″ N, 43° 53′ 39″ O