Gotthard Erler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gotthard Erler (1993)

Gotthard Erler (* 20. Juni 1933 in Meerane) ist ein deutscher Literaturhistoriker, Verleger sowie Fontaneforscher und -herausgeber.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gotthard Erler ist auf einem Bauernhof in Waldsachsen (zwischen Meerane und Crimmitschau gelegen) aufgewachsen. Mitten durch den Hof verlief die alte Grenze zwischen Thüringen und Sachsen. Er besuchte die Oberschule in Meerane. Schon als Schüler arbeitete er als Reporter und gestaltete Features beim Meeraner Stadtfunk. Von seinem Deutschlehrer wurde er ermuntert, Germanistik zu studieren. So begann er an der Universität Leipzig bei Hans Mayer und Hermann August Korff das Germanistikstudium. Seine von Korff betreute Staatsexamensarbeit schrieb er 1954 über Theodor Fontane und dessen Gesellschaftsromane. Nach dem Studium arbeitete Erler von 1955 bis 1959 bei verschiedenen Zeitungen und Rundfunksendern der DDR, seit 1956 als freier Mitarbeiter für den Aufbau-Verlag, wo er unter anderem 1959 als Mitarbeiter von Hans Kaufmann bei der Vorbereitung einer zehnbändigen Heine-Ausgabe tätig war. 1964 erfolgte seine feste Anstellung beim Aufbau-Verlag. Dort wirkte er als Lektor und Herausgeber auf dem Gebiet der Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts und ab 1975 als Leiter des Klassik-Lektorats. Mit einer Dissertation zum Thema Konzeptionelle und editionstechnische Aspekte von Lese- und Studienausgaben, in Verbindung mit vorgelegten Editionen bei Hans Jürgen Geerdts wurde Erler 1978 von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald promoviert. 1980 reiste Erler im Auftrag von Buchexport Leipzig zur Welttagung der Germanisten nach Basel, was in der DDR für ein Nichtmitglied der SED schon eine Besonderheit darstellte. Erler war seit 1990 Cheflektor und von 1992 bis zu seiner Pensionierung 1998 Geschäftsführer des Aufbau-Verlages. Er lebt in Berlin und ist verheiratet mit der Lektorin Therese Erler.

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit zahlreichen Brief- und Werkausgaben hat Erler seit Ende der 1960er Jahre nicht nur der Fontane-Forschung wichtige Impulse vermittelt, sondern auch zur Verbreitung und Popularisierung von Fontanes Werken entscheidend beigetragen: So mit der 1969 herausgekommenen Ausgabe der Romane und Erzählungen Fontanes in 8 Bänden, später mit der Ausgabe der Wanderungen durch die Mark Brandenburg in 6 Bänden (1976–1987) und der Autobiographischen Schriften in 4 Bänden (1982). Erfolgreich und mehrfach aufgelegt wurde Erlers Ausgabe von Fontanes Briefen in zwei Bänden (zuerst 1968 in der Reihe Bibliothek Deutscher Klassiker des Aufbau-Verlages). Viel Beachtung fand der 1969 nach der Handschrift neu herausgegebene Nachlassroman Mathilde Möhring, dessen Ausgabe inzwischen durch die Edition von Gabriele Radecke (2008) überholt ist. Seit 1994 erscheint in Zusammenarbeit mit dem Theodor-Fontane-Archiv Potsdam im Aufbau-Verlag die von Erler angeregte und herausgegebene Große Brandenburger Ausgabe (GBA) der Werke Fontanes, die auf etwa 75 Bände veranschlagt ist. Mit Abschluss der Abteilungen Das erzählerische Werk und Tage- und Reisetagebücher wird die GBA nunmehr unter der Leitung von Gabriele Radecke und Heinrich Detering fortgeführt. Die Abteilungen Das autobiographische Werk, Das reiseliterarische Werk und Das kritische Werk werden fortan von einem interdisziplinären Mitarbeiterteam an der Theodor Fontane-Arbeitsstelle, Universität Göttingen, erarbeitet. Innerhalb der GBA fand besonders Erlers Edition des Ehebriefwechsels[1] eine enorme Resonanz. Großen Erfolg erreichte er schließlich auch mit einer Biografie von Emilie Fontane.[2]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 erhielt Gotthard Erler mit einem Kollektiv des Aufbau-Verlages vom Vorsitzenden des Staatsrats der DDR Walter Ulbricht den Nationalpreis für „beispielhafte verlegerisch-schöpferische Leistungen bei der Entwicklung und Herausgabe der sozialistischen deutschen Nationalliteratur unter Einbeziehung des progressiven humanistischen Erbes der deutschen Klassik“.[3]

2014 wurde ihm für sein „langjähriges Engagement als Verleger im Aufbau-Verlag und als Literaturhistoriker“ von Bundespräsident Joachim Gauck das Verdienstkreuz am Bande (Bundesverdienstkreuz) verliehen. Dabei wurde besonders „sein auch persönlich großartiger Einsatz für die Edition und Herausgabe der Werke Fontanes“ hervorgehoben.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 3 Bände, 1998
  2. Gotthard Erler: Das Herz bleibt immer jung. Emilie Fontane. Biographie. Berlin 2002
  3. Fontane-Blätter. Band 2, Heft 2, 1972, S. 452
  4. Pressemitteilung des Presse- und Informationsamt des Landes Berlin vom 22. Januar 2014