Gottfried Wolters

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gottfried Wolters als Singstundenleiter

Gottfried Wolters (* 8. April 1910 in Emmerich; † 25. Juni 1989 ebenda) war ein deutscher Chorleiter und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er begann ein Musikstudium an der Universität zu Köln, schloss aber 1933 seine Dissertationsschrift über Johann Baptist Vanhal als Sinfoniker nicht ab.[1] Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten arbeitete er als Lektor beim P. J. Tonger Verlag in Köln und daneben freischaffend als Komponist und Chorleiter.[1] Zum 1. Mai 1933 wurde er Mitglied der NSDAP und unter der Parteinummer 2.227.516 registriert. Allerdings wurde er 1934 gestrichen, da er die monatliche Meldung versäumt hatte.[1] Seit 1934 trat er als Komponist von HJ-Hymnen und -Liedern hervor.[2] Als Gaumusikreferent der Deutschen Arbeitsfront[2] war er bereits während der späten 1930er und beginnenden 1940er Jahre als Singleiter tätig.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er zur Kriegsmarine eingezogen.[2] Sein zusammen mit Hugo Wolfram Schmidt herausgegebenes Liederbuch Uns geht die Sonne nicht unter. Eine Auswahl der meistgesungenen Lieder der Jugend (1935) wurde in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[3]

In den Nachkriegsjahren gründete er in Hamburg den Norddeutschen Singkreis, einen gemischten Chor. Mit diesem führte er von Johann Sebastian Bach die Johannespassion und die Matthäuspassion, von Hugo Distler die Choralpassion und das Mörike-Chorliederbuch, von Günter Bialas Im Anfang und viele weitere ernste moderne und barocke Werke auf. Seine besondere Liebe galt dem deutschen und etwas später dem europäischen Volkslied, welches er mit eigenen Instrumentalsätzen bei den monatlich stattfindenden Offenen Singstunden in Hamburg mit seinem Chor und dem Publikum gemeinsam sang. Weltliche Musik vom Madrigal bis zu Vokalmusik von Paul Hindemith war ein anderer Schwerpunkt. Mit anderen europäischen Chorleitern gründete er in den frühen 1960er Jahren die Bewegung Europa Cantat und hatte aktive Verbindung mit der französischen Chorbewegung À Cœur Joie und dem Chorleiter César Geoffray.

Er veranstaltete zahlreiche Lehrgänge und Singwochenenden und wurde Leiter des Arbeitskreises Musik in der Jugend (AMJ). Er war Lektor für den Möseler Verlag in Wolfenbüttel und gab die Liedblattreihe Das Singende Jahr heraus. Später folgte das mehrbändige Werk Ars Musica Band I–V mit vielen Chorsätzen und einstimmigen Volksliedern sowie das Chorbuch Romantik.

Sein kompositorisches Schaffen umfasst einstimmige und mehrstimmige, meist weltliche Lieder. Es gibt einige Schallplattenaufnahmen seiner Aufführungen. Auch für den Rundfunk hat Wolters Volkslied-Sendungen mit dem Chor vorbereitet. Die Bachsche Johannespassion erarbeitete er auch mit dem Konzertpublikum, indem er die Choräle in gemeinsamen Proben vorher einstudierte, sodass alle bei der Aufführung mitsingen konnten. Außer seiner intensiven Chorarbeit war es sein Ziel, die Menschen in West- und Osteuropa durch Reisen und große Singtreffen zueinander zu führen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945, CD-Rom-Lexikon, Kiel 2004, S. 7.914.
  2. a b c Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 675.
  3. http://www.polunbi.de/bibliothek/1948-nslit-s.html