Gossel

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Gossel in Thüringen, zum gleichnamigen deutschen Politiker siehe Karl Gossel.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gossel
Gossel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gossel hervorgehoben
Koordinaten: 50° 48′ N, 10° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Oberes Geratal
Höhe: 490 m ü. NHN
Fläche: 13,52 km²
Einwohner: 465 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99338
Vorwahl: 036207
Kfz-Kennzeichen: IK, ARN, IL
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 023
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 2
99338 Gossel
Webpräsenz: www.gemeinde-gossel.de
Bürgermeister: Andreas Gundermann (CDU)
Lage der Gemeinde Gossel im Ilm-Kreis
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Über dieses Bild

Gossel ist eine Gemeinde im Ilm-Kreis in Thüringen in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Gossel

Gossel liegt auf dem „Gosseler Plateau“, das zur Ohrdrufer Platte gezählt wird und aus einer etwa 500 Meter hoch gelegenen Muschelkalkformation besteht. Das Gosseler Plateau nimmt den südwestlichen Teil der Gemarkung ein, wo auch der Ort Gossel liegt. Im Norden durchläuft das Jonastal das Gemeindegebiet. Es bildet einen reizvollen, knapp 100 Meter tiefen Einschnitt in die Ohrdrufer Platte. Die Gebietsteile nördlich des Jonastals sind bewaldet und gehören zum Truppenübungsplatz Ohrdruf. Im Osten der Gemeinde zwischen Gossel und dem Nachbarort Espenfeld befinden sich ebenfalls einige Waldgebiete. Westliche Nachbarorte sind Crawinkel und Wölfis, im Süden liegt Liebenstein. Der Thüringer Wald beginnt etwa fünf Kilometer südwestlich des Ortes.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Amt Wachsenburg, Arnstadt, Plaue, Liebenstein, Crawinkel, Wölfis

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde wurde 1142 erstmals urkundlich erwähnt. Am 10. Juli 1671 schlugen vier Blitze eines Gewitters ein und entfachten eine Feuersbrunst, wodurch die Kirche nebst ihrem Turm und den vier Glocken, sowie alle „geistlichen und gemeinen“ Gebäude und 34 Häuser (Ställe und Scheunen nicht mitgezählt), in Asche gelegt wurden. Hinzu kam ein Hagelschauer, der die Ernte zunichtemachte. Das geschah nur wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem die durchziehenden schwedischen Truppen den Ort fast völlig niedergebrannt hatten. Bis Ende des 18. Jahrhunderts war der Handel eine wichtige Einnahmequelle: Der Ort verfügte – ähnlich wie sein Nachbarort Crawinkel – über etliche Fuhrleute, die die hiesigen Waren und Produkte nach Norddeutschland sowie über den Thüringer Wald nach Nürnberg und Frankfurt exportierten und auf dem Rückweg Kaffee, Tee, Zucker, Gewürze und andere Waren für Gossel und die Nachbarorte mitbrachten.[2] Der Ort gehörte zum Amt Wachsenburg, welches 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha, ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg und 1826 zum Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha kam.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gehört der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Geratal an. Der Verwaltungssitz ist in der Gemeinde Gräfenroda.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Gossel besteht aus acht Ratsfrauen und Ratsherren.

  • CDU 3 Sitze
  • SPD/Wählergemeinschaft Gossel pro SPD: 3 Sitze
  • Traditionsverein Gossel e. V.: 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Andreas Gundermann (CDU) wurde zuletzt am 6. Juni 2010 gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet und am 1. März 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.

Blasonierung: „In Schwarz das Brustbild eines Mannes mit goldenem Bart und Haaren im goldenen Gewand und einem mit einer Muschel verzierten goldenen Hut, in beiden Händen einen goldenen gekrümmten Stab haltend, rechts oben begleitet von drei (2:1) goldenen Kugeln; im goldenen Schildfuß drei balkenweise angeordnete schwarze gemeine Kreuze.“

Das Hauptmotiv des Wappens geht auf ein seit dem 17. Jahrhundert verwendetes Siegelmotiv zurück; der heilige Jakobus könnte möglicherweise mit dem ehemals in der Nähe des Ortes vorhandenen Zisterzienser-Nonnenkloster in Verbindung gebracht werden, das als Wallfahrtsort diente. Eine 1909 geschaffene St.-Jakobs-Plastik ist im Ortsbild bis heute erhalten. Die dem Symbol beigegebenen drei Kugeln stehen als Attribute des heiligen Nikolaus für eine nicht mehr existierende Kirche in Gossel, die diesem Heiligen gewidmet war. Die drei Kreuze im Schildfuß symbolisieren drei in der Ortslage vorhandene Sühnekreuze.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marienkirche (Lage→)
Jahrestafel an der Kirche

Die Marien-Kirche wurde Mitte des 13. Jahrhunderts als Klosterkirche erbaut, die heutige Gestalt ist von 1581. Das geht auch aus einer Inschrift hervor, die als Steintafel in der Kirchenwand eingelassen ist. 1675 erfolgte nach dem unter „Geschichte“ geschilderten Brand ein Umbau, mit finanzieller Unterstützung durch Herzog Ernst I. Die frühbarocke Ausstattung ist bis 1680 entstanden. Die Emporenfelder sind mit Szenen der biblischen Geschichte geschmückt (1703). Die Kirche bekam um 1860 eine Knauf-Orgel mit einem Prospekt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der Ratzmann-Werkstatt. Anlässlich einer Umgestaltung 1979 wurde der Altar aus einer Nische des Chorraums an seine heutige Stelle gerückt und an seinem alten Standplatz eine Taufkapelle eingerichtet.

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Ortsfriedhof erinnern Grabstätten und ein Gedenkstein an sieben Personen, die im Zweiten Weltkrieg nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Steinkreuze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steinkreuze bei Gossel

Von den ehemals sieben Kreuzen bei Gossel sind heute nördlich des Ortes nur noch drei Steinkreuze vorhanden. Die Standorte der vier fehlenden Kreuze waren 1993 noch nachweisbar. Das Steinkreuznest befindet sich auf dem weithin sichtbaren Berg Ebanotte (517,8 m ü. NN), an dem ein alter Höhenweg vom Thüringer Wald über das Gosseler Plateau und die Alteburg nach Arnstadt führte. Steinwälle auf der Ebanotte lassen auf eine vorgeschichtliche Burgstelle schließen.[4] Der alte Handelsweg ist heute noch als Teil der Verbindung von Gossel nach Espenfeld erhalten: Von der Arnstädter Straße zweigt etwa 200 m hinter dem Ortsende der Weg nach rechts ab und führt über den Nordwesthang der Ebanotte wieder zurück zur Straße nach Espenfeld.

Osterpfitzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine langjährige Tradition ist das Osterpfitzen der Burscheninnung seit 1912.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gossel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Galletti: Geschichte und Beschreibung des Herzogthums Gotha, Gotha 1780, S. 319
  3. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 12; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X
  4. H. E. Müllerott: Sagen, Fabeln und romantische Geschichten aus dem mittleren Thüringer Wald und dessen Vorland. Arnstadt 1995/1996, ISBN 3-910132-54-5, S. 66–68.
  5. Hans Michael Schletterer: Scherlitz, Johann Valentin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 31, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 119 f.