Gotische Baurisse

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Gotische Baurisse
Weltdokumentenerbe Emblem UNESCO-Weltdokumentenerbe

St. Stephan - Singertorvorhalle a.jpg
St. Stephan – Singertorvorhalle
Staat(en): OsterreichÖsterreich Österreich
Bestand: 282 Blätter
Zeitraum: 1150 bis 1550
Aufbewahrung: Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
Register-Link: Collection of Gothic Architectural Drawings
Aufnahme: 2005  (Sitzung 7)

Die Gotischen Baurisse, eine Sammlung von Architekturzeichnungen im Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien, wurden 2005 in das Weltdokumentenerbe Österreichs aufgenommen. Die Sammlung umfasst die Inventarnummern 9.707[1]; 10.931, 16.816 – 17.053; 17.055 – 17.069; 17.071 – 17.096; 17.101; 17262; 35.043 – 35.045.

Die Akademie der bildenden Künste besitzt mit 427 Zeichnungen (282 Blätter, die aber teilweise Zeichnungen auf der Vorder- und Rückseite aufweisen) den weltgrößten Bestand an gotischen Baurissen, von denen es insgesamt weniger als 500 gibt. Es handelt sich um die ältesten überkommenen Bauzeichnungen weltweit; ein Drittel sind Pergamente, die übrigen Papiere. Ihre Größe variiert zwischen 5 cm und 4,50 m. Die Zeichnungen tragen dazu bei, die Arbeit der mittelalterlichen Bauhütten zu rekonstruieren. Neben großen, minutiös ausgeführten Präsentationsplänen umfasst die Sammlung auch alltägliche Zeichnungen, flüchtige Skizzen, die Rückschlüsse auf die Entwurfsarbeit und den theoretischen Unterricht der Bauhütten zulassen.

Im 18. Jahrhundert wurde der Bestand an Plänen der Wiener Dombauhütte als nutzlos angesehen – bis auf wenige Pergamente, die man für verkäuflich hielt – und im Militärarsenal eingelagert. Als der Akademie 1787 eine Sammlung von „gotischen Altertümern“ angeboten wurde, konnte diese sich nicht zum Kauf entschließen. Anders der Hofsteinmetz Franz Jäger der Ältere (1743–1809): er erkannte die Bedeutung gotischer Baurisse für zeitgenössische Architekten. Er selbst griff zum Beispiel bei seiner Entwurfsarbeit für die Franzensburg in Laxenburg darauf zurück. Franz Jäger der Jüngere, sein Sohn, erbte die Sammlung und vermachte sie 1837 an die Akademie. Im Jahr 1882 schenkte Prinz Johann von Liechtenstein einen Plan des Sebaldusgrabs in Nürnberg. Der Plan für den Nordturm des Stephansdoms wurde im Austausch für mehrere Gemälde vom Museum in Brno nach Wien transferiert.

Die Wiederaufbau- und Restaurierungsarbeiten am Wiener Stephansdom wurden durch die Sammlung gotischer Baurisse wesentlich erleichtert. Auch die Forschung zu den Domen in Straßburg, Köln, Prag, Regensburg, Ulm und Augsburg und zum gotischen Kirchenbau überhaupt stützt sich auf dieses Material. Architekten der Neogotik studierten diese Pläne, wie sich beispielsweise an der St. Matthias-Kathedrale in Budapest (Frigyes Schulek, 1865) erkennen lässt.

Auf internationalen Ausstellungen wurden Pläne aus der Sammlung gotischer Baurisse bereits mehrfach der Öffentlichkeit präsentiert:

  • Die Parler (Köln, 1978);
  • Les Bâtisseurs des Cathédrales (Straßburg, 1989);
  • The Crown of Bohemia (New York, 2005; Prag, 2006);
  • Der Dombau von St. Stephan – Die Originalpläne aus dem Mittelalter (Wien Museum, 2011).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Koepf: Die gotischen Planrisse der Wiener Sammlungen (= Studien zur österreichischen Kunstgeschichte. Band 4), Wien 1969.
  • Johann Josef Böker: Architektur der Gotik: Bestandskatalog der weltgrössten Sammlung an gotischen Baurissen (Legat Franz Jäger) im Kupferstichkabinett der Akademie der Bildenden Künste Wien; mit einem Anhang über die mittelalterlichen Bauzeichnungen im Wien-Museum Karlsplatz. Pustet, Salzburg / München 2005. ISBN 978-3-7025-0510-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gotische Baurisse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein beidseitig bezeichneter Magazinfund; bei Koepf nicht erfasst.