Gossel

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Gossel
Landgemeinde Geratal
Wappen von Gossel
Koordinaten: 50° 47′ 54″ N, 10° 51′ 0″ O
Höhe: 490 m
Fläche: 13,61 km²
Einwohner: 460 (31. Dez. 2017)
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2019
Postleitzahl: 99338
Vorwahl: 036207

Gossel ist ein Ortsteil der Landgemeinde Geratal im Ilm-Kreis in Thüringen in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Gossel

Gossel liegt auf dem „Gosseler Plateau“, das zur Ohrdrufer Platte gezählt wird und aus einer etwa 500 Meter hoch gelegenen Muschelkalkformation besteht. Das Gosseler Plateau nimmt den südwestlichen Teil der Gemarkung ein, wo auch der Ort Gossel liegt. Im Norden durchläuft das Jonastal das Ortsgebiet. Es bildet einen reizvollen, knapp 100 Meter tiefen Einschnitt in die Ohrdrufer Platte. Die Gebietsteile nördlich des Jonastals sind bewaldet und gehören zum Truppenübungsplatz Ohrdruf. Im Osten des Ortes zwischen Gossel und dem Nachbarort Espenfeld befinden sich ebenfalls einige Waldgebiete. Westliche Nachbarorte sind Crawinkel und Wölfis, im Süden liegt Liebenstein. Der Thüringer Wald beginnt etwa fünf Kilometer südwestlich des Ortes.

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Amt Wachsenburg, Arnstadt, Plaue, Liebenstein, Crawinkel, Wölfis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gossel wurde 1143 erstmals urkundlich erwähnt. Am 10. Juli 1671 schlugen vier Blitze eines Gewitters ein und entfachten eine Feuersbrunst, wodurch die Kirche nebst ihrem Turm und den vier Glocken, sowie alle „geistlichen und gemeinen“ Gebäude und 34 Häuser (Ställe und Scheunen nicht mitgezählt), in Asche gelegt wurden. Hinzu kam ein Hagelschauer, der die Ernte zunichtemachte. Das geschah nur wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem die durchziehenden schwedischen Truppen den Ort fast völlig niedergebrannt hatten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war der Handel eine wichtige Einnahmequelle: Der Ort verfügte – ähnlich wie sein Nachbarort Crawinkel – über etliche Fuhrleute, die die hiesigen Waren und Produkte nach Norddeutschland sowie über den Thüringer Wald nach Nürnberg und Frankfurt exportierten und auf dem Rückweg Kaffee, Tee, Zucker, Gewürze und andere Waren für Gossel und die Nachbarorte mitbrachten.[1] Ein erneuter Großbrand vernichtete im Jahre 1849 nochmals 19 Wohngebäude und das Pfarrhaus, die Kirche jedoch blieb verschont. Verschont blieb sie auch im Jahre 1945, als sich beim Herannahen der Amerikaner eine Einheit der Waffen-SS im Dorf verschanzt hatte.

Der Ort gehörte zum Amt Wachsenburg, das 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und 1826 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha kam.

1994 kam Gossel zum Ilm-Kreis. Ab 1996 gehörte es der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Geratal an. Der Verwaltungssitz war in der Gemeinde Gräfenroda. Mit Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft am 1. Januar 2019 kam Gossel zur Landgemeinde Geratal.[2]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1843 – 458[3]
  • 1939 – 700[4]
  • 1989 – 558[5]
  • 2005 – 525
  • 2010 – 494
  • 2015 – 465

Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Gossel bestand aus sechs Ratsfrauen und Ratsherren. Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 hatte er folgende Zusammensetzung:[6]

  • CDU 3 Sitze
  • SPD/Wählergemeinschaft Gossel pro SPD: 1 Sitz
  • Traditionsverein Gossel e. V.: 2 Sitze

Ehemaliger Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Andreas Gundermann (CDU) wurde am 5. Juni 2016 mit 65 % der Stimmen wiedergewählt.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet und am 1. März 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.

Blasonierung: „In Schwarz das Brustbild eines Mannes mit goldenem Bart und Haaren im goldenen Gewand und einem mit einer Muschel verzierten goldenen Hut, in beiden Händen einen goldenen gekrümmten Stab haltend, rechts oben begleitet von drei (2:1) goldenen Kugeln; im goldenen Schildfuß drei balkenweise angeordnete schwarze gemeine Kreuze.“

Das Hauptmotiv des Wappens geht auf ein seit dem 17. Jahrhundert verwendetes Siegelmotiv zurück; der heilige Jakobus mit Pilgerstab könnte möglicherweise mit dem ehemals in der Nähe des Ortes vorhandenen Zisterzienser-Nonnenkloster in Verbindung gebracht werden, das als Wallfahrtsort diente. Eine 1909 geschaffene St.-Jakobs-Plastik ist im Ortsbild bis heute erhalten. Die dem Symbol beigegebenen drei Kugeln stehen als Attribute des heiligen Nikolaus für eine nicht mehr existierende Kirche in Gossel, die diesem Heiligen gewidmet war. Die drei Kreuze im Schildfuß symbolisieren drei in der Ortslage vorhandene Sühnekreuze.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienkirche (Lage→)
Jahrestafel an der Kirche

Die Marien-Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts als Klosterkirche erbaut, die heutige Gestalt ist von 1581. Das geht auch aus einer Inschrift hervor, die als Steintafel in der Kirchenwand eingelassen ist. 1675 erfolgte nach dem unter „Geschichte“ geschilderten Brand ein Umbau, mit finanzieller Unterstützung durch Herzog Ernst I. Die Kirche überstand unbeschadet auch einen Großbrand im Jahre 1849 sowie den Einmarsch der Amerikaner in 1945. Allerdings richtete ein Blitzeinschlag am Pfingstsamstag 1992 erheblichen Schaden an Turm, Dach und elektrischer Anlage an, verschonte aber das Kirchenschiff.

Die frühbarocke Ausstattung ist bis 1680 entstanden. Die Emporenfelder sind mit Szenen der biblischen Geschichte geschmückt (1703). Die Kirche bekam um 1860 eine Knauf-Orgel mit einem Prospekt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Ratzmann-Werkstatt. Anlässlich einer Umgestaltung 1979 wurde der Altar aus einer Nische des Chorraums an seine heutige Stelle gerückt und an seinem alten Standplatz eine Taufkapelle eingerichtet.

Die Kirchgemeinde gehört zum Kirchspiel Wölfis.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Ortsfriedhof erinnern Grabstätten und ein Gedenkstein an sieben Personen, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Steinkreuze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinkreuze bei Gossel

Von den ehemals sieben Kreuzen bei Gossel sind heute nördlich des Ortes nur noch drei Steinkreuze vorhanden. Die Standorte der vier fehlenden Kreuze waren 1993 noch nachweisbar. Das Steinkreuznest befindet sich auf dem weithin sichtbaren Berg Ebanotte (517,8 m ü. NN), an dem ein alter Höhenweg vom Thüringer Wald über das Gosseler Plateau und die Alteburg nach Arnstadt führte. Steinwälle auf der Ebanotte lassen auf eine vorgeschichtliche Burgstelle schließen.[9] Der alte Handelsweg ist heute noch als Teil der Verbindung von Gossel nach Espenfeld erhalten: Von der Arnstädter Straße zweigt etwa 200 m hinter dem Ortsende der Weg nach rechts ab und führt über den Nordwesthang der Ebanotte wieder zurück zur Straße nach Espenfeld. Man erzählt sich, dass die Steinkreuze an Wallfahrer erinnern, die nach einem Zechgelage im Wirtshaus in Streit geraten waren und von denen am Ende sieben erschlagen wurden. (Lage →)

Zimmermannskreuz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zimmermannskreuz auf der Ebanotte in Gossel

Auf der Gemarkung von Gossel, abseits der Straße in Richtung Espenfeld auf dem Berg Ebanotte befindet sich noch das Zimmermannskreuz, auch das Einzelne Kreuz genannt. Es soll entweder einen Friedhof kennzeichnen, hier soll jemand erfroren sein oder hier wurde der letzte Waller erschlagen. Genaue Angaben zu dem Kreuz sind jedoch noch bekannt.[10]

Osterpfitzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine langjährige Tradition ist das Osterpfitzen der Burscheninnung seit 1912.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gossel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Galletti: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, Gotha 1780, S. 319
  2. Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr. 14/2018 S. 795 ff., aufgerufen am 1. Januar 2019
  3. Quelle für schwarzburgische und sächsische Orte: Johann Friedrich Kratzsch: Lexicon der sämmtlichen Ortschaften der Deutschen Bundesstaaten. Naumburg, 1843. Online abrufbar bei Google Books. Quelle für preußische Orte: Handbuch der Provinz Sachsen. Magdeburg, 1843. Online abrufbar bei Google Books
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Einwohnerzahlen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Bevölkerungsentwicklung ab 1989 (TLUG) (Memento des Originals vom 29. Oktober 2012 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.tlug-jena.de (PDF; 18 kB)
  6. Thüringer Landesamt für Statistik: Wahlen in Thüringen. Abgerufen am 4. August 2018.
  7. Thüringer Landesamt für Statistik: Wahlen in Thüringen. Abgerufen am 4. August 2018.
  8. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 12; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
  9. H. E. Müllerott: Sagen, Fabeln und romantische Geschichten aus dem mittleren Thüringer Wald und dessen Vorland. Arnstadt 1995/1996, ISBN 3-910132-54-5, S. 66–68.
  10. Steinkreuz Gossel
  11. Hans Michael Schletterer: Scherlitz, Johann Valentin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 31, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 119 f.