Gotthold Schneider

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Gotthold Schneider (* 1899 in Chemnitz; † 1975 in Höchenschwand (Schwarzwald)) war ein deutscher Buchhändler, Kunstsachverständiger, Mitbegründer und Direktor des Kunstdienstes der evangelischen Kirche, Kunstreferent der NS-Regierung, als Vertrauter des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels beteiligt am Verkauf von NS-Raubkunst, nach 1945 in Darmstadt Gründer eines privaten „Instituts für neue technische Form“.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schneider wurde in Chemnitz in einer evangelisch-kirchlichen Familie geboren. Nach dem Besuch der Volks- und einer weiterbildenden Schule erlernte er den Beruf des Buchhändlers. Im Jahre 1928 gehörte er zu den Mitbegründern des „Evangelischen Kunstdienstes“, der in Dresden entstand.[1]

Im Jahre 1933 wurde er von Joseph Goebbels zum Kunstreferenten für kirchliche Kunst berufen und stieg – obwohl nicht Mitglied der NSDAP – nach kurzer Zeit zum Amtsstellenleiter im „Reichsamt für kirchliche Kunst in der Deutschen Evangelischen Kirche“ auf. Seit 1934 war er auch Kunstreferent bei der Reichsregierung. Seine Aufgabe, international bedeutsame Kirchenkunst-Ausstellungen zu arrangieren, nahm er als Organisationstalent mit Engagement und Findigkeit wahr: z. B. 1933/34 in Chicago die Mitwirkung bei der Weltausstellung, ebenso wie bei der in Paris 1937. Zwischen 1937 und 1943 gab er 14 „Werkstattberichte“ über Künstler und Kunsthandwerker heraus.

Seit 1938 war er führend beteiligt an der Aufgabe, die durch die Aktion „Entartete Kunst“ geraubten Kunstwerke an ausländische Kunstinteressenten zu veräußern. Die Möglichkeit, den Zugang zu einer Unzahl in Depots gespeicherter Gemälde und Graphiken zu haben, nutzte er wie andere Kunstdienst-Mitarbeiter aus, um zum Ende des Zweiten Weltkrieges eine unbekannte Zahl zur persönlichen Verwertung beiseitezuschaffen.

Nach einer Zeitspanne des Suchens nach einer neuen Existenzmöglichkeit gründete er am 10. Dezember 1952 in Darmstadt das „Institut für neue technische Form“, für das er den Bundespräsidenten Theodor Heuss als Schirmherr gewann. Dieser hatte den von ihm mitgeführten „Werkbund“ 1933 gleichgeschaltet, so dass er im Kunstdienst aufgehen konnte. Durch seine erste große Nachkriegsausstellung „Mensch und Technik“ war Schneider bekannt geworden weit über seinen Darmstädter Kunstverein hinaus.[2]

Schneider wurde weiterhin beauftragt zur Einrichtung der Sonderschauen „Gute Form“ bei den Frankfurter Herbstmessen. Im Jahre 1958 gehörte er zu den Juroren der deutschen Auswahlkommission für die Ausgestaltung des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung in Brüssel.

Schneider war verheiratet und hatte Kinder.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Werkstattbericht 1 über Th.A.Winde, Dresden, „Arbeiten in Holz“
  • Werkstattbericht 2 über J.Schramm, Berlin, „Geschmiedete Arbeiten“
  • Werkstattbericht 3 über S.Möller, Bremen, „Fayencen
  • Werkstattbericht 4 über W.Wagenfeld, Weißwasser, „Formgebung der Industrieware – Metall, Glas, Porzellan“
  • Werkstattbericht 5 über S.Prütz, „Der Schmiedemeister und Handwerkspfleger Prütz“
  • Werkstattbericht 6 über H.Siegel, „Handpuppen und Marionetten“
  • Werkstattbericht 7 über A.Müller-Hellwig, „Teppiche und Wandbehänge“
  • Werkstattbericht 8 über J.Gerbers, Hamburg, „Buchbinderarbeiten“
  • Werkstattbericht 9 über K.Hentschel, Großschönau/Oberlausitz, „Die Großschönauer Werkstätten“
  • Werkstattbericht 10 über H.Gretsch, Stuttgart, „Industrielle Formgebung“
  • Werkstattbericht 11 über B.Mauder, Zwiesel, „Glaserzeugung und Glasveredelung“
  • Werkstattbericht 12 über H.Mattern, „Planung und Gestaltung von Gärten“
  • Werkstattbericht 13 über F.Kühn, Berlin, „Schmiedearbeiten“
  • Werkstattbericht 14 über S.von Weech, „Entwürfe, Graphik, Textilien“

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Prolingheuer, Hitlers fromme Bilderstürmer. Kirche & Kunst unterm Hakenkreuz, Dittrich Verlag Köln 2001, S. 35, ISBN 3-920862-33-3.
  2. Ausstellungsverzeichnis. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.wilhelm-loth-stiftung.de. Ehemals im Original; abgerufen am 28. April 2018.@1@2Vorlage:Toter Link/www.wilhelm-loth-stiftung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)